Symbolbild: Schräger Weg in Berlin-Karow, nahe der Busonistraße, beim S-Bahnhof Karow. (Quelle: dpa/J. Carstensen)
Audio: rbb 88.8 | 29.10.2019 | Ricardo Westphal | Bild: dpa/J. Carstensen

Berlin-Karow - 70-Jähriger bei antisemitischem Angriff verletzt

Erneut hat es in Berlin eine antisemitisch motivierte Attacke gegeben: Im beschaulichen Karow wurde ein 70-jähriger Mann beleidigt und durch Schläge verletzt. Der Regierende Bürgermeister Müller erklärte, er schäme sich "einmal mehr".

Ein 70-Jähriger Mann ist in Berlin-Karow von einem Unbekannten nach Angaben der Polizei antisemitisch beleidigt und geschlagen worden. Der Mann war demnach am Montagnachmittag auf der Busonistraße unterwegs, als er von einem Unbekannten judenfeindlich beschimpft wurde.

Als sich der Beleidigte verbal wehrte, wurde er zusammengeschlagen und stürzte zu Boden. Eine Passantin kam dem Opfer zu Hilfe. Der Angreifer ließ daraufhin von dem Mann ab und floh. Der 70-Jährige wurde am Kopf und Kinn verletzt. Er sagte bei der Polizei aus, dass ihn der Unbekannte schon in der Vergangenheit antisemitisch beleidigt hatte.

Müller: "Darf einfach nicht passieren"

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) verurteilte die antisemitische Attacke "auf das Schärfste". "Es darf nicht sein, dass am hellichten Tag ein Spaziergänger antisemitisch beleidigt und dann geschlagen wird, wenn er sich verbal zur Wehr setzt. Das sind Geschehnisse, die in unserer Stadt angesichts unserer Geschichte einfach nicht passieren dürfen und die niemals zur Normalität werden dürfen", hieß es in einer Pressemitteilung. Müller dankte der Passantin, die dem Opfer zur Hilfe gekommen war. Für den Überfall schäme er sich "einmal mehr", so der Regierende.

Fast 500 Strafverfahren in 13 Monaten

Am Montag hatte der Berliner Senat als Antwort auf eine parlamentarische Anfrage aktuelle Zahlen zu antisemitischen Straftaten vorgelegt. Demnach wurden in den 13 Monaten zwischen dem 1. Juli 2018 und dem 31. Juli 2019 488 Strafverfahren erfasst. 319 Verfahren richteten sich gegen ermittelte Verdächtige, 169 gegen Unbekannt.

Dabei ging es um Sachbeschädigungen, Beleidigungen, Bedrohungen und Angriffe. Der Senat listete in seiner Antwort Beispiele auf, viele davon betrafen Gedenkstätten oder jüdische Einrichtungen, es gab Schmierereien mit Hakenkreuzen und Beschädigungen von Stolpersteinen.

Zentralrat der Juden: Justiz muss aktiver werden

Auf einer Antisemitismus-Konferenz in München kritisierte Zentralratspräsident Josef Schuster, es mangele vor allem in der deutschen Justiz teils noch an Sensibilität für Antisemitismus-Fälle. So schritten die Gerichte bislang etwa nicht gegen antisemitische Slogans auf Demonstrationen von Rechtsextremisten ein.

Sendung: Inforadio, 29.10.2019, 14.30 Uhr

Kommentarfunktion am 02.11.2019, 14.00 Uhr geschlossen. Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.

37 Kommentare

  1. 37.

    Marie hat vollkommen recht. Sie sind hier bekannt dafür äußerst rechte Positionen zu beziehen und Straftaten immer wieder zu relativieren. Immer schön unter dem Feigenblatt " also ich ja kein Nazi aber..."
    Die geistigen Brandstifter sind mindestens genau so gefährlich wie die Täter. Ein Blick in ein Geschichtsbuch beweist diese Aussage.

  2. 36.

    Wenn das schon "übelste Beleidigung und Diffamierung" und (die übliche Behauptung) "Verharmlosung von Rechtsextremismus sind, dann weiß ich, dass ich den wunden Punkt getroffen habe und sehr richtig liege. Mit Fakten können Sie wohl nicht mithalten? Genau solche Undifferenziertheit, wie Sie es hier hochhalten, verhindert eine wirksame Bekämpfung des Rechtsextremismus. Den Versuch, Ihnen das näher zu erläutern, spare ich mir aber. Es wäre eh zum Scheitern verurteilt, da bei Ihnen offensichtlich nicht sein kann, was nicht sein darf. Ich mein ja nur so.

  3. 35.

    Werden wir jemals einen Beitrag erleben wo sie nicht andere auf das Übelste beleidigen und diffamieren?

  4. 34.

    Na wie schön dass sich die bekannten Verharmloser und Relativierer von rechtsextremer Gewalt und von Rechtsextremen einig sind.

    Ich bleibe trotzdem bei meiner Aussage.

  5. 33.

    Auch wenn Sie reflexartig Schnappatmung bekommen, stimmt der Einwand leider. Die PKS ist gar nicht dafür gedacht und erst recht nicht geeignet, politische Motive abzubilden, da sie nur die Art der Straftat erfasst, nicht aber deren Motiv. Eine gegen Ausländer, Voklsgruppe oder Religion gerichtete Straftat oder eine Tat mit Zusammenhang zum Nationalsozialismus (meist Verwendung von NS-Symbolik) ist per Definition immer rechts. Dabei ist es völlig unerheblich, wer diese Straftat begeht. Auch ein Ausländer begeht eine rechts motivierte Straftat, wenn sie sich gegen andere Ausländer oder Volksgruppen richtet. Eine nationalsozialistische Ideologie kann zugrunde liegen, muss es aber nicht zwingend. Die PKS ist damit nur sehr bedingt geeignet, die unbestreitbar bestehende Gefahr des Rechtsextremismus abzubilden, einzuschätzen oder ihr zu begegnen.

  6. 32.

    Dummheit scheint nie auszusterben, es wird Zeit, dass die Rechten mal zwangsverpflichtet werden eine Gedenkstätte zu besuchen, damit sich in ihrem Oberstübchen vielleicht doch noch was tut und ein Umdenken beginnt. Antisemitismus hat weltweit keinen Platz in der Gesellschaft!

  7. 31.

    Propagandalügen der Rechtsextremen und -populisten werden auch nicht wahrer, desto öfter man sie wiederholt.

  8. 29.

    Falsch. 80 % der Straftaten werden rechts zugeordnet, darunter auch alle, bei denen die Täter gar nicht ermittelt werden können.

  9. 28.

    Danke. Ich hatte schon befürchtet, mein festgefügtes Weltbild könnte gefährdert werden. Solche Irritationen beim Denken kann ich nämlich gar nicht leiden.

  10. 27.

    Das sind die typischen Verdrehungen der Rechtsextremen und -populisten und deren Sympathisanten. Wie will man ein, noch dazu massives, Haus angreifen.

    Ihre Relativierungen und Sympathiebekundungen für Rechtsextreme und Neonazis lassen ihre Gesinnung deutlich werden.

  11. 26.

    Meinst du die Hunderte Angriffe von Naizs pro Jahr? Ekelhaft, Wie manche versuchen zu relativieren. Kein Wunder, dass der Holocaust passierte.

  12. 25.

    Und wer sind die Schüler in bestimmten Schulen mit einer bestimmten Religion in bestimmten Berliner Stadtbezirken, die ständig auf Berliner Schulhöfen antisemitische Beleidigungen skandierten/skandieren und zwar schon seit längerem.
    Und wie sieht es mit den Al-Kuds-Demonstrationen vorm Brandenburger Tor aus?

    Man konnte dies in Süddeutschland sogar der Presse entnehmen.

  13. 24.

    @ Sven

    Ist das für Sie etwa ein unmöglicher Gedanke?
    Für mich nicht. Warum?

    Siehe:
    Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS Berlin)
    Antisemitische Vorfälle Januar bis Juni 2019

  14. 23.

    Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.

  15. 22.

    Meinen sie den Syrer, der mit einem Kampfmesser in der Oranienburger Straße versucht hat, die Synagoge anzugreifen ?

  16. 21.

    Das Rechte als Täter vermutet werden konnte zum Beispiel daran liegen das laut BKA ca. 80 Prozent der antisemitischen Straftaten von Rechten begangen werden.

  17. 20.

    Wenn wir wieder so differenzieren, werden wir nichts verändern. Alle antisemitischen Angriffe sind gleichwertig als untragbar einzustufen.

  18. 19.

    Ah ha. Jetzt von Muslimen reden? Wer hätte denn nochmal gleich den Terroranschlag vor einigen Wochen auf Juden verübt?
    Reflektieren und relativieren. Bravo.

  19. 18.

    Allen Leuten, die sich hier darüber beschweren, dass man nicht über islamischen Antisemitismus reden darf: Schwachsinn. Darüber wird jedes mal geredet, wenn es einen antisemitischen Übergriff gibt, und das zu recht.

    So zu tun als sei Antisemitismus aber kein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist fatal, siehe z.B. den Bericht der Recherche und Informationsstelle Antisemitismus, der das hier für die erste Hälfte 2019 in Berlin deutlich zeigt: https://report-antisemitism.de/documents/2019-09-26_rias-be_Annual_Antisemitische-Vorfaelle-Halbjahr-2019.pdf

Das könnte Sie auch interessieren

Ursula Nonnemacher und Axel Vogel (Quelle: dpa/Stache)
dpa/Stache

Kenia in Brandenburg - Jetzt fehlen nur noch die Grünen

Letzter Akt vor der Regierungsbildung in Brandenburg: In Potsdam wird heute das Ergebnis der Grünen-Urabstimmung über den rot-schwarz-grünen Koalitionsvertrag bekanntgegeben. In den nächsten Tagen soll das Kenia-Bündnis unter Dach und Fach gebracht werden.