Beamte der Polizei bringen sichergestellte Gegenstände nach einer Razzia in einer Wohnung eines Mitglieds einer arabischen Großfamilie zu ihrem Auto. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 25.11.2019 | Rene Althammer | Bild: dpa/Paul Zinken

20 einschlägig bekannte Familien in Berlin - Jedes dritte Clan-Verfahren dreht sich um neue Zuwanderer

Das Bundeskriminalamt verzeichnet eine steigende Anzahl von "tatverdächtigen Zuwanderern" - vor allem aus Syrien und dem Irak - bei der Clan-Kriminalität. Die Ermittler befürchten Auseinandersetzungen zwischen alteingesessenen Clans und neuen Gruppen.

Auf eine steigende Anzahl von "tatverdächtigen Zuwanderern" in den Ermittlungsverfahren gegen die Organisierte Kriminalität von Clans verweist der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch. Er erklärte, bei den Tatverdächtigen handele es sich vor allem um Zuwanderer, die in den vergangenen Jahren aus Syrien und dem Irak nach Deutschland kamen. Zwar gebe es noch keine verfestigten Strukturen, doch: "In etwa einem Drittel der Verfahren sind auch Zuwanderer als Tatverdächtige aufgetaucht. Und das bedeutet, wir müssen das Phänomen weiter sehr genau im Auge behalten", sagt Münch in der ARD-Dokumentation "Beuteland - Die Millionengeschäfte krimineller Clans" des WDR und des rbb.

In der Dokumentation erklärt Münch: Nach den Erfahrungen aus der libanesischen Zuwanderung seit den 1970er Jahren, so Münch weiter, dürfen wir "solche Dinge nicht über Jahre laufen lassen. Das ist, glaube ich, die große Lehre, die wir aus den Entwicklungen der letzten dreißig Jahre ziehen müssen."

In Berlin gelten derzeit 20 Familien als einschlägig, erklärte Innensenator Andreas Geisel am Montag im ARD-Morgenmagazin. Sieben bis acht von ihnen gelten als intensiv kriminell, so Geisel. Der Senator sagte weiter, dass die Ermittler weiterhin versuchen, den Kriminellen "da auf den Füßen zu stehen, wo es weh tut, also bei den Finanzen". Mittlerweile seien 77 Immobilien in der Hauptstadt beschlagnahmt worden, dazu gehören auch die Mieteinnahmen in Höhe von neun Millionen Euro.  

Arabisch-libanesische Clans zunehmend unter Druck

Nach Aussage des Essener Polizeipräsidenten Frank Richter beobachtet die Polizei, dass Zuwanderer den alteingesessenen arabisch-libanesischen Clans zunehmend Konkurrenz machen und sie unter Druck setzen. Während Zuwanderer aus dem Irak lange nur "als sogenannte Läufer" im Drogenhandel für die Alt-Clans tätig waren, seien nun "Gruppierungen" zu beobachten, die versuchen, "die Geschäfte zu übernehmen". Richter befürchtet, dass es bei den Auseinandersetzungen zwischen alteingesessenen Clans und den neuen Gruppen zu schweren Auseinandersetzungen kommen könnte, da die Zugewanderten zum Teil über "Kampferfahrung verfügen" würden. "Das ist natürlich noch mal eine ganz, ganz andere Qualität als das, was wir momentan haben", so Richter in der ARD-Dokumentation.

Allein in Nordrhein-Westfalen gab es nach Angaben des Innenministeriums in diesem Jahr bislang 720 Razzien gegen Clan-Kriminalität. Das geht aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der "Rheinischen Post" hervor. Seit der Erfassung solcher Razzien im Juli 2018 gab es insgesamt 860 Durchsuchungen. Die Fahnder kontrollierten dabei mehr als 26.100 Menschen - davon 19.200 in diesem Jahr. Sie registrierten mehr als 10 000 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten und nahmen rund 350 Personen fest.

Neue Formen der Kriminalität

Auch in Niedersachsen beobachtet man seit der jüngsten Zuwanderung aus den Bürgerkriegsgebieten neue Formen der Kriminalität. Im internen Lagebild "Clankriminalität" vom Mai 2018 heißt es: "Clankriminalität entwickelt immer neue Facetten". In der Stadt Peine würden im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen zwischen libanesisch-stämmigen "Großfamilien" und "Flüchtlingen syrischer Herkunft" im Jahr 2017 neue  "bandenähnliche Strukturen" unter den Zuwanderern festgestellt. Friedo de Vries, Chef des Landeskriminalamtes Niedersachsen, warnt davor, dass sich eine "Subkultur bildet, die am Ende in kriminelle Strukturen übergehen kann."

Zuletzt sorgte der Fall des illegal nach Deutschland eingereisten libanesischen Clan-Mitglieds Ibrahim Miri für Aufsehen. Dieser wurde am Wochenende aus Bremen in sein Heimatland abgeschoben. Der Clan-Chef wurde in Deutschland von 1989 bis 2014 insgesamt 19 Mal rechtskräftig verurteilt, unter anderem wegen Raubes, schweren Diebstahls, Hehlerei und bandenmäßigen Drogenhandels. Im März kam er vorzeitig frei, im Juli wurde er in den Libanon abgeschoben. Ende Oktober tauchte er in Bremen auf, stellte einen Asylantrag und wurde wieder festgenommen.

Sendung: ARD, 25.11.2019, 20:15 Uhr.

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