Tausende Menschen sind am 12.10.2019 bei einer Demonstration in Berlin Kreuzberg versammelt (Quelle: rbb24)
Video: Abendschau | 12.10.2019 | Jörn Kersten | Bild: rbb24

Nordsyrien-Offensive der Türkei - Berliner Kurden demonstrieren erneut gegen Militärschläge

Mehrere tausend Demonstranten sind am Samstag gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien auf die Straße gegangen. Die Teilnehmer forderten unter anderem einen sofortigen Stopp der Waffenlieferungen an das Erdogan-Regime.

Kurden und Migrantenorganisationen haben bei zwei Demonstrationen am Samstag in Berlin gegen die türkische Militäroffensive im Nordosten Syriens protestiert. Zunächst waren für beide Veranstaltungen nur wenige hunderte Menschen angemeldet und am Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor laut Polizei auch erschienen. Am Hermannplatz in Neukölln nannten die Veranstalter dann aber eine Teilnehmerzahl von "über 1.000 Menschen", mehrere Beobachter schätzten deutlich mehr.

Andere Migranten-Gruppen schließen sich der kurdischen Demo an

Ein Sprecher des Kurdischen Zentrums für Öffentlichkeitsarbeit hatte bereits am Freitag etwa 5.000 Teilnehmer für beide Demonstrationen zusammen erwartet. Die überwiegend kurdischen Demonstranten zeigten am Brandenburger Tor Plakate mit Slogans wie "Stop killing Kurds", "Eure Waffen töten uns" und "Die Türken bringen uns mit amerikanischen Waffen um".

Am Hermannplatz hatten sich auch andere politische Gruppierungen dem Demonstrationszug angeschlossen. Hier waren unter anderem Palästinenser, Equadorianer und ein Block der sogenannten "BDS"-Kampagne dabei, die zum Boykott, Sanktionen und Desinvestitionen gegen Israel aufruft.

Provokationen, Auseinandersetzungen, Festnahmen

Am Rande der Demonstrationen in Berlin gab es einige Festnahmen, laut Polizei kam es zu kleineren Zwischenfällen: Wie schon am Donnerstag bei Demonstrationen in Kreuzberg soll es vereinzelt zu Provokationen und Auseinandersetzungen gekommen sein. Steine und Flaschen seien geworfen worden.

Auch in anderen deutschen Städten wie Magdeburg und Hamburg waren zeitgleich ähnliche Demonstrationen angekündigt.

Die am Mittwoch begonnene türkische Militäroffensive richtet sich gegen die kurdische YPG-Miliz, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrolliert. Am vierten Tag der Offensive im Nordosten Syriens drangen türkische Truppen am Samstag in den strategisch wichtigen Grenzort Ras al-Ain ein. Die Bundesregierung will nach Angaben von Außenminister Heiko Maas Rüstungsverkäufe an die Türkei als Reaktion auf die Offensive weiter begrenzen [tagesschau.de]. Im vergangenen Jahr war das Land der größte Abnehmer deutscher Waffenlieferungen.

Sendung: rbbUM6, 12.09.2019, 18:00 Uhr

21 Kommentare

  1. 21.

    Was soll das nun wieder heißen? Sind Sie Ihnen etwa zu links? Habe mir im Weltspiegel die aktuellen Geschehnisse angeschaut und kann das kurdische Volk sehr gut verstehen. Was dort gerade passiert, ist mit einfachen Worten nicht zu beschreiben.

  2. 20.

    Sonderbar finde ich eher Ihre Ausführungen hier. Aktuelle Tagesschau sagt da aber etwas ganz anderes. Außenminister und Opposition streiten über weitere Rüstungslieferungen an die Türkei. Die Linken fordern sofortige wirtschaftlichen Sanktionen. Ebenso boykottiere ich auch weiterhin, beim Türken einzukaufen. Besonders dort, wo die Nationalfahne der Türkei offen aushängt. Ist mein gutes Recht.

  3. 19.

    woran mag das liegen, dass keiner die Kurden leiden kann?

  4. 18.

    " Türkei setzt Offensive unbeeindruckt fort , und USA ziehen weitere Truppen ab " ( heute.de )

    und auf Tagesschau.de finde ich keine Debatten über einen Exportstopp von Rüstungsgütern an die Türkei

    vor diesem Hintergrund über Döner und Boykott türkischer Gemüsehändler zu schwandronieren ......

  5. 17.

    " Die Debatte um weitere Rüstungsgüter an die Türkei zu liefern ist im vollen Gange. Nur viel zu spät. "

    es sollte doch zumindest hier Einigkeit über einen Rüstungsstopp herrschen und keine Debatten .

    @SteffenBerlin Sonntag, 13.10.2019 | 16:18 Uhr : " Bei der Kritik an Russland nach der Annektion der Krim ging es doch auch." und wie das ging, war endlos Thema Nr 1.
    und " türkische Waren boykottieren und nicht in Ihren Läden einkaufen gehen. Auch das wäre ein Zeichen. "
    das würde nichts bewegen, was bedeutet Dönerverzicht zur Offensive der Türkei ?

  6. 16.

    Sie verschleiern wohl gerne die Grauen Wölfe und gestandenen Erdogan Anhänger hier in Berlin. Davon haben wir hier eine Menge. Aber es stimmt, nicht jede Dönerbude wird von Türken betrieben, sondern auch von Kurden. Aber diesen Unterschied kann ich nicht feststellen, da ich nicht deren Sprache spreche. Haben Sie sich mal Gedanken darüber gemacht, wenn stundenlang so ein riesiger Batzen Dönerfleisch da hängt und oft nur der Außenrand mal schnell erhitzt wird? Guten Appetit.

  7. 15.

    Was nützt jetzt noch eine Debatte um Rüstungsgüter? Ist doch eh zu spät. Der Aufschrei ist mir viel zu gering, die Kritik wirkt mir zu hilflos und zu vorsichtig! Gerade von den Parteien aus dem linken Spektrum erwarte ich da deutlich mehr. Bei der Kritik an Russland nach der Annektion der Krim ging es doch auch. Die Kritik, auch und gerade der Tagesschau ist beschämend zurückhaltend. Hier wird mal wieder mit zweierlei Maß gemessen.

    Einen Türken hierzulande würde ich deshalb aber nicht boykottieren, der kann ja erstmal nichts dafür. Es sähe allerdings anders aus, wenn ich mitbekäme, dass der dem Einmarsch positiv gegenüber steht. Und ab und zu ein Döner ist schon lecker, aber nur in der Dönerbude meines Vertrauens.

  8. 14.

    Stimmt so nicht. Einfach mal auf Tagesschau.de schauen. Die Debatte um weitere Rüstungsgüter an die Türkei zu liefern ist im vollen Gange. Nur viel zu spät. Auch Wirtschaftssanktionen werden gefordert. Es wird wiedereinmal bei Lippenbekenntnisse bleiben. Erdogan tanzt auf unseren Kopf herum. Erpresst uns mit den Flüchtlingen aus Syrien, die er nicht mehr in seinem Land haben will, weil seine Wirtschaft am Boden liegt. Was macht Seehofer, er verspricht mehr Geld für diesen Despoten und seine Handlanger. Wenn uns Deutschen Bürgern zum Vorgehen der Türkei gegen das Kurdische Volk etwas bedeutet, dann eben türkische Waren boykottieren und nicht in Ihren Läden einkaufen gehen. Auch das wäre ein Zeichen.

  9. 13.

    Erstaunlich! ", laut Polizei kam es zu kleineren Zwischenfällen: ... Steine und Flaschen seien geworfen worden." Sonst gilt das als Tötungsversuch ! @rbb Gibt es Videoaufnahmen? Ermittelt die Polizei die Täter? Sind das Zitate aus der Polizeimeldung? Wird hier mit zweierlei Maß gemessen?! Zum Vergleich zwei andere rbb Beiträge zu Steinwürfen:
    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2016/01/potsdam-pogida-gegendemonstration.html
    "Der Berliner Landesbezirk der Gewerkschaft der Polizei (GdP) verurteilte den Angriff auf die Polizisten scharf. "30 auf Menschen fliegende Steine sind 30 Tötungsversuche", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme." Mit dem Unterschied, dass die attackierten Polizisten im Gegensatz zu den Demonstranten in ihren Fahrzeugen ein wenig sicherer waren.
    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2018/04/polizeiautos-rigaer-steine-beworfen.html

  10. 12.

    Gut kommentiert. Beim Türken Einkaufen kommt für mich schon lange nicht mehr in Frage. Und Döner mag ich sowieso nicht;-)

  11. 11.

    Ich finde es erschreckend und beschämend, wie ruhig es seitens unserer Politik um diesen verbrecherischen, völkerrechtswidrigen Angriffskrieg eine NATO-Staates ist, bei dem wieder Unschuldige Menschen sterben und mit dem der türkische Diktator wieder islamistische Gruppen stärkt! Was kommt von unseren Parteien dazu? Wo ist der große Aufschrei? Was findet man auf den Internetseiten der sich sonst so pazifistisch gebenden Parteien? Auf SPD.de gar nichts, nur "Klima" ist aktuell. Die Startseite der Grünen beschäftigt sich mit Halle (ja, auch wichtig) und Klima. Auf der Seite der linke? Nichts, gefunden. Nur auf Twitter ein harmloser Aufruf, die Waffenlieferungen einzustellen. Und? Die Waffen hat die Türkei doch schon. Wo bleiben Forderungen nach Sanktionen? Wo bleiben die klaren Verurteilungen, wo wird dieser Krieg benannt, was er ist? Selbst der RBB tut noch so, als wäre es ein Kampf gegen die YPG, dabei geht es doch in Wahrheit um die Kurden an sich! Seid endlich ehrlich!

  12. 10.

    Ich wünsche den Kurden viel Erfolg bei der Verteidigung gegen die türkischen Truppen des aggressiven Diktators Erdogan. Von Trump nun verraten, werden die Kurden nun zur Beute der Türken. Abscheulich, einer Türkei darf man keine Waffen mehr liefern, solange dieser gefährliche Allmachtsfantast Erdogan noch am Ruder steht.

  13. 9.

    Warum überhaupt in die Türkei reisen? Ich machte vor Jahren eine Kulturreise hauptsächlich wegen der dort griechischen und römischen Kultur, weil mich besonders die römische Kultur interessierte und nicht die türkische, war sehr schön und hochinteressant, aber das reichte ein für allemal. Aber um in den Urlaub in ein Hotel zu fahren, da erhole ich mich besser in Deutschland im Gebirge oder an der See.
    Außerdem hoffe ich, daß VW nicht sein neues Werk in der Türkei errichtet, sondern in Bulgarien, die zur EU gehören und sich auch beworben haben. Und Produkte aus der Türkei am besten bei Einkäufen auch meiden.

  14. 8.

    Als es gegen den IS ging waren alle froh das die Kurden die Drecksarbeit übernommen haben. Deutschland liefert weiterhin Waffen an jeden der bezahlt, scheiss egal gegen wen diese eingesetzt werden. Die Amis machen was sie wollen und ziehen sich ganz einfach mal aus der Sache zurück. Das wiederum ist auch nicht neu für uns. An vielen Stellen dieser Welt haben sie Feuer gelegt und als es brannte sich aus dem Staub gemacht. Mit Polen wird das ja gerade wieder praktiziert.

  15. 7.

    Sämtliche deutsche Waffenexporte in die Türkei sofort einstellen. Wirtschaftssanktionen sofort in Erwägung ziehen. Vor allem diesen Despoten Erdogan deutlich zeigen, das er zuweist geht und zwar mit den Rauswurf aus der NATO. Nur diese Sprache versteht er. Erdogan selbst spricht ja nur noch mit gespaltener Zunge. Liebäugelt zeitgleich mit dem russischen Machthaber Putin.

  16. 6.

    Es geht um Völkermord, den die Türkei am kurdischen Volk begeht. Was Deutschland zuwege bringt, sind verlogene Ansagen von eingeschränkten Waffenlieferungen, wohlweisslich , dass die Waffenlieferungen von deutschen Firmen aus dem Ausland getätigt werden. Ich frage mich, wann eine öffentliche Positionierung erfolgt,d.h. einschlägige Wirtschaftssanktionen sowie AnKlage wegen Völkermordes!

  17. 5.

    Warum wirft man das verbrecherische Regime von Gnaden eines durchgeknallten Diktators nicht aus der NATO?

    Das war eine rhetorische Frage, ich weiß wo die Türkei liegt. Also ist die NATO ebenfalls ein verbrecherisches Regime.

    Wo bleiben die Boykottaufrufe und Embargos? Das ist immerhin ein völkerechtswidriger Überfall auf ein soveränes Land.

  18. 4.

    Diese Kurden haben uns vor den Islamisten geschützt und nun werden Sie zu Gejagden. Dank Trump. Was für ein Mistkerl dieser Trump doch ist.

  19. 3.

    Redet nicht von Offensive oder Militärschlag-es geht um einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg. Von mir aus auch Aggression.

  20. 2.

    Oh ja, da habe ich auch schon dran gedacht.

Das könnte Sie auch interessieren

SPD-Bundesparteitag in Berlin am 08.12.2019 (Quelle: imago images/Spicker)
www.imago-images.de/Spicker

Parteitag in Berlin - SPD will Vermögensteuer wieder einführen

Die SPD hat auf ihrem Bundesparteitag in Berlin einen Beschluss zur Wiedereinführung der Vermögensteuer gefasst. Wenn es nach den Sozialdemokraten geht, soll ein Freibetrag von zwei Millionen Euro gelten. Die Schuldenbremse will die Partei langfristig loswerden.