Activisten von "Fasting for future" sitzen während ihres Konsumstreiks am 04.10.2019 vor dem Kanzleramt (Bild: rbb/Philip Barnstorf)
Philip Barnstorf
Video: rbb|24 | 04.10.2019 | Naomi Noa Donath | Bild: Philip Barnstorf

Demo am Kanzleramt - Fasten fürs Klima

Kein Handy, kein Essen, kein Strom: Vor dem Kanzleramt treten Fasting-for-Future-Aktivisten in den Konsumstreik. Durch ihren Verzicht wollen sie auf klimaschädliche Verschwendung aufmerksam machen - und sich selbst von innen reinigen.  

Sie essen nichts, benutzen keine Handys, fahren kein Auto und geben kein Geld aus. Nur bei Wasser und Tee sitzen eine Handvoll Demonstranten eingehüllt in Ponchos und Wolldecken vorm Kanzleramt in Berlin-Mitte, um mit ihrem Verzicht gegen klimaschädlichen Konsum zu protestieren.

Jakob von Recklinghausen ist der Initiator von Fasting for Future. Online hatte er zum 24-Stunden-Konsumstreik vor dem Büro von Angela Merkel aufgerufen. Pünktlich um Mitternacht hat der studierte Philosoph sein Auto abgestellt und harrt seitdem vor dem Regierungsgebäude aus. "Ich sitze hier, weil das Klimakabinett hinter mir völlig unzureichende Beschlüsse gefasst hat. Das ist Feigenpolitik", erklärt er sein Engagement. Der 39-Jährige, der schamanistische Schwitzhüttenrituale veranstaltet, ist überzeugt, dass die deutsche Gesellschaft sich grundlegend ändern muss. "Aus dieser Gegend der Erde kam der ganze Scheiß, der jetzt die Erde kaputt macht, zum Beispiel das Plastik in den Weltmeeren und die Maschinen, die CO2 in die Luft blasen."

"Hier zu sitzen ist auch unangenehm"

Neben von Recklinghausen auf der Wolldecke sitzt Kassandra Ortmann. Fasten hat für sie nichts Spirituelles, aber ein paar Stunden nicht aufs Handy zu gucken, findet sie "unglaublich befreiend". Ein paar Meter weiter - ebenfalls auf einer Wolldecke - sitzt Lena, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte. Die 35-Jährige stört sich vor allem daran, wieviel Kleidung weggeschmissen wird. "Hier zu sitzen und zu demonstrieren ist auch unangenehm. Man fühlt sich wie im Zoo", sagt sie, "aber da will ich meinen Stolz zurückstellen. Schließlich sitzen wir hier für etwas Größeres, das alle betrifft." Am Mittag sind die Demonstranten nur zu fünft. Aber sie hoffen noch auf Verstärkung von der Fridays-for-Future-Demonstration am Invalidenplatz.

Gemischtes Echo

Immerhin bleiben immer wieder Passanten stehen. Einige nehmen sich einen Flyer der Extinction Rebellion, die von Recklinghausen auf seiner Wolldecke ausgelegt hat. "Grundsätzlich finde ich die Idee nicht schlecht", sagt Thomas aus Frankfurt am Main, "aber den ganzen Konsum zu betreiken ist Blödsinn. Darunter würde auch die Industrie massiv leiden", kritisiert er.

Margret Paul, ebenfalls aus dem Rhein-Main-Gebiet, ist anderer Meinung: "Ich finde das sehr gut. Wir können gar nicht genug darauf aufmerksam machen, dass der maßlose Konsum in großen Teilen der Gesellschaft ganz falsch ist."

Detox for Future

Von Recklinghausen will in Zukunft öfter öffentliche Fastentage einlegen. Dabei geht es ihm nicht nur ums Klima: "Wenn ich einmal die Woche faste, bin ich auch die anderen sechs Tage bewusster mit dem, was ich zu mir nehme und was ich kaufe."

Kommentar

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29 Kommentare

  1. 29.

    Es soll ja auch eine Aktion mit dem Motto ,,Essen gegen Rechts" geben, finde ich übrigens genauso unsinnig.

  2. 28.

    Das wäre doch mal was für Greta und ihre Freunde. Kein Handy, kein Strom, kein Fernsehen, kein Flug in die Ferien. Aber darauf werden diese wohl kaum verzichten.

  3. 27.

    Ich hoffe der „Aktivist „ hat sich bei dem kühlen und regnerischen Wetter nicht erkältet. Denn sein nächster Termin zu protestieren steht bestimmt schon an. Zumindest haben sich seine Kumpanen schon angemeldet.

  4. 26.

    Erstens sind es mittlerweile 99% der Klimawissenschaftler. Die Wissenschaftler die nicht an den Klimawandel glauben und gerne zitiert werden sind meist fachfremd. Und 99% der Wissenschaftler irren dich, Glauben sie es erst wenn sämtliche Prognose eingetreten sind? Ach nee dann ist ja zu spät.

  5. 25.

    Ausgezeichnet! Ich werde Sie unterstützen, indem ich mit Lavendelsäckchen in der Luft herumwedele und dazu tibetische Reinigungsgesänge anstimme. Mein Auto lasse ich übrigends mehrmals in der Woche stehen. Krieg ich `n Preis? Komm` ich ins Fernsehen?

  6. 24.

    Köstlich! Hat das Kamerateam schon verlautbaren lassen, wann das gesendet wird? Ich würde mir Ihren Protest sehr gern ansehen, da ich diese Form des Protests für das Klima ausdrücklich gutheiße!

  7. 22.

    Also Kerkeling kann's ja nicht sein, der ist inzwischen dicker und auch auf Rente. Die Böhmermann-Truppe auch nicht, die machen ja in der Regel nur Satire, die der herrschenden Meinung entspricht. Aber hinter "Kassandra Ortmann" und "Jakob von Recklinghausen" steckt nicht zufällig die Titanic? (Wobei mir zu denken geben sollte, dass "Kassandra" keinen Doppelnamen hat.)

  8. 21.

    Und ein paar Lungenärzte widersprechen der allgemeinen Forschungsmeinung zu Stickoxiden. Es findet sich sicher auch der eine oder andre Biologe, der nicht an die Evolution glaubt. Ein paar Spinner gibt's halt immer.

  9. 20.

    Wenn junge Menschen umweltpolitisch aktiv werden ist das gut.
    Nur die massenhafte sofortige und dauerhafte Mäßigung beim alltäglichen Konsumverhalten könnte möglicherweise das Klima schonen, sicher aber die Umwelt entlasten. Wenn es um dauerhaften persönlichen Verzicht geht ist es mit dem Umweltschutz nicht weit her.
    Wer kauft häufig die neuesten elektronischen Geräte und Kleidung in Ketten wie Primark? Überwiegend die junge Generation.
    Fast niemand möchte sich zurücknehmen. Das zeigen die Verkaufzahlen bei Automobilen. Das beweisen die Flugbuchungen und stetig zunehmenden Kreuzfahrten. Es wird weiter überwiegend Fleisch aus der Massentierhaltung verzehrt. Wer wirft Plastik und Zigarettenkippen seit Jahrzehnten achtlos in die Umwelt? Die böse Industrie und Politiker? Überwiegend der einzelne faule, rücksichtslose, egoistische Mensch ist es millionenfach tagtäglich, der sich langfristig selber schädigt.

  10. 19.

    Sehr geehrte Redaktion,
    ich möchte Sie davon unterrichten, dass ich morgen meine Wohnung putzen werde. Ich möchte damit auf den Klimawandel aufmerksam machen und entschieden dagegen protestieren. Die Politik muss endlich etwas tun. Irgendwas. Irgendwie. Motto: „Roomcleaning for future“. Es ist auch unangenehm, mit meinen rosa Naturlatexhandschuhen das Klo zu schrubben. Aber dann sage ich mir: Ich schrubbe für etwas, das größer ist als ich. Und ohne das der Planet nicht mehr lange existieren wird. Außerdem fühle ich mich danach gleich viel sauberer. Menschen mit dem rechten Bewusstsein sind jederzeit willkommen, mitzuputzen.

    Wann darf ich mit Ihrem Kamerateam rechnen?

  11. 18.

    Die Industrie interessiert sich nur für ihren Profit und sonst für gar nichts. Die Arbeitnehmer sind den doch völlig egal - nur willkommene Konsumenten.

  12. 17.

    Hat was von Satire:
    Er kam mit dem Auto, hat ne Plastikkiste und nen Plastikeimer dabei, ne schöne Thermoskannen, die nicht auf Bäume wächst, und auch eine bestimmt wunderschöne Gitarre in einer wunderschönen Nylontasche.

    Die großindustrielle Herstellung von Nylon und Perlon ist nicht gerade umweltfreundlich.
    Nylon besteht unter anderem aus Polyamid.

    Polyamid bringt aber auch einige bedenkliche Nachteile mit sich. Besonders kritisch ist die Herstellung des Kunststoffs aus Erdöl. Die Bohrung nach Erdöl hat verheerende ökologische Folgen, unter anderem die Verseuchung von Böden und Gewässern, Abholzung, Luftverschmutzung, sowie das Absterben zahlreicher Pflanzenarten.
    Ein weiterer Umweltschaden entsteht, wenn Polyamide in unsere Gewässer und die Umwelt gelangen. Das kann leicht über Kleidungsstücke geschehen: In der Waschmaschine werden kleinste Faserteile abgerieben und gelangen ins Abwasser. Die Teilchen sind so winzig, dass die Kläranlagen sie nicht mehr herausfiltern können.

  13. 16.

    "Sagen übrigens auch 99% der Wissenschaftler...."
    --Auf eine Kleine Anfrage antwortete die Bundesregierung im August 2019, dass aktuell davon auszugehen ist, „dass rund 99 Prozent der Wissenschaftler, die Fachaufsätze zum Klimaschutz veröffentlichen, der Überzeugung sind, dass der Klimawandel durch den Menschen verursacht ist“.--
    wer hat denn diese kleine Anfrage gestellt? Gretchen mit der Maus?
    Von wievielen Wissenschaftler wird hier gesprochen? 10?

    in Real sind es 97% - 98% der (1372) Wissenschaftler, die vom anthropogenen Klimawandel überzeugt sind.
    "Überzeugt sind" bedeutet aber nicht 100% Wissen sondern eher "glauben" und "glauben" können wir in der Kirche :D

    27 bis 45 Wissenschaftler teilen diese "Überzeugung" aber nicht.

  14. 15.

    Kleine Anregung für die nächste Extremabenteueraktion: Dieser Tage hörte ich im Deutschlandfunk einen Bericht über ein bayerisches Dorf, in dem es - wie wohl in vielen, nicht nur bayerischen Dörfern - erbitterte Auseinandersetzungen über den Bau einiger Windräder gibt. Die Bürgermeisterin (keine Grüne, sondern von den Freien Wählern) erhält regelmäßig Mord- und andere Drohungen, weil sie für den Bau der Windkraftanlagen ist, da sie meint, man müsse so viel des dort verbrauchten Stroms auch selbst produzieren, statt die Last auf andere abzuwälzen.

    "Klimaaktivisten" könnten doch mal eine kleine Tour durch solche Orte machen und dort für den Bau von noch viel mehr Windkraftanlagen werben. Problem natürlich: Da sind die Medien vermutlich nicht immer gleich zur Stelle und man kann sich vielleicht nicht so gut in dem Glauben sonnen, ganz viel zur Rettung "des Planeten" beigetragen zu haben.

  15. 13.

    "Darunter würde auch die Industrie massiv leiden"

    Was für ein Satz. Die Industrie ist gerade dabei, uns die ganze Krise einzubrocken. Wenn ich mit einer Sache absolut kein Mitleid habe, dann mit der Industrie.

    Was soll "die Industrie" überhaupt sein? Roboter? Zahlen? Konzernbosse? Null Verständnis von mir. Oder Arbeitnehmer? Dann weiß ich nicht, wo das Problem sein soll. Wenn alle weniger Unnützes konsumieren, dann müssen auch alle weniger arbeiten. Das sind alte Kamellen, die offenbar immer noch erklärt werden müssen. Warum ist das immer noch nicht bei allen angekommen? Weil wir 24 Stunden pro Tag aus allen Kanälen beschallt werden, dass Konsum gleich Glück sei.

  16. 11.
    Antwort auf [tommy] vom 04.10.2019 um 18:30

    Klimawandel, Klimawandel, Klimawandel(menschgemacht). Sagen übrigens auch 99% der Wissenschaftler. Klimawahn sagen u.a. diese merkwürdige afd und andere 1%er.

  17. 10.

    Langsam wird es lächerlich......schade

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