Klinikmitarbeiter demonstrieren in Berlin (Quelle: rbb)
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Video: rbb|24 | 23.10.2019 | Bild: rbb

Demonstration am Roten Rathaus - Hunderte Klinikmitarbeiter fordern mehr Investitionen

Mit schrillen Trillerpfeifen vor dem Roten Rathaus haben mehrere hundert Menschen stärkere Investitionen in Berlins Kliniken gefordert. Zu der Kundgebung am Mittwochmittag hatten die Berliner Krankenhausgesellschaft, Ärzteverbände, Patientenvertreter und Gewerkschaften aufgerufen. Ihren Protest sollten die Mitglieder des Hauptausschusses hören, die im Rathaus unter anderem über den neuen Haushaltsentwurf diskutierten.

"Wir brauchen 100 Millionen mehr pro Jahr"

"Berlin hat viele Jahre lang nicht genug in seine Krankenhäuser investiert“, kritisierte Marc Schreiner, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft. Allein der Investitionsstau liege bereits bei rund zwei Milliarden Euro. Trotz geplanter Erhöhung der Fördergelder auf maximal 200 Millionen Euro im Jahr 2021 reiche das Geld nicht. Nötig seien 100 Millionen Euro mehr pro Jahr, denn Berlin wachse.

Der Investitionsbedarf für Baumaßnahmen, IT und Anschaffung aufwendiger Geräte liegt nach Berechnungen der Gesellschaft in den nächsten zehn Jahren bei 3,5 Milliarden Euro. Nötig seien zum Beispiel zusätzliche Bettenkapazitäten, OP-Säle, Intensivstationen, Kreißsäle, zusätzliche Palliativeinheiten und Erweiterungen der Rettungsstellen.

Linke zeigt Verständnis für Proteste

Die Berliner Linksfraktion als Regierungspartei gab dem Bündnis Recht. Es mache keinen Sinn, Visionen über eine Gesundheitsstadt Berlin 2030 zu entwickeln, solange in vielen Häusern das Geld für die notwendigsten Sanierungen fehle, sagte der gesundheitspolitische Sprecher Wolfgang Albers.

Zu oft seien bisher Eigenmittel durch Personaleinsparungen bei der Pflege und Ausgründungen in Tochtergesellschafter mit niedrigeren Tarifen aufgebracht worden. Die Koalition wolle solche Ausgründungen zurückholen und wieder für mehr Personal auf den Stationen sorgen. "Das schlägt sich im neuen Doppelhaushalt 2020/2021 bereits deutlich nieder, wenn auch immer noch nicht im notwendigen Maße", ergänzte Albers. Für eine Trendwende brauche es mehr Geld.

In den rund 60 Berliner Kliniken werden nach Angaben der Krankenhausgesellschaft jährlich rund 900.000 Patienten stationär und rund 1,3 Millionen Notfälle versorgt. Die Kliniken beschäftigten 53.000 Mitarbeiter.

Sendung: Abendschau, 23.10.2019, 19:30 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Danke dem RBB, dass er gerade dieses Transparant als Aufmacher für den Artikel nahm. Es drückt so ziemlich das Wesentliche aus, was die heutigen Krankenhäuser ausmacht. Nicht, weil die Beschäftigten das so wollten, sondern weil es im Sinne der überkommenen Strukturen so hat werden können. Jeder, der irgendwann, irgendwo ein Patient geworden ist, kann "ein Lied davon singen": Krankenhausfabrik.

    Menschen sind immer unplanmäßig, die Fabrik aber ist Sinnbild umfassendster Planmäßigkeit, bis hin zum Letzten.

    Kurz war die Periode, als tatsächlich von einem Gesundheitswesen geredet und dieses auch angetrebt wurde. Länger waren und sind alle Perioden, die es zum Krankheitsbekämpfungswesen haben werden lassen, weil an einer Vorbeugung (=Gesunderhaltung) zu wenig ausgefeilte Technik beteiligt ist, die Häuser sich diesen techn. Apparat aber prestigeträchtig zugelegt haben, er folglich kalkulatorisch amortisiert werden muss.

  2. 1.

    Das ist auch bitter nötig, wer heutzutage ins Krankenhaus muss, kann sich oft genug die Karten legen bei diesen Verhältnissen. Die dort herrschen.

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