Eisenbahngleise am Bahnhof Warschauer Straße im Abendlicht. (Quelle: imago/Jochen Tack)
Bild: imago/Jochen Tack

Berlin schafft eigene Züge an - Ausschreibung für S-Bahn-Fuhrpark soll noch 2019 starten

Das Land Berlin will noch in diesem Jahr die Ausschreibung für einen eigenen S-Bahn-Fuhrpark starten. Das bestätigte Jan Thomsen, Pressesprecher der Senatsverwaltung für Verkehr, rbb|24 am Freitag. Zuerst berichtete die "Berliner Zeitung". Die Ausschreibung für interessierte Unternehmen kann frühestens ab dem 12. November gestartet werden. Dann liegt die Ankündigung im EU-Amtsblatt ein Jahr lang zurück.

Dass Berlin einen landeseigenen Fuhrpark anschaffen will, war vor einem Jahr bekannt geworden.

Ein privater Dienstleister soll für die Zeit nach 2026 neue S-Bahn-Züge beschaffen, sie instand halten und betreiben. Nach einiger Zeit sollen die Fahrzeuge ins Eigentum des Landes Berlin übergehen. Unternehmen können sich um eine Komplettlösung bewerben oder auch nur um Beschaffung und Instandhaltung oder Betrieb.

Zukunft des Werkstattpersonals soll geklärt werden

Laut Berliner Zeitung habe der Lenkungskreis der S-Bahn Mitte August Grundsätze für das Verfahren festgezurrt. Demnach soll an der Schönerlinder Straße im Norden Pankows eine Werkstatt für die Instandhaltung der S-Bahn-Wagen eingerichtet werden. Dafür müsste dann auch die in Wartenberg endende S-Bahn-Trasse zum Karower Kreuz verlängert werden. Zudem soll eine weitere Werkstatt mit "guter Lage für das Stadtbahnnetz" errichtet werden.

Laut Thomsen wird vor Veröffentlichung der Ausschreibung auch über eine Lösung für die Zukunft des Werkstattpersonals gesprochen. Die Berliner Zeitung schreibt in diesem Zusammenhang, dass die Bieter erklären sollten, das Werkstattpersonal freiwillig zu übernehmen. Sollte dies nicht der Fall sein, würde das Land eine Beschäftigungsgesellschaft gründen, die das Personal aufnimmt und den neuen Betreibern über eine "verpflichtende Personalgestellung" überlasse. Das Fahrpersonal muss von einem neuen Betreiber übernommen werden.

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8 Kommentare

  1. 8.

    Herzlichen Glückwunsch Berlin,

    Endlich ist die S-Bahn Krise gelöst, es fährt dann einfach aufgrund des Hick Hack zwischen den unzähligen Beteiligten einfach gar kein Zug mehr.
    Die Abstimmungsprobleme zwischen jetzt Station, Netz und Betrieb sind jetzt schon unerträglich, dann kommt Zugeigentümer, Instandhalter und (meist ausländischer) Betreiber noch hinzu.

    Wenigstens werden dann die Anwälte auf völlig neue Weise beschäftigt. Zugunsten der Fahrgäste ganz sicher Fehlanzeige. Diese stehen dann auf den Bahnsteigen und können warten . . . bis sich ein Zuständiger für einen Schaden (Netz, Zug, Wartung, Betrieb oder Station) endlich gefunden hat und ihn behebt.


    Bitte aber auch jetzt die BVG privatisieren und alle Linien ausschreiben, dann würde vielleicht die 18 jetzt wenigstens mit einigen wenigen Fahrten fahren und nicht gänzlichst eingestellt sein.

    Eine Verkehrswende schafft man so ganz sicher nicht

  2. 7.

    Preisdrückerei ist Lohndrückerei. RRG dein Freund und Helfer. Die kapieren einfach die Zusammenhänge nicht.
    Die Bahn sollte einfach mal eine Zeit lang aus dem VBB aussteigen, dann werden sich die BVG und der Senat aber über ihre Einnahmen wundern. Die S-Bahn transportiert mehr Menschen über längere Strecken, dadurch generiert sie auch mehr Einnahmen. Das ist der BVG schon lange ein Dorn im Auge.
    Ein Busfahrer transportiert 80 Menschen über 3km, ein S-Bahn Fahrer transportiert 800 über 20 km.
    Die S-Bahn hat maximal 8 Wagen und transportiert damit soviel wie 20Busse(geschätzt)
    Wann fordern die Klimaaktivisten die Sperrung des Innenrings für die Dieselbusse der BVG, die alle 10m bremsen und anfahren. Wenn sie es wirklich ernst meinen, dann müssten sie das tun.

  3. 6.

    Volle Zustimmung @Pankower.
    Besser hätte man es nicht beschreiben können. Erst die Bahn mit Macht an die Börse bringen wollen und nun in Kleinstaaterei verfallen und am Besten jedem kleinen "Landesfürsten" seine eigene Bahn und Wünsche gönnen.
    @Trurl: mal den Kommentar von Pankower genau durchlesen und dann überlegen, wie groß der Aufschrei wäre, wenn plötzlich mehrere U-Bahn oder Straßenbahnlinien nicht mehr von der BVG betrieben werden würden.

  4. 5.

    Wer war mit schuldig an der S-Bahnkrise? Richtig, Rot-Rot mit einem harten Verkehrsvertrag (Zusatzleistung ohne Entgeldzahlung, Sparmaßnahmen, die umgesetzt werden mussten etc.) und natürlich Rot-Grün, die Mehdorn 1999 als DB-Chef einsetzten und ihm die Zielvorgabe gaben, die DB kapitalmarktfähig zu machen. Hinzu kommt, dass der Bundesbürger Mitte der 90er Jahre die Bahnreform wollte. Genau diese drei Parteien wollen auf Biegen und Brechen ein komplexes System, wo nur das EVU S-Bahn Berlin GmbH Praxiserfahrung besitzt, auseinanderbrechen.

    Hoffentlich werden mehr als 50% der Kollegen innerhalb der DB wechseln, damit nach der Ausschreibung, falls diese negativ für die S-Bahn Berlin GmbH ausgeht, der Verkehr zusammenbricht und Fr. Günther ihren Posten räumen muss.

    Dass die S-Bahn viel leisten kann, wurde während des Ver.di-Streiks bei der BVG gesehen.

  5. 4.

    Bei Ausschreibungen im ÖPNV geht es doch am Ende nur darum, die Arbeitnehmer zu spalten und über Jahre hart erkämpfte Betriebsvereinbarungen bzw. Tarifverträge abzuwickeln bzw. zu schwächen. Langjährige Mitarbeiter müssen wieder um ihre Arbeit bangen, wenn sie alle x Jahre gezwungen sind, sich auf exakt denselben Job neu zu bewerben. Jedesmal fängt eine neue Probezeit an. Dienstunfähige Lokführer, die an anderer Stelle im Unternehmen untergekommen sind, müssen erstmal sehen, wo sie bleiben, denn private Unternehmen haben ggf. keine Verwendung für solche Mitarbeiter. Es gibt sicher noch mehr Beispiele. Wenn der Staat wollte, dass bei der S-Bahn irgendetwas anders läuft, dann könnte er dies einfach entscheiden - der Staat ist nämlich Eigentümer der Deutschen Bahn und für alles dort direkt verantwortlich. Dazu kommt, dass private Eisenbahnerkehrsunternehmen ihre Gewinne in der Regel ins Ausland abführen. Was wir in Berlin am Ende davon haben, ist mir unklar.

  6. 3.

    „Aber so ist das halt, wenn Personen, die von Eisenbahnbetrieb keine Ahnung haben, solche Entscheidungen treffen.“

    Die „Berliner S-Bahnkrise“ schon vergessen? Vielleicht sind es ja auch nur Personen, die sich nich daran erinnern können und nicht wollen, dass sich so etwas wiederholt. Oder hatten die Verantwortlichen für jene Krise denn „keine Ahnung vom Eisenbahnbetrieb“?

  7. 2.

    Andernorts hat man gerade schlechte Erfahrungen mit einem neuen Personaldienstleister für die S-Bahn gemacht.
    https://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebiet/notvergabe-sbahn-verkehr-100.html
    Der Markt für Lokführer ist nicht nur im Ruhrgebiet leergefegt. Wer einen Vertrag bei der DB hat, wird mit Kußhand von deren Dienstellen im Konzern mit Aussicht auf Beschäftigung bis zur Rente übernommen. Ein Dritter mit einem 15-Jahres-Vertrag dürfte es hier ähnlich schwer haben wie die französische Staatseisenbahn an Rhein und Ruhr.

    Abenteuerlich finde ich angesichts des Zeitplanes die Werkstattideen, auch wenn anders das bestehende S-Bahnwerkstattmonopol der DB nicht beseitigt werden kann. Wann sollen die neuen fertig sein? 2036 oder später? Beim Werkstattpersonal ergeben sich in abgeschwächter Form ähnliche Rekrutierungprobleme wie vorn im Zug. Frau Pop hat vor kurzem erst beim ersten Spatenstich zum Ausbau des ICE-Werkes in Rummelsburg mit angepackt. 2023 soll es in Betrieb gehen.

  8. 1.

    "Ironie an: Herzlichen Glückwunsch an den Senat unter Federführung von Frau Günther für diese Entscheidung und viel Spass an alle Fahrgäste... - Ironie aus"
    Nicht umsonst hat man in der Entstehungszeit des S-Bahnnetzes ein geschlossenes System mit günstigen Werkstattstandorten an Endbahnhöfen geschaffen. Auch Betrieb und Bereitstellung der Fahrzeuge und des Personals aus einer Hand wurden deswegen so gewählt, um damit Synergieeffekte zu schaffen. Das man dies jetzt wieder derart zerstört und neue Konfliktpunkte schafft, ist für mich unverständlich. Aber so ist das halt, wenn Personen, die von Eisenbahnbetrieb keine Ahnung haben, solche Entscheidungen treffen.

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