25.11.2019, Berlin: Eine Flagge ("Berlin sagt Nein zu Gewalt an Frauen! - Berlin says No to violence against women!") weht am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen vor dem Berliner Rathaus an einem Fahnenmast (Quelle: dpa/Gregor Fischer)
Video: rbb24 | 25.11.2019 | Bild: dpa

Aktionen in Berlin und Brandenburg - "Gewalt an Frauen ist ein tief verankertes Problem"

Im Schnitt mehr als einmal pro Stunde wird eine Frau in Deutschland durch ihren Partner verletzt. Am Tag gegen Gewalt an Frauen sollen Aktionen auch in Berlin und Brandenburg darauf aufmerksam machen. Die Politik hisst Flaggen, Organisationen protestieren.

Anlässlich eines weltweiten Aktionstags werden am Montag an allen Berliner Senatsverwaltungen und Rathäusern Flaggen gegen Gewalt an Frauen gehisst.

Die erste landeseigene "Anti-Gewalt-Fahne" am Roten Rathaus ist am Mittag in Anwesenheit von Gleichstellungssenatorin Dilek Kalayci und Staatssekretärin Sawsan Chebli (beide SPD) hochgezogen worden. "Auch hier in Berlin ist Gewalt an Frauen ein tief verankertes Phänomen", wird Kalayci in einer Mitteilung zitiert. "Wir müssen zusammenstehen und dürfen nicht wegschauen."

Am Brandenburger Tor und am Abgeordnetenhaus setzte zudem die Menschenrechtsorganisation "Terre des Femmes" ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen in der Prostitution. Die Organisation setzt sich dafür ein, dass die Nachfrage nach käuflichem Sex durch ein Sexkaufverbot eingedämmt wird. Daneben gibt es viele weitere Aktionen in Berlin - eine Übersicht bietet die Senatsverwaltung für Gesundheit [berlin.de].

Berlin: 10.005 Frauen Opfer von Gewalt

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) vom Montag [bka.de] sind im Jahr 2018 mehr als 114.000 Frauen in Deutschland Opfer von Partnerschaftsgewalt geworden. Dazu gehören häusliche Gewalt, Bedrohungen oder Nötigungen durch den Ehemann, den Partner oder Ex-Partner. Bei insgesamt 140.755 Fällen bedeutet das, in mehr als 80 Prozent der Fälle sind Frauen die Opfer von häuslicher Gewalt.

Laut Senat registrierte die Berliner Polizei im gleichen Jahr insgesamt 15.655 Fälle von Gewalt innerhalb der Familie. Davon sind den Angaben zufolge 10.005 Frauen die Opfer gewesen, was einem Anteil von 63 Prozent entspricht.

Von insgesamt 4.361 Opfern häuslicher Gewalt in Brandenburg im Jahr 2018 waren der Polizei zufolge 3.131 weiblich, was knapp 72 Prozent entspricht.

Dilek Kalayci (SPD), Berlins Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, kommt am 25.11.2019 mit Demonstrantinnen am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen vor dem Berliner Rathaus ins Gespräch. (Quelle: dpa/Gregor Fischer)

Nonnemacher will mehr Angebote in Brandenburg

Auch in Brandenburg wurden in mehreren Städten Fahnen als Zeichen gegen Gewalt an Frauen hochgezogen - etwa in Potsdam, Herzberg (Elbe-Elster) und Prenzlau (Uckermark).

Im Innenhof des Landtagsgebäudes in Potsdam hissten die frisch gekürte Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) und Landtagsvizepräsidentin Barbara Richstein (CDU) die Fahne "Terre des Femmes". Mehr als jede dritte Frau in Deutschland werde Opfer sexualisierter oder körperlicher Gewalt, sagte Nonnemacher. Von "Familiendramen" zu sprechen sei in diesem Zusammenhang eine Verharmlosung. "Eine Maßnahme wird sein, die Zufluchts- und Beratungsangebote im Land weiter zu stärken", kündigte sie an.

Giffey nennt Zahlen "alarmierend"

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) führt die gestiegene Zahl der Fälle auf eine höhere Bereitschaft zurück, Anzeige zu erstatten. Die Ministerin nannte die Zahlen am Montag im ARD-Morgenmagazin "alarmierend". Die Dunkelziffer sei zudem noch höher. 122 Frauen seien im vergangenen Jahr von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet worden. "Jeden Tag findet ein Versuch statt, jeden dritten Tag wird der Versuch vollendet", sagte Giffey.

Der Bund will daher in den kommenden vier Jahren jeweils 30 Millionen Euro investieren, um Frauen besser zu schützen. Die Geschäftsführerin beim Bundesverband der Frauenberatungsstellen, Katja Grieger, begrüßte die Ankündigung. Allerdings würden damit nur bauliche Maßnahmen finanziert, sagte sie im rbb-Inforadio.

Sendung: rbb 88,8, 25.11.2019, 7.00 Uhr

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6 Kommentare

  1. 5.

    Armselig finde ich auch hier die viel zu wenige Anteilnahme, insbesonders von Männern im Forum zum Thema.

  2. 4.

    Wow, am Internationalen Tag gegen Gewalt an FRAUEN heult ein Mann rum, dass nicht über Gewalt an Männern gesprochen wird. Ganz großes Kino. Merkst du hoffentlich selber, ne? Das ist übrigens eine Form des Silencing und Unsichtbarmachen von Frauen. Engagierst du dich denn für Männer, die von Gewalt betroffen sind oder heulst du hier nur rum, weil du Angst hast, deine patriarchale Macht zu verlieren?

  3. 2.

    von Gewalt gegen Männer spricht hier keiner....die Frauen sind auch nicht ohne

  4. 1.

    Schon in der Schule sollte über Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen geredet werden.
    Denn Kinder bekommen Häusliche Gewalt mit.

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