"House of One" lädt zu multireligiösem Friedensgebet (Quelle: rbb)
Video: Abendschau | 11.10.2019 | S. Bruha | Bild: rbb

Gedenken in Berlin und Brandenburg - Friedensgebet für Opfer von Halle

Zwei Tage nach dem rechtsextremen Anschlag auf eine Synagoge und den tödlichen Schüssen auf zwei Menschen in Halle ist am Freitag in Berlin und Brandenburg an die Opfer erinnert worden.

Bei einem multireligiösen Friedensgebet der Berliner Drei-Religionen-Stätte "House of One" rief der evangelische Bischof Markus Dröge zum Engagement gegen Rechts auf. Hass und Menschenverachtung würden "zu nichts anderem führen, als Gewalt und Terror", betonte der Theologe in der evangelischen Marienkirche am Alexanderplatz.

Kondolenzbuch ausgelegt

Der Anschlag müsse alle friedliebenden Menschen "aufschrecken, sich mit mehr Entschiedenheit dafür einzusetzen, dass dem Rechtsextremismus, dem Antisemitismus und der Menschenverachtung in unserer Gesellschaft nach allen Kräften gewehrt wird", betonte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Das Engagement für Gerechtigkeit, Menschenrechte und Frieden müsse gestärkt werden.

An dem Friedensgebet mit rund 50 Menschen nahmen neben Dröge auch der jüdische Rabbiner Andreas Nachama, der katholische Theologe und Dompropst Tobias Przytarski und die islamische Theologin Kübra Dalkilic teil. Dort wurde am Freitag auch ein Kondolenzbuch ausgelegt.

Mahnwachen in Brandenburg

In Frankfurt (Oder) kamen am Abend 200 Menschen an der Stelle zusammen, an der früher die Synagoge stand. In Potsdam versammelten sich etwa 100 Menschen am Gebetshaus der jüdischen Gemeinde und bekundeten ihre Anteilnahme und Solidarität. Sie zündeten Kerzen an und sangen gemeinsam ein Friedenslied.

Der Landesrabbiner Nachum Presman sagte: "Ich habe keine Angst in Deutschland zu leben. Ich weiß, dass die Mehrheit der Menschen in Deutschland tolerante und gute Menschen sind." Vor Brandenburgs einziger Synagoge in Cottbus fand am Abend eine Mahnwache statt. Die Menschen kamen auch, um das Schabbat-Gebet am Abend in der Synagoge zu schützen oder daran teilzunehmen. 

Nach dem Anschlag in Halle hat die brandenburgische Polizei ihre Präsenz vor jüdischen Einrichtungen verstärkt. Es gibt sieben jüdische Gemeinden in Brandenburg. 

Ermittler gehen von antisemitischem Motiv aus

In Halle in Sachsen-Anhalt waren am Mittwoch während eines Gottesdienstes zum jüdischen Feiertag Jom Kippur in der Nähe einer Synagoge zwei Menschen erschossen worden. Der Täter soll versucht haben, in die Synagoge einzudringen. Als sein Angriff auf die Synagoge scheiterte, erschoss er vor dem Gotteshaus eine Frau und in einem nahen Döner-Laden einen Mann. Zwei weitere Menschen wurden schwer verletzt.

Am frühen Nachmittag wurde der Tatverdächtige Stephan B. festgenommen. Inzwischen wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen. Laut Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ist von einem antisemitischen Motiv und einem rechtsextremistischen Hintergrund auszugehen. Die Generalbundesanwaltschaft spricht von Terror.

Sendung: Abendschau, 11.12.2019, 19:30 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Gebete und alle möglichen solidarischen Gesten sind schön. Doch mir begegnen immer öfter Menschen, die aus Angst ganz konkret planen Deutschland zu verlassen. Die Sicherheitsbehörden müssen das staatliche Gewaltmonopol gewähren, damit die rechtsextremen Terroristen aufhören den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu zerstören.

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