Ausgetrocknete Schwarze Elster im Sommer 2019 (Bild: picture alliance/Andreas Franke)
Audio: radioEins | 19.09.2019 | Hartwig Berger | Bild: picture alliance/Andreas Franke

Interview | Hartwig Berger vom Ökowerk Berlin - “Wir müssen die Brandenburger Agrarsteppen umwandeln“

Brandenburg hat den zweiten Dürre-Sommer in Folge erlebt. Erneut brannten Wälder, Flüsse trocknen aus - und Landwirte klagen über Ernteausfälle. Ein Gespräch mit dem Berliner Wasserexperten Hartwig Berger über mögliche Auswege.

rbb: Herr Berger, jetzt hatten wir diese zwei sehr trockenen Sommer. Manch einer wird sagen, extreme Wetterphänomene gab es schon immer in der Erdgeschichte. Und was sagen Sie?

Hartwig Berger: Wir steuern auf einen dauerhaften Zustand zu und müssen damit rechnen, dass die Klimakatastrophe in eine chronische Wasserkrise führt. Wir müssen aber auch zwischendurch mit Starkregenereignissen rechnen. Ich will ja nicht gerade die Situation in Spanien, wo es zuletzt in Valencia sehr stark geregnet hat beschwören - aber auch das ist bei uns möglich. Das führt aber nicht zu so einem starken Wasserreichtum, sondern dieses Wasser fließt ja wieder ab, und darauf müssen wir uns in der nächsten Zeit einstellen.

Wieviel Regen bräuchten wir, um das Grundwasser in Brandenburg und Berlin wieder aufzufüllen?

Beim Grundwasser sind wir vom früheren Zustand schon seit Jahren weit entfernt, das Grundwasser geht immer mehr zurück. Die Seen trocknen auch immer mehr aus, auch die Schwarze Elster. Aber nehmen Sie zum Beispiel die Spree, von der die Trinkwasserversorgung Berlins abhängt. Die führt ja seit Monaten ja auch nur einen Bruchteil ihres Wassers.

Neben dem sparsamen Umgang mit Wasser empfehlen Sie die Mehrfachnutzung von Wasser. Ist das nicht extrem energieintensiv und damit dann eher unökologisch?

Nein, überhaupt nicht, im Gegenteil, das ist eine sehr einfache Sache.  Nehmen wir als Beispiel Berlin: Wir haben 200 Millionen Kubikmeter geklärtes Abwasser, was dann wieder in die Flüsse geht und letztlich in die Weltmeere fließt, im Zweifelsfall mit Mikroplastik vermischt. Dieses Wasser ist ein Wertstoff. Wir müssen den, nachdem er geklärt ist, wieder in die Landschaft leiten. Wir haben, auch wenn es weniger ist, das Regenwasser. Dieses Regenwasser fließt meistens in die Flüsse über die Versiegelung. Es muss versickert werden, es muss zur Begrünung benutzt werden. Wir können die Dächer grün machen und durch das Regenwasser bewässern. Das ist nicht nur in Berlin möglich, sondern überall im Land und in der Region.

Also sollten wir alle Böden in Berlin entsiegeln und aufbrechen?

Entsiegelung wäre schon eine wichtige Sache. Aber lassen Sie uns nochmal auf Brandenburg kommen. Dort müssen wir dafür sorgen, dass das Wasser in der Landschaft erhalten bleibt. Das heißt, wir müssen die ganze Landwirtschaft anders gestalten. Diese Agrarsteppen, wo im Sommer nur noch Weizen oder Mais wächst, müssten wir in vielfältige Landschaften umwandeln, mit Pflanzen, mit Hecken, mit Bäumen, um das Wasser zu halten, um die Fruchtbarkeit der Böden einigermaßen wiederherzustellen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Hartwig Berger führten Marco Seiffert und Tom Böttcher, Radioeins. Der Text ist eine leicht gekürzte und redigierte Fassung. Das ganze Gespräch können Sie hören, wenn Sie den Abspielknopf im oberen Bild anklicken.

Ausgetrocknete Flüsse in Brandenburg

Die anhaltende Trockenheit hinterlässt weiter spürbare Auswirkungen in den Flüssen Spree und Schwarze Elster, die sogar teilweise ausgetrocknet ist. Zu dieser Einschätzung kam Ende August die länderübergreifende Arbeitsgruppe "Extremsituation" mit Vertretern aus Berlin, Brandenburg und Sachsen. Trotz vereinzelter Niederschläge habe sich die Niedrigwassersituation nicht entspannt, so die Experten.

Mit Wasserabgaben, vor allem aus den sächsischen Talsperren Bautzen und Quitzdorf sowie der Talsperre Spremberg in Brandenburg, konnte der Abfluss in die Spree auf dem niedrigen Niveau von 1,5 Kubikmeter pro Sekunde gehalten werden. Normal sind im August 12,8 Kubikmeter pro Sekunde, wie die Arbeitsgruppe weiter mitteilte. Damit die Spree aufgefüllt werden kann, wurde mit Sachsen eine Abgabe von 20 Millionen Kubikmeter Wasser für das gesamte Jahr vereinbart.

Ernster ist die Lage hingegen in der Schwarzen Elster. Oberhalb von Senftenberg liegt der Fluss nach Angaben der Arbeitsgruppe vollkommen trocken. Nur durch Stützung unter anderem aus dem Speicherbecken Niemtsch bei Senftenberg konnte der Fluss auf einem unteren Level stabilisiert werden.

Quelle: dpa

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7 Kommentare

  1. 7.

    Bitte berichtigen: die Trinkwasserversorgung Berlins hängt nicht von der Spree ab!!!

  2. 6.

    Der Mann hat recht mit der Aussage, dass Wasser ein Wertstoff ist, den man nicht einfach und so schnell wie möglich in die Weltmeere ableiten darf. Man muss so schnell wie möglich daran gehen, die Oberflächenentwässerung (Melioration)rückgängig zu machen, damit das Wasser Zeit bekommt, in das Grundwasser abzusacken. Da das Problem der Trockenheit nicht nur in Brandenburg sondern auch in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns, Sachsen-Anhalts und Sachsens besteht, kann das die Brandenburger Regierung nicht alleine stemmen. Es ist der Bund gefordert. Die überlegen aber immer noch, wie sie aus der derzeitigen Klimahysterie maximalen Profit schlagen können. Auf die Grünen kann man sich auf Bundesebene auch nicht verlassen. Die überlegen nur, wie die Bürger unter dem Deckmantel des Umweltschutzes mit CO2-Steuer und sonstigen Umweltabgaben abgezockt werden können.

  3. 5.

    Ob sich im Handeln der neuen Brandenburger Regierung etwas ändert, ist jedoch auch fraglich. Es bleibt nur die <Hoffnung, ddass die Grünen etwas mehr Einfluss auf diese Schwerpunkte haben. Von der Agrarindustrie kann man keine Änderung erwarten.

  4. 4.

    @Kloppstock
    1860? Seither dürfte sich einiges getan haben...Pferde und so...

    Mit modernem Ackerbau kann heute allein die RF die gesamte Erde ernähren.

    Das Problem ist also nicht, dass wir zurückbauen. Das Problem ist, dass Bauern und ihre Betriebe in den internationalen Wettbewerb stellen. Und da gibt es bekanntlich nur höher, weiter, billiger..

    Ich meine, dass Deutschland nicht Schweinefleisch für den chinesischen Markt produzieren muss.
    Ich finde, dass wir unser Grundwasser nicht mit Nitraten verseuchen müssen.
    Ich finde es spannend, wenn die deutsche Fleischindustrie sogenannte Reserveantibiotika an ihr Mastvieh verfüttern lässt und es keine weitere Reserveantibiotika mehr gibt. (auch für Menschen nicht)

    Lediglich die USA und die Russische Föderation verfügen über Antibiotika der 5. Generation und den notwendigen Produktionskapazitäten.

    Wenn mir der Boden unterm Hintern austrocknet, stellt sich überhaupt nicht mehr die Frage, ob ich handeln sollte.

  5. 3.

    ..regional Wirtschaften,global denken..andere Flächenkulturen..der Mann hat recht..
    Aber mit den anderen Flächenkulturen wurden 1860 2 Milliarden Menschen auf der Welt ernährt..jetzt sind wir bei neun !!
    Und..die möchten nicht nur schlicht ernährt werden..nein im Westen jeder nach seinen Prämissen..es wird schon lange nicht mehr gegessen, was auf den Tisch kommt..
    Avocadocreme ist Hipp die werden hier zu billigen Preisen verzückt..in México gibt es dafür kein günstiges Grundnahrungsmittel mehr..
    Vielleicht mal mit einheimischen Ackerfrüchten versuchen?!

  6. 2.

    Genau, ohne Anreize aus der Politik machen die Bauern das, was ihnen dieses Jahr am meisten Geld bringt, was in zehn Jahren ist, ist erstmal nicht in der Planung wenn man auch so schon kaum über die Runden kommt.

  7. 1.

    Müsste, könnte, sollte.

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