Besetzung der Landsberger Allee 54
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Protest gegen Verdrängung - Aktivisten besetzen leerstehende Brauerei in Friedrichshain

Mehrere vermummte Personen sind an der Landsberger Allee in Friedrichshain in ein leerstehendes Gebäude eingedrungen. In einem Aufruf zu "Aktionstagen" war zuvor von Besetzungen die Rede. Zwischen Unterstützern und der Polizei kam es zu Rangeleien.

In einer leerstehenden ehemaligen Brauerei an der Landsberger Allee 54 in Berlin-Friedrichshain halten sich mehrere vermummte Personen auf. Wie ein Vertreter der Polizei am Einsatzort dem rbb sagte, handele es sich um mindestens acht Personen. Sie befänden sich zum Teil im Gebäude, an einem Seil zwischen dem Gebäude und dem Nachbargebäude sowie auf dem Dach. Die Beamten würden Personalien überprüfen und ob sich die Personen unberechtigt in dem Gebäude aufhalten. Dazu ist die Polizei nach eigenen Angaben im Gespräch mit dem Besitzer des Gebäudes. Wenn sich die Personen nach dessen Angaben unberechtigt dort aufhalten, werde die Polizei sie hinaus führen. 

Zunächst war von fünf Personen die Rede gewesen. Anders als zunächst von der Polizei mitgeteilt, sei sie noch nicht gegen die Vermummten vorgegangen. 

Die Polizei hat das Gebäude und den davorliegenden Bürgersteig abgesperrt. Auf Twitter waren Fotos zu sehen, auf denen vermummte Personen in Fenster des Gebäudes "Landsberger54" klettern.

Hausbesetzer in der Landsberger Straße 54
Aktivisten stehen auf dem Dach der Landsberger Allee 54 | Bild: rbb|24

Bekennerschreiben im Netz aufgetaucht

In einem anonymen Bekennerschreiben auf dem Internetportal Indymedia war von einer Besetzung die Rede. Demnach handelt es sich bei der Aktion um Protest gegen spekulativen Leerstand und Verdrängung. Das Gebäude in der Landsberger Straße 54 stehe sei sieben Jahren leer, so die Verfasser des Schreibens. Deswegen sei es nun besetzt worden. Man wolle einen "hierarchiefreien Ort" und "Schutzraum" für verfolgte und diskriminierte Minderheiten schaffen, "Insbesondere richtet er sich nicht ausschließlich an 'Szenelinke'", so die Verfasser, "sondern an wirklich alle Menschen, die hier Zuflucht suchen oder ihn mitgestalten wollen."

Demonstration gegenüber dem Gebäude

Schätzungsweise 50 Polizeibeamte und mehrere Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr waren am Nachmittag vor Ort. Über dem Gebäude kreiste ein Hubschrauber der Polizei. Wie die Polizei rbb|24 sagte, sei die Statik des Hauses unsicher. Es solle sichergestellt werden, dass niemand zu Schaden kommt.

Rund 50 Unterstützer der Aktivisten demonstrierten gegenüber dem Gebäude mit Protestschildern. Es waren Rufe zu hören wie "Miete verweigern" und "Häuser besetzen".

Besetzung in der Landsberger Allee (Quelle: rbb)
An Seilen hangeln sich Vermummte zum Nachbargebäude | Bild: rbb

Aufruf unter dem Motto "Tu Mal Wat"

Ein Bündnis verschiedener Gruppen hatte zuvor unter den Motto "Tu Mal Wat" zwischen dem 26. und 29. September zu "Aktionstagen" aufgerufen. Demnach wollten die Aktivisten etwa "die wohnungspolitischen Kämpfe weiter zuspitzen". Die "Notwendigkeit von Besetzungen" sei wieder in den politischen Diskurs gerückt, hieß es. Es gehe "um die Enteignung, die Aneignung, das Sich-Widersetzen und den Erhalt von Räumen und Orten in Theorie und Praxis".

In dem Aufruf ist die Rede davon, dass sich "zwischen Luxusbauten, Malls und privatisiertem Raum auch noch widerständige Orte" fänden. Mieter, kleine Gewerbetreibende und soziale Zentren kämpften nicht nur gegen ihre Verdrängung, "sondern auch für eine Stadt von Unten, in der alle Menschen nicht nur Zugang zu Wohnraum haben, sondern ihren Lebensraum zusammen gestalten können".

Kommentar

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22 Kommentare

  1. 22.

    Auch ein leerstehendes Gebäude ist kein herrenloses Gut. Es handelt sich ggfs. hier um Hausfriedensbruch. § 123 StGB

    https://dejure.org/gesetze/StGB/123.html

    Leider wird der wesentliche Sachverhalt nicht recherchiert. Warum ist die Polizei überhaupt tätig geworden? Wenn vermummte Gestalten auf dem befriedeten Anwesen herumturnen und der Eigentümer auf eine Anzeige gem § 123 StGB verzichtet, muss er auch nicht die kostenintensive Aktion der Polizei in Gang setzen.

  2. 21.

    Es geht um die Legalität der Handlungen, nicht um die politische Zielrichtung der Handlungen. Das Recht unterscheidet für die Frage nach Legalität/Illegalität nicht zwischen "links" und "rechts". Einige Kommentatoren anscheinend schon.

  3. 19.

    Gute Aktion. Leider wieder überschattet von der üblichen Berliner Polizeigewalt. Die wäre unter einem rechten CDU Innensenator auch nicht schlimmer. Von der SPD und r2g ist leider nichts anderes zu erwarten.

  4. 18.

    " Zudem kann man davon ausgehen, dass die Besetzer gut vorbereitet sind, besonnen vorgehen und weitere Straftaten (wie Diebstahl, Sachbeschädigung) in diesem Kontext unwahrscheinlich sind."

    Sachbeschädigungen und Diebstähle? Hat es im linksextremistischen (Verzeihung: Ich meinte natürlich im "aktivistischen") Lager ja noch niiiiiie gegeben. Linksradikale ... ähh... -Aktivisten kommen ja immer mit dem Werkzeugkoffer an und reparieren alles. Genauso laufen sie auch immer mit Feuerlöscher in der Hand durch die Straßen um im Notfall brennende Autos löschen zu können.
    Wie weltfremd kann man sein? Mehr fällt mir dazu nicht ein.

  5. 17.

    Dann sollte man sich auch nicht vermummen! Man sollte dann auch dazu stehen und sein Gesicht zeigen!

  6. 16.

    "Aktivisten"? Laufen demnächst auch Wohnungseinbrüche und ähnliche Straftaten ebenso wie jetzt der Hausfriedensbruch (vermutlich zusammen mit Sachbeschädigung an Türen und/oder Fenstern - da das Gebäude wohl kaum offengestanden haben wird) unter Aktivismus?

  7. 15.

    "Miete verweigern" und "Häuser besetzen" ist schon mal ein guter Anfang.

  8. 14.

    Das Gebäude in Friedrichshain wurde bereits wieder geräumt: https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2019/09/hausbesetzer-landsberger-allee-54-schultheiss-brauerei-Frankfurter-Allee-187-Leerstand-Berlin-Friedrichshain.html

  9. 13.

    Mehrere vermummte Aktivisten.... warum vermummen sich eigentlich diese Aktivisten ? das macht man doch nur wenn man nicht erkannt werden möchte. Und warum wollen die nicht erkannt werden ? damit sie nicht haftbar gemacht werden können. Aktivist überhaupt ist inzwischen ein universaler Begriff geworden , beliebig anwendbar nach polit. Orientierung, aber mehrheitlich medial positiv besetzt

  10. 12.

    " n dem Aufruf ist die Rede davon, dass sich "zwischen Luxusbauten, Malls und privatisiertem Raum auch noch widerständige Orte" fänden. Mieter, kleine Gewerbetreibende und soziale Zentren kämpften nicht nur gegen ihre Verdrängung, .... "

    auf welche Weltstadt trifft das denn zu ?

  11. 11.

    Diese Aktionen sind rechtswidrig und sollten vom Berliner Senat durch die Polizei mit aller Härte beendet werden.
    Schon in der Rigaer Straße versagte der Staat. Gelten denn für diese linken Gewalttäter keine Gesetze mehr. Ich stelle mit vor es wären sogenannte Rechte, die Häuser besetzen, dann wäre der Aufschrei der Gutmenschen und Moralisten groß.
    Wann hört endlich das Verharmlosen linker Gewalttäter auf?

  12. 10.

    Geräumt!

  13. 9.

    Hätten die Durst?

  14. 8.

    Schönes Haus will ich haben, vor vierzig Jahren haben wir den Hof Asphaltiert und das Bier lief aus Schläuchen in unser Wassereimer.. was für eine schöne Zeit..

  15. 7.

    Wenn dieses Haus in Marzahn stehen würde, es würde niemanden interessieren.

  16. 6.

    Falsch, Hausfriedensbruch ist ein Antragsdelikt. Es muss erstmal der Besitzer des Objektes gefunden werden. Wenn der Besitzer nicht aufzufinden ist oder ihm die Besetzung egal ist, sind den Behörden die Hände gebunden. Zudem kann man davon ausgehen, dass die Besetzer gut vorbereitet sind, besonnen vorgehen und weitere Straftaten (wie Diebstahl, Sachbeschädigung) in diesem Kontext unwahrscheinlich sind. Das führt zu einem interessanten Kräftespiel, die Polizei würde *so gerne* was machen und scharrt mit den Hufen, muss sich aber zusammenreißen.

    Besetzungen sind eben nicht automatisch Straftaten und haben außerdem die Unterstützung von weiten Teilen der Bevölkerung.

  17. 5.

    Der Hubschrauber mit seinem Luftdruck nach unten wiegt wohl etwas mehr als die Hansel, die man vorgibt zu schützen: Das Gegenteil tritt "in Kraft". Denken Sie mal, wenn Helis den vereisten Schnee wegdrücken. Warum Hubis gegen Menschen? Geld spielt keine Rolle, alles wird mit hanebüchenem Unsinn (ja, doppelt gemoppelt) gerechtfertigt. Die Leute kommen von alleine runter, wenn sie Hunger haben.

  18. 4.

    Solidarität mit den Aktivisten. Und schöne Zukunftsvision für das Gebäude

  19. 3.

    Wer in fremde Häuser eindringt, begeht zumindest Hausfriedensbruch. Wehret den Anfängen! Harte Kante!!

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