Aktivisten besetzen die Kottbusser Brücke am 10.10.2019 (Quelle: rbb/Tim Schwiesau).
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Audio: Inforadio | 10.10.2019 | | Bild: rbb/Tim Schwiesau

Klimademos von "Extinction Rebellion" in Berlin - Aktivisten blockieren Kottbusser Brücke

Die Klimaaktivisten von Extinction Rebellion haben am Donnerstag in Berlin mit kleineren Aktionen für mehr Klimaschutz demonstriert. Neue Blockaden gab es in Mitte und Kreuzberg. 

- keine größeren Blockaden am vierten Protesttag 

- Demonstrationen in Kreuzberg: am Kottbusser Tor und Hermannplatz

- Blockaden am Naturkundemuseum, Verkehr eingeschränkt

- Marschallbrücke im Regierungsviertel seit Mittwoch besetzt

- Karl-Liebknecht-Brücke am Dom und Jannowitzbrücke wieder frei

- Aktivisten klebten sich an CDU-Zentrale und Umweltministerium fest

Den vierten Tag in Folge blockierten am Donnerstag Klimaaktivisten in Berlin Straßen, Brücken und Plätze in der Innenstadt. Am Abend besetzten Demonstranten der Bewegung "Extinction Rebellion" die Kottbusser Brücke in Kreuzberg. Etwa 300 Demonstranten seien vor Ort, berichtet ein rbb-Reporter.

Seit dem Mittag war bereits die Kreuzung Charlotten-/Ecke Dorotheenstraße in Mitte blockiert. Daher gab es Stau in der Nähe des Naturkundemuseums, meldete die Verkehrsinformationszentrale. Von der Blockade war laut der BVG kurzzeitig auch der Straßenbahnverkehr betroffen: Die Linien M1 und M12 fuhren bis zum Nachmittag für etwa eine Stunde nicht zwischen Am Kupfergraben und Hackescher Markt beziehungsweise Naturkundemuseum.

Gegen Mittag sollen sich Demonstranten von Weißensee aus auf den Weg zum Hermannplatz in Neukölln gemacht haben, schrieb Extinction Rebellion auf Twitter. Bis zum Abend gab es dort jedoch nur kleinere Blockaden.

Aktivisten kleben an CDU-Zentrale

Am Vormittag befestigten einige Mitglieder der Gruppe ihre Hände mit Klebstoff an der Fassade der CDU-Zentrale in Tiergarten, wie aus Tweets der Bewegung hervorgeht. Dort versammelte sich eine spontane Demonstration am Konrad-Adenauer-Haus. Eine Polizeisprecherin sagte dem rbb, einige Dutzend Menschen hätten sich eingefunden. "Alle seien unverletzt", hieß es später von Seiten der Polizei auf Twitter.

Eine ähnliche Aktion gab es am Bundesumweltministerium in der Nähe des Potsdamer Platzes. Auch dort benutzen die Demonstranten Klebstoff.

Kurzzeitig war auch der Mehringdamm Ecke Yorckstraße beziehungsweise Ecke Gneisenaustraße wegen einer spontanen Protestaktion gesperrt. Die Polizei habe die Kreuzungen in Kreuzberg zwar sofort geräumt, es kamen aber Demonstranten nach, berichtete ein rbb-Reporter.

Am Morgen hatten Anhänger der Klimaschutzbewegung vorübergehend die Karl-Liebknecht-Brücke in Mitte vor dem Berliner Dom besetzt. Sie wurde von der Polizei aber rasch wieder geräumt. Zuvor hatten die Beamten etwa 250 Demonstranten von der Jannowitzbrücke getragen, die seit Mittwochnachmittag blockiert war. Weiterhin besetzt ist die Marschallbrücke im Regierungsviertel. Dort befinden sich nach Polizeiangaben noch rund 200 Demonstranten. Ob und wann dort geräumt werden soll, ist nicht bekannt. Um 16 Uhr soll dort eine Kundgebung stattfinden, twitterte Extinction Rebellion.

Wegen der Blockaden kann es vor allem in den Berliner Stadtteilen Mitte und Kreuzberg am Donnerstag wieder zu Wartezeiten für Autofahrer kommen. Wer kann, soll das Auto nach Empfehlung der Verkehrsinformationszentrale des Senats stehen lassen. Die Oberbaumbrücke und die Kreuzung Kurfürstendamm/Joachimsthaler Straße in Charlottenburg wurden in der Nacht wieder freigegeben.

Polizei beobachtet Autobahnbrücke Tegel

Die Umweltbewegung hatte für den Donnerstag weitere Aktionen angekündigt, ohne dabei konkret zu werden. Die Polizei rechnet offenbar mit weiteren Brückenbesetzungen. Mehrere Einsatzkräfte beobachten deshalb die Autobahnbrücke, die zum Flughafen Tegel führt. Sie ist die einzige Verbindung zu dem Airport.

Aktionen sind noch bis Freitag geplant. Wo genau sich die Aktivisten versammeln, wird vorher größtenteils nicht bekannt gegeben. Sie organisieren sich über Chats in den sozialen Medien.

Die Umweltschutzbewegung will in Berlin und anderen Großstädten in aller Welt auf eine drohende Klimakatastrophe aufmerksam machen. Extinction Rebellion heißt übersetzt etwa: Aufstand gegen das Aussterben.

Polizei räumte Großen Stern und Mühlendammbrücke

Am Mittwoch hatten rund 300 Aktivisten in den frühen Morgenstunden die Marschallbrücke in der Nähe des Kanzleramts blockiert. Später besetzten sie auch die Jannowitzbrücke und die Mühlendammbrücke. Letztere wurde am Nachmittag von der Polizei geräumt.

Aufgrund der Blockaden an den Brücken hatte die Polizei Zufahrtsstraßen gesperrt. Laut Verkehrsinformationszentrale kam es vor allem rund um die Mühlendammbrücke zu einem "mittleren Verkehrschaos". Der Große Stern an der Siegessäule, den die Aktivisten seit Montagmorgen besetzt hatten, war Mittwochmittag ebenfalls wieder für den Verkehr freigegeben worden.

Am Abend hatte Extinction Rebellion angekündigt, seine Aktionen aus Rücksicht auf Solidaritätskundgebungen wegen des Angriffs auf eine Synagoge in Halle vorübergehend einzuschränken. Es werde vor, nach und in der Nähe dieser Kundgebungen zunächst keine neuen Blockaden geben, hatte Sprecherin Annemarie Botzki gesagt.

Oberbaumbrücke und Ku'damm wieder frei

Auch zur Oberbaumbrücke waren laut Polizei am Mittwoch mehrere Hundert Demonstranten gekommen. Nach Gesprächen hätten sich die Aktivisten aber teilweise zurückgezogen, am frühen Donnerstagmorgen war die Brücke wieder komplett frei für den Verkehr.

Zu einer angemeldeten Veranstaltung am Kurfürstendamm Ecke Joachimsthaler Straße waren laut Polizei mehrere Hundert Menschen gekommen. Der gesamte Kreuzungsbereich war gesperrt. Laut einer Polizeisprecherin verliefen die Proteste am Mittwoch friedlich.

Insgesamt waren am Mittwoch laut Polizei Hunderte Beamte in der Hauptstadt im Einsatz, darunter Polizisten aus anderen Bundesländern. "Wir setzen erstmal auf die Kommunikation und wollen den Demonstranten immer die Möglichkeit geben, selbst den Platz zu verlassen", so eine Sprecherin der Polizei.

Wie "Extinction Rebellion" Berlin blockiert

Sendung: Inforadio, 10.10.2019, 15 Uhr

116 Kommentare

  1. 116.

    Ach Mandy, es gibt in der ganzen Stadt schon gut ausgebaute Radwege....aber wenn man natürlich wie Sie den ganzen Tag nichts anderes zu tun hat als sich über Autos und LKWs aufzuregen sowie ständig die Nadel im Heuhaufen zu suchen um zu motzen, verliert man natürlich auch ein wenig den Blick für das Wesentliche. Und LKWs sind schon immer durch die Stadt gefahren genauso wie Autos, jedoch war das Gejaule der anderen Verkehrsteilnehmer noch nie so groß. Aber es gibt immer wieder neue Trends.....ist wie mit der Mode.

  2. 115.

    Man kann es schon nicht mehr hören. In der Welt und in Deutschland gibt es soviel Probleme und die Medien berichten permanent von diesen Leuten. Ohne diese übertriebene Berichterstattung würde sich kaum einer darum kümmern. Der Klimawandel ist da, ohne Frage aber mit diesen Aktionen gewinnt man nichts. Ich bin zur Zeit im Ausland und dort lacht man sich über die Deutschen kaputt und sie möchten sich nicht von Deutschland belehren lassen. Was mir noch keiner erklären könnte ist, wenn ich für das Klima etwas tue, bin ich ein Aktivist und kann gegen geltendes Recht verstoßen. Wenn nicht werde ich unter Umständen bestraft und bin ein Besetzer oder anderes.

  3. 113.

    Lasst sie angekettet, einbetoniert oder angeklebt einfach da sitzen wo sie sind. Nicht von ihrem freiwilligen Statement lösen, darin ausharren lassen. Nicht loslösen, wegtragen und deren immensen Müll entsorgen. Nur ihre Zeitgenossen, nur jene gut bestens finanzierte Organisation sollten ihnen helfen. Stern, Kreuzungen, Plätze und Brücken, lasst sie machen, keine Polizei und schauen was wird.

  4. 112.

    Zählen Sie ruhig mal die Autofahrer, die noch schnell bei Rot über die Kreuzung fahren.

  5. 111.

    Sie glauben wirklich mit Ihrem rumsitzen auf den Straßen würden Sie etwas ändern? Sie können fordern was Sie wollen, damit ändern Sie nichts und das ist gut so. Denn dieses Land ist eine Demokratie und dort entscheiden die gewählten Abgeordneten und keine selbsternannten Klimaschützer.
    Versuchen Sie die Menschen mit Argumenten zu überzeugen und nicht indem Sie die Bewegungsfreiheit der Menschen einschränken. Damit werden Sie keine Mehrheiten gewinnen. Oder sind Sie der Meinung des Gründers Ihrer Bewegung, Roger Hallam, dass für Ihre Bewegung die Demokratie irrelevant ist? Das bedeutet dann nichts anderes als das Ihre Bewegung die Ziele mit diktatorischen Maßnahmen durchsetzen will. Die Masse der Menschen werden Sie so nicht überzeugen.

  6. 110.

    @Rolf(81): " Das hat ja die letzte 40 Jahre wunderbar funktioniert..."
    Tja, schlechte Erziehung, schlechte Bildung.

  7. 109.

    Wird langweilig. Blockade hier, Blockade da... Polizei räumt. ... usw.; eigentlich schaue ich immer nur mal nach, wo vielleicht eine Störung ist, die mich betreffen könnte. Der Rest ist mir egal. Spielt weiter Räuber und Gendarm. Für die Polizisten hoffe ich, sie können bald mal wieder frei haben. Möchte nicht wissen, was da wieder für Stunden zusammen gekommen sind.

  8. 108.

    Entgegen anders lautender Medienberichte ist die Kottbusser Brücke aktuell weiter besetzt! Ich war bei der Blockadebildung dabei (16.05 Uhr) und bis eben noch dort. Die Polizei behauptet, die Blockade sei aufgelöst worden. Das ist eindeutig falsch! Die Menschen zeigen mit ihrem Einsatz, wie unglaublich wichtig ihnen das Thema ist (zur Erinnerung: sofortiger Klimaschutz wird gefordert!). Ich bin einer von ihnen. Und ich kenne viele Menschen, die das absolut unterstützen!

    Heute gab es auch etliche "Kurzblockaden" für wenige Minuten!

  9. 107.

    Stimme ihnen voll und ganz zu. Einige Medien machen da auch noch zu gerne mit.

  10. 106.

    Vollkommen richtig viele der Radfahrer sind unmöglich. Letztens hätte einer fast eine ältere Frau an einer Ampel umgefahren. Dann wurde er noch frech. Dass Fußgänger dann noch Radfahrer in der BVG subventionieren dürfen ist ein weiteres Unding.

  11. 105.

    Wo sollen diese schicken Radwege sein?
    Meinen Sie zugeparkte Busspuren und die zugeparkten Fahrradstreifen?
    Laufen Sie überhaupt mit offenen Augen durch die Stadt: zweite Reihe Parker ohne Ende, das können Sie nicht leugnen.
    Atmen Sie auch manchmal? Nehmen Sie ne gute Prise, wenn wieder ein LKW vorbei kommt.

  12. 104.

    Was wird es uns Kosten ihre Ziele der CO2-Emissionen zu erreichen? Dieser Frage weichen sie aus. Sie wissen es also gar nicht. Fabulieren dann aber wild rum über die Kosten des Klimawandels. Da die Ziele für die CO2-Emissionen nicht erreichbar sind, sollten wir besser das Geld sparen für die EU-Strafen.

  13. 103.

    Faktencheck Wie viel Geld wurde bislang in den Klimaschutz gesteckt und wie viel Co2 gespart?

  14. 102.

    Nichts wird sich ändern. Da könnt Ihr noch Wochen auf den Straßen rumsitzen. So arrogant über einen Menschen zu sprechen der konkret seine Existenz verloren hat und das mit einer eingebildeten abstrakten Vernichtung der Existenz zu vergleichen zeigt die Rücksichtslosigkeit die jeden Tag bei diesen selbsternannten Klimaschützern zu Tage tritt.

  15. 101.

    Mensch Mandy.....Sie haben doch alles...schicke Fusswege,tolle Radwege, warum meckern Sie eigentlich immer so rum?

  16. 100.

    Wann greift der Innensenator endlich gegen die Gesetzesverletzungen durch, zum Schutz Ihrer Bürger und der Gesellschaft

  17. 99.

    Andere verlieren Ihre Jobs und Sie sagen, das ist es wert....bedauerlich das es nicht Sie getroffen hat, falls Sie überhaupt einen Job haben. Aber wenn man seine Schäfchen im Trocknen hat, dann kann man solch einen plumpen Egoismus natürlich an den Tag legen....das ist vollkommen daneben.
    Dieses ständige Endzeitgequatsche ist schlimmer wie jeder Hollywood- Blockbuster.

  18. 98.

    Ich hoffe, dass die "Aktivisten" finanziell beteiligt werden an Polizeieinsätzen. Wenn die Polizei die Demonstranten wegtragen müssen, sollten diese nach Feststellung der Personalien eine Rechnung bekommen.Ebenfalls die angeketteten Personen. Ich sehe nicht ein, dass dafür der Steuerzahler gerade stehebn soll.

  19. 97.

    Vielleicht kapiert Ihr mal endlich, dass wir nicht in einer Diktatur leben, in der "ein Herrscher" bestimmt, was gemacht wird und das dann auch umsetzt.

    Wir leben - zum Glück- in einer Demokratie, die z.Zt. durch diese Aktionen im Übermaß strapaziert wird
    In einer Demokratie geht es um Verhandlungen und Konsenz um gemeinsame Projekte auf den Weg zu bringen. Das geht nicht mit der Brechstange oder durch Aushebelung von Gesetzen, wie grad Boris Johnson beim Brexit vom Gericht bescheinigt bekam.
    Und das gilt eben auch bei uns , u.A. in der Verkehrs- und Klimapolitik. Deshalb sind diese Sitzblokaden eher schädlich für die Sache. Ich wollte in jungen Jahren auch immer alles sofort durchsetzen. Geduld war und ist nicht meine Stärke. Die Brüschen, die mir die Realität beibrachte haben mich eines besseren belehrt. Solche oder ähnliche Erfahrungen werden die Akteure sicher auch noch machen und wenn es ihnen nicht nur um ein Happening geht, evtl. auch was drauß lernen.

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