Justizbeamtin im Innehof der U-Haftanstalt Moabit (Bild: imago images)
Bild: imago stock&people

Personalnot in Berliner Strafvollzug - Justizsenator: Zoll wirbt offensiv Gefängniswärter ab

Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) hat eine offensive Abwerbung von Gefängnis-Bediensteten durch den Zoll beklagt. Allein im ersten Halbjahr hätten fünf Mitarbeiter die Vollzugsanstalt Heidering verlassen, um in die Bundesbehörde zu wechseln, sagte Behrendt am Mittwoch im Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses. Dort würden sie wesentlich besser bezahlt und könnten Beamte werden.

Derzeit fehlen im modernsten Berliner Gefängnis Heidering von rund 180 Justizbediensteten laut Angaben zehn. Die Situation sei äußerst angespannt, die Krankenstände unter Berlins Gefängnismitarbeitern seien hoch, sagte Behrendt.

Kürzere Hofgänge wegen Personalmangels

Aus anderen Gefängnissen der Hauptstadt sollen nun 15 Mitarbeiter vorübergehend freiwillig in Heidering aushelfen. Die Bemühungen um bessere Arbeitsbedingungen würden fortgesetzt, versicherte Behrendt. Nach seinen Angaben bildet Berlin derzeit mehr als 300 Anwärter aus. Bei der Bezahlung wolle Berlin bis 2021 den Bundesdurchschnitt erreichen.

Die Gewerkschaft Strafvollzug kritisiert seit längerem, dass in Berlin neu ausgebildete Gefängnis-Mitarbeiter wegliefen. Der Landesvorsitzende Thomas Goiny sagte am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur, der Justizsenator tue zu wenig. Erst in der vorigen Woche legte die Justizverwaltung Zahlen vor, nach denen auch die Angriffe auf Gefängnispersonal zunehmen.

Erst Ende Juli hatte die Justizverwaltung eingeräumt, dass in den Männer-Haftanstalten Tegel, Heidering, Plötzensee oder Moabit Hofgänge und Besuchszeiten für Inhaftierte gekürzt würden, weil das Personal nicht reiche. Im Dezember vergangenen Jahres hatte der Justizsenator berichtet, 300 zu der Zeit beschäftigte Azubis sollten bis 2020 die offenen Stellen vollständig besetzen.

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5 Kommentare

  1. 5.



    "Berlin zahlt unterdurchschnittlich und die Justizmitarbeiter werden nicht verbeamtet und gehen folglich dahin, wo die Arbeitsbedingungen besser sind."

    Stimmt!

    "Ganz offensichtlich: Der Zoll ist schuld!"

    Stimmt auch!

    Denn was Sie wissentlich zum Zwecke der unmoralischen Täuschung vergessen und was auch der Grund für diesen Artikel ist: Der Zoll wirbt die Angestellten aktiv ab. Halten Sie andere wirklich für so doof, Ihren unangebrachten Zynismus nicht zu durchschauen?

  2. 4.

    Also Berlin zahlt unterdurchschnittlich und die Justizmitarbeiter werden nicht verbeamtet und gehen folglich dahin, wo die Arbeitsbedingungen besser sind. Ganz offensichtlich: Der Zoll ist schuld!

  3. 3.

    Die "Klage" des Justizsenators über die vermeintliche Abwerbung von Justizvollzugsbeamt*innen soll im Grunde genommen von seinen eignen Versäumnissen ablenken. So ist es ihm nicht gelungen, die äußerst bedenkliche Krankenheitsquote von nahezu 20 Prozent der etwa 170 im Dienst befindlichen Justizvollzugsbediensteten in der Justizvollzugsanstalt - JVA - Heidering zu senken. Der ständige dienstliche Ausfall von 34 Beamt*innen in der JVA offenbart schwere Versäumnisse bei der Personalbetreuung. Da hilft es auch nicht, dass die JVA lediglich aktuell zu 85 Prozent mit Inhaftierten belegt ist. Insbesondere die Aufgaben der inneren und äußeren Sicherheit müssen unabhängig von der Belegung der JVA ständig wahrgenommen werden. Zudem ist das berufliche Fortkommen in der JVA für die Beamt*innen sehr eingeschränkt. Zwei Drittel der Justizvollzugsbeamten haben in ihrem Berufsleben überhaupt keine Chance auf Beförderung, um den Besoldungsgruppen A 7 und 8 zu entrinnen.

  4. 2.

    Da muß man nicht abwerben. Bei den Verhältnissen würde ich an deren Stelle auch so gehen.

  5. 1.

    Das macht doch nicht nur der Zoll. Abhilfe schaffen und zwar zeitnah, einfach anfangen mit der Besoldung und den Rahmenbedingungen.

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