Symbolbild: Schüler arbeiten in einer Schule im Biologieunterricht. (Quelle: dpa/Sebastian Gollnow)
Video: Abendschau | 18.10.2019 | Tobias Schmutzler | Bild: dpa-Symbolbild/Sebastian Gollnow

IQB-Bildungstrend 2018 - Neuntklässler schneiden in Naturwissenschaften schlechter ab

Die Leistungen von Neuntklässlern in den Naturwissenschaften sind in den vergangenen Jahren schlechter geworden. Das zeigt der "IQB-Bildungstrend 2018". Auch in Berlin fielen die Leistungen ab - in Brandenburg sogar deutlich.

In Berlin und Brandenburg sind Neuntklässler in den vergangenen Jahren bei ihren Kompetenzen in Mathematik, Biologie, Chemie und Physik zurückgefallen. Das geht aus dem IQB-Bildungstrend 2018 hervor, der am Freitag veröffentlicht wurde [iqb.hu-berlin.de]. Die Studie war von der Kultusministerkonferenz in Auftrag gegeben worden.

Besonders stark verschlechterten sich zwischen 2012 und 2018 die Leistungen der Schüler in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Brandenburg war allerdings 2012 mit einem guten Niveau gestartet - und liegt nun in etwa im Bundesschnitt. In Berlin lagen und liegen die meisten Werte darunter.

Im Fach Mathematik blieben beispielsweise im vergangenen Jahr bundesweit gesehen 24,3 Prozent der getesteten Schülerinnen und Schüler in Klasse neun unterhalb des für den mittleren Schulabschluss (MSA) nötigen Mindeststandards. Das ist etwas besser als 2012, damals waren es 25,0 Prozent.

In Berlin verschlechterte sich dieser Wert: Fast 34 Prozent erreichten hier im vergangenen Jahr den Mindeststandard nicht. 2012 waren es 32,8 Prozent gewesen. Immerhin erreichten etwas mehr Kinder (+1,1 Prozent) im Vergleich zu 2012 den Regelstandard: 38,5 Prozent statt 37,7 Prozent im Jahr 2012. In einem Gesamtmittel über alle Mathematikwerte bescheinigt die Studie Berlin einen unveränderten Zustand. 

In Brandenburg verfehlten mit 24,2 Prozent etwa so viele Schüler wie im Bundesschnitt den Mindeststandard. 2012 hatte es allerdings noch deutlich besser ausgesehen: mit 18,8 Prozent. Nur in Mecklenburg-Vorpommern verschlechterte sich die Lage stärker. Auch den Regelstandard erreichten deutlich weniger Kinder (41,6 Prozent statt 52,8).

Ähnlich ist die Situation in den Fächern Biologie, Chemie und Physik: Bei der Neuntklässlern erreichten 2018 deutschlandweit 5,4 (2012: 6,2) Prozent der Schüler nicht den Mindeststandard an Fachwissen Biologie. In Brandenburg lag der Wert mit 5,6 Prozent ungefähr auf Bundesniveau - gegenüber 2012 mit 1,7 Prozent ist aber eine deutliche Verschlechterung zu erkennen. In Berlin schafften es 10,5 Prozent der Kinder nicht auf den Mindeststandard (2012: 9,4).

Auch beim Fachwissen Chemie verschlechterten sich die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in der Region. Der Deutschlandschnitt lag 2018 bei 16,8 Prozent (2012: 16,0). In Berlin erreichten 24,4 Prozent der Getesteten nicht das Mindestniveau (19,3). In Brandenburg fiel der Wert stark ab: auf 17,1 Prozent von 7,1 in 2012.  

Ähnlich beim Fachwissen Physik: Während sich der Deutschlandschnitt von 9,6 auf 8,8 Pprozent verbesserte, verschlechterte er sich in Brandenburg von 2,8 auf 7,6 Prozent. Berlin ist Schlusslicht mit 16,7 Prozent an Neuntklässlern, die den Mindeststandard nicht erreichen - ein noch höherer Wert aus 2012 mit 13,1 Prozent.

Ähnlich stark wie Brandenburg fiel bei den Tests in Biologie, Chemie und Physik nur Sachsen-Anhalt ab.

Unterschiede in den Bundesländern

Insgesamt, so bilanzieren die Studienautoren, zeige die Untersuchung eine stabile Lage, mit teilweise "eher ungünstigen Veränderungen". Die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern sei erkennbar unterschiedlich: In einigen Ländern wie den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg schneiden insgesamt mehr Schülerinnen und Schüler schlechter ab. In Bayern und Sachsen erreichen überdurchschnittlich viele Schüler gute Leistungen, in Mecklenburg-Vorpommern besonders viele schlechte.

In Berlin liege dabei der Anteil der der Schülerinnen und Schüler, die den Mindeststandard in Mathematik nicht erreichen, 2018 "signifikant höher" als in Deutschland insgesamt. Die Zahl der Schüler, die mindestens den Regelstandard für den MSA erreichen, liege in Berlin "signifikant unter dem deutschen Gesamtwert".

Ungünstig entwickelten sich die im Durchschnitt erreichten Werte an den Gymnasien. Zudem sind Jungen laut der Studie von Negativtrends häufiger betroffen als Mädchen. Der Anteil an Schülerinnen und Schülern aus zugewanderten Familien nahm bundesweit von 2012 bis 2018 um rund sieben Prozentpunkte auf 33,6 Prozent zu.

Fast 45.000 Schüler gestestet

An der Studie nahmen 44.941 Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe aus allen Bundesländern teil. Jeweils fast zwei Drittel bearbeiteten Aufgaben in Mathematik und in den naturwissenschaftlichen Fächern. Bei Mathematik wurden auch Daten derjenigen Schülerinnen und Schüler ausgewertet, die nur Hauptschulabschluss anstreben. Bei den naturwissenschaftlichen Fächern hingegen wurden lediglich die Daten der Schülerinnen und Schüler ausgewertet, die mindestens den MSA anstreben. Deshalb können laut Studienautoren die Daten für Mathematik im Vergleich ungünstiger ausfallen.

Opposition wirft Bildungssenatorin Versagen vor

Zumindest im Fach Mathematik hätten sich Berlins Neuntklässler  - entgegen dem bundesweiten Trend - zumindest nicht verschlechtert, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres. Sie habe bereits Maßnahmen angestoßen, die Bildungsqualität in den naturwissenschaftlichen Fächern zu verbessern.

Die CDU warf Scheeres hingegen Ignoranz und Scheitern vor: Berlin brauche die Lehrerverbeamtung, Modernisierung der Schulen und Grundschüler mit ausreichend Deutschkenntnissen, so CDU-Bildungsexperte Dirk Stettner. Der bildungspolitische Sprecher der AfD, Franz Kerker, wiederum machte den hohen Ausländeranteil in Schulklassen für die Testergebnisse verantwortlich und forderte eine "Nationalitäten-Quote".

Die Berliner IHK verwies auf den herrschenden Fachkräftemangel in technischen Berufen: Dieser sei nur zu beheben, wenn Schüler grundlegende mathematische Kompetenzen mitbringen.

Sendung: Brandenburg aktuell, 18.10.2019, 19:30 Uhr

Hinweis: Eine erste Fassung dieses Beitrags war überschrieben mit "Neuntklässler in Berlin und Brandenburg rechnen schlechter". In Bezug auf Brandenburg ist das korrekt. In Bezug auf Berlin gilt es der negative Trend nicht für den gesamten Mathematik-Wert, sondern nur für die nicht erreichten Mindeststandards. Wir bitten diese Ungenauigkeit zu entschuldigen.

47 Kommentare

  1. 46.

    Ihren Worte sagen wirklich alles. Danke, Sie bestätigen jetzt genau dass, was ich die ganze Zeit schon vermutet habe.

  2. 43.

    "Das was Ihnen vielleicht fehlt...eine vernünftige Schulausbildung."

    So Schluß jetzt, sofort! Sie kennen weder mich, noch meine (Schul-)Bildung, also unterlassen sie es mich weiterhin dumm anzupöbeln!

  3. 42.

    "Das was Ihnen vielleicht fehlt...eine vernünftige Schulausbildung."

    Sie kennen weder mich, noch meine (Schul-)Bildung, also unterlassen sie es mich weiterhin dumm anzupöbeln!

  4. 41.

    Ihre Geschichtsklitterung lasse ich mal unkommentiert aber die AfD Propaganda "Eine aktuelle Umfrage besagt,das mehr als zwei Drittel der Bevölkerung nicht ihre "wahre " Meinung äußern." kann man so nicht stehen lassen.

    Natürlich wie immer ohne Quelle, also Fake News.

    "Das Ergebnis: Unter Freunden äußern sich lediglich 34 Prozent vorsichtig, in der Öffentlichkeit jedoch 58 Prozent. Nur 17 Prozent geben an, dass sie sich im Internet frei äußern. Als Grund für diesen niedrigen Wert werden die rüden Formen der Auseinandersetzung angegeben. Hingegen sagen 36 Prozent, und damit mehr als in den beiden anderen Feldern, sie seien im Internet vorsichtig. Die Befragung fand im Zeitraum vom 3. bis 16. Mai statt."

    Dumm wenn man ihre Lügen so schnell widerlegen kann, nicht wahr?

  5. 40.

    Sorry, da haben sie allerdings recht! Hätte aber passen können.

  6. 39.

    Ich habe das auch nicht als falsch verstanden. Ich weiß was Sie gemeint haben:-) Den Rest den ich geschrieben habe, bezog ich auch mehr auf die schlauen Wessis die grundsätzlich alles was mit dem Osten zu tun hat oder hatte mies machen. Alles gut.
    Lesen Sie den Bericht zu dem Film der beiden Filmemacherinnen über Westpakete und lesen Sie ein Teil der Kommentare dazu.....dann wissen Sie auch wie einige über die Ossis denken.

  7. 38.

    Heike bitte genau lesen
    ....ich habe es als wessi bewundert, da wir mit unseren Kindern nicht einfach so nach Hamburg gezogen sind !!

  8. 37.

    Bevor man das Bildungssystem der ehemaligen DDR in der Luft zerreißt, sollten man sich ein Bild davon machen, wie es wirklich war. Ich selber bin im West-Teil dieser Stadt zur Schule gegangen, aber mein Mann kommt aus dem Osten der Stadt. Wir haben viel verglichen und festgestellt das es bei dem, was bis zur 10. Klasse gelehrt wurde, einen sehr großen Unterschied gab.
    Sicherlich ist das alles lange her, aber die, die heute Alles was in der ehemaligen DDR war, schlecht machen, liegen einfach mal daneben.
    Kleiner Tipp....Es gibt Schulbücher" Tafelwerk" wenn Sie die Möglichkeit haben, werfen Sie dort mal einen Blick rein.

  9. 36.

    Ich empfehle gerne "the simple club" oder "Lehrer Schmidt", bei nur 4 Wochenstunden Mathe kann nicht alles immer wiederholt werden, das geht mit YouTube ganz gut.

    Es gibt halt zuviele Systemfehler (4 Wochenstunden / 2 Doppelstunden IST ein Fehler), aber die Kultusministerien wurschteln weiter nur rum, jedes Bundesland für sich...

  10. 35.

    Also, als Wessi habe ich immer ,, bewundert " , dass man dort mit Kindern immer umziehen konnte und nicht wie bei uns, wo man die Sorge hatte ....klappt es mit der Schule oder ist er Lehrplan .......

  11. 34.

    Das Bildungssystem unseres Landes ist eine Katastrophe. Jedes Bundesland macht sein eigenes Ding. Hinzu kommen akuter Lehrermangel, zahllose Ausfallstunden und die Tatsache, das man aus Geldknappheit den Menschen die Inklusion als das Nonplusultra verkaufen will. Außerdem wird die Zahl der Eltern, die glauben das Bildung ausschließlich Sache der Schulen ist, immer größer. Da muss man sich über die Ergebnisse nicht wundern.

  12. 33.

    "Das war ja klar dass hier die ersten DDR Ostalgiker aufschlagen werden. Was war denn am "DDR-Bildungssystem" so toll?"
    Das was Ihnen vielleicht fehlt...eine vernünftige Schulausbildung. Lesen Sie Kommentar Nr. 31. Dann wissen Sie es.

  13. 32.

    Mag sein, aber gerade in Mathematik gibt es dort ein paar sehr gute Seiten bis Jahrgangsstufe 10 die von guten Matheschülern, Studenten oder Lehrern angeboten werden. Genauso wenig wie es nur an den Schülern liegt, liegt es nur an den Lehrern.

    Und nur weil Sie nicht mit youtube umgehen können oder wollen, heißt es nicht das es keine guten Videos gibt. Wenn sich Schüler bei youtube umsehen, bedeutet es zumindest das sie versuchen den Unterrichtsstoff zu verstehen, was durchaus lobenswert ist.

  14. 31.

    An alle, die gleich wieder die Fassung verlieren ob des DDR-Bildungssystems: Es ging mir nicht um einzelne Fächer, schon gar nicht um Bespitzelung (die Welt kann aber auch einfach sein.... Reflex lass nach). Ich dachte dabei an die Vorschulbildung im Kindergarten, gut strukturierte Bildung in den unteren Klassen, gemeinsames Lernen bis zur 8./10. Klasse, allgemeinbildende weiterführende Schule bzw. Berufsausbildung mit/ohne Abitur. Landesweit vergleichbar. Die Unis bzw. Berufsschulen konnten sich auf klare Voraussetzungen stützen, ebenfalls landesweit.
    So. Jetzt Sie: Was bitte spricht gegen das DDR-Bildungssystem?

  15. 30.

    <youtube Videos>
    .... sind natürlich immer "fundiert". Was man da oftmals für einen Schiet sieht, spottet jeder Beschreibung. Eine sehr zweifelhafte Entwicklung. Die "Masse" hat Recht und bitte nicht mit Fakten verwirren. Bezogen auf die "EDV" ... 1+1 muss nicht zwei sein. So jetzt kommt so'n App-Junkie an und geht in Chillroom. Tolle Wurst. Es liegt nicht immer an dem Lehrer.

  16. 29.

    Duckmaüsertum erlebe ich tagtäglich, auf Arbeit ,im TV und überhaupt. Da müssen sie gar nicht soweit zurück denken. Eine aktuelle Umfrage besagt,das mehr als zwei Drittel der Bevölkerung nicht ihre "wahre " Meinung äußern......und übrigens an Weihnachten konnten alle Erstklässler schreiben und lesen....das berichten damalige Lehrer in der DDR. Also bleiben Sie mal schön auf dem Teppich.....

  17. 28.

    In Berlin und Brandenburg sind Neuntklässler in den vergangenen Jahren bei ihren Kompetenzen in Mathematik, Biologie, Chemie und Physik zurückgefallen.

    Es ist so einfach immer auf die Schüler zu zeigen, die hören nicht zu, machen keine Hausaufgaben etc.

    Wieso steht der Lehrer nicht zur Diskussion, es gibt so viele Lehrer die schlicht und einfach nicht in der Lage oder Willens sind Schülern den Unterrichtsstoff zu vermitteln. Gerade in Mathematik und Physik scheitern einfach auch viele Schüler an der Unfähigkeit ihrer Lehrer. Ich kenne viele Schüler die Mathematik bei ihrem Klassenlehrer nicht verstehen und z. B. durch youtube Videos den Lernstoff erarbeiten, dort allerdings teilweise verwundert sind wie einfach das Thema ist, obwohl es lediglich etwas anders erklärt wurde.

Das könnte Sie auch interessieren