Reger Verkehr herrscht am 29.10.2019 nach der Sanierung auf der Oberbaumbrücke. (Bild: dpa/Paul Zinken)
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Video: rbb|24 | 30.10.2019 | Bild: dpa/Paul Zinken

Panne bei Neugestaltung - Oberbaumbrücke soll schon wieder umgebaut werden

Kaum ein Radweg erhitzt derzeit die Berliner Gemüter so sehr wie der neue auf der Oberbaumbrücke: Autofahrer und Radfahrer kommen sich ständig in die Quere - wohl auch, weil der Radweg falsch geplant wurde. Jetzt soll er umgestaltet werden.

Kaum ist der neue Radweg auf der Oberbaumbrücke zwischen Friedrichshain und Kreuzberg eröffnet, hat die Senatsverwaltung für Verkehr schon wieder einen Umbau angekündigt. Nach einem Bericht des "Tagesspiegel" soll der Radweg noch besser geschützt werden. Die Verwaltung habe der Zeitung mitgeteilt, dass "weitere Elemente zur Verkehrsführung und -sicherung installiert“ werden sollten.

Allerdings sei noch nicht ganz klar, wie genau der neue Schutz die Radfahrer aussehen soll, da das Erscheinungsbild der denkmalgeschützten Brücke nicht zu stark verändert werden darf. Davon abgesehen wird dem Bericht zufolge wohl auch die Breite der Radwege noch einmal angepasst. Beim letzten Umbau seien die Radwege demnach 15 Zentimeter schmaler ausgefallen, als angekündigt.

1,85 statt 2 Meter

Mit dem Umbau, der die Sicherheit für Radfahrer erhöhen sollte, wurde bereits die Zweispurigkeit für Autos aufgehoben und in jeweils eine überbreite Spur pro Richtung umgewandelt.

Die neue Aufteilung entspreche den Vorgaben des Mobilitätsgesetzes, wie die Senatsverwaltung mitteilte. Bislang war geplant, die Radwege von bisher 1,35 auf 2 Meter zu verbreitern, hinzukommen sollte ein 80 Zentimeter breiter Sicherheitsstreifen. Die Fahrbahn für Kraftfahrer sollte schrumpfen von 6 Meter auf 4,45 Meter. Der notwendige Verkehrsfluss bleibe durch die Maßnahmen erhalten, so die Senatsverwaltung. Fur Fußgänger gibt es wie zuvor Gehwege unter den U-Bahn-Arkaden und auf der Nordwestseite der Brücke.

Wie der Tagesspiegel berichtet, sind die neuen Radwege aber nur 1,85 Meter breit. Dirk von Schneidemesser von der Radinitiative Changing Cities kritisiert zudem, dass die Radstreifen zudem mal schmaler und mal breiter seien - "im schlimmsten Fall 1,35 Meter". Er schlägt vor, die Fahrradstreifen mit Blumenkästen oder Pollern zu schützen. Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese (Grüne) lehnt Poller nicht rundheraus ab, verweist aber auf den Denkmalschutz.

Schematische Darstellung der Fahrbahnen auf der Oberbaumbrücke

FDP fordert Bau der Brommybrücke

Henner Schmidt, infrastrukturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, wirft der Verkehrsverwaltung Versagen vor."Dem Autoverkehr wurde Platz weggenommen, ohne eine sichere und ausreichend breite Spur für den Radverkehr zu schaffen. Von dieser Aufteilung hat keiner einen Nutzen." Der Radstreifen müsse baulich von den Autospuren getrennt werden. Allerdings sei die Oberbaumbrücke insgesamt zu klein, um Radfahrern und Autofahrern gleichermaßen Platz zu bieten, so Schmidt. "Zur Entlastung ist deshalb der Bau der Brommybrücke unverzüglich zu beginnen."

 

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55 Kommentare

  1. 55.

    Es ist schon ein Unterschied, ob da ein Muss oder ein Soll steht.
    Soll soll Vieles, und es gibt immer wieder Gründe, auf einer beschränkten Strecke begründet davon abzuweichen.

    Bislang hat mir keiner darin begegnen können, weshalb bei allen Verkehrsträger völlig zu Recht abschnittsweise Überholverbote existieren, der Radverkehr einzig davon ausgenommen werden soll. Als täglich Radfahrer sehe ich darin keinen Nachteil, einmal hintereinander zu fahren. Und da die Straßenbahnoption über die Oberbaumbrücke nach wie vor zu Recht existiert, muss auch vorsorglich der entsprechende Platz vorgehalten werden. Alles andere wäre keine vorausschauende, sondern nur eine "nachsorgende" Planung.

  2. 54.

    ie gehören zu den typischen Vertretern derer, die Radfahren so unattraktiv machen wollen wie überhaupt nur möglich, damit man weiterhin die Ausreden benutzen kann man bräuchte den privaten PKW.

    So wird das nix mit der Verkehrswende weil der Senat auf solche Leute viel zu viel Rücksicht nimmt.

    Dazu kommen ihre frei erfundenen angebliche Beispiele. "Vor einiger Zeit ist ein Radfahrer in der Wuhlheide tödlich verunglückt. Es kam dort zu Kontakten mit anderen Radfahrern in gleicher Richtung."

    Ich kann beim besten Willen nichts derartiges finden. Aber Hauptsache Radfahren schlecht reden.

  3. 53.

    Das Verb "sollen" hat wie bereits erwähnt eine andere Bedeutung als "müssen". Das Hauptargument "Überholen" ist damit eine Erfindung von faktennegierenden Mitmenschen.

    Und wenn man sich das Video anschaut, haben nicht nur Kraftfahrer Probleme, Verkehrszeichen wie eine durchgezogen Linie zu beachten.
    Der RBB hat bereits mehrfach in Videos dokumentiert, dass Radfahrer untereinander einen so geringen Abstand beim Überholen einhalten, dass es zu leichten Berührungen kommt. Vor einiger Zeit ist ein Radfahrer in der Wuhlheide tödlich verunglückt. Es kam dort zu Kontakten mit anderen Radfahrern in gleicher Richtung.

  4. 52.

    Die Planung ist nicht konform zum Mobilitätsgesetz:

    "Auf oder an allen Hauptverkehrsstraßen sollen Radverkehrsanlagen mit erschütterungsarmem, gut befahrbarem Belag in sicherem Abstand zu parkenden Kraftfahrzeugen und ausreichender Breite eingerichtet werden. Diese sollen so gestaltet werden, dass sich Radfahrende sicher überholen können. [...]“ (Paragraf 42, Absatz 1)

    Sicher überholen ist auf diesen Radwegen nicht drin. Man könnte argumentieren dass auch sicher fahren nicht möglich ist, weil der Überholabstand der Autos zu gering ist.

  5. 51.

    Darf ich erinnern: Der 1992 von Eberhard Diepgen (CDU) geführte schwarz-rote Senat beschloss die Verlängerung der Tram vom Ost- in den Westteil der Stadt. Daraufhin wurden sowohl in der Leipziger Str. als auch auf der Oberbaumbrücke Gleise für geplante Linienverlängerungen verlegt. Diesen damaligen "Schnellschuss" haben wir also nicht den Grünen zu verdanken. Und das nach 25 Jahren die ungenutzen Schienen entfernt wurden, weil gerade sie hauptverantwortlich für den schlechten Zustand der Fahrbahndecke waren (Frost-Tau-Wechsel während der kalten Jahreszeiten) ist aus meiner Sicht absolut nachvollziehbar. Vor allen vor dem Hintergrund das die Verkehrsführung bei einer zukünftigen Verlängerung der Tram nach Kreuzberg noch nicht feststeht. Abgesehen von einer möglichen Verkehrsführung über die Schilling- oder Elsenbrücke gibt es selbst bei einer Verwirklichung über die Oberbaumbrücke zwei Varianten (1. Falckensteinstraße oder 2. Oberbaum- und Skalitzer Str.). Daher keine neuen Tramgleise.

  6. 50.

    Ich bitte Sie auch um Beachtung meines Beitrages Nr. 22.
    Ohne diesen Beitrag hat auch der Beitrag Nr. 20 wenig Sinn.

  7. 49.

    Wofür haftbar machen? Dafür, dass die anders als Changing Cities den Unterschied zwischen "soll" und "muss" kennen?

  8. 48.

    Kann man die Stümper von der Senatsplanung nicht haftbar machen? Der Radweg ist doch gerade neu hergestellt worden.

  9. 46.

    "Wie im Video zu sehen, überfahren Radfahrer auch die Linie, bloß weil er überholen will. Der Autofahrer muß auch hinter einem Langsameren gefahren. Warum können das Radfahrer nicht."

    mmh, stimmt eigentlich- ein Vorschlag zur Güte: wir machen eine Tempo 30 Zone in der Stadt und legen Rad- und Autofahrwege zusammen. Dann können sich die Autofahrer und Radfahrer hintereinander einreihen und es ist Platz für jeden.

    Im Übrigen: auf den meisten Straßen ist ein rechtskonformes überholen eines Radfahrers mit den geforderten mind. 1,5 Meter bei Gegenverkehr nicht möglich. Trotzdem wird genau das _dauend_ gemacht- sogar an Kinderanhänger wird in minimalen Abstand vorbei gebrettert. Von einem "ein Autofahrer muß auch hinter einem langsameren fahren" kann also wahrlich keine Rede sein- aber sie haben wohl wie die meisten Autofahrer mal wieder nur ihresgleichen im Sinn.

  10. 45.

    100 Punkte von mir, einem Radfahrer hasser, aber der jetzige Zustand ist einfach nur besch....

  11. 44.

    Nein es muss nicht für "ALLE" [durch Brücken- und Autobahnbau] Platz geschaffen werden. Die privaten Verbrennungsmotoren müssen zugunsten des ÖPNV und des übrigen Umweltverbundes, wie etwa Fuß- und Radverkehr, nach und nach aus der Stadt verdrängt werden. Hohe Parkgebühren und eine Citymaut sind diesbezüglich sehr viel effektiver als die bisher vom Senat nur in Folge von Gerichtsurteilen beschlossenen minimalen Einschränkungen in Form von sogenannten "Fahrverboten".
    Vgl. www.zeit.de/mobilitaet/2019-08/andreas-scheuer-verkehrswende-verkehrsminister-autofahrer-massnahmen

  12. 43.

    Stimmt!

    Sonst wäre einigen das Wort "soll" im Mobilitätsgesetz samt dessen Bedeutung aufgefallen: "Diese sollen so gestaltet werden, dass sich Radfahrende sicher überholen können", nicht "müssen so gestaltet werden ...".

    "Wer bremst, verliert" ist offensichtlich auch die Grundeinstellung nicht nur von zu vielen Autofahrer, sondern auch von zu vielen Radfahrern. Das hatte sich hier schon bei der Umleitung gezeigt, die grundsätzlich auch für Radfahrer im Mobilitätsgesetz vorgesehen ist. Das hielten die aber ebenso für unzumutbar wie ein paar Schritte während der Baumaßnahme über die Brücke zu laufen.

    Extra für den Berliner Markus:
    Wer hat doch gleich wesentliche Teile des Gesetzes miterfunden? Ich nicht!

  13. 42.

    Ich bin vor allem dagegen, dass eine kleine, dafür aber laute Minderheit zuerst bedient wird. Im Sinne der von viel mehr Berliner bereits heute praktizierten Verkehrswende gäbe es wichtigeres zu tun - auch und gerade für die Randbezirke. Nicht jeder kann wie Schmidt und sein Tiefbauamtsleiter auch zu Fuß zur Arbeit gehen.

  14. 41.

    die Zeit der Autogerechten Stadt ist vorbei. In Spanien hätte man wahrscheinlich schon längst die Oberbaumbrücke als Einbahnstraße in die eine und die Elsenbrücke in die andere Richtung umgebaut. Also lieber Leute nicht aufregen.

  15. 40.

    Der Erfinden bin dann aber nicht ich, sondern der Senat in seinem Nahverkehrsplan auch auf Basis der Verkehrsbefragungen der Berliner. Haben die etwas gelogen?

  16. 38.

    Baut eine weitere Brücke über die Spree. Die Stadt wächst. Es muss für ALLE Platz sein. Nicht nur für die Tochter ;)

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