Symbolbild: Ein Obdachloser liegt unter einer Decke in einem Hauseingang. (Quelle: dpa/Zinken).
Video: rbb24 | 01.10.2019 | Nachrichten | Bild: dpa/Zinken

Obdachlose in Berlin - Kältehilfe fordert Berliner Politik zum Handeln auf

Seit 30 Jahren bieten Wohlfahrtspflege und Hilfsorganisationen in den Wintermonaten Schlafplätze für Obdachlose an. Die Kapazitäten werden seit Jahren aufgestockt, um den Bedarf zu decken. In diesem Jahr sollen 1.100 Schlafplätze zur Verfügung stehen.

Für Obdachlose in Berlin stehen von Dienstag an wieder Notübernachtungsplätze zu Verfügung. Die 30. Kältehilfe-Saison startet mit rund 440 Plätzen in Notübernachtungen und Nachtcafés.

Bis Dezember wird die Anzahl der Plätze schrittweise erhöht. Zum Jahresende sollen dann mehr als 1.100 Schlafmöglichkeiten für obdachlose Menschen zur Verfügung stehen, sagte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) am Dienstag. Sollten diese Plätze nicht ausreichen, würden weitere Notübernachtungen eröffnet. Niemand dürfe auf der Straße erfrieren, so Breitenbach.

Rund 300 Plätze davon sollen speziell für Frauen zur Verfügung stehen. In der vergangenen Wintersaison betrug die Auslastung der Kältehilfe-Angebote nach Angaben der Senatssozialverwaltung etwa 80 Prozent. Die Kältehilfe läuft bis zum 30. April 2020.

Caritas: "Die rasante Ausweitung der Kältehilfe muss ein Ende haben"

Die Organisatoren der Kältehilfe fordern indes von der Berliner Politik, die Ursachen von Wohnungs- und Obdachlosigkeit stärker zu bekämpfen. Die Kältehilfe sei ein "letztes Notsystem", nachhaltige Lösungen seien jedoch am Anfang der Kette gefordert, sagte der Vorsitzende der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege (Liga Berlin),  Oliver Bürgel, am Dienstag in Berlin. Erforderlich seien zum Beispiel Maßnahmen, um Miet- und Energieschulden zu vermeiden.

Caritas-Chefin fordert bezahlbaren Wohnraum

"Die rasante Ausweitung der Kältehilfe muss ein Ende haben", betonte Caritasdirektorin Ulrike Kostka. Mit mehr Plätzen werde das eigentliche Problem nicht gelöst und man laufe Gefahr, Provisorien zum Dauerzustand zu machen. "Was wir vor allem brauchen, sind bezahlbare Wohnungen", sagte Kostka.

Über das Kältehilfetelefon können Berlinerinnen und Berliner hilfebedürftige, obdachlose Personen melden. Neben den Notübernachtungsplätzen sind im Rahmen der Berliner Kältehilfe auch die Kältebusse der Berliner Stadtmission, der Wärmebus des Deutschen Roten Kreuzes oder die Kälteambulanz der Johanniter-Unfall-Hilfe im Einsatz. Die Kältehilfe ist täglich von 19 bis 23 Uhr telefonisch unter 030 - 81 05 60 425 erreichbar.

Nach Schätzungen leben 6.000 bis 8.000 Menschen in Berlin auf der Straße. Eine Zählung und Befragung von Obdachlosen wurde für Januar 2020 angekündigt.

Sendung: Inforadio, 01.10.2019, 06:15 Uhr

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3 Kommentare

  1. 3.

    Ein großer Teil des Problems sind leider aus dem europäischen Ausland zugewanderte Obdachlose. Hinzu kommen Menschen aus ganz Deutschland, die sich bewusst für ein Leben auf der Straße in Berlin entschieden haben, meist jugendliche Ausreißer. Die Ursache liegt also in großen Teilen gar nicht in Berlin. Eine effektive Nothilfe, damit diese Menschen nicht erfrieren und verhungern, sollte selbstverständlich sein. Für eine echte Lösung müssen aber neben der Bundesrepublik auch die weiteren Herkunftsländer dringendst mit eingebunden werden.

  2. 2.

    Bitte vergessen Sie dabei nicht die vielen bei uns gestrandeten Personen aus den osteuropäischen Staaten. Binnen kurzer Zeit hat sich dadurch die Zahl der Obdachlosen in Berlin verdreifacht. Aber auch denen muß geholfen werden.

  3. 1.

    Gibt es langfristig einen Plan, die Menschen wieder in die Gesellschaft einzubinden? 8000 Menschen, das entspricht ja einer Kleinstadt an benötigtem Wohnraum und Infrastruktur!? Daher erscheint mir eine Lösung, vor der "Kältehilfe" , als dringend geboten! Wie können so viele Menschen "abrutschen"? Was können denn lokale Politiker überhaupt noch ausrichten, ist das nicht eine Bundes-Aufgabe?

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