Familienministerin Franziska Giffey bei einer Konferenz gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus in Berlin. (Quelle: dpa/AP/Markus Schreiber)
Bild: dpa/AP/Markus Schreiber

FU Berlin prüfte Dissertation - Franziska Giffey darf Doktortitel behalten

Die Doktorarbeit von Familienministerin Franziska Giffey war in die Kritik geraten. Die Freie Universität Berlin prüfte die Dissertation und kam nun zu dem Schluss: Die Arbeit hat zwar Mängel, den Doktortitel aber darf Giffey behalten - und damit auch ihren Ministerposten.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey darf ihren Doktor-Titel behalten - und damit auch ihren Ministerposten. Wie die FU Berlin am Mittwochabend mitteilte, hat das Universitätspräsidium einstimmig entschieden, Giffey den Doktorgrad nicht zu entziehen.

Seit Februar hatte die Universität die Arbeit auf Giffeys eigene Bitte hin geprüft. Es ging darum, ob die SPD-Politikerin abgeschrieben oder nicht korrekt zitiert hat. Die Internetplattform Vroniplag hatte die Doktorarbeit bemängelt, sie habe in großen Teilen gegen wissenschaftliche Regeln verstoßen. Die Dissertation enthalte "zahlreiche wörtliche und sinngemäße Textübernahmen, die nicht als solche kenntlich gemacht sind", heißt es auf der Plattform.

Rüge für Mängel in der Dissertation

Die FU kam nun zu dem Schluss, dass es in Giffeys Dissertation zwar Mängel gebe, dass das Gesamtbild der festgestellten Mängel die Entziehung des Doktorgrades aber nicht rechtfertige. Allerdings erteilt die FU der früheren Neuköllner Bezirksbürgermeisterin eine Rüge. "Mit der Rüge missbilligt das Präsidium, dass Frau Dr. Giffey in ihrer Dissertation die Standards wissenschaftlichen Arbeitens nicht durchgängig beachtet hat", heißt es in der Mitteilung der FU.

Ein bewusstes Plagiat hatte Giffey immer zurückgewiesen und gesagt, sie habe die Doktorarbeit nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Bei einem Plagiatsverdacht geht es darum, ob der Autor diese fremden Texte zum Teil oder ganz zu seinen eigenen macht und nicht ausreichend als Fremdquelle ausweist.

Giffey knüpfte Ministerposten an Doktortitel

Giffey promovierte von 2005 bis 2009 im Bereich Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Ihre Dissertation trägt den Titel "Europas Weg zum Bürger - Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft". 

Die SPD-Politikerin erklärte am Mittwochabend, sie setze ihre Arbeit als Ministerin mit viel Freude fort. Sie ist seit 2018 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Für den Fall einer Aberkennung des Titels hatte sie angekündigt, als Ministerin zurückzutreten. Wegen des schwebenden Verfahrens hatte sie zudem auf eine Kandidatur für den SPD-Vorsitz verzichtet, obwohl ihr gute Chancen eingeräumt wurden.

Sendung: Inforadio, 30.10.2019, 20:20 Uhr

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15 Kommentare

  1. 15.

    ICH. Alles andere ist an den Haaren herbeigezogen. Es ist schon erstaunlich, welche Blüten neidvoll entstehen...

  2. 14.

    Sagt wer? Einer. der bereits einen Dr. Titel hat und genau weiß, wie's geht..oder nur mal aus Langeweile so dahin plappert...?

  3. 13.

    Bekommen die anderenPersonen nun auch ihren Doktortitel zurück? Aber vieleicht sind diese ja auch in der falschen Partei? Bei denen lag die Doktorarbeit allerdings zum Teil schon 20 Jahre zurück! Sehr fragwürdig das Ganze.

  4. 12.

    Wie darf ich mir das mit so einer Doktorarbeit vorstellen ? Die wird doch angeblich geprüft und was wird denn da geprüft? Da fällt keinem auf ob diese Arbeiten Mängel haben? Jetzt erscheint mir so mancher Doktor in einem ganz anderem Licht.
    Ich freue mich aber für Frau Dr. Giffey das sie im Amt bleibt. Eine der seeeeeehr wenigen Politiker die sich um die Menschen kümmern.

  5. 10.

    Habe ich natürlich auch nicht! Ich frage mich soundso, warum ein Politiker einen Doktortitel braucht? Wozu braucht man dafür einen überhaupt?

  6. 8.

    Kann man das sein Eigen nennen? Fragwürdige Entscheidung, aussitzen und bangen.
    https://vroniplag.wikia.org/de/wiki/Dcl

  7. 5.

    ... warum wundert mich diese Entscheidung nicht?

  8. 4.

    Nun darf Frau Giffey wieder zur Tagesordnung übergehen. Ich finde es gut, dass diese Angelegenheit jetzt endlich geklärt ist.

  9. 3.

    Eine Rüge also, mit der etwas “missbilligt” wird. Mich würde mal interessieren wer zuletzt in einem vergleichbaren Fall so entspannt davongekommen ist?

    Das ist wie eine Bewährungs”strafe”, irgendwie unschön vom Gefühl her, und vor allem mit viel ernsthaftem Pathos ausgeteilt, aber de facto ohne Substanz und ohne Konsequenzen in der realen Welt.

    Die Doktorarbeit ist ja öffentlich, wie auch die Anmerkungen und detaillierten Vorwürfe von Vroniplag. So kann sich jeder selbst ein Bild machen. Giffey hat lange Textpassagen übernommen und nur einzelne Worte abgeändert, ohne das alles entsprechend zu kennzeichnen oder zu dokumentieren. Die Betrugsabsicht drängt sich förmlich auf, auch wenn sie die Absicht natürlich bestreitet.

    Das Universitätspräsidium hätte den Doktortitel also genauso gut aberkennen können. Es wurde aber der Ermessensspielraum großzügigerweise einstimmig zugunsten der Ministerin ausgelegt. Wer will noch behaupten dass die FU politisch neutral sei?

  10. 2.

    Auf so einen Doktortitel würde ich nicht froh sein! Hat immer ein Gschmäckle!

  11. 1.

    Jenseits politischer Vorlieben freut mich diese Entscheidung: Weil die Plagiatssuche nach den ersten, wirklich gravierenden Fällen, sich immer weiter zu erbsenzählendem Tugendterror entwickelt hat, bei dem teilweise an Arbeiten aus Zeiten, in denen mit Schreibmaschine und (zur Sortierung von Quellen/Zitaten) Zettelkasten gearbeitet wurde, völlig ahistorische Maßstäbe der computergestützten Zitateverwaltung angewendet wurden (etwa im Fall Schavan). Respekt dafür, dass sich die Universität diesmal nicht von den selbstherrlichen Plagiatsschnüfflern vor sich hertreiben lassen hat.

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