Teilnehmer einer kurdischen Demonstration gegen die türkische Offensive im Nordirak (Bild: rbb/Simon Rustler)
Audio: Inforadio | 19.10.2019 | Simon Rustler | Bild: rbb/Simon Rustler

Protest gegen türkische Syrien-Offensive - Demonstranten fordern Stopp von Waffenlieferungen an Türkei

Erneut wird in Berlin gegen den türkischen Angriff auf die kurdische Region in Nordsyrien demonstriert. Hunderte Menschen ziehen durch die Innenstadt und kritisieren das Handeln der Bundesregierung. In Neukölln gab es eine weitere Versammlung. 

Gegen den türkischen Angriff auf kurdische Gebiete in Nordsyrien sind am Samstag in Berlin erneut Demonstranten auf die Straße gegangen. Sie zogen am Nachmittag vom Potsdamer Platz zum Brandenburger Tor. Dazu aufgerufen hatte das Kurdische Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit.

Nach Polizeiangaben nahmen deutlich mehr als 2.000 Personen an der Demonstration teil. Die Aktion verlief demnach friedlich. Die linksgerichtete prokurdische Organisation "riseup4rojava" sprach von fast 4.000 Demonstrationsteilnehmern.

Viele Teilnehmer trugen gelb-rot-grüne Fahnen der betroffenen Region Rojava, die die Kurden in Nordsyrien für sich als selbstverwaltete Zone haben wollen. Auf Plakaten forderten sie etwa "Solidarität mit Rojava" und "Türkische Armee raus aus Rojava". Die Demonstranten kritisierten auch die Bundesregierung, sie forderten einen Stopp deutscher Waffenlieferungen an die Türkei.

Aufruf: Nicht provozieren lassen

Eine weitere Berliner Protestkundgebung gab es am Nachmittag am Hermannplatz in Neukölln. Dort versammelten sich etwa 100 Menschen. Beide Demonstrationen standen unter dem Motto "Gegen den türkischen Angriffskrieg in Nordsyrien". Auch in Fürstenwalde (Oder-Spree) gingen 100 pro-kurdische Demonstranten auf die Straße.

Kurdische Organisationen hatten im Vorfeld zur Besonnenheit aufgerufen. Man dürfe sich am Rande von Demonstrationen nicht provozieren lassen, sagte ein Sprecher der Kurdischen Gemeinde in Berlin und Brandenburg. 

Auseinandersetzungen bei vergangenen Demonstrationen

Seit Beginn der türkischen Offensive in Nordsyrien vor zehn Tagen hat es in Berlin bereits zwei große Demonstrationen gegeben. Dabei war es jeweils zu vereinzelten Provokationen und Auseinandersetzungen gekommen. So hatten etwa Passanten den Demonstrierenden mehrfach den sogenannten Wolfsgruß der türkischen rechtsextremistischen "Grauen Wölfe" gezeigt, was auch zu körperlichen Auseinandersetzungen führte, bei der mehrere Polizisten verletzt wurden. Es seien Steine und Flaschen geworfen worden. Bei einer Demonstration am vorigen Samstag gab es insgesamt sechs Festnahmen und 17 Strafermittlungsverfahren.

Auch anderswo in Deutschland Zusammenstöße

Auch in anderen Städten Deutschlands gab es in den vergangenen Tagen ähnliche Demonstrationen - und ebenfalls vereinzelt Zusammenstöße zwischen demonstrierenden Kurden und türkischen Passanten.

In mehreren deutschen Städten haben an diesem Samstag tausende Menschen gegen die türkische Militäroffensive im Norden Syriens demonstriert. Die größte Kundgebung fand in Köln statt. Daran beteiligten sich laut Medienberichten etwa 10.000 Menschen. Im Vorfeld des der Kölner Demonstration hatte die Polizei wegen befürchteter Ausschreitungen ein Verbot geprüft. Der Zug konnte aber am Vormittag starten und verlief laut Polizei weitgehend störungsfrei. 

Sendung: Inforadio, 19.10.2019, 10:00 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Es ist längst Zeit für einen selbstständigen kurdischen Staat, auch wenn die Kurden das bislang nicht offiziell fordern. Alle Großmächte sollten das unterstützen und durchsetzen. Selbst für die Türkei wäre das langfristig ein wirtschaftlicher Vorteil anstatt Fremdherrschaft auszuüben.

  2. 7.

    Ich wünsche den Kurden viel Kraft und militärische Stärke im Kampf gegen die illegal operierende türkische Armee auf kurdischem Gebiet. Dass den Kurden jetzt nur noch die Unterstützung Assads bleibt, ist dem idiotischen Verhalten Trumps geschuldet. Ich hoffe, dass der IS trotz Erdogans Krieges gegen die Kurden weiterbekämpft wird und die jüngst durch die türkischen Angriffe freigesetzten IS-Kämpfer wieder eingefangen werden können. Der Schlüssel liegt aber in der politischen und wirtschaftlichen Isolierung der islamistisch geprägten Türkei des Diktators Erdogan und seiner AKP-Helferlein. Man sollte in der Türkei keinen Urlaub machen, man darf dort keine deutschen Werke errichten und man sollte Abstand halten von militärisch salutierenden Fußballern!

  3. 6.

    Da kann man nur hoffen und beten, daß die TÜRKEI nie und nimmer EU-Mitglied wird nach solchem aggressiven Verhalten gegenüber den Kurden.
    Außerdem wäre es angebracht, wenn VW sich überlegt, wo sie ihr neues Werk bauen, jedenfalls NICHT in der Türkei. Auch Bulgarien, die zur EU gehören, hat sich darum beworben.

  4. 5.

    Da marschiert die Türkei in ein anderes Land ein. So was nennt man Überfall ohne Kriegserklärung. Syrien sich wehrt - dann kommt der NATO-Fall. Das kann doch nicht wahr sein. Was kommt von der Regierung - nichts.

  5. 4.

    das frage ich mich auch , Erkenntnis: Doppelmoral , je nach dem , Schweigen oder Sanktionen . Türkei ist ja altes Nato-Mitglied und außerdem geostrategisch sooo wichtig , und man passt sich bequemerweise dem verhalten der USA an; aber " wir" sind eine Wertegemeinschaft bei der die Werte variabel sind , abhängig von der polit. Lage, das schafft viel Vertrauen und Zustimmung. Die Aufregung über den Ankauf der russischen Luftwehrsyteme hat sich schon auch gelegt....

  6. 3.

    das frage ich mich auch , Erkenntnis: Doppelmoral , je nach dem , Schweigen oder Sanktionen . Türkei ist ja altes Nato-Mitglied und außerdem geostrategisch sooo wichtig , und man passt sich bequemerweise dem verhalten der USA an; aber " wir" sind eine Wertegemeinschaft bei der die Werte variabel sind , abhängig von der polit. Lage, das schafft viel Vertrauen und Zustimmung. Die Aufregung über den Ankauf der russischen Luftwehrsyteme hat sich schon auch gelegt....

  7. 2.

    Positionen der verschiedenen Parteien bis zur Wahl merken und entsprechend wählen.

  8. 1.

    Ich frage mich: Wo ist der Aufruf der Kirchen,der Gewerkschaften, anderer Vereine zu einer Massendemonstration gegen den Überfall der Türkei auf Syrien?? Wo sind sie die Mahner, die sonst bei anderen Gelegenheiten und Vorfällen superschnell zu Kundgebungen aufrufen? Statt dessen: Schweigen.

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