Symbolbild: Der Lehrer unterrichtete an einer Oberschule (Quelle: imago images/Thomas Imo).
Audio: Inforadio, 02.10.2019, Kirsten Buchmann | Bild: imago images/Thomas Imo

Scharfe Kritik der Bildungsgewerkschaft - Berlins Brennpunktschulen fehlen voll ausgebildete Lehrer

Nach ihrem Abschluss können Lehrer in Berlin sich praktisch eine Schule aussuchen. Quer- und Seiteneinsteiger hingegen nicht - und unterrichten deshalb häufig an Brennpunktschulen. Der Senat konnte das bisher kaum verhindern. Von Kirsten Buchmann

In Marzahn-Hellersdorf, Mitte, Neukölln und Spandau sind nach rbb-Informationen erneut rund 70 Prozent und mehr der neu eingestellten Lehrer Quer- und Seiteneinsteiger. Deutlich niedriger ist ihr Anteil dagegen etwa in Charlottenburg-Wilmersdorf oder Steglitz-Zehlendorf mit rund 40 Prozent.

Damit setzt sich der Trend aus dem Vorjahr in diesem Schuljahr fort: Ähnlich klafften die Zahlen nämlich schon im vergangenen Jahr auseinander. Dem Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Tom Erdmann, geht das gegen den Strich. "Wir haben wieder Bezirke, die es weiterhin schwer haben, voll ausgebildete Lehrkräfte zu kriegen. Das sind die, die eigentlich gut ausgebildetes pädagogisches Personal brauchen."

Wenn Quereinsteiger Quereinsteiger ausbilden

Mit Geld aus dem Landeshaushalt will die rot-rot-grüne Koalition Lehrer dazu motivieren, sich für eine Brennpunktschule zu entscheiden. Sie lockt mit einer Zulage für Lehrer in Höhe von 300 Euro im Monat. Allerdings habe dieser finanzielle Anreiz bisher nichts gebracht, kritisiert Tom Erdmann. Dadurch seien die Quer- und Seiteneinsteiger nicht besser verteilt worden. Sie konzentrierten sich nach wie vor in einigen wenigen Bezirken. "Wir haben absurde Situationen, in denen Quereinsteiger die neuen Quereinsteiger ausbilden. Wir haben auch die Situationen, in denen Quereinsteiger die Seminarleiter ausbilden."

So wie jetzt kann es nicht weiter gehen, meint der Gewerkschafter. Sinnvoller als ein finanzieller Anreiz sei es, Lehrer an Brennpunktschulen zu entlasten, indem sie weniger Unterrichtsstunden erteilen müssen. "In die Gebiete, die es besonders schwer haben, müssen voll ausgebildete Lehrkräfte hin." Das könne das Land zum Beispiel erreichen, so Erdmann, indem Schulen statt einer Brennpunktzulage Erleichterungen bei der Unterrichtsverpflichtung erhielten.

Bildungssenat gibt keine Zahlen zur Verteilung heraus

Die Bildungsverwaltung plant keine Änderungen dieser Art. Eigene Zahlen zu der Verteilung der Quer- und Seiteneinsteiger gibt sie nicht heraus. Anfang August räumte Bildungssantorin Sandra Scheeres (SPD) allerdings ein: "Wir haben bisher die Erfahrung gemacht, dass die Brennpunktzulage  keine steuernde Wirkung hat. Ich halte eine Brennpunktzulage aber für etwas Positives, in Bezug auf die Anerkennung der Lehrkräfte vor Ort."

30 weitere Schulen in Berlin würden inzwischen Quereinsteiger ausbilden, sagt Martin Klesmann, der Sprecher der Bildungsverwaltung. Ziel sei es, dass alle Schulen Quereinsteiger ausbilden, damit sich diese nicht an einigen wenigen Schulen ballen. 

Klar ist aber auch: Die Bemühungen, Bewerber für den Schuldienst überall in Berlin zu verteilen, hat Grenzen. Denn wer nicht an eine Brennpunktschule will, hat schließlich eine Alternative: Eine Schule im Nachbarland Brandenburg.

Sendung: Inforadio, 02.10.2019, 06:20 Uhr

Beitrag von Kirsten Buchmann

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

1 Kommentar

  1. 1.

    Wie soll das funktionieren, wenn es schon zu wenig Lehrer vorhanden sind, dass die auch noch weniger Stunden geben sollen? Dann werden zum Ausgleich ja noch mehr Kräfte benötigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Verlassen liegt am 28.06.2019 der Interims-Regierungsterminal am Rande des Flughafen Schönefeld. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
dpa/Paul Zinken

rbb exklusiv - Bund stoppt Regierungsterminal am BER

Lange hatte der Bund darauf beharrt, dass am BER - nach einem Interimsterminal - auch noch ein 344 Millionen Euro teures Regierungsterminal gebaut wird. Jetzt hat die Bundesregierung die Pläne auf Eis gelegt - zumindest bis 2030.