Symbolbild: Ein Junge steht in einer Kindertagesstätte. (Quelle: dpa/Sebastian Gollnow)
Video: Brandenburg Aktuell | 26.09.2019 | Ole Hilgert | Bild: dpa-Symbolbild/Sebastian Gollnow

Studie der Bertelsmann-Stiftung - Tausende Kita-Erzieher fehlen in Berlin und Brandenburg

Die Zahl der Erzieher in Kitas und Kindergärten ist in Berlin und Brandenburg in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung sieht trotzdem weiter Defizite. Von kindgerechter Betreuung kann demnach noch keine Rede sein.

Eine neue Studie bescheinigt Berlin und Brandenburg zwar Fortschritte bei der Kita-Qualität. Um eine kindgerechte Betreuung in den Kitas sicherzustellen, seien aber tausende zusätzliche Fachkräfte nötig, heißt es im neuesten Ländermonitoring der Bertelsmann-Stiftung [laendermonitor.de], das am Donnerstag veröffentlicht wurde. Momentan sei die Betreuungssituation nicht optimal und mit einer hohen Arbeitsbelastung für die Erzieher verbunden.

Trotz Verbesserungen weiter Defizite

In Berlin fehlen nach Einschätzung der Experten rund 11.900 Erzieher. Am 1. März 2018 war der Studie zufolge eine vollzeitbeschäftigte pädagogische Fachkraft in Krippengruppen rechnerisch für 5,7 ganztagsbetreute Kinder zuständig. Das Verhältnis habe sich damit im Vergleich zu 2014 (1 zu 5,9) leicht verbessert. Ähnlich der Trend in den Kindergartengruppen: Hier waren Erzieher 2018 für 8,6 Kinder verantwortlich nach 8,8 im Jahr 2014. Die Stiftung empfiehlt jedoch, dass in Krippen maximal drei und in Kindergartengruppen 7,5 Kinder auf eine pädagogische Fachkraft kommen.

In Brandenburg fehlen der Studie zufolge knapp 8.200 Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten und Krippen. Eine Vollzeitkraft betreute demnach am 1. März 2018 in einer Krippe im Schnitt 5,6 Kinder, im Kindergarten waren es 10,5. Gegenüber 2013 hat sich die Situation den Angaben nach gebessert - damals waren Vollzeitkräfte jeweils für ein Kind mehr zuständig.

Betreuungsverhältnis wesentlich für Qualität

Berlin gibt jährlich 1,7 Milliarden Euro für Kinderbetreuung aus und bemüht sich seit Jahren, bei der Schaffung von Kita-Plätzen und Erzieherstellen mit der wachsenden Stadt Schritt zu halten. Das machen auch Zahlen der Bertelsmann-Stiftung deutlich: Demnach hat sich die Zahl der Kita-Kinder zwischen 2008 und 2018 von 113.700 auf 160.500 erhöht. Das pädagogische Personal in den Kitas verdoppelte sich in dem Zeitraum nahezu: von 16.700 auf 30.500.

Auch in Brandenburg verbessere sich die Personalsituation langsam aber stetig. Die Defizite, die nach wie vor bestehen, seien nicht im ganzen Land gleich groß, heißt es in der Studie. In Brandenburg an der Havel kommen auf einen Kita-Erzieher demnach 13,1 Kinder, in den Landkreisen Uckermark und Ostprignitz-Ruppin nur 9,2. Bei den Krippen haben die Erzieher in Cottbus am meisten zu tun: Sie betreuen 6,4 Kinder pro Arbeitskraft, in Teltow-Fläming und der Uckermark sind es 5,2 Kinder.

Die Stiftung hält das Betreuungsverhältnis in Kitas für wesentlich im Hinblick auf die Qualität. Aber auch andere Faktoren wie räumliche Ausstattung, Förderangebote oder Öffnungszeiten sind für die Betreuungsqualität wichtig.

Scheeres kritisiert Studie

Kritik an der Studie übten die Landesregierungen von Berlin und Thüringen. Aus Sicht der Berliner Bildungssenatorin, Sandra Scheeres, und des Thüringer Bildungsministers, Helmut Holter, verkennt die Studie die hohen Qualitätsstandards in den Kindertageseinrichtungen und Kindergärten, insbesondere in Ostdeutschland.

Scheeres verweist auf die Anstrengungen und Verbesserungen in Sachen Kinderbetreuung in Berlin in den letzten Jahren und konstatiert: "Wir gehen diesen Weg weiter. Aber die Forderung von 11.900 zusätzlichen Fachkräften ist angesichts der bundesweiten und Berliner Fachkräftesituation nicht machbar." Als weitere Schwachpunkte der Studie verweist Scheeres auf unzureichende Rechenmodelle und teilweise überholte Daten. Um sich ein Bild von der realen Situation in den Berliner Kitas und Kindergärten machen zu können, hat die Bildungssenatorin den Vorstand der Bertelsmann Stiftung zu einem Besuch eingeladen.

Sendung: Radioeins, 26.09.2019, 7:30 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Antwort an Mensch Meier,
    Ich bin ganz bei Ihnen, dass gerade kleine Kinder eine gute und auch qualifizierte Betreuung brauchen. Und man kann nicht nur, man muss sogar diskutieren, wie viele Kinder von einer Erzieherin betreut werden. Aber meine Kritik richtet sich gegen den Artikel. Die Überschrift ist bis heute schlecht, ja sogar falsch formuliert. Man denkt, die Stellen sind unbesetzt. Sind sie aber nicht. Und, die Bertelsmann Stiftung ist nicht unabhängig, auch davon kein Wort.

  2. 7.

    @Nachdenklich
    Die Einhaltung des gesetzlichen Personalschlüssels im Kita- und Schulbereich gewährleistet nicht automatisch eine gute Qualität in der sozialpädagogischen Arbeit.
    Als pädagogische Fachkraft eines großen und gut aufgestellten Trägers war ich in einem Berliner Familienzentrum - einer Kita in einem so genannten Brennpunkt - für zunächst 12 (da Dauerausfall einer Kollegin), dann für 8 (!) Kinder unter 3 Jahren verantwortlich. Pädagogisches Arbeiten ist so einfach nicht mehr möglich.
    Ich finde es absolut wichtig, dass der rbb auf dieses ebenso brisante wie wichtige Thema aufmerksam macht und Mißstände aufzeigt!
    Die Einschätzung der Bertelsmann-Stiftung bezüglich des Betreuungsschlüssels teile ich. Nur mit einer guten personellen Ausstattung ist pädagogisch sinnvolles Arbeiten überhaupt machbar. Immerhin geht es hier um Menschen!

  3. 6.

    Vielleicht haben Sie kein Schuldgeld bezahlt. Aber während der mehrjährigen Ausbildungsdauer haben die angehenden Erzieher (innen) in der Regel kein eigenes Einkommen, sie sind weiterhin auf finanzielle Unterstützung durch ihre Eltern angewiesen.
    Und genau das schreckt viel ab. Habe ich sowohl bei meinen eigenen Kindern als auch bei vielen Bekannten so erlebt.

  4. 5.

    Ich habe die Ausbildung der Erzieher*innen meiner Kinder nicht bezahlt. Mal abgesehen davon, dass ich Steuern zahle, aber das tun ja auch Nicht-Eltern.

  5. 4.

    M.E. muss diese Ausbildung einfach mal gründlich reformiert werden.
    Bisher tragen doch meist die Eltern die Ausbildungskosten - das schreckt einfach ab bzw. es können sich viele Familien einfach nicht leisten.
    Warum nicht eine duale Ausbildung für junge Menschen mit gutem MSA (also Betrieb, Berufsschule und eine vernünftige Ausbildungsvergütung), so wie in anderen Ausbildungsberufen auch?
    Dann entscheiden sich mit Sicherheit viel mehr junge Menschen für diesen wichtigen Beruf.

  6. 3.

    Liebes rbb 24-Team,
    Sorry, aber diese Meldung müsst Ihr mal in einer Readaktonskonferenz kritisch hinterfragen. Die Erzieher fehlen nur, wenn man einen anderen Betreuungsschlüssel, als der Gesetzgeber vorschreibt, zu Grunde legt. Aber niemand hat bei den Wahlen in Berlin und Brandenburg die Bertelsmann Stiftung gewählt. Und Ihr schreibt dennoch als Überschrift."Tausende Kita-Erzieher fehlen".
    Das ist kein Journalismus sondern Boulevard!
    Bitte drüber nachdenken.

  7. 2.

    Mir sind lieber kleine Klassen mit Quereinsteiger, als große Klassen ohne Quereinsteiger. Klar das es nicht optimal ist, aber es ist besser als die Alternative.

  8. 1.

    Wir haben in der Schule hunderte Quereinsteiger. Weil die Bildung soo wichtig ist.
    Vielleicht könnte man hier auch einfach Leute überreden?

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