Kinder und Erwachsene beim Kita-Spiel "Original Play". (Quelle: Kontraste)
Audio: rbb | 30.10.2019 | Holger Hansen | Bild: Kontraste

Kuscheln mit fremden Erwachsenen - Berliner Senat verbietet umstrittenes Kita-Spiel "Original Play"

Männer rangeln und kuscheln mit Kita-Kindern - dieses Spiel namens "Original Play" wurde in den vergangenen Jahren auch in Berliner Kitas gespielt. Nachdem der rbb über Missbrauchsvorwürfe berichtet hatte, reagiert nun die Landespolitik.

Die Senatsverwaltung für Bildung verbietet Berliner Kindertagesstätten, das umstrittene Spiel "Original Play" anzuwenden. Das sagte Pressesprecherin Iris Brennberger dem rbb am Mittwoch. "Es geht heute ein Schreiben raus an die Berliner Kitas, wo die Senatsverwaltung nochmal deutlich macht, dass die Anwendung von 'Original Play' aus Gründen von präventivem Kinderschutz zu unterlassen ist."

Im Zusammenhang mit "Original Play" könne es zu Kindeswohlgefährdungen kommen, sagte Brennberger zur Begründung. Der Senatsverwaltung sei aber aktuell keine Kita in Berlin bekannt, die "Original Play" anwende, betonte die Sprecherin.

In dem Schreiben, das dem rbb vorliegt, heißt es, Tageseinrichtungen sollten die Anwendung der Methode unterlassen. Zudem sollte der bisherige Einsatz an die Kita-Aufsicht gemeldet werden.

Fremde kuscheln mit Kita-Kindern

Bei dem Spiel "Original Play" bekommen fremde Erwachsene in Kitas die Möglichkeit zu engem Körperkontakt mit den Kindern; Missbrauch kann dabei kaum ausgeschlossen werden. Die Kita-Aufsicht der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie lehne "Original Play" deshalb ab, hieß es am Mittwoch.

Im Sommer 2018 hatte es Missbrauchsvorwürfe in einer Kreuzberger Kita gegeben. Danach habe die Kita von diesem Spielkonzept Abstand genommen. Dass es Anzeigen von Eltern gegeben hat, bestätigte die Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen blieben jedoch ohne Ergebnis, wie Pressesprecher Martin Steltner sagte. "Wir sind diesen Hinweisen nachgegangen, wir haben das sehr ernst genommen", sagte er dem rbb. Im Ergebnis aber seien die Ermittlungsverfahren eingestellt worden.

"Kinder verlieren die Distanz, die sie haben sollten"

Die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus will das Thema am Donnerstag per Dringlichkeitsantrag im Parlament besprechen und verlangt Auskunft von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), seit wann wer was wusste. CDU-Fraktionschef Burkard Dregger findet es skandalös, dass ein solches Spiel als pädagogisches Konzept in Kitas angewendet wurde: "Die Kita ist ein geschützter Ort und Eltern wollen ihre Kinder in der Kita wohlbehütet sehen. Dieses Vertrauen in die Kita wird diametral erschüttert", so Dregger. "Ich weiß auch nicht, wer sich als Erwachsener dafür interessiert, mit ihm fremden Kindern Kuschelspiele zu machen - da muss man ja die Befürchtung haben, dass das nur eine ganz bestimmte Personengruppe ist."

Die familienpolitische Sprecherin der Grünen, Marianne Burkert-Eulitz, sieht in dem Spiel ebenfalls eine Gefahr, "weil Kinder natürlich eine gewisse Distanz, die sie Fremden gegenüber haben sollten, verlieren". Auch die Evangelische Kirche und die Diakonie lehnen den Einsatz der Spielmethode nun ab, weil es zu Grenzüberschreitungen im Umgang mit Nähe und Distanz kommen könne.

Evangelische Kirche: Spiel wird nicht mehr angewandt

Hintergrund ist ein Bericht der ARD-Sendung "Kontraste" vom vergangenen Donnerstag. Darin hatten Eltern zweier evangelischen Kitas berichtet, dass ihre Kinder im Zusammenhang mit "Original Play" sexuelle Gewalt erlebt hätten. Beim vom US-Amerikaner Fred Donaldson entwickelten Pädagogikkonzept rangeln und raufen die Kinder mit fremden Erwachsenen, es kommt zu engem Körperkontakt. 2018 soll es dann in einer der Kitas in Berlin-Kreuzberg zu sexuellen Übergriffen gekommen sein.

Die Berliner Landeskirche erklärt daraufhin [ekbo.de], die Kita in Kreuzberg habe 2014 die Spielmethode in ihr pädagogisches Konzept aufgenommen. Der evangelische Träger habe erst zum 1. Januar 2017 die Kita übernommen. Er habe dann entschieden, dass das Spiel ab Mai 2018 nicht mehr gespielt wurde. Es werde zudem in keiner Kindertagesstätte dieses Kita-Verbandes gespielt.

Klare Kante bezieht auch die Evangelisch-Lutherische Landeskirche und Diakonie Sachsen: "In Dresden wird Original Play an keiner evangelischen oder diakonischen Kindertagesstätte eingesetzt." "Wir warnen dringend davor, die 'Methode' Original Play einzusetzen. Original Play ist ein dubioses Geschäftsmodell, in dem Erwachsene (zum Teil fremde Personen) mit Kindern körperlich nahe spielen - ein pädagogisches Konzept, das in Kindertagesstätten nichts zu suchen hat, weil es zu Übergriffigkeiten und sexuellem Missbrauch geradezu einlädt" heißt es in einer Erklärung. Recherchen von Kontraste ergaben, dass in Dresden ein Verein "Original Play" angeboten hatte, der in zwischen Internetauftritte und eine Website gelöscht hat.

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22 Kommentare

  1. 22.

    Ich erinnere hier nur daran, sexueller Missbrauch an Kindern findet überwiegend in der eigenen Familie statt. Ich war mal in eine Einrichtung in Braunschweig, wo Kinder aus sozialen Brennpunkten zusammentrafen um ihre Schulaufgaben zu machen. Die Jungs fingen an, sich zu prügeln, wer auf meinem Schoß sitzen durfte. Keine Erzieherin sagte mir: das geht nicht. Das können Sie nicht tun. Schon war ich, der Fremde, Mittelpunkt bei den Kindern. Allerdings lernten wir auch. So einfach geht es, kleine Kinder zu beeindrucken. Übergriffigkeiten ( Missbrauch) sollten bei Kindern mehr geschult werden. Lautes Schreien zum Beispiel und ein rigoroses NEIN wenn man etwas als Kind nicht will. Doch hier wurde willkürlich gehandelt und das geht gar nicht.

  2. 21.

    Vielleicht hätten Informierte Eltern nicht vertraut? Für mich ist Information nie irrelevant. Eine Schuld habe ich den Eltern nicht zugewiesen, das sehe ich wie Sie: die Verantwortung liegt auf der Seite der sog. Pädagogen.

  3. 20.

    Vielleicht hätten Informierte Eltern nicht vertraut? Für mich ist Information nie irrelevant. Eine Schuld habe ich den Eltern nicht zugewiesen, das sehe ich wie Sie: die Verantwortung liegt auf der Seite der sog. Pädagogen.

  4. 19.

    Diese erwachsenen Männer mussten, wie ich den Beitrag verstehe, eine Kurs-Gebühr bezahlen, um mit diesen, ihnen wildfremden Kindern, spielen zu können?
    Leider wird nicht gesagt, wann und wie oft "dieser Kinder-Kuschel-Kurs"für erwachsene Männer in den Kitas stattgefunden hat, wie hoch die Kurs-Gebühr war und in wessen Tasche das Geld dann geflossen ist.

    Im Grunde ist so was tatsächlich eine Einladung an Pädophile ohne großes Misstrauen seitens des Personals, an Kinder heranzukommen, wenn man das Ganze dann als "neues, pädagogisch wertvolles Projekt" aus den USA labelt. Eine Goldgrube für den Erfinder und eine Zusatzeinahme für die Kitas, wenn es denn so war.

  5. 18.

    Schwester Constructa konstriert hier etwas, was einfach nicht passt. Erwachsene können Kuschelpartys feiern, weil sie erwachsen sind und entscheiden können, mit wem sie kuscheln wollen. Doch Kinder unterliegen dem Schutz der Eltern und der Einrichtung, in die sie zur Fürsorge stundenweise übergeben werden.
    Von Kindern zu erwarten, dass sie selber entscheiden können sollen, mit wem sie kuscheln geht ja gar nicht, wenn ihnen diese wildfremden Männer von einer Erzieherin, der sie vertrauen, auch noch angeboten werden!
    Ich schätze, dass in diesen Einrichtungen, die so was befürworten, eine ganze Menge an Problembewusstsein fehlt. Kinder mit fremden Männern kuscheln zu lassen ist kein pädagogisches Konezept, sondern eine Sukzessive Desensiblisierung der Kinder, dass Männer, die sie nicht kennen, mit ihnen machen dürfen, was diese wollen.

    Soweit ich informiert bin, mussten diese Männer kein polizeilisches Führungszeugnis vorweisen, was jede Erzieherin vorlegen muss!

  6. 17.

    Ich nehme eher an, dass KITA-Leitungen/Träger daran interessiert sind, modern zu sein und neuen "pädagogischen Konezpten", erst recht aus den USA, gegenüber offen sind. Dass dabei der kritische Verstand leiden kann, sieht man ja jetzt. Zudem hätten die Eltern über so ein "neues Konzept" informiert und aufgeklärt werden müssen! Was, wie es aussieht, nicht geschehen ist. Und da liegt auch der Fehler!






  7. 16.

    Eltern vertrauen den Einrichtungen bzw. den Erzieher/innen, denen sie ihre Kinder anvertrauen. Insofern ist es irrelevant, ob die Eltern über diese "Methode" im Vorfeld informiert waren: Die Einrichtungen bzw. deren Träger bzw. die Kitaaufsicht ist verantwortlich für alles was dort passiert. Nicht die Eltern!!

  8. 15.

    Oh nein, Missbrauch ist ein Thema in aller Munde, und dann setzen ausgebildete Erzieher ein sogenanntes pädagogisches Konzept ohne Rücksprache und ohne Erlaubnis der Eltern ein - wo bleibt denn da der gesunde Menschenverstand? Wo bleibt das Herz für die Kinder? Ich bin fassungslos. Und immer wieder die Kirche im Spiel...bin ich froh, dass in unserem Kindergarten gebastelt und gesungen wurde! Müssen Eltern langsam daran denken, den Betreuern ihrer Kinder Aufsichtspersonen zur Seite zu stellen, egal ob in Vereinen, Kindergärten, Chören und so weiter...Leute! Wir haben ein Problem!

  9. 14.

    Das ist nur die Spitze des Eisberges in Sachen schlecht ausgebildetes Personal, falsch verstandene Fachlichkeit, inkompetente Leitungskräfte und am Ende eine grottenschlechte Führung von oben die erst reagiert wenn das Kind zu schaden gekommen ist. Danke Frau Scheeres ! 6 setzten.

  10. 13.

    - Die EKBO soll bei der Aufklärung tatsächlich aktiv mitwirken und dies nicht nur behaupten (Welche Einrichtungen haben in welchen Zeiträumen Original Play praktiziert? In wievielen Fällen waren kitafremde Personen involviert? Wer hat die Gebühren für die sog. "Spielerfahrungen" oder "Praxisworkshops" vereinnahmt? Wer hat die Genehmigungen für Original Play erteilt? ...)
    - Die EKBO soll die Angelegenheit nicht herunterspielen (z.B. Trägerschaft erst seit 2017, obwohl der Träger vorher die Gemeinde und daher auch EVANGELISCH war ...)
    - Die EKBO soll die Erzieher nicht in die nächste Kita weiterreichen, sondern entlassen, weil diese ihrer Fürsorgepflicht für die Kinder verletzt haben
    - Die EKBO soll in einem ARD-Interview (Kontraste 24.10.2019) nicht behaupten "Den Kindern ist nichts passiert", obwohl die Ermittlungsverfahren nur eingestellt sind. Ein eingestelltes Ermittlungsverfahren ist doch kein Freispruch!

  11. 12.

    Das ist in der Tat zu wenig selbstkritisch seitens der Landeskirche. Die Trägerschaft durch die Kirchengemeinde sollte eingeräumt werden, ist aber auch kein Geheimnis.

    Was mir nicht ganz klar ist: Was wird von der Kirche hier erwartet? Soll sie die Staatsanwaltschaft auffordern, die eingestellten Ermittlungen wiederaufzunehmen, weil sie der Meinung ist, diese hätte nicht gründlich genug gesucht? Es gab gerichtliche Verfahren, die ErzieherInnen wurden entlassen. Wer nicht verurteilt wurde, hat auch keinen Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis, das für die Arbeit als ErzieherIn verpflichtend ist.

    Ich kann verstehen, dass die Eltern der betroffenen Kinder frustriert sind. Jedoch kann ich hier bei der Bearbeitung und der Aufarbeitung der Fälle seitens der Kirche kein Fehlverhalten erkennen.

  12. 10.

    Der vorige Träger derselben Kita war auch EVANGELISCH, aber das schreibt die EKBO natürlich nicht in ihre Pressemeldung. Warum macht die EKBO das? Kann es sein, dass hier versucht wird, die Angelegenheit herunterzuspielen?

  13. 9.

    Ein 2- oder 3-jähriges Kind soll selbst entscheiden, dass es das Spiel - zu dem es seine Erziehungskraft ihn einlädt - ablehnt???? Was ist mit Ihnen los, Schwester Constructa??? Machen Ihre Kinder mit 6 Jahren dann den Doktortitel?

  14. 8.

    Das kann ja wohl nicht Ihr Ernst sein. In welcher fremden Welt leben Sie eigentlich. Kinder haben nicht mit fremden Männern zu kuscheln. Sie sind auch nicht inder Lage vernünftige Entscheidungen darüber zu treffen. Zum Kuscheln sind die Eltern und vertrauenswürdige Familienmitglieder da und nicht künstlich herbeigeführte Fremde. Ich kann es nicht fassen.

  15. 7.

    Es gehört zu den elementarsten Fachkenntnissen
    (siehe Entwicklungspsychologie), dass sich ein Kind (aus gutem Grunde)gegenüber Fremden distanziert verhält. Wenn in einem geschützen Raum Kinder animiert werden, diese gesunde Distanz aufzugeben, ist das
    Missbrauch!
    Ich finde keine Erklärung, warum dieses dubiose Geschäftsmodell ueberhaupt umgesetzt werden konnte. Liegt es vielleicht
    daran, dass Kinder in der Öffentlichkeit nur einen geringen Stellenwert haben?

  16. 6.

    Der Fisch stinkt immer vom Kopf her. Es bleibt unbegreiflich, warum die evanglische Kirche, selbst Ausbilderin von Pädagogen, also Repräsentantin und Entwicklerin fachlicher Expertise, dieses offenkundig konzeptlose Alibi"spiel" überhaupt angeboten hat bzw. zuließ. Diese Fragen sollten offen geklärt werden, anders lässt sich das Vertrauen in ihre Kita-Einrichtungen kaum wiederherstellen.

  17. 5.

    Ich fragte mich vorher, die Plastik Ideen,..ob wir noch klar sind in Kopf sind!. Wir sollten langsam diese amerikanische Ideen ignorieren. America sollte keinesfalls ein Beispiel für Deutschland sein.
    Wofür sind die Eltern da,?
    Und warum sollte fremde Leute (Männer) mit Kindern spielen? Absurd.!!!

    Bitten schützen Sie uns Kinder so bald, sie in Euren Händen (Kita)sind, und bitte OHNE FREMDE MÄNNER.

  18. 4.

    Schaltet von den Erwachsenen mal das Hirn ein? Gegen solch ein pädagogisches Konzept ist insofern nichts auszusetzen, solange die Erwachsenen Mitspieler hierfür sorgfältig ausgesucht werden.Was Erwachsene nur recht sein kann( z.B. Kuschelpartys), soll Kindern untersagt werden. Ausgerechnet die Kirchen sprechen sich dagegen aus. Kein Wunder. Im übrigen kann immer noch das Kind selbst entscheiden, ob es mit einem fremden Mann spielen möchte. Soviel traue ich Kindern schon noch zu.

  19. 3.

    Schaltet irgendjemand noch seinen Kopf ein? Das kann sich pädagogisches Konzept nennen wie es will, schon auf den ersten Blick eines Normalos kommt einem das nicht sauber vor.
    Manomanoman, das ist den pädagogischen Kräften nicht aufgefallen? Einigen vielleicht schon, aber irgendein Chef wird das bestimmt wieder auf Teufel komm raus durchgesetzt haben.

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