Archivbild: Ein Polizeifahrzeug steht am 14.12.2017 an einem Eingang zum Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin. Am 19. Dezember 2016 war der islamistische Attentäter Anis Amri mit einem gestohlenen Laster in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast. (Quelle: dpa/S. Jaitner)
Audio: Inforadio | 25.10.2019 | Christoph Reinhardt | Bild: dpa/S. Jaitner

Aussage im Untersuchungsausschuss - Bundesanwalt: Attentäter Amri hatte keine direkten Helfer

Anis Amri hat den Anschlag auf den Breitscheidplatz allein verübt - davon ist Bundesanwalt Thomas Beck überzeugt. In Hinsicht auf Fotos von Amri vor Merkels Wohnung warnte er am Freitag im Berliner Untersuchungsausschuss vor Spekulationen.

Rund drei Jahre nach dem islamistischen Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt geht die Bundesanwaltschaft weiterhin davon aus, dass der Attentäter Anis Amri den Anschlag alleine verübte. "Die Ermittlungen haben bisher keine Erkenntnisse ergeben, dass Amri in Berlin Helfer bei der Tat hatte", sagte Bundesanwalt Thomas Beck aus Karlsruhe am Freitag im Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses von Berlin.

Mit Blick auf einen sogenannten Mentor der Terrororganisation IS, mit dem Amri über Chats im intensiven Kontakt stand, sagte Beck: "Dass Amri kein Einzeltäter im juristischen Sinn war, da erübrigt sich jedes Wort. Das haben wir auch nie gesagt." Und weiter: "Dass er aber bei der Durchführung des Anschlags weitere Personen zur Hilfe hatte, ist nicht so."

Das lasse sich gut durch Geo-Daten aus Amris Handy und Aufnahmen aus Überwachungskameras belegen. An den Parkplätzen, wo er am 19. Dezember 2016 letztlich den LKW für seine Tat entführte, sei Amri mehrere Tage immer alleine entlanggelaufen und habe einen passenden Lastwagen gesucht. Möglicherweise sei der 19. Dezember ein zufälliger Tag für die Tat gewesen sein, einfach weil er einen geeigneten LKW fand.

"Wissen nach wie vor nicht, wie in Besitz von Waffe gekommen"

Beck räumte ein, dass es weiterhin Wissenslücken gebe. Amri sei kurz vor der Tat eine halbe Stunde in der islamistischen Fussilet-Moschee gewesen. "Was hat er da getan? Denkbar, dass er die Waffe holte." Möglicherweise habe er auch in der Moschee jemanden gehabt, der die Pistole für ihn aufbewahrt habe. "Wir wissen es nicht. Wir wissen auch nach wie vor nicht, wie er in den Besitz der Waffe gekommen ist."

Über ein Video vom Anschlagsort sagte Beck, zwar ähnele eine Person mit blauen Handschuhen dem Freund von Amri, Bilal Ben A., der ihn am Vorabend des Anschlags traf. Aber die Ermittlungen hätten ergeben, A. sei nicht diese Person und auch nicht am Tatort gewesen. A. wurde am 1. Februar 2017 - sechs Wochen nach dem Anschlag - nach Tunesien abgeschoben.

Zu Amris IS-Kontakt und dem Anschlag sagte Beck: "Wir gehen davon aus, dass er vorher in einem sehr, sehr engen Verhältnis zu diesem Mentor stand." Zwar habe Amri fast alle Chats vor dem Tag des Anschlags gelöscht. Man habe aber Reste von Chatverläufen und andere Hinweise gefunden. "Amri war immer in der islamistischen Szene und hatte deren Nähe gesucht."

Noch im Frühjahr 2016 habe er sich den islamistischen Kämpfern im Ausland anschließen wollen, sagte Beck. "Er schrieb in einem Chatverkehr: 'Brüder ich will zu euch kommen'." Seine Ausreise sei aber im Sommer 2016 gescheitert; dann habe die Polizei die Wohnung enger Komplizen in Berlin durchsucht.

Amri bot geeignetes Ziel für Extremisten

Amri sei danach möglicherweise orientierungslos gewesen, so Beck. "Ausreisen kann ich nicht, den Kampf vor Ort kann ich nicht führen, was mache ich jetzt?" Und Beck weiter: "Da ist der Mentor derjenige für ihn, der ihm eine Perspektive gibt. (...) Die fischen nach solchen Personen und führen sie dann ganz eng bis zu Begehung des Anschlags. Das kennen wir von den anderen Anschlägen."

Nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft deutet ein kürzlich bekannt gewordenes Foto Amris vom Wohnhaus von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eher nicht auf eine Anschlagsplanung oder ein Anschlagsziel hin. Beck sagte, auf Amris Handy seien Tausende Fotos gefunden worden, auch von vielen "Örtlichkeiten" in Berlin. Medien hätten dazu Theorien und Spekulationen entwickelt. Beck nannte das Haus von Merkel nicht, sagte aber: "Ob das tatsächlich schon Anschlagsziele waren, ist weitgehend Spekulation."

Auch Fotos vom Breitscheidplatz auf dem Handy

Auf dem Foto, das das ARD-Magazin Kontraste und rbb24-Recherche veröffentlichten, sieht man Amri im Oktober 2016 vor dem Haus in Berlin posieren. Es handelt sich offensichtlich um ein Selfie. Dieses Bild und andere Fotos aus Berlin fanden die Ermittler nach dem Anschlag auf dem Handy, das Amri im LKW hatte liegen lassen.

Beck sagte auch, Amri habe Fotos vom Breitscheidplatz, dem späteren Anschlagsort, vom März 2016 auf dem Telefon gehabt. Es gebe aber keine Hinweise, dass er zu dem Zeitpunkt überhaupt schon einen Anschlag in Berlin oder auch mit einem LKW plante.

Der Tunesier Amri war am 19. Dezember 2016 mit dem entführten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gefahren. 12 Menschen starben, mehr als 70 wurden verletzt.

Sendung: Inforadio, 25.10.2019, 18 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Sie sollten auf den Sachverhalt eingehen.
    Etwa zu dem Umstand, dass der von Amri gekaperte LKW, der einen Tag vor dem Anschlag just in dem Mailänder Vorort mit Stahl beladen wurde, indem der Attentäter selbst 4 Tage später erschossen wurde. Genauer gesagt sind die beiden Orte 1,7 km voneinander entfernt.

  2. 6.

    Weder der Attentäter hatte 'Helfer' noch die betroffenen Opfer, die bis heute keine angemessenen Entschädigungen erhalten haben! Soweit zum Thema 'Hilfe' und Verständnis für Terrorismusopfer!

  3. 5.

    "Warum auch, schließlich war Sie es die maßgeblich an den hunderttausenden unkontrollierten Einreisen beteiligt war und leider immer noch ist."

    Rechtspopulistisches bis -extremes Propagandagetöse.

    "Wer mit Smartphone, aber ohne Dokumente, einreisen bzw. Asyl beantragen möchte, sollte grundsätzlich abgelehnt werden."

    Auf welcher rechtsstaatlichen Grundlage soll das geschehen?

    "Natürlich kann man Dokumente verlieren, aber wieso findet es bis heute Niemand merkwürdig, das über 90 % ein aktuelles Smartphone dabei haben mit dem man Dokumente fotografieren könnte oder Daten in der Cloud speichern kann, aber nicht ein Dokument auf dem Smartphone gespeichert haben."

    Und damit begeben sie sich endgültig in den Bereich der rechtspopulistischen bis -extremen Verschwörungstheorien.

  4. 4.

    "Nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft deutet ein kürzlich bekannt gewordenes Foto Amris vom Wohnhaus von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eher nicht auf eine Anschlagsplanung oder ein Anschlagsziel hin."

    Warum auch, schließlich war Sie es die maßgeblich an den hunderttausenden unkontrollierten Einreisen beteiligt war und leider immer noch ist. Es ist unglaublich das selbst im Jahr 2019 immer noch Menschen ohne Dokumente einreisen können und keiner die Angaben überprüfen kann bzw. wirklich will.

    Wer mit Smartphone, aber ohne Dokumente, einreisen bzw. Asyl beantragen möchte, sollte grundsätzlich abgelehnt werden. Natürlich kann man Dokumente verlieren, aber wieso findet es bis heute Niemand merkwürdig, das über 90 % ein aktuelles Smartphone dabei haben mit dem man Dokumente fotografieren könnte oder Daten in der Cloud speichern kann, aber nicht ein Dokument auf dem Smartphone gespeichert haben.

  5. 3.

    Der Fall Amri beinhaltet jede Menge "Ungereimtheiten", besonders was unsere Geheimdienste betrifft aber der Storch täte gut daran statt Verschwörungstheorien ohne Substanz in die Welt zu setzen sich um die eigenen Ungereimtheiten in ihrer rechtsextremen "Partei" zu kümmern.

    https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/afd-spenden-125.html

    Da hat sie genug zu tun.

  6. 2.

    " warnte er am Freitag im Berliner Untersuchungsausschuss vor Spekulationen."

    das hätte sich erübrigt wenn man Spekulationen nicht Tür& Tor geöffnet hätte, Amri ist inzwischen tot...

  7. 1.

    "Keine direkten Helfer"

    AfD MdB von Storch, Mitglied des Amri-Untersuchungsausschuss, findet es seltsam, dass Amri nach den Morden am Breitscheidplatz dorthin nach Italien zurückgekehrt ist, wo auch der Startpunkt des Mord-LKWs war, den Amri dann in Berlin per Raubmord des polnischen Fahrers an sich brachte.

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