Archivbild: Unterrichte in der Privatschule Phorms Phorms in Berlin-Mitte 2006. (Quelle: imago images)
Audio: Inforadio | 26.11.2019 | Jan Menzel | Bild: imago images

Mehr Mittel im Doppelhaushalt geplant - Privatschulen sollen für mehr Durchmischung sorgen

Seit Jahren prangern Wissenschaftler an, dass die Türen von Berliner Privatschulen Kindern aus sozial schwachen Familien viel zu häufig verschlossen bleiben. Daran etwas ändern soll nach rbb-Informationen der Doppelhaushalt 2020/21. Von Jan Menzel

An vielen Schulen in Berlin ist die soziale Mischung eine Fiktion. In schwierigen Kiezen bleiben Kinder aus ärmeren Familien meist unter sich. Auf der anderen Seite steht eine Reihe von Privatschulen, auf die fast nur Kinder besser gestellter Eltern gehen.

Dieses Ungleichgewicht ist seit langem bekannt. Nach rbb-Informationen will die SPD-Fraktion nun mit dem Doppelhaushalt für die kommenden beiden Jahre einen neuen Anlauf für mehr Chancengerechtigkeit und Durchlässigkeit unternehmen. Mit dem neuen Haushalt soll darüber hinaus das Brennpunkt-Schul-Programm massiv ergänzt werden.

Unter vier Prozent sind lernmittelbefreit

Nach dem Willen der SPD sollen sich einerseits die Privatschulen auch aus dem Millionen-Topf für Schulerweiterungen bedienen dürfen. Eine alte Forderung der freien Schulen wird damit erfüllt. "Allerdings nicht bedingungslos", wie die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Maja Lasic im Gespräch mit dem rbb betont. Denn das Angebot soll nur für solche freien Schulen gelten, "die sich auch verpflichten, dass sie alle sozialen Schichten aufnehmen, nicht nur selektiv Familien, die viel Geld zur Verfügung haben."

Der Vorstoß der SPD zielt auf eine fundamentale Ungerechtigkeit in der Berliner Bildungslandschaft ab. Zahlreiche Studien wie jene des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung [wzb.eu] haben immer wieder moniert, dass Kinder aus armen Familien praktisch keine Chancen an teuren Privatschulen haben. Eine parlamentarische Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus hatte 2017 aufgelistet, dass an den 77 renommiertesten freien Schulen Berlins gerade mal 3,7 Prozent der Schüler lernmittelbefreit sind. Ein Indikator dafür, dass sie aus armen Familien stammen. Für Bildungspolitiker wie Maja Lasic ist das ein Verstoß gegen das grundgesetzliche Sonderungsverbot, wonach freie Schulen die Trennung der Kinder nach den Besitzverhältnissen ihrer Eltern nicht fördern dürfen.  

"Hohe Gebühren soll es nicht mehr geben"

SPD-Politikerin Lasic will eine stärkere soziale Mischung an Privatschulen und dafür die entsprechenden Durchführungsvorschriften und Schulgeldtabellen ändern. "Das heißt, keine Schule darf sich mehr versperren, in dem sie hohe Summen für die Aufnahme oder monatliche Gebühren einzieht. Das es soll es in Zukunft nicht mehr geben, und damit wird es auch eine grundsätzliche Öffnung für alle Berlinerinnen und Berliner geben."

Auch Brennpunktschulen erhalten mehr Geld

Auf der anderen Seite will die SPD dort verstärkt helfen, wo sich an Schulen soziale Probleme, Benachteiligung und schlechte Bildungschancen ballen. Als Ergänzung zum bereits etablierten Brennpunktschulprogramm kommt ein weiteres 10-Millionen-Euro-Bonusprogramm dazu, kündigt SPD-Fraktionschef Raed Saleh an. Ein Programm für Schulen, die sagen, "Wir wollen uns ändern. Wir wollen die besten Schulen werden, trotz schwerer Lage und wir wollen kämpfen", so Saleh.

Unterstützt werden diese Schulen mit 300.000 Euro jährlich. Weitgehend unabhängig sollen die Schulen dann entscheiden, wofür sie das Geld ausgeben - für mehr pädagogisches Personal, für Digitalisierung oder den naturwissenschaftlichen Unterricht. Ein professioneller Coach soll sie dabei unterstützen. Das Geld reicht für 20 Schulen. Saleh zufolge dürften die vor allem in Mitte, Spandau, Neukölln und Marzahn-Hellersdorf liegen.

Am 12. Dezember soll das Gesetz über den Doppelhaushalt 2020/21 vom Parlament verabschiedet werden. Es tritt am 1. Januar 2020 in Kraft.

Sendung: Inforadio, 26.11.2019, 6:25 Uhr

Beitrag von Jan Menzel

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14 Kommentare

  1. 14.

    " Die Rot-Grün-Linken kapieren die einfachsten Dinge nicht. "

    doch, kapiert haben die das schon, deswegen wollen sie ja eine Änderung

  2. 13.

    Die haben das sehr wohl kapiert! Genau deshalb kommt ja der Vorstoß, weil Gleichmacherei für die wichtiger ist, als Kindern gute Chancen zu lassen. Wenn man das Niveau der staatlichen Schulen nicht nach oben angleichen kann, muss man eben das der privaten nach unten anpassen. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!

  3. 12.

    Es fällt mir nicht mehr ein, ausser: es wird immer schlimmer und die Kinder immer dümmer.

  4. 11.

    Privatschulen sollen für mehr Durchmischung sorgen? Aber genau diese Nicht-Durchmischung ist es doch, warum Eltern ihre Kinder auf eine Privatschule schicken. Die Rot-Grün-Linken kapieren die einfachsten Dinge nicht.

  5. 10.

    Baden-Württemberg und Bayern setzen sich ab. Aus dem "Nationalen Bildungsrat". Eigentlich bin ich ein Gegner der Kleinstaaterei im Bildungsföderalismus. Denn beim Sozen-Kommunisten-Grüne Bildungsaktivismus landen alle auf den niedrigsten Stand von Berlin und Bremen.
    Nominell haben vergleichsweise zu früher auch in Berlin viele das Abitur, können aber trotzdem nicht ausreichend fehlerfrei rechnen und schreiben. Die Gründe hierfür in Polsting Nr. 1 und Nr. 5 hinreichend deutlich beschrieben.

    Der jetzige Versuch des Müller-Senats bringt nichts außer weiterer Geldverschwendung und der Verschlechterung bei den Privatschulen.

  6. 9.

    Das sehe ich genauso.
    Die staatlichen Schulen sind zum großem Teil unmöglich.
    Also bleibt einem nichts anderes übrig, als auf einiges zu verzichten um sein Kind vor diesen Zuständen, die dort herrschen zu bewahren.

  7. 8.

    Für viele Eltern und Arbeitnehmer ist eine qualifizierte Schule am Orte für ihren Nachwuchs eine notwendige Bedingung.
    Der Versuch, und darauf läuft es hinaus, mit zusätzliche staatlichen Mitteln die Privatschulen auch noch auf das berüchtigte "Berliner Niveau" herunterzuwirtschaften, wäre ein echter Standortnachteil für Berlin, qualifizierte Arbeitskräfte würden abwandern, etwas nach Bayern.

  8. 7.

    Im Prinzip ist die Nachricht ein Indikator für das desaströse Gewirtschafte des RRG Senats auf dem Schulsektor. Warum schafft er es nicht, die keineswegs kostengünstigeren aber schlechten staatlichen Schulen auf einen Stand zu bringen, damit Eltern nicht Reißaus nehmen, wenn für den Nachwuchs die Schulpflicht beginnt?
    Bayerns Regierungschef Söder hat schon Recht, wenn er aus dem SPD-dominierten "Nationalen Bildungsrat" aussteigt.
    Denn er möchte keine Berliner Schulverhältnisse in Bayern.

  9. 6.

    Wer hat denn diese SPD gewählt? Nun sollte man sich auch nicht aufregen! Schade nur, dass es dann bald keinen Unterschied zu staatlichen Schulen geben wird und in absehbarer Zeit alles vermischt sein wird.

  10. 5.

    In Berlin ist in vielen Klassen kein normaler Unterricht mehr möglich, weil entweder sehr viele Kinder keinen Respekt mehr vor Lehrkräften, speziell weiblichen, haben und ein großer Teil der Kinder mangels deutschkenntnissen die ganze Klasse ausbremst. Da wäre ich als Elternteil froh, eine alternative schule zu haben, in der bestimmtes Klientel keinen Zugang hat. Wer möchte denn heute noch Lehrer werden bei den Zuständen in staatlichen Schulen?

  11. 4.

    Das halte ich, mit Verlaub gesagt, für völlig überflüssig. Wir haben so viele gute öffentliche Schulen. Da sind private Schulen und erst recht auch die Förderung dafür Quatsch! Viel eher sollten die Lehrer an Brennpunktschulen unterstützt werden. Eine Freundin von mir ist Lehrerin an einer Brennpunktschule in Neukölln. Sie wurde neulich im Unterricht mit einem angezündeten Polenböller beworfen. Dort sollte man sich um die Lehrer kümmern! Sie werden völlig allein gelassen und müssen sich in Lebensgefahr begeben, nur weil sie unterrichten möchten!

  12. 3.

    ... ganz einfach, weil es nicht genug öffentlichen Schulen gibt und das Land ist froh, nicht noch mehr Schulplätze zu schaffen.

  13. 2.

    Warum werden dann Privatschulen nicht einfach abgeschafft?

  14. 1.

    Prima, dann werden jetzt auch noch die freien Schulen auf SPD-Niveau runtergewirtschaftet. Es ist so schlimm, was SPD und Linke im Bereich Bildung in den letzten Jahrzehnten in Berlin und Brandenburg angerichtet hat.

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