Senatorin Kalayci plant Bundesratsinitiative - Berlin will Verbot von Leiharbeit in der Pflege

Di 29.10.19 | 22:19 Uhr
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Dilek Kalayci, Berlins Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung (Quelle: imago images/Zensen)
Bild: www.imago-images.de/Zensen

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) will Leiharbeit in der Pflege verbieten lassen. Anfang 2020 wolle Berlin dazu eine Bundesratsinitiative starten, da ein solcher Arbeitsmarkteingriff Bundesangelegenheit wäre, sagte Kalayci am Dienstag.

Genaueres wolle sie demnächst gemeinsam mit Akteuren aus der Pflegebranche vorstellen. Hintergrund ist der zunehmende Trend, dass Pflegekräfte Betriebe verließen und sich von Leasing-Firmen anstellen lassen. Diese zahlen meist höhere Löhne.

Darunter, dass die Belegschaften öfter wechselten, leide die Pflegequalität, sagte Kalayci. Damit es ausreichend Stammpersonal gebe, müsse besser entlohnt und öfter ausgebildet werden.

Der Bundestag hatte vergangene Woche ein Gesetz verabschiedet, das die Grundlage für einen flächendeckenden Tarifvertrag in der Branche bilden soll.

Sendung: Inforadio, 29.10.2019, 11.50 Uhr

16 Kommentare

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  1. 16.

    Wann gibt es endlich mal wieder Politiker, die die Praxis verstehen und sozial denken und nicht irgendwelche Geseztze veranlassen , die absolut nicht funktionieren werden Sorry , aber mit solchen unfähigen Köpfen , wird die SPD wohl noch mehr an Wählerstimmen verlieren.

  2. 15.

    Sehr geehrte Frau Kalayci. Ich bin seit 5 Jahren Honorarkraft und arbeite Bundesweit in Krankenhäusern. Die Qualität der Pflege leidet weil nicht genug Fachkräfte da sind. Außerdem werden neuerdings Vietameschische Schwestern und Chineschischse Schwestern angestellt, die kein Deutsch sprechen , schreiben oder lesen können. Da frage ich mich , wo da die Qalität der Pflege bleibt. Sie sollten vielleicht mal die Praxis näher kennen lernen , bevor sie solche Äusserungen von sich geben.

  3. 14.

    Ich arbeite seit 15 Jahren in der Pflege und habe somit schon meine Erfahrungen sammeln können. Im Grunde haben die Betreiber die Zeitarbeitsfirmen ja erst gestärkt. Es sind selten gute Arbeitsbedingungen vorzufinden, zudem fühlen sich die Mitarbeiter nicht wertgeschätzt. Insbesondere die Betreiber von Pflegeheimen versuchen eine maximale Rendite zu erzielen, was in der Regel immer zu Lasten der Beschäftigten und der Bewohner geht. Auch ich bin in die Leiharbeit gegangen. Ich empfinde die Arbeit als abwechslungsreich, da ich in vielen Bereichen tätig sein kann und viel lerne. Zudem ist das für mich eine Möglichkeit, Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können. Man sollte die Betreiber viel mehr in die Pflicht nehmen. Jede größere Kette müsste Betriebskindergarten führen, somit könnten Arbeitnehmer ihre Kinder während der Arbeitszeit unterbringen. Statt eines Verbots der Zeitarbeit wäre ich eher für die Verstaatlichung der Pflege (Schweiz).

  4. 13.

    Nicht schlecht. Personalleasing in der Pflege verbieten, aber für den überwiegenden Rest des Gesundheitssystems gelten weiterhin die Gesetze des Marktes. Alle Achtung.
    Die Idee könnte von Hr. Scheuer kommen.

    Verzeiung, da kann ich nur sarkastisch.

  5. 12.

    Geht es hier wirklich um das Personal? Oder doch eher um Klinikleitungen bzw. GeschäftsführerInnen welche das Leasingverbot anstreben da ihnen das Personal „wegläuft“.

    Anstatt die Leiharbeit im Pflegesektor zu verbieten, sollte endlich das Klinik-Personal bzw. Stammpersonal eine höhere Wertschätzung erfahren und dazu gehört eine deutlich höhere Entlohnung, flexible Arbeitszeitmodelle usw.

    Und die Aussage in den allgemeinen Medien: Leiharbeitsfirmen „hauen sich die Taschen voll“ - aber privatisierte Krankenhäuser...genau mein Humor.

    Und wenn wir „Leasing“ in der Pflege verbieten, was ist denn mit Honorar ÄrztInnen?

    Es ist wirklich nur noch zum Kopfschütteln

  6. 11.

    Liebe Frau Senatorin Kalayci,
    ich weiß Verzweiflungstaten in der SPD sind derzeit a vogue, weil ja sonst nichts läuft und die Zustimmungswerte in den Keller sinken, kein WUNDER bei z.B. solchen Gesetztesinitiativen.
    Zeitarbeit in der Pflege sind eine Randerscheinung. Ein Arbeitsverhältnis mit einem Zeitarbeitsunternehmen haben 19.582 Pflegekräfte (Krankenpflege und Altenpflege (Daten der BA Nürnberg)). Zum Vergleich: Insgesamt waren 2018 1722795 Menschen als Kranken- und Altenpfleger tätig. Die Quote der Zeitarbeitskräfte an allen Pflegekräften liegt damit bei 1,02 Prozent.

    Hinzu kommt dass die Bedingungen in der Zeitarbeit noch wesentlich besser sind als in den regulären tariflichen Beschäftigungen (besssere Bezahlung, weniger WE-Dienste, mehr work-life-Balance, bessere Vereinbarkeit Familie und Arbeit, um nur einige zu nennen). Ich kann mir diese Initiative nur vorstellen, wenn Drogen, Geld oder Lobyisten im Spiel waren. Vernunft und Hirn?? SAP ab unter die 5%.

  7. 10.

    Leasing verbieten?
    Prima!
    Bin dann mal weg!
    25 Jahre im Beruf, seit 3 Jahren als Leasingfachkraft unterwegs.
    Können SIE auf Fachkräfte verzichten?
    Können SIE auf Fachkräfte verzichten die Azubis ausbilden und die noch immer motiviert sind gute Fachkräfte hervor zu bringen?

    Wann holen SIE endlich aussagekräftige Leasingkräfte an EURE "runden Tische" und lasst diese zu Wort kommen?!

    Wir sehen und hören Dienst für Dienst wo es klemmt.

    Ich nehme mir einen unbezahlten Tag frei für meinen Vorschlag mit dem "runden Tisch".
    Wie viele Wochen und Monate kommen zusammen wenn ich meine nicht genommen (gesetzlich geregelten) Pausen zusammen rechne?
    Egal?!
    Meinen unbezahlt, angebotenen Tag spende ich meinen Kollegen/innen.

    Nun sind SIE am Zug!

  8. 9.

    Liebe Frau Kolat bzw. ja jetzt Frau Kalayci,

    wenn Bänker bzw. Politiker wie Sie, soetwas verkünden, frage ich mich wirklich, ob Sie selbst auf diese Idee gekommen sein wollen. Das ergibt doch vorne und hinten keinen Sinn. Sind Sie sicher, dass Sie bei der SPD und nicht bei der FDP sind ? Pflegeinstitutionen sind nun mal privat und nicht staatlich. Jetzt löst der Markt das Problem selber und dann kommen Sie. Müssen große Pflegeketten wirklich ihre Gewinne weiter maximieren? Die Medien gehen immer öfter auf die Triple-Win-Situation durch Leasing in der Pflege ein. Und jetzt kommen Sie so? Wollen wir mal Bilanz ziehen zur Agenda-2010, die durch die SPD initiiert wurde? Reicht wohl nicht, jetzt Agenda 2020 oder was? Wissen Sie eigentlich wie schlecht die Pflege bezahlt wird? An wem liegt das wohl ?

    Klein Wunder, dass die SPD immer mehr Wähler verliert.
    Das letzte bißchen Arbeiter-Partei scheint hier wohl auch verloren.

  9. 8.

    Leasing ist ein Symptom der schlechten Bedingungen und nicht die Ursache. Freiberuflich darf Pflege kaum noch arbeiten und Leasing dann auch nicht mehr ? Na das ist ja ein super Schritt die Pflege zu stärken. Und zudem sollten sich die Zahlen angeguckt werden wieviel Pflege wirklich Leasing ist. Das ist marginal und es gibt größere Probleme im Gesundheitswesen. Der Tarifvertrag wird niemals die Löhne der Zeitarbeit erreichen.

  10. 7.

    Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal... (D. Nuhr)
    Fakt ist:
    Mehr als die Hälfte des Leasing Personal geht nicht wegen der Löhne, sondern wegen der work life balance in die Leiharbeit.
    Es ist ein Irrwitz zu glauben, dass ein Verbot die verlorenen Kollegen zurück in die Feststellung holt.
    Der Pflegenotstand würde sich dramatisch erhöhen, weil die Kollegen den Beruf komplett verlassen würden.
    Wunschdienstplan, Urlaub, Geburtstage feiern können sind nur einige Nettigkeiten der Leiharbeit.
    Viel wichtiger aber, es generiert Kraft für den Beruf und lässt z. B. mich seit 7 Jahren in Berlin den Klinikalltag als Leiharbeiter erleben.
    Das Argument der mangelnden Qualität ist kein durch Leiharbeit verursachtes, sondern durch sparen am Personal.
    M. E. hat die Lobby schlicht ein Problem damit, dass Pflegekräfte gutes Geld für harte Arbeit bekommen.
    Das so ein Vorschlag von einer SPD Senatorin für Gesundheit kommt untermauert, wie empathielos Frau Kalayci und Co sind.

  11. 6.

    Bin zwar ein anderer Steffen, möchte mich aber trotzdem mal einmischen. Das Problem liegt doch ursächlich in den Pflegeheimen selbst, die ihre Leute nicht ordentlich entlohnen, unbezahlte Überstunden schieben lassen und keine annehmbaren Dienstpläne hinbekommen. Dass dann Angestellte nach Auswegen suchen, ist absolut menschlich und verständlich. Dass genug Geld da wäre, zeigt die Tatsache, dass die Leihkräfte sehr wohl ordentlich bezahlt werden können. Es gibt dafür für die Einrichtung eben nicht mehr Geld aus dem System! Das zahlt das Heim selbst. Jetzt will man also die Situation für alle wieder verschlechtern, statt sie für alle zu verbessern. Und solch ein Vorschlag kommt ausgerechnet wieder von einer angeblichen Arbeiterpartei, die"sozial" im Namen trägt?! Kein Wunder, wenn es da immer weiter abwärts geht. So eine Partei braucht kein Arbeiter!
    Das Verbot würde zu vermehrten Kündigungen führen und den Fachkräftemangel noch weiter verschärfen. Dumme Idee!

  12. 5.

    Die größte Ungerechtigkeit trifft doch die Mitarbeiter (Pflege, Ärzte, etc.) die nicht in Leasingmarkt wechseln. Für die bleiben dann die unattraktiven Dienste (Wochenende, Nachtarbeit, etc.) übrig. Für Ihre Loyalität zu nur einen Arbeitgeber werden sie Dann auch noch schlechter entlohnt. Eine Gesetzesänderung ist daher dringend notwendig. Zumal die höheren Kosten für Leasing dem Gesundheitssystem entzogen werden.

  13. 4.

    Wenn Sie das so durchsetzt, das in der Pflege öfter ausgebildet wird und die Gehälter attraktiver gestaltet werden, kann dieses Verbot gerne kommen. Jedoch sollte dabei darauf geachtet wird, das der zweite Schritt nicht vor dem ersten Schritt gemacht wird.

  14. 3.

    Warum geht denn soviel Pflegepersonal in die Leiharbeit, sie bekommen dort mehr Geld als bei den Pfegeeinrichtungen, das ist der Fehler im System.

  15. 2.

    Leiharbeit in dem Ausmaß, wie sie in D inzwischen vorhanden ist und zwar bald auf jedem Gebiet, gehört eh verboten und zwar umgehend. Das sollte nicht nur für die Pflege gelten.

  16. 1.

    Die Pflegekräfte gehen freiwillig zu Leasingfirmen, weil sie dort besser bezahlt werden und bessere Arbeitsbedingungen vorfinden als bei der Anstellung in einer Pflegeeinrichtung. Und Frau K. fällt nichts besseres ein als Leiharbeit zu verbieten. Glückwunsch. Welche Partei nochmal? Ah, SPD. Na dann ist's ja nicht verwunderlich.

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