Demonstranten nehmen am Klima Protesttag von Fridays For Future vor dem Brandenburger Tor teil.
Video: Abendschau, 20.09.2019, Jörn Kersten und Sabrina Wendling | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Friedlicher Protest in Berlin und Brandenburg - Hunderttausende gehen für Klimastreik auf die Straße

In ganz Deutschland haben am Freitag mehr als eine Million Menschen für mehr Klimaschutz protestiert - und nirgendwo waren es so viele wie in Berlin. Laut, bunt und friedlich legten sie zum Teil den Verkehr lahm. Die Bundesregierung verabschiedete derweil ihr Klimapaket.

Menschen im Eisbär- oder Schneemannkostüm, auf schmelzendem Eis und mit der Schlinge um den Hals am Galgen stehend, oder über der Autobahn schwebend: Mit zahlreichen Aktionen und einer mächtigen Demonstration in Sichtweite von Bundestag und Kanzleramt haben Zehntausende in Berlin mehr Klimaschutz gefordert.

Während die Bewegung Fridays for Future die Teilnehmerzahl am Freitagnachmittag auf 270.000 bezifferte, sprach die Polizei von knapp 100.000. In Potsdam kamen 5.500 Menschen zur Klima-Demo, in Eberswalde rund 1.000.

Die Großdemo in Berlin führte nach einer Kundgebung über mehr als drei Stunden auf einer Route rund um das Brandenburger Tor. Etliche Straßen im Herzen Berlins waren voller Menschen, die S-Bahn hielt wegen des riesen Andrangs zeitweise nicht mehr an der Station Brandenburger
Tor.

Von Eisbärkostüm bis Klima-Galgen

"Diese Gesellschaft ist beim Klimaschutz so viel weiter als ihre Regierung", twitterte die von Schülern und Studenten getragene Bewegung Fridays for Future als Mitveranstalter. "Wir sind keine ungeduldigen jungen Menschen, wie Frau Merkel gerade sagt. Sondern eine Gesellschaft, die sich wie nie zuvor aufmacht und echte Klimapolitik einfordert", erklärte Luisa Neubauer, eines der bekanntesten deutschen Gesichter der Bewegung, ebenfalls bei Twitter.

Die Teilnehmer am weltweiten Klimastreik hatten sich auch in Berlin einiges einfallen lassen, um auf die Gefahren der Erderwärmung hinzuweisen. So standen vor dem Brandenburger Tor drei Menschen auf schmelzenden Eisklumpen unter einem Galgen - mit Schlinge um den Hals. Andere trugen einen abgestorbenen Baum durch die Stadt. Ein Demonstrant forderte im Eisbär-Look "Stop Climate Change". Am Abend schließlich zog der Demonstrationszug unter dem Motto "No Future, No Dancefloor" tanzend vom Potsdamer Platz aus durch die Innenstadt.

"Grünkohl statt Braunkohle"

"Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut", skandierte die Menge in Richtung der politisch Verantwortlichen. Auf Transparenten waren teils fantasievolle Slogans zu lesen: "Dieser Planet wird heißer als mein Freund" oder "Grünkohl statt Braunkohle". Plötzlich hüpften die Massen auch und riefen: "Wer nicht hüpft, der ist für Kohle."

Bereits am Vormittag gab es in Berlin einen Fahrradkorso und diverse andere Demonstrationen, zu denen unter anderem Ärzte und Unternehmer aufgerufen hatten. Die Folge: Autofahrer mussten sich immer wieder in Geduld üben. An der Kreuzung Holzmarkt-/Alexanderstraße nahe der Jannowitzbrücke in Mitte blockierten Aktivisten kurzzeitig die Straße mit Absperrband. 

Zeitgleich demonstrierten Dutzende Unterstützer der Schülerbewegung "Fridays for Future" vor dem Bundeskanzleramt. Sie wollten Druck ausüben auf die Verhandlungen zum Klimaschutzpaket, das am Freitag ebenfalls beschlossen wurde. "Euer Pillepalle reicht für 1,5-Grad nicht", hieß es auf Transparenten.  

Auf einer Überführung über die Stadtautobahn 100 in Tempelhof seilte sich ein Aktivist der Umweltschutzorganisation Robin Wood ab und brachte dort Banner an: "Saubere Autos sind ein dreckige Lüge", stand darauf. Am Mittag um fünf vor 12.00 Uhr läuteten zudem viele Kirchenglocken in Berlin für das Klima.

Zu dieser Zeit hatten sich bereits Tausende Menschen am Brandenburger Tor versammelt. Dort wurde es so voll, dass die S-Bahn die Linien S1, S2, S25 und S26 nicht am Bahnhof Brandenburger Tor halten lassen konnte.

Carola Rackete sprach im Tiergarten

Auf der Kundgebung am Tiergarten forderten diverse Redner die Politik auf, energischer gegen die Erderwärmung vorzugehen und das Klima zu retten. Eine davon: Carola Rackete, jene Berliner Kapitänin, die im Sommer mit einem Rettungsschiff voller Migranten unerlaubt in einen italienischen Hafen einfuhr und mit dieser humanitären Aktion weltweit Schlagzeilen machte.

Vehement forderte sie stärkere Proteste gegen die aktuelle Klimapolitik - obwohl die Groko nach einem Verhandlungsmarathon gerade ein neues Klimapaket schnürte. "Nicht zu handeln, hat dramatische Folgen", mahnte Rackete. "Und trotzdem müssen wir ehrlich sein: Wir können die globale Erwärmung nicht verhindern, dazu ist es nämlich durch die Jahrzehnte der Untätigkeit zu spät." Die Welt werde sich drastisch verändern. "Das Ziel ist nicht, eine perfekte Welt zu schützen, wie sie einmal war. Das Ziel ist, die Treibhausgase sofort zu reduzieren."

Die Klimaschutz-Proteste in Bildern

Sitzblockaden legen Verkehr teilweise lahm

Am Nachmittag war noch ein Party-Protestzug Berliner Clubbetreiber vom Potsdamer Platz zum Alex geplant. Entlang der Strecke kam es bis in die Abendstunden zu Sitzblockaden. So war unter anderem der Potsdamer Platz mehrere Stunden komplett blockiert. Gesperrt wurde am Abend zudem der Tiergartentunnel Richtung Kreuzberg. Auch am Alexanderplatz und am Halleschen Ufer kam es immer wieder zur Sperrung von Kreuzungen, weil Aktivisten sich auf die Straße setzten.

Trotzdem zog die Polizei Berlin am späten Freitagabend eine positive Bilanz: Gravierende Vorfälle habe es keine gegeben, sagte eine Polizeisprecherin auf Nachfrage von rbb|24. Die vereinzelten Sitzblockaden seien "harmlos und friedlich" geblieben. Insgesamt seien 600 Polizisten im Einsatz gewesen.

Bundesweit gingen beim Klimastreik am Freitag nach Angaben der Bewegung Fridays for Future mehr als 1,4 Millionen Menschen in mehr als 500 Orten auf die Straße. Auch in vielen anderen Staaten gab es Streik- und Protestaufrufe: Für die internationale Streikwoche, die am Freitag beginnt, hatten Aktivisten Proteste in mehr als 2.600 Städten in fast 160 Staaten angekündigt.

Kommentar

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38 Kommentare

  1. 38.

    "Und der Bürger reisst sich den A.. auf."

    Ja, das haben die Berliner am letzen "autofreien" Sonntag gesehen. Dem autovernarrten Bürger geht der menschgemachte Klimawandel am A...llerwertesen vorbei und jedes Wahlvolk hat die Regierung, die es verdient.

  2. 37.

    Vorbilder beim Klimawandel sind unsere Spitzenpolitiker . Frau Merkel und Frau AKK reisen getrennt (mit 2 Flugzeugen zum gleichen Termin lt. BamS) in die USA. Diese Arroganz ist doch nicht zu überbieten!!! Und der Bürger reisst sich den A.. auf.

  3. 36.

    Dieser Tag war historisch. Und er wurde es dank der Menschen, die zum ersten Mal dabei waren.
    Weil die Politik auf diese Massendemonstrationen mit Ignoranz reagiert, wird der Protest weitergehen. Und intensiver werden!

  4. 35.

    Fanatischen Klimawandelleugnern ist keine Lüge zu dumm um sie nicht noch etliche Male zu wiederholen.

    Versuchen sie es doch mal mit Fakten, Tatsachen und Beweisen für ihre Diffamierungen. Ich weiß jetzt schon dass keine kommen werden.

  5. 34.

    Ich hatte Vorurteile geschrieben, nicht Vorwürfe, sprachlicher Unterschied.
    Leider verstehen sie das Konzept der Demonstration nicht, liegt wahrscheinlich an den Punkten, die ich in meinem Kommentar davor gesagt hatte. Das Konzept kann man auf der Homepage von FFF nachlesen, aber aufpassen beim Interpretieren der Wörter.

  6. 33.

    Wie oft wollen sie diesen Schwachsinn eigentlich noch wiederholen? Der menschgemachte Klimawandel ist KEIN "Naturereignis"!

    Tummeln sie sich doch bitte weiter auf solchen Alu-Hut Seiten wie diesen Klimawandelblog. Da finden sie für den Schwachsinn sogar noch Claqueure.

  7. 31.

    Diese wirklich dummen Argumente sollten Sie sich lieber sparen. Wenn Sie sich auch nur ein bisschen mit der Thematik beschäftigt hätten, wüssten Sie wie der grobe Plan für die Energiewende aussieht. Niemand fordert Kraftwerke ersatzlos abzuschalten, weil die Energiewissenschaftler, die diesen ganzen Plan gut durchdacht haben nicht komplett bescheuert sind. Es ist ja durchaus legitim Kritik daran zu üben wie die Klimaziele sozialverträglich erreicht werden können, aber doch bitte nicht mit so trivial widerlegbaren Scheinargumenten.

  8. 30.

    Hauptsache Sie gehen in ihrer Kritik mit keinem Wort auf Sachfragen ein, sondern pöbeln ausschließlich gegen Leute, denen auch Ihre Zukunft am Herzen liegt. Die Menge CO2, die die Menschheit noch in die Luft pusten kann ist wissenschaftlicher Fakt. Man kann diskutieren wie man das Ziel Klimaneutralität erreichen möchte (diese Diskussion läuft schon seit bald 35 Jahren!), man kann nicht diskutieren so weiter zu machen wie bisher, wenn man nicht explizit in Kauf nimmt, den jungen Menschen ein ruhiges Leben in Wohlstand unmöglich zu machen.

  9. 29.

    Wenn Sie glauben können, dass das Klimapaket Deutschland eine Chance böte die Pariser Klimaziele zu erreichen haben Sie offenbar den Ernst der Lage nicht erkannt. Wir haben noch rund zehn Jahre heutiger Emissionen übrig. Glauben Sie ernsthaft drei Cent mehr für's Benzin oder ein lumpiger Zehner für die Tonne CO2 uns bis 2040 klimaneutral machen? Geschweige denn den Rest der Welt? Hier ein schöner Vergleich des beschlossenen CO2 Preises und den Empfehlungen aus der Forschung: https://pbs.twimg.com/media/EE6eijAU0AAKMpY.png:large

    Dieses Klimapaket ist ein makabrer Scherz. Teure Symbolpolitik ohne Wirkung auf Kosten von allen, die jünger als sechzig sind.

  10. 27.

    Hallo RBB,
    ich hab da mal ne Frage. Wieviel Menschen haben denn nun an den Klimademos teilgenommen? Mal wird von 1,4 Millionen berichtet, dann wieder von Hunderttausenden und wieder ein Stück weiter von Zehntausenden in ganz Deutschland. Das ist schon sehr verwirrend. Ist das absichtlich so geschrieben ?

  11. 26.

    #LangstreckenLuisa twittert #NotmyKlimapaket? Hätte nie gedacht dass ich mit der je in irgendeinem Punkt übereinstimme, aber nun ist es passiert. Mein Paket ist es auch nicht. :)

  12. 25.

    Die wichtigste Voraussetzung, um sich "Klimaschützer" nennen zu dürfen, ist ein Bonusmeilen-Konto bei einer führenden Fluggesellschaft. Siehe Luisa, Schellnhuber, Cem, Roth usw.

  13. 24.

    Also bitte, wer für den Umweltschutz seine Freizeit opfert und demonstrieren geht, wird ja wohl noch eine Flugreise oder eine Reise auf dem Kreuzfahrtschiff unternehmen dürfen. Hauptsache man fährt nicht SUV oder Diesel.

  14. 23.

    Nicht nur Vorwürfe, sondern nackte Tatsachen.
    Wieviele von den Demos sind in den Urlaub geflogen. Getroffene Hunde bellen.

  15. 22.

    Bin da ganz bei Ihnen, da kauft man A+++ Geräte oder zumindest moderne Geräte und die Qualität und die Haltbarkeit entspricht nicht mehr annähernd den älteren Geräten. Ebenso ist es unverständlich das es immer mehr Geräte mit verbautem Akku gibt und diese dann nur wegen des Akkus entsorgt werden müssen.

    Warum fängt unsere Politik, insbesondere unsere GRÜNEN, hier nicht endlich mal an gegenzusteuern. Aber nein, das wird nicht angepackt - schließlich sollen wir ja "umweltbewußt" konsumieren. Mehr Konsum, mehr Gewinn, mehr Steuern. Aber wehe wir kaufen ein A+ Gerät oder benutzen ein altes Gerät - ganz ganz Böse.

  16. 21.

    Das wollte ich auch schon mal machen, aufm Flughafen rumhängen und schauen wieviel Leute fliegen, habe es aber leider nie geschafft.

  17. 20.

    Die Herbstferien stehen vor der Tür, die Flughäfen müssten ja eig leer bleiben....Ich bin gespannt, weiss aber was passieren wird.

  18. 19.

    Gut das sie hier in der Kommentarspalte ihre ganzen Vorurteile und Beschuldigungen los werden können. Ohne Internet wäre dies nicht möglich.

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