Lehrerin mit Schülern in Berlin (Bild: imago images/Halfdark)
Audio: Inforadio | 11.09.2019 | Thorsten Gabriel | Bild: imago images/Halfdark

Bildung in Berlin - Kommission für mehr Schulqualität gestartet

Ein von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) einberufenes Gremium für mehr Schulqualität hat am Mittwoch die Arbeit aufgenommen. Die sogenannte Qualitätskommission unter der Leitung des Kieler Bildungsforschers Olaf Köller tagte zum ersten Mal.

Die acht Expertinnen und Experten verschiedener deutscher Universitäten sollen die Umsetzung eines Anfang des Jahres beschlossenen Maßnahmenkatalogs begleiten. Dazu zählen mehr Deutsch- und besserer Mathematikunterricht an Grundschulen.

Scheeres hofft auf konkrete Verbesserungen

Scheeres betonte, es sei unbestritten, dass Berlin eine zu hohe Schulabbrecher-Quote habe und die Leistungsdaten vor allem an Schulen in schwierigen Lagen hinter den Erwartungen zurückblieben. Man wolle mit Hilfe der Kommission konkrete Verbesserungen erreichen. Erste Empfehlungen soll die Kommission noch in diesem Jahr abgeben.

Köller kündigte an, schon gleich zu Beginn der Schulzeit Impulse setzen zu wollen. "Berlin wie auch andere Stadtstaaten wie auch die großen Städte in Westdeutschland haben einfach ein Problem, dass sie sehr große Anteile von sozial und kulturell benachteiligten Schülerinnen und Schülern haben und diese Ungleichheit beginnt sehr früh. Die beginnt fast vor der Geburt", so der Kieler Bildungsexperte.

Obwohl Berlin in den vergangenen Jahren deutlich mehr Geld ins Bildungssystem investiert hat, landet die Hauptstadt bei Ländervergleichen noch immer auf hinteren Plätzen. Zudem verlässt jeder Zehnte die Schule ohne Abschluss.

GEW bemängelt falsche Prioritätensetzung

Kritik kommt derweil von der Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin. Die Bildungsverwaltung setze falsche Prioritäten. Bessere Lernergebnisse und weniger Schulabbrecher seien wichtige Ziele, betonte zwar der Vorsitzende Tom Erdmann, am Mittwoch. 

Außerdem ließen die von Scheeres angekündigten Maßnahmen die Rahmenbedingungen in den Schulen außer Acht, wie die steigenden Klassengrößen, den Fachkräftemangel und die Schulsanierung, so Erdmann weiter. Die besten Qualitätskonzepte nützten nichts, wenn Fachkräfte fehlen. Der GEW-Vorsitzende forderte zugleich mehr Wertschätzung und Vertrauen in die Arbeit der Schulen und eine geeignete Unterstützung für sie.

Sendung: rbb88.8, 11.09.2019, 17 Uhr

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4 Kommentare

  1. 4.

    Früher hieß es: wenn ich nicht mehr weiterweiß bilde ich ein Arbeitskreis.
    Heute ist es eine Kommission oder gar eine international angelegte Vergleichs Studie.
    Aber unterm Strich kommt bei allem nichts greifbares rüber.

  2. 3.

    Die Bildungskommission setzt an der falschen Stelle an. Es fehlt qualifiziertes Lehrpersonal, weil Berlin aus rein ideologischen Gründen nicht verbeamtet. Referendare und Quereinsteiger unterrichten Klassen sofort ohne Unterstützung alleine. Das kann nicht gut gehen. Fehlendes Grundwissen kann in den höheren Klassen kaum mehr kompensiert werden.
    Zudem werden die Klassen immer größer und heterogener.
    Fraglich ist außerdem, ob die GEW als Beratung die Interessen der Lehrer in Berlin wirklich vertritt. (Vgl. Verbeamtungsdebatte)

  3. 2.

    Wenn Frau Scheeres an der Studie beteiligt ist, ist ja die größte Gefahr für Veränderungen vorbei. Da kommt doch nichts dabei raus. Versucht es mal mit modernen, gut Ausgestatteten Schulen und genügend Lehrer und Erzieherpersonal, dann klappt es auch mit der Bildung in dieser Stadt.

  4. 1.

    Die werden aber viel Arbeit haben.

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