Aktivisten von Extinciton Rebellion blockieren am 07.10.2019 die Zufahrten zum Großen Stern. (Quelle: rbb|24/Vanessa Klüber )
Audio: Inforadio | 07.10.2019 | Uwe Lueb und Alfred Schmit | Bild: rbb|24/Vanessa Klüber

Pro und Kontra - Extinction Rebellion: Guter oder schlechter Dienst am Klima?

Mit radikalen Aktionen demonstrieren Extinction Rebellion für eine zugkräftige Klimapolitik. Gut so, sagt der ARD-Hauptstadtkorrespondent Uwe Lueb. Ganz anders sieht das sein Kollege Alfred Schmit. 

Pro: "Mit spontanen Blockaden mehr Aufsehen erregen"

Extinction Rebellion ist so etwas wie Fridays for Future 2.0 – und dafür ist es Zeit. Die braven Freitagsdemonstrationen nutzen sich ab. Je mehr Schülerinnen und Schüler darin nur einen netten Anlass fürs Schuleschwänzen mit gutem Gewissen sehen, desto schneller.

Die Aktivisten von Extinction Rebellion dürften mit ihren spontanen Blockaden mehr Aufsehen erregen. Denn die angekündigten Fridays-for-Future-Demos kann jeder, der will, meiden. Das ist bei Extinction-Rebellion-Aktionen anders.

Das Mittel des zivilen Ungehorsams ist übrigens nicht neu: Greenpeace macht das schon lange. Umso althergebrachter wirkt da Kanzleramtsminister Helge Braun von der CDU, der von gefährlichen Angriffen auf den Straßenverkehr spricht. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) ist da entspannter: Spontane Demonstrationen seien durchaus zulässig.

Und außerdem: Gefährlich wird zunehmend vor allem die Klimaveränderung. Darauf durch gewaltfreie, außergewöhnliche Aktionen hinzuweisen, ist meines Erachtens völlig in Ordnung.

Von Uwe Lueb, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

 

Kontra: Ein schlechter Dienst am Klima

Die Leute von Extinction Rebellion gehen zu weit. Sie beschädigen die Fridays-for-Future-Bewegung und bringen die ehrlich gemeinten Schülerproteste in Misskredit. Extinction Rebellion fordert extreme Aktionen in Deutschland, und das ist Unsinn.

Mehr Bewusstsein für den Klimawandel erreicht man nicht mit Sitzblockaden, sondern durch mehr politischem Druck auf Abgeordnete und Gremien, wie etwa die Kohlekommission. Das Land hat mit einem Umstieg auf klimafreundlichere Techniken, Energien, Antriebe und Alltagsgewohnheiten begonnen. Das ist auch ein Verdienst der Fridays-for-Future-Bewegung.

Klar, es könnte noch schneller gehen. Aber ich finde, man muss auch Teile der Bevölkerung bei diesem Wandel mitnehmen, die bislang noch wenig Verständnis dafür hatten. Eine Radikalisierung könnte hier das Gegenteil bewirken - also eine Gegenbewegung zu ansonsten breit akzeptierten Plänen für mehr Klimaschutz.

Die Leute von Extinction Rebellion gefährden bisherige Erfolge in der Klimaschutzpolitik. Sie sind radikal und damit ziehen sie die Akzeptanz für den Klimaschutz aus der politischen Mitte an den Rand. Ein schlechter Dienst am Klima.

Von Alfred Schmit, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Beitrag von Uwe Lueb, Alfred Schmit

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

16 Kommentare

  1. 15.

    Herr Schmit,
    Sie äußern eine Vielzahl von Behauptungen, die sie nicht mit Argumenten untermauern. Warum ist es ihrer Meinung nach Unsinn ausgefallenen zivilen Ungehorsam zu zeigen um auf Forderungen aufmerksam zu machen? Wie erhöht man den Druck auf Abgeordnete und Kohlekommisionen? Wo sind die Pläne für mehr Klimaschutz?
    Was sich mir gerade ganz auf der sachlichen Ebene darstellt ist, das doch gerade die besonderen Aktionen, die besondere Aufmerksamkeit erregen und einen Diskurs anregen, an dem selbst sie jetzt teilnehmen und vor einer Woche noch nicht für möglich gehalten hätten. Auch der Druck auf Regierungen erhöt sich im Moment. Zudem haben die Menschen rund um die ,Aktionen' gerade konkretere Pläne für den Klimaschutz, als die Regierungen. Diese Pläne sind auch nicht radikal, sie sind eher kompromisslos und passen sich somit den wissenschaftlichen Fakten an, die ein ebenso kompromissloses Bild des drohenden Klimakollapses aufzeigen.

  2. 14.

    herr geisel ist entspannt.auf meine kosten,danke.

  3. 13.

    Aggressive und radikale Erdenbürger sollte man immer und überall meiden, so auch die von Extinction Rebellion. Menschen für den Klimaschutz zu begeistern geht anders. Sie zu vergrätzen ist nicht zielführend.

  4. 12.

    Konvertieren, also zu einem Glauben übertreten das sind eher die Klimawandelleugner. Sie "glauben" keiner Wissenschaft, sie klammern sich an dem Galuben (!) man könne so weiter machen wie bisher...

    Es wird auch mit ähnlichen Methoden wie in der katholischen Kirche in der Zeit der Inquisition vorgegangen. Gegner des Glauben an das Mantra des Neoliberalismus werden an den (Internet-) Pranger gestellt, statt Fakten und sachlichen Argumenten kommt man mit Heilslehren (des Kapitalismus) und wer denen nicht glaubt, des wird als Ketzer gebrandmarkt.

    Da frage ich sie, wer sind hier die verbohrten Fanatiker religiösen Ausmaßes? Die Verkehrswende be- oder verhindern doch genau diese dogmatischen Fanatiker!

  5. 10.

    Zitat. "Also nein, die Bevölkerung hat noch nicht verstanden"
    Woran messen Sie das? Wer nicht zum ER konvertiert, der kommt in die Hölle? Sollen wir alle unter der Siegessäule Schach spielen, oder uns auf den Potsdamer Platz anketten?
    Wo ist denn ein realistisches Konzept dieser Leute? Weltfremde Forderungenzu stellen, wie "autofreie Stadt" und "sofortige Abschaltung der Kohlekraftwerke" ist leicht, aber nicht hilfreich. Gerade hier in Berlin zeigt sich doch, wie schwierig und zäh sich Maßnahmen zur Verkehrswende gestalten. Und man kann ja unserer Landesregierung vieles nachsagen, aber ganz bestimmt nicht, dass sie die Verkehrswende absichtlich verzögert!

  6. 8.

    War das schon alles? Ganz kleines Kino für Berlin. Einen Kreisel besetzen und auf der Couch sitzen, da macht ja jede Schneeflocke mehr Ärger.

  7. 7.

    "Isi. Die Bevölkerung hat verstanden. Von daher sind diese Aktionen sinnlos."

    wenn es so wäre, wären dort nicht nur hunderte Menschen sondern Millionen

    Man sagt, ein Pessimist sei ein Optimist, der nachgedacht hat. Ganz ähnlich ist es hier: der, der meint, es würde schon alles nicht so schlimm kommen, hat einfach nur zu wenig Wissen und nicht konsequent zu Ende gedacht.

    Also nein, die Bevölkerung hat noch nicht verstanden

  8. 6.

    Herr Alfred Schmit, ich würde wirklich zu gern wissen, welche bisherigen Erfolge in der Klimaschutzpolitik wir bisher vorzuweisen haben? Und welche Möglichkeiten um Druck auf Politiker und Gremien z.B. Kohlekommission (der Witz ist gut) hat man denn als Bürger noch so, wenn die 1.4 Mio Menschen auf der Straße der Politik nicht wahrgenommen werden. Wie kann ich denn bitte Druck auf solch ein Gremium ausüben? Schreib ich n Brief? Ne Mail? Gibts da ne Beschwerde-hotline?

  9. 5.

    Zum einen offenbart ER in Interviews und auf der Website ein mehr als fragwürdiges Demokratieverständnis. Wir haben recht, der Zweck heiligt die Mittel und wir haben die Deutungshoheit. Es gibt nur zwei Meinungen, ER und die falsche.
    Weiterhin liefert ER keinerlei Lösungsansätze oder Verhaltensvorschläge. Im Gegenteil. Sie hätten sich im Konsens dagegen entschieden.
    Zum anderen stellt derzeit niemand die Frage, wie sich diese Bewegung eigentlich finanziert. Denn ohne Geld funktioniert so eine Rebellion eben nicht. Sind es wirklich nur die augenscheinlichen Ziele um die es geht?
    Es ist nur eine Frage der Zeit bis zu anderen Maßnahmen gegriffen wird. siehe UK-dort haben ER-Mitglieder versucht mit Drohnen den Flugverkehr lahm zulegen. Und wann geht der "zivile Ungehorsam" eigentlich in Straftaten über? Denn dazu ist ER absolut bereit, wie sie von sich selbst sagen.

  10. 4.

    Das sieht man ja z.B. an ihnen wie die Bevölkerung verstanden hat. Nichts...null...nada...niente. Immer weiter so und nach mir die Sintflut...

  11. 3.

    Diese Aktionen dienen vor allem dazu, die Deutungshoheit über dieses wichtige Thema zu beanspruchen. Eine Minderheit macht Werbung in eigener Sache. Für die Diskussion über den Klimawandel und seine Folgen ist das nicht nützlich, weil die Sympathie mit den Aktivisten abnehmen wird.

  12. 2.

    Isi. Die Bevölkerung hat verstanden. Von daher sind diese Aktionen sinnlos.

  13. 1.

    "Klar, es könnte noch schneller gehen. Aber ich finde, man muss auch Teile der Bevölkerung bei diesem Wandel mitnehmen, die bislang noch wenig Verständnis dafür hatten."

    das wird schon seit Jahrzehnten gemacht bzw. versucht zu machen- ohne Erfolg.

    Es wird Zeit für "radikalere" Maßnahmen. Gemessen an den radikalen Folgen des Kommenden ist das noch mehr als harmlos. Dass es wie hier in dem Kommentar anders gesehen wird, zeigt nur, dass das immer noch nicht verstanden wurde,

Das könnte Sie auch interessieren