09.11.2019, Berlin: Teilnehmer der Gedenkkundgebung der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes stehen am Mahnmal Levetzowstraße (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
Bild: dpa/Fabian Sommer

Gedenken an Novemberpogrome 1938 - "Heute werden wieder Juden auf unseren Straßen angegriffen"

In Potsdam haben am Samstagabend etwa 200 Menschen der Opfer der NS-Pogromnacht vom 9. November 1938 gedacht. Auch in anderen Städten in Berlin und Brandenburg gab es Erinnerungsveranstaltungen.

Mit Demonstrationen, Zeitzeugengesprächen und Kundgebungen haben Berliner und Brandenburger am Samstag an die jüdischen Opfer der Pogromnacht vom 9. November 1938 erinnert.

In Potsdam versammelten sich am Abend rund 200 Menschen in der Innenstadt. "Die Novemberpogrome waren eine Zäsur", sagte Kulturministerin Martina Münch (SPD) in einer Rede laut Mitteilung. "Sie markierten nach der vorangegangenen Entrechtung von
Juden den Beginn der systematischen Verfolgung, der völligen Entrechtung und des staatlich verordneten Massenmords."

Die Pflicht zur Erinnerung an Leid, Unrecht und Verbrechen sei heute wichtiger denn je, betonte Münch. "Auch heute werden wieder Juden auf unseren Straßen angegriffen, jüdische Friedhöfe geschändet, jüdische Einrichtungen attackiert und antisemitische Hetze verbreitet." Der 9. November 1938 habe deutlich gemacht, was geschieht, wenn einer Gesellschaft Menschlichkeit, Empathie, Toleranz und Zivilcourage verloren gehe. "Und er macht deutlich, dass Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit in unserem Land nicht verhandelbar sind", sagte die Ministerin.

Veranstaltungen auch in Berlin und Frankfurt (Oder)

Ein Gedenkprogramm in Frankfurt (Oder) hatte am Nachmittag mit einer Ausstellungseröffnung über "Jüdisches Leben an der Oder" begonnen, gefolgt von einer Veranstaltung mit Zeitzeugen. Am  Abend versammelten sich zahlreiche Bürger am Synagogengedenkstein in der Karl-Marx-Straße, um den Opfern der Pogromnacht zu gedenken.

In Berlin riefen ebenfalls mehrere Bündnisse zur Teilnahme an Gedenkveranstaltungen auf, unter anderem die Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes  zu einer Veranstaltung in der Levetzowstraße.

Die Novemberpogrome waren vom Nazi-Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden, die vor allem in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 stattfanden. Rund 400 Juden wurden in der Nacht ermordet, Hunderte weitere wurden festgenommen, verschleppt und gefoltert. Mehr als 1.400 Synagogen und Betstuben sowie Tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört.

Sendung: Abendschau, 09.11.2019, 19:30 Uhr

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11 Kommentare

  1. 11.

    Das sind aber keine Antisemiten, sondern Antizionisten. Jeder gestandene Politiker der Linken wird Ihnen erklären können, dass die Staatsdoktrin der DDR damit etwas ganz anderes meinte als die Faschisten, als dort gegen das "jüdische Kapital" agitiert wurde.

  2. 9.

    "dass Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit in unserem Land Merklich abgenommen haben", erfahre ich (und nicht nur ich) seit dem 1. Januar 2005 als das HartzIV-Gesetz der SPD in Kraft trat und mir unzureichend qualifiziertes Personal mit überzogenen Erwartungen und Untätigkeit bei der Vermittlung als behinderter Mensch auf die Nerven geht. - Im Übrigen, sind die nationalsozialistischen Lebensumstände von 1938 nicht auf die heutige Zeit direkt übertragbar, weil Staatsbedienstete grundsätzlich keine Gewalt gegen Menschen jüdischen Glaubens ausüben und sogar grundrechtlich verpflichtet sind, deren Menschenwürde zu schützen. Was die Nazi-Chaoten anbelangt, ist die dt. Justiz zuständig.

  3. 8.

    Das ist wirklich furchtbar
    Aber ich muss an Herrn Lagerfeld denken, der gesagt hat er könne nicht verstehen das Frau Merkel die schlimmsten Feinde der Juden nach Deutschland gelassen hätte
    Das ist leider auch ein Aspekt bei dieser schlimmen Angelegenheit.

  4. 6.

    Da pflichte ich Ihnen bei. Zumal man in Frankreich die Entwicklung genau beobachten kann. Die sind sozusagen schon einige Jahre weiter.

  5. 5.

    Es ist traurig, wie wenig Menschen an den Gedenkveranstaltungen teilnehmen. Mein Dank gilt jedem, der sich erinnert .

  6. 4.

    " "Auch heute werden wieder Juden auf unseren Straßen angegriffen, jüdische Friedhöfe geschändet, jüdische Einrichtungen attackiert und antisemitische Hetze verbreitet."

    das ist die traurige Realität , aber warum ist das so ? nur Mahnungen auf Ereignisse , welche 80 Jahre zurückliegen , helfen nicht, die Gegenwart muß ins Visier genommen werden , die Täter und deren Umfeld muß festgestellt werden...das sollte für die Ermittler keine große Hürde sein

  7. 3.

    Der 9. November ist ein Schicksalstag der Deutschen. Am 9. November war Reichspogromnacht und auch der Mauerfall. Daß daran erinnert wird, ist gut und richtig. Am 9. November war aber auch die sozialdemokratisch dominierte (siehe Haffner)Novemberrevolution, die später von rechtsextremen Freikorps blutig und "mit allen Waffen der Feldschlacht" niedergemetzelt wurde. Ich lege keinen gesteigerten Wert darauf, daß auch an den Hitler-Ludendorff-Putsch erinnert wird. Aber ich bin irritiert, daß ich über die Novemberrevolution hier GAR NICHTS finde. In ihr wurde das Frauenwahlrecht und der Achtstundentag erkämpft, und sie brachte die erste deutsche Demokratie hervor und beendete die antidemokratische Monarchie. Ich frage mich besorgt, was das für Kräfte und Weltbilder sind, die eine Erwähnung dieser Revolution bei einem ö.r. Sender unterbinden. Hat die AfD inzwischen beim RBB Einzug gehalten?

  8. 2.

    Ich danke Ihnen für diesen Beitrag. Gerade heute, wo alle den verdienten, endgültigen Untergang des kommunistischen Unrechtsstaates namens “DDR” und die Entmachtung der SED und der Blockflöten feiern, marschieren unter anderem auch Rechtsextreme z. B. durch Bielefeld, um Solidarität für eine verurteilte Holocaust-Leugnerin und Volksverhetzerin zu heischen... Und das an einem 9. November, dem Tag, an dem Deutsche, die in Nazibanden namens SA und SS organisiert waren, jüdische Mitbürger quälten, ermordeten und deren Eigentum verwüsteten. Wehret den Anfängen.

  9. 1.

    Das heißt POGROM.

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