Zug der Liebe in Berlin am 24.08.2019 (Quelle: Maximilian Schubert)
Video: rbb|24 | 24.08.2019 | Material: Abendschau | Bild: Maximilian Schubert

Mit Technobeats gegen "Meinungsmauern" - Mehr als 10.000 Menschen feiern "Zug der Liebe"

Es hörte sich an wie eine Party, war aber offiziell eine Demonstration. Beim "Zug der Liebe" sind am Samstag mehr als 10.000 Teilnehmer weitgehend friedlich durch Berlin getanzt. Nach der Demo brachten die Massen allerdings den S-Bahnverkehr zeitweise zum Erliegen.

"Save Mauerpark", "Ich tanze für Bier" oder "Für die Liebe auf die Straße", stand auf den Plakaten der Teilnehmer: Mit 25 Musikwagen und Tausenden tanzenden Ravern ist am Samstag der "Zug der Liebe" durch Berlin gezogen. "Deutlich mehr als 10.000 Menschen feiern heute den #zugderliebe", twitterte die Polizei am Samstagabend. Die Veranstalter gaben zunächst keine Einschätzung ab. Angemeldet waren nach Angaben der Polizei 9.500 Menschen.

Unter dem Motto "30 Jahre Mauerfall - Gegen neue Meinungsmauern" zog die Techno-Demo von 13 Uhr an von Treptow aus durch Kreuzberg und Friedrichshain bis zur Elsenbrücke. Dort fand am späten Abend eine Abschlusskundgebung statt. 

S-Bahnhof Ostkreuz nach der Demo völlig überfüllt

Auf den Fahrzeugen präsentierten verschiedene Vereine ihre Themen. Zu ihnen gehören unter anderem die Berliner Obdachlosenhilfe und die Seenotrettungsorganisation Mission Lifeline. Die Themen reichten von Gentrifizierung bis Jugendarbeit und Tierschutz. Viele der Wagen hatten eine politische Botschaft, Banner von politischen Parteien waren jedoch verboten.

Am Nachmittag und Abend kam es zu langen Staus auf den Straßen und chaotischen Szenen im S-Bahnhof Ostkreuz. Tausende Menschen wollten nach dem Ende der Techno-Demo am S-Bahnhof die Gleise überqueren oder mit einem Zug abfahren. In der Folge war der Bahnhof nach Berichten von Zeugen von einer angetrunkenen Menge so überfüllt, dass sich nichts mehr bewegte und die Stimmung zunehmend aggressiver wurde. Der Zugverkehr war zeitweise unterbrochen.

"Es kommt zu einer weiteren Trennung zwischen Ost und West"

Auf das Motto "30 Jahre Mauerfall" seien die Veranstalter gekommen, weil in Köpfen der Menschen immer noch Mauern existieren würden. Die wolle man abbauen. Als Ostkinder hätten sich die drei Gründer des "Zugs der Liebe", Jens Schwan, Martin Hüttmann und Felix Hartmann, leicht auf das Motto geeinigt. "Das Problem ist, dass sich der Osten zurückentwickelt, es zu weiterer Trennung zwischen Ost und West kommt und die Politpropaganda groß ist", sagte Schwan. Mit dem historischen Motto sei die Demo weiterhin gegen Rechts.

Lange hatte es in diesem Jahr danach ausgesehen, als könnte der "Zug der Liebe" nicht stattfinden, weil es an Helfern und an Geld fehlte. Durch Crowdfunding konnten die Veranstalter aber genügend Mittel zusammenbekommen, um etwa GEMA-Gebühren oder die Versicherung zu bezahlen. Auch meldeten sich genug freiweillige Helfer. Vor drei Monaten gaben sie bekannt, dass die Techno-Demo stattfinden kann. 

Im vergangenen Jahr hatten mehr als 50.000 Menschen teilgenommen, allerdings nicht immer friedfertig: Laut Polizei attackierten Teilnehmer Einsatzkräfte und bewarfen sie mit Pyrotechnik. Der "Zug der Liebe" war im Jahr 2015 als Antwort auf Rechtspopulismus und die Pegida-Bewegung gegründet worden.

Sendung: Abendschau, 24.08.2019, 19:30 Uhr

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24 Kommentare

  1. 23.

    Keine Antwort? Sie fragten nach den Ergebnissen der Demo. Und ich erklärte Ihnen, dass Sie die bei sich selber suchen müssen. Schon was gefunden?^^

  2. 21.

    Geändert? Versprachen die Veranstalter und Teinnehmer Änderungen? Ich glaube viele haben das mit den Demos noch nicht ganz verstanden. Manchmal geht es auch nur darum, wach zu rütteln, ein Statement abzugeben. Ich habe nirgends vernommen, dass Veränderungen (...) folgen sollten. Ach ja, stimmt ja...doch. Es sollte sich etwas verändern. Aber nicht von Seiten der Demonstranten. Die sind nämlich schon dabei. Stimmt ja. Sondern von uns. Haben Sie sich verändert? Nein? Warum nicht??? :-)

  3. 19.

    Fietbäck: Wat hat sich nu jeändert?

  4. 18.

    Meine kleine Beobachtung von vor Ort: Ein probates Mittel gegen Wildpinkler am Rande des Zugs der Liebe wäre gewesen, nicht nur Dixi-Klos aufzustellen, sondern sie auch aufzuschließen... nun ja

  5. 17.

    Super Kommentar. Danke. Natürlich finde auch ich es eine ausgemachte Sauerei, wenn sich Leute sogar noch in Reih und Glied nebeneinander stellen zum Pinkeln, egal wo’s Ihnen gerade passt.

  6. 16.

    Nein, nicht nur in meiner Welt. Sondern tatsächlich. Ich ging davon aus, dass deutlich rüber kommt, dass auch ich das unschön finde. Der Unterschied zwischen solch aufgeregten Meckerfritzen wie Ihnen und mir ist, dass ich nicht naiv und nörgelnd durch die Welt gehe.^^ Sondern versuche der oft unangenehmen Realität trotzdem mit einer gewissen Gelassenheit zu begegnen, damit ich nicht nur noch wütend bin. Das bedeutet nicht, dass ich viele Dinge gutheiße, die eigentlich unschön sind. Übrigens ist das kein "Berlin-Problem". München-Oktoberfest, Köln-Karneval, Demos in vielen Städten aus vielen Gründen usw. Denen geht es genauso. Aber auf Berlin einzudreschen scheint in Mode. Wenn's denn Spaß macht^^...

  7. 14.

    NEIN, Wildpinkeln gehört nicht zu einer Großstadt....vielleicht in Ihrer Welt. Pfui Teufel.
    Wer solch eine "Demo" veranstaltet, muss auch für
    Toiletten sorgen. Aber das ist wieder mal typisch Berlin.
    Ekelhaft.

  8. 13.

    Und das Tag für Tag, Monat für Monat, jahrelang. Und alle anderen Hunde, die danach da schnuffeln auch usw. usw. Aber das ist ja völlig legitim. Außerdem machts ja mehr Spaß sich künstlich über eine kleine, friedliche Demo aufzuregen ;-) Im.Ernst: Das Wildgepinkle ist eine Sauerei. Aber auch das gehört leider zum Großstadtleben. Man muss jetzt auch nicht so ein riesen Ding draus machen.

  9. 12.

    Nee. In Wirklichkeit geht es nur darum, Gift und Galle zu spucken, wo die Toleranz für fehlt. So ein Theater um ein paar Stunden friedliche Demo. Und die Dinge, die uns existenziell bedrohen und belasten, werden hingenommen. Darum geht es.

  10. 11.

    Stimmt. All das ist mir auch bekannt. Bin gut informiert. Habe sogar schon selbst eine Urin-Therapie getätigt. Ist besonders gut für das menschliche Immunsystem. Aber pinkeln Leute draußen immer an gleicher Stelle? Mitnichten. Hunde aber schon.

  11. 10.

    Dann bitte auch die Sauermacher, wie zb Beton und Kfz mit einbeziehen. Die sind auch aggressiv.
    Aber jetzt geht's mal um Menschenpipi, der so ganz ohne Liebe von den Liebenden ausgepresst wurde.

  12. 9.

    Nee - Urin besteht zu einem großen Teil aus Salzen (Nitraten) und Giftstoffen, die über die Nieren ausgeschieden werden - somit kann Urin/Pipi/Pisse (oder wie und von wem auch immer) kein Dünger sein.
    Also: egal ob Hund oder Mensch - desjenigen Pipi ist nicht gesund für Baum und Busch.
    Meine Hunde lasse ich prinzipell NICHT an Bäume pinkeln, gerade, weil es andere doch zulassen (würg) bekommen beispielsweise unsere beiden Straßenbäume vorm Haus jeden trockenen Tag eine Wasserdusche aus der Gießkanne, um dies zu verdünnen bzw. abzuwaschen.
    Meine Hunde kommen mit der Drucktaste der Spülung nicht zurecht (daher müssen sie immer noch raus zum Pinkeln....).
    So - zurück zum Thema: ich kann die Anwohner des betroffenen Gebietes wirklich verstehen - denn es stinkt, ist anwidernd, Deppen dabei zuschauen zu müssen, wie sie ihrer Miniwiener die große weite Welt zeigen müssen, ohne Rücksicht auf Natur und Menschen zu nehmen. Oder zweibeinige Menschen irgendwo hocken zu sehen (ganzdollwürg)

  13. 8.

    Ich verstehe Ihren Ärger schon. Aber kurz hochgerechnet ist das nichts gegen das, was unsere Berliner Fiffis und Bellos tagtäglich ablassen. Die Demo ist 1x/Jahr. Also Schwamm drüber, oder beides in die Waagschale werfen.^^

  14. 7.

    Urin ist mitnichten der beste Dünger. Vor allem nicht wenn er vom Menschen kommt. Der menschliche Urin unterliegt erheblichen Schwankungen und seine Zusammensetzung ist abhängig von Ernährung, Konsum von Drogen oder Medikamenten jedweder Art und anderen Faktoren. Beim entsprechenden ph—Wert, „verbrennen“ ihre Pflanzen regelrecht. Urin muss mindestens im Verhältnis 1:10 verdünnt werden und der pH—Wert muss vorher gemessen werden.

    Also bitte erst informieren, bevor sie Halbwahrheiten posten.

  15. 6.

    Sie haben vergessen zu erwähnen, dass es überwiegend die Hunde sind, die Ihren schönen Blickwinkel vorm Fenster verschandeln. Diese Demo findet nur einmal im Jahr statt. Im übrigen ist Urin immernoch der beste und sogar billigste Dünger schlechthin. Wohingegen Hunde immer an gleicher Stelle ihre Briefe ablegen( wie z.B. an Baumrinden), gelle?

  16. 5.

    Hitze + Hinkommen + Hampeln + Herumhüpfen = Harndrang.
    Mit ein Grund, warum ich sowas ablehne.
    Es geht nur darum, sich auszutoben und diesem Quark ein allgemeinverträgliches Etikett anzuheften (das aber niemanden interessiert).
    Über das Wenn und Aber nachzudenken, ist aber nicht hip.

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