Touristen (M) stehen am 26.06.2016 in Berlin am ehemaligen innerdeutschen Grenzübergang Checkpoint Charlie und lassn sich mit als Grenzsoldaten verkleideten Männern fotografieren. (Quelle: dpa/Wolfram Steinberg)
Video: zibb | 05.09.2019 | Beate Bossdorf | Bild: dpa/Wolfram Steinberg

Weniger Geld für Marketing - Linke: Berlin soll nicht mehr um Touristen werben

Die tourismuspolitische Sprecherin der Berliner Linken fordert, keine Steuergelder mehr für das landeseigene Tourismus-Marketing auszugeben. Viele Probleme der Stadt würden durch die Besucher angeheizt, sagt sie. Die grüne Wirtschaftssenatorin wiegelt hingegen ab.

Teile der Berliner Linken fordern, das Budget für das Tourismusmarketing der Stadt zu streichen, um so die Zahl der Touristen zu verringern. Katalin Gennburg, tourismuspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, nannte in der "Morgenpost" Klimaschäden und Gentrifizierung als Gründe dafür.

Es sollten keine Steuergelder mehr ausgegeben werden, um Besucher in die Stadt zu locken und so klimaschädliche Langstreckenflüge auszulösen, so Gennburg. Es werde Wachstum "gepredigt", sagte sie, "als ob es keine Klimakatastrophe, keine Verdrängung kleiner Läden und Kitas aus den Kiezen durch massive Kommerzialisierung gäbe". Plattformen wie Airbnb stünden mit der angespannten Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt im Zusammenhang.

Gennburg: Wirtschaftlicher Erfolg nicht messbar

Seit 2012 seien 70 Millionen Euro für Tourismusmarketing ausgegeben worden, hauptsächlich über die landeseigene Vermarktungsfirma Visit Berlin, so Gennburg. Welche Einnahmen dadurch generiert worden seien, könne der Senat hingegen nicht beziffern, so die Linken-Politikerin. Dabei verfolge Visit Berlin das Ziel, "Berlin zum Disneyland" umzubauen.

Laut Visit Berlin leben mehr als 230.000 Berliner vom Tourismus. Jeder Besucher, der in der Stadt übernachte gebe im Durchschnitt 205,80 Euro aus, Kongressbesucher sogar 246 Euro. Insgesamt werde durch Touristen ein Bruttoumsatz von mehr als 11,5 Milliarden Euro jährlich erwirtschaftet [visitberlin.de].

Pop bezeichnet Forderung als "Einzelmeinung"

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Bündnis 90/Die Grünen) bezeichnete Gennburgs Äußerungen als Einzelmeinung. Eine Streichung des Budgets für das Tourismusmarketing sei bisher von der Linkspartei noch nicht beantragt worden. Die Probleme auf dem Wohnungsmarkt seien auch eine Folge des Bevölkerungswachstums. Eine Studie, die ihr Haus in Auftrag gegeben habe, widerspreche zudem dem Eindruck, dass in besonders beliebten Kiezen.

Der Landesausschuss der Linken hatte kürzlich beschlossen, das Stadtmarketing grundsätzlich überprüfen zu wollen. Damit wurde ein beim Landesparteitag nicht behandelter Antrag abgemildert, der eine komplette Streichung des Budgets für das Stadtmarketing forderte.

Visit-Berlin-Chef Burkhard Kieker sagte, der Fokus des Unternehmens sei mittlerweile darauf ausgerichtet, die Bezirke beim Ansprechen von Touristen zu beraten, statt lediglich die Stadt nach außen hin zu vermarkten. Zudem würden insbesondere die Kultureinrichtungen der Stadt von Visit Berlin profitieren, was wiederum im Sinne von Gennburgs Parteigenosse und Kultursenator Klaus Lederer sei, so Kieker.

FDP weißt auf hohe Steuereinnahmen hin

Florian Swyter, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, bezeichnete Gennburgs Äußerungen als schadhaft für die Stadt. Neben den Einnahmen für Unternehmen, generiere die Stadt rund eine Milliarde Euro an Steuereinahmen aus Tourismus. "Er trägt auch zur Offenheit, dem Austausch und dem Ruf Berlins als pulsierende Metropole bei", so Swyter. Der Senat solle Visit Berlin beim Werben für Qualitätstourismus unterstützen. "Außerdem sollten die Einnahmen aus der City-Tax auch für touristisch besonders frequentierte Bezirke verwendet werden, damit diese ihre Aufgaben zur Sicherheit und Sauberkeit tatsächlich leisten können."

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30 Kommentare

  1. 30.

    Welcher Tourist? Die aus Charlottenburg, Tempelhof, Lichtenberg, Friedrichsfelde, Reinickendorf ... stellen zusammen mit den Einheimischen die große Mehrheit derjenigen, die in den angesagten Bezirken für Lärm und Müll sorgen.

    "Eine Studie, die ihr Haus in Auftrag gegeben habe, widerspreche zudem dem Eindruck, dass in besonders beliebten Kiezen." müsste ergänzt werden um "der Partygänger hauptsächlich Tourist ist" und nicht, dass "die Schrippe nur noch als Weck verkauft wird". Der Satz ist leider immer noch unvollständig.

  2. 28.

    Ja, ich gehöre auch zu den Ureinwohnern und finde es nur noch ätzend.
    Wenn ich könnte, wäre ich auch weg. Ab auf die Wiese und durchatmen.

  3. 27.

    @Buh
    Aber natürlich ist Marketing für viele Dinge überflüssig. Ich bin persönlich noch nie in eine Stadt gefahren, weil ich vorher eine soooo tolle Kampagne gesehen habe. Kein Mensch fährt deshalb nach Berlin. Man benötigt auch keine Kampagnen für die BVG, BSR, Polizei etc. Diese Kampagnen gibt es nur, weil noch schnell überflüssiges Budget mit vollen Händen ausgegeben werden muss. Meist zahlt dies dann noch der Steuerzahler.

  4. 26.

    Ich wohne im Randbezirk, wo es glücklicherweise noch verhältnismäßig ruhig ist.
    Aber ich muss jeden Tag in die Innenstadt und dort ist es zuuuuu vollllll :-)

  5. 25.

    Dass der Tourismus seine Schattenseiten hat ist unumstritten, doch würde die Abschaffung des Tourismusmarketings etwas daran ändern? Ich bezweifle es. Die Touristen kommen trotzdem und bringen ihren Lärm und Müll mit. Unsere Stadt gibt uns diese Entscheidung bestimmt nicht zurück, dafür sind ganz andere Entscheidungen notwendig.

  6. 24.

    Ich kenne einige gebürtige Berliner, die bereits aus ihrer Geburtsstadt geflüchtet sind, weil es nicht mehr auszuhalten ist. Ok, NICHT NUR wegen der Touris, sondern auch wegen der zugezogenen Massen an "Dauertouris" mit ihren Eigenarten.
    In meinem Haus wohnt ja auch kein Berliner mehr.. der ganze Kiezflair is im A...

  7. 23.

    Was ist Ihrer Meinung nach das Gegenteil von Billigtourismus? Und wie soll das ganze aussehen?

  8. 22.

    JO ! Die Touris kommen auch so nach Berlin, da braucht man kein Geld für Werbung rausschmeißen. Werben tun ja die ganzen Angebote derer, die mit den Touris Geld verdienen wollen.
    Ich fahre nur noch in die Innenstadt, wenn es unbedingt sein muss. Es ist einfach unerträglich geworden. Dazu tut jetzt der E-Roller Hype sein übriges zu Chaos und Anarchie.
    Sind wir mal ehrlich und bringen es auf den Punkt, viele der Touris kommen zum Party machen (+Drogen) und Vögeln nach Berlin. Sie verursachen Dreck und Ruhestörungen. Naiiin, stimmt natürlich alles nicht. Die gucken sich nur Museen an und gehen in die Oper.
    Ich kann mich zB noch an die Loveparade erinnern. Der Tiergarten war danach wochenlang nicht nutzbar, stank nach Urin. Ich habe auch Simon Dach Straße miterlebt und kenne einige Ecken im PBerg. Selbst war ich noch nie Im Berghain. Gebt uns unsere Stadt zurück. Und die Airbnb Wohnungen in denen bis Morgens um 5 durchgefeiert wird, während andere Menschen um diese Zeit aufstehen

  9. 21.

    Gute Entscheidung. Die Linke scheint endlich zu begreifen, daß sie nur dann eine Chance hat, wenn sie das umsetzt, was sich die Wähler wünschen. Ich jedenfalls kenne keinen in meiner Umgebung, der diesen Sauf- und Freßtourismus nicht endlich wieder loswerden möchte. Von den Belastungen und Schäden für das Klima, das dieser Billigtourismus verursacht, mal ganz abgesehen.

  10. 20.

    Wer aufhört Werbung zu machen um Geld zu sparen, kann ebenso gut die Uhr anhalten um Zeit zu sparen. Dieses Zitat von Henry Ford ist heute wichtiger denn je.
    Berlin kann nichts anderes, hat nichts anderes als Tourismus. Was die Linken nicht begriffen haben oder begreifen wollen ist, das die Stadt Geld braucht um zu funktionieren. Vor allem bei den Ideen die R2G ausbrütet.
    Und das kommt in Berlin nicht von der produzierenden Industrie oder den hippen Start-ups im Prenzl Berg. Das Geld bringen Touris in die Stadt.
    Und natürlich die Geberländer im Finanzausgleich. Da ist Berlin nämlich das Bundesland mit dem größten Finanzierungsbedarf (4,4 Mrd. in 2018). Und die Linken sollten beten das dieses Geld weiterhin fließt. Ansonsten wird's hier in Berlin nämlich ganz dunkel.

  11. 19.

    Aber grenzenloses Wachstum (an Besucherströmen) wollen, Gewinn nur in Einnahmen messen (ohne all die Nachteile durch Touristenmassen einzupreisen), eine Stadt mit ihrer Infrastruktur und Bewohnern als nicht enden wollende Ressource zum Geldverdienen sehen, das bedeutet also im Gegenzug dann "Ahnung von Wirtschaft haben"?

  12. 18.

    Der Gedanke,das Budget für Tourismusmarketing zu reduzieren ist vielleicht gar nicht so verkehrt,da in meinen Augen Berlin ein Selbstläufer ist. Ob nun Partytouristen oder Kulturtouristen, sie kommen aus allen Ecken der Welt zu uns. Und lassen eine Menge Geld hier. Was gut für die Stadt ist.
    Die Gedanken, die die Linken jedoch dabei verfolgen, sind mehr als plump.
    Den Tourismus jetzt als Vorwand für die Probleme der Stadt zu nehmen, den Klimawandel mit in den Topf zu werfen....ich denke, da sollten die Genossen der Linken noch mal überdenken was Sie so von sich geben.

  13. 17.

    Marketing ist nie überflüssig und Ihr Kommentar zeigt, dass sie etwas mit der Linken gemeinsam haben: keine Ahnung von Wirtschaft

  14. 16.

    Ich mochte die Linke früher, muss aber leider immer wieder feststellen, dass sie von Wirtschaft offensichtlich absolut keine Ahnung haben. Schade aber "meine" Partei ist es schon seit vielen Jahren nicht mehr...

  15. 15.

    Wenn Berlin die gleichen Probleme bekommt die andere europäische Städte haben oder hatten, werden sie sich in Sachen Tourismus etwas neues einfallen lassen müssen.

  16. 14.

    <Egal von welcher Partei - ich bin dafür. Berlin ist einfach zuuuuu vollllllllll. >

    Komm' mal in die "Randbezirke".
    In den "Stift", zu "Hannes", ins "Bootshaus", der "Alten Liebe", zu "Loretta" u.v.m. - wenige Touris, viele "Eingeborene" - ja auch "zugezogene" - manchmal mit einem "komischen" Dialekt - "Do issches"" oder " Alda, wasch willst du".
    Wenn da mal ein Touri auftaucht bekommt er oft noch Tipps - die gehen oft bis weit nach BRB.
    Kennen sie "Curry Wust" (kein Schreibfehler)?

  17. 13.

    <Gerne kann die Hälfte der Rollenkoffer-Typen wegbleiben, keine Airdingens mehr, keine EScooter. Toll. ein Traum. Wird aber wohl nix. Berlin schweigt sich rum. Mist. >

    Zu alt für diese Stadt?
    PS: Ich bin 60. Es ist wie es ist.

  18. 12.

    Wenn eine Stadt sowieso schon weltweit bekannt ist, dient eine Förderung weiterer Bekanntheit eher einer Profilneurose. Pardon. Berlin muss wirklich nicht mehr werben.

  19. 11.

    Von 9 Kommentatoren haben 8 den Artikel nicht gelesen. Oder nicht verstanden, um was es in ihm geht: nämlich darum, keine weiteren Steuergelder für ein schlichtweg überflüssiges Tourismus-Marketing zu verschwenden.

  20. 10.

    Berlin schmarotzt ja sowieso vom Länderfinanzausgleich. Alles gut, hoffe, dass die Geberländer bald mal den Geldhahn zudrehen. Das sagt ein gebürtiger und hier wohnender Berliner.

  21. 9.

    „tourismuspolitische Sprecherin der Berliner Linken“.... Was es alles für Funktionen gibt... Und der schlägt nun aus dieser heraus so etwas vor. Ah ja... Die Linke hat null Verständnis, was Wirtschaft bedeutet. Außerdem will Berlin eine weltoffene Stadt sein. Wie passt das mit dem Vorschlag der Linken zusammen? Übrigens profitiert gerade die Kulturszene von Touristen. Und Kultur gehört zu den Linken. Was sagt Lederer denn zu dem Vorschlag?

  22. 8.

    Früher wollten die altkommunisten niemanden weglassen, heute keinen reinlassen, man hofft warscheinlich, wenn weniger touris kommen, können Hotels in Wohnungen umgebaut werden, aber die Linken wissen warscheinlich nicht, das der Tourismus der größte Arbeitgeber in Berlin ist, wenn das weniger wird können die Linken keine Wohnungen mehr zurückkaufen.

  23. 7.

    Egal von welcher Partei - ich bin dafür. Berlin ist einfach zuuuuu vollllllllll.
    Ein paar Touris weniger finde ich eine schöne Aussicht.
    Wer wirklich nach Berlin will, braucht sowieso keine Werbung.

  24. 6.

    Gerne kann die Hälfte der Rollenkoffer-Typen wegbleiben, keine Airdingens mehr, keine EScooter. Toll. ein Traum. Wird aber wohl nix. Berlin schweigt sich rum. Mist.

  25. 5.

    Typisch für liberale Parteien, da sich deren mittelschichtsklientel nicht um Gentrifizierung kümmern muss. Es wäre aber in der Tat schön würden Taten folgen, also Anträge der Linken und ein ernsthafter Kampf gegen die Geschichtsromantik und die Verfälschung von Geschichte. Hier könnte auch das Landesdenkmal wieder auf wissenschaftlichen Kurs gebracht werden. Stadt und Demokrat würden gleichermaßen profitieren.

  26. 4.

    Vielleicht wäre die Linke bereit, mehr Tourismusförderung zu betreiben, wenn jeder Tourist pro Tag eine Art Eintrittsgeld zahlen müsste... zum Beispiel 20 DM... Verzeihung... Euro natürlich... die müssen dann natürlich auch ausgegeben werden und nix davon darf wieder raus aus der Stadt! Man könnte auch überlegen, sie in Spielgeld zu wechseln... nicht so teuer, am besten aus Aluminium...

  27. 3.

    Das kann man so nicht sagen! Nur Leute, die ihren Aufenthalt hier selbst zahlen, scheinen denen nicht so sehr willkommen zu sein. ;-)
    Ohne Frage nimmt die Anzahl der Party-Touristen überhand. Statt aber ein betuchteres, gesitteteres Klientel zu bewerben und den Rest mit Regeln zu bändigen, will man scheinbar lieber ganz auf Werbung verzichten und damit auf die konsumfähigere Kundschaft. Die Sauf- und Party-Touristen kommen auch ganz ohne Werbung. Von Wirtschaft haben die Linken halt noch nie was verstanden.

  28. 2.

    @RBB: rgendwas fehlt:
    "Eine Studie, die ihr Haus in Auftrag gegeben habe, widerspreche zudem dem Eindruck, dass in besonders beliebten Kiezen." ergibt nur Sinn, wenn man von der aktuellen Studie gehört hat. In den Partybezirken sind vor allem feiernde Berliner unterwegs, die Touristen sind in der Minderheit.

    Anstelle die Leute erst gar nicht reinzulassen, bräuchte man nur kontrollieren, ob die sich an die Spielregeln halten. Da das aber Berliner und damit potentielle Wähler sind, darf so nicht angesetzt werden - s. Görli. Also lässt man sie gewähren.

    @Scorpion:
    Auch rein in die Zone war nicht immer einfach, wenn auch leichter möglich.

  29. 1.

    Früher haben die Linken niemanden aus dem Land gelassen, heute wollen sie keinen mehr reinlassen.

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