Gedenkgottesdienst 80 jahre nach dem deutschen Angriff auf Polen (Bild: dpa/Wolfgang Kumm)
Video: Abendschau | 01.09.2019 | Thio Laurence | Bild: dpa/Wolfgang Kumm

80. Jahrestag des Kriegsbeginns - Gedenken im Zeichen der Versöhnung

Mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann Hitlers Vernichtungskrieg. 80 Jahre danach wurde am Sonntag in Berlin und Frankfurt (Oder) der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht. Dabei stand die Dankbarkeit für die Versöhnung im Vordergrund.

Christen aus Polen und Deutschland haben am Sonntag mit einem ökumenischen Gedenkgottesdienst im Berliner Dom an den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren erinnert.  Unter den Gästen waren Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), seine polnische Kollegin Elzbieta Witek und der Landesbischof der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Jerzy Samiec.

"Es ist nicht selbstverständlich, was wir heute tun", sagte der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge in seiner Predigt: "Es ist ein großes Geschenk, das wir heute empfangen dürfen." Dass der Gottesdienst gemeinsam mit polnischen Gästen gefeiert werden könne, "dass Sie heute hier sind, ist ein großes Zeichen für uns, das wir dankbar annehmen. Sie feiern heute mit uns ein Zeichen der Versöhnung. Das berührt mich tief", sagte Dröge.

Schäuble: "Es braucht die Begegnung"

Der Berliner Rabbiner Andreas Nachama sang das jüdische Totengebet. Im Anschluss an den  Gottesdienst unterzeichneten die Berliner Domgemeinde und die Warschauer St.-Trinitatis--Gemeinde eine Partnerschaftsvereinbarung.

Bundestagspräsident Schäuble sagte in einem Grußwort, die Deutschen seien sich der historischen Schuld und der daraus erwachsenden bleibenden Verantwortung bewusst. "Und wir wissen: Es braucht die Begegnung, das Zuhören, den Austausch, wenn wir einander besser verstehen wollen - gerade die Traumata unserer jeweiligen Geschichte", sagte Schäuble.

Gedenkgottesdienst an der deutsch-polnischen Grenze

Auch in Frankfurt (Oder) wurde der Millionen Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht. In der Friedenskirche direkt an der deutsch-polnischen Grenze hielt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, eine Predigt.

Darin rief er dazu auf, Spaltungstendenzen in Europa entgegen zu wirken. Auch zwischen Deutschland und Polen drohten alte Ressentiments wiederaufzuleben, warnte Bedford-Strohm. Dazu komme "die Geißel des Nationalismus, die so viel Unheil über Europa gebracht hat", sagte Bedford-Strohm in dem Gottesdienst.

Steinmeier in Wielun

Bereits am frühen Sonntagmorgen, zum Zeitpunkt des Überfalls der Wehrmacht um 4:40 Uhr, bat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Ort des Kriegsbeginns, im polnischen Wielun, um Vergebung. "Ich verneige mich vor den polnischen Opfern der deutschen Gewaltherrschaft", sagte er auf dem Wieluner Marktplatz. Die rund 100 Kilometer südwestlich von Lodz gelegene Stadt war Ziel des ersten Angriffs deutscher Bomber.

Zeitgleich zu den ersten Gefechten auf der Westerplatte bei Danzig hatte die Luftwaffe am Morgen des 1. September mehrere Angriffe auf Wielun geflogen. Von den rund 15.000 Einwohnern kamen an diesem Tag mindestens 1.000 Frauen, Männer und Kinder ums Leben.

Schätzungen zufolge starben durch den mit dem deutschen Überfall auf Polen ausgelösten Zweiten Weltkrieg zwischen 1939 und 1945 rund 60 Millionen Menschen, darunter schätzungsweise 5,6 Millionen Polen. Über 90 Prozent von ihnen waren Zivilisten und etwa jedes zweite Opfer jüdischer Herkunft.

Sendung: Inforadio, 01.09.2019, 08:20 Uhr

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Antwort auf [Ole] vom 01.09.2019 um 15:28
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4 Kommentare

  1. 4.

    Worte des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt: "Am Abgrund der deutschen Geschichte und unter der Last der Millionen Ermordeten tat ich, was Menschen tun, wenn die Sprache versagt." - https://de.wikipedia.org/wiki/Kniefall_von_Warschau

  2. 2.

    "Hitlers" Vernichtungskrieg? - Ja, ja, und der Rest war unbeteiligt.

  3. 1.

    Erinnert mal lieber an die aktuellen Kriege in der Ukraine und in Syrien, in denen dank Putin HEUTE jeden Tag Menschen ins Elend getreten werden und sterben. Denen kann man noch helfen. Denen von vor zwei Menschenaltern nicht mehr.

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