Archivbild: Das sogenannte Dragoner-Areal ist am Mehringdamm in Berlin zusehen. (Quelle: dpa/R. Jensen)
Audio: Inforadio | 05.11.2019 | Jan Menzel | Bild: dpa/R. Jensen

Drei Entwürfe vorgestellt - Planungen für das Dragoner-Areal nehmen Gestalt an

Wie soll das Dragoner-Areal in Kreuzberg künftig einmal aussehen? Am Dienstag sind drei städtebauliche Konzepte vorgestellt worden. Die sehen eine Mischung aus Wohnungen und Gewerbe auf dem 4,7 Hektar großen Gelände vor. Von Ute Schuhmacher

Seit dem Sommer gehört das Dragoner-Areal am Mehringdamm in Kreuzberg dem Land Berlin - und es soll bebaut werden. Mindestens 500 Wohnungen sollen auf dem Gelände Platz finden, dabei sollen die zahlreichen Gewerbetreibenden - vom Autoschrauber bis zum Biomarkt - nicht vertrieben werden. Außerdem sollen noch weitere, neue Betriebe angesiedelt werden - und auch Platz für eine Kita und einen Jugendclub sollen sein - obwohl das durchaus Lärm macht. Doch wie soll das alles gehen?

"Wohnen im urbanen Gebiet"

Monatelang gab es deshalb diverse Treffen von Anwohnern, den Gewerbetreibenden, Politikern und Verwaltungsmitarbeitern. Seit Dienstag liegen nun die ersten drei städtebaulichen Konzepte vor mit Ideen dazu, was auf dem Dragonerareal entstehen könnte.

Bei allen drei Varianten wird sowohl das Gewerbe erhalten, als auch Wohnen möglich gemacht. Wobei die Anwohner dann damit leben müssen, dass es nicht so leise ist wie in einem normalen Wohngebiet. "Wohnen im urbanen Gebiet" heißt es in schönstem Verwaltungsdeutsch. Denn im urbanen Gebiet darf es ein bisschen lauter sein. Das Finanzamt, das sich in dem ehemaligen Kasernengebäude entlang des Mehringsdamms befindet, wird in allen Entwürfen erweitert. Auch das Rathaus bekommt einen Anbau.

Bis zu 13 Stockwerke hoch

Beim Entwurf des Architektenbüros IFAU werden Wohnhäuser neben Gewerberäume gestellt. Das höchste Gebäude hätte sieben Stockwerke. Die Planer von Robertneun stellen sich eine Aufteilung in kompaktere Wohn- und Gewerbeblöcke vor und wollen bis zu 13 Stockwerke hoch bauen.

Dagegen will die SMAQ das lautere Gewerbe in einem Block am nördlichen Rand des
Areals zusammenfassen. Als Puffer zu den Wohnhäusern dienen dann Gebäuderiegel, in die leiseres Gewerbe oder auch Sozialeinrichtungen wie eine Kita und ein Jugendclub einziehen sollen.

Im SMAQ-Entwurf ist ein sieben Stockwerke hohes Hochhaus direkt auf der Ecke Mehringdamm/Obentrautstraße vorgesehen. Wer oder was dort einziehen könnte, ist noch völlig offen - aus Sicht von SMAQ ist das eine zusätzliche Potenzialfläche, die bebaut werden kann, aber nicht bebaut werden muss.

Modell zur Bebauung des Dragoner Areals am Mehringdamm in Berlin Kreuzberg. (Quelle: rbb/robertneun.de)
Entwurf des Architektenbüros Robertneun mit kompakteren Wohn- und GewerbeeinheitenBild: rbb/robertneun.de

Ungewöhnliche Harmonie zwischen den Akteuren

Die Wohnhäuser sollen die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM bauen. Einem der Entwürfe zufolge teilweise gemeinsam mit einer Genossenschaft. Anspruchsvoll nennt das Baustaatssekretär Sebastian Scheel (Linke).

Und doch zeigen sich die Vertreter der verschiedenen Gewerke bei der Präsentation der Pläne entspannt: die WBM-Vertreter genauso wie die Betreiber des Nachtclubs Gretchen. Die erklären sich zuversichtlich, dass das Miteinander von Wohnen, Gewerbe und Verwaltung funktionieren wird.

Die Bürgerinitiative vertraut darauf, dass auch die Geschichte der einstmals preußischen Kaserne mit einem Lernort auf dem Gelände gewürdigt wird. Kurz: Es herrscht eine ungewöhnliche Harmonie zwischen den Akteuren.

Die Sprecherin von Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) zeigt sich positiv irritiert: "Es passiert in der Verwaltung nicht allzu oft, dass wir so viel gelobt werden", sagt sie. So fühlt sich die Verwaltung auch darin bestätigt, das Verfahren weiter offen zu führen, alle Beteiligten weiter anzuhören und ihre Wünsche und Bedenken aufzunehmen.

Modell zur Bebauung des Dragoner Areals am Mehringdamm in Berlin Kreuzberg. (Quelle: rbb/smaq.net)
Der SMAQ-Entwurf: Zusätzliches Potenzialo an der Ecke MehringdammBild: rbb/smaq.net

Entwürfe sind öffentlich einsehbar

Endgültig sind die drei Entwürfe noch nicht. Mehrere Kolloquien soll es noch geben, bei denen Anwohner, Gewerbetreibende oder sonst Interessierte ihre Anmerkungen machen können. Zwischen den Kolloquien haben die Planungsbüros dann einen Monat Zeit, um die Vorschläge in ihre Entwürfe einzuarbeiten.

Bis zum 19. Dezember soll das Gesamtkonzept stehen, bis Ende Januar 2020 die Grundlagen für das Bebauungsplan-Verfahren gelegt sein. Bis zum Herbst 2021 sollen die Pläne für das gesamte Dragoner-Areal dann Planungsreife erreichen. Das wäre dann pünktlich zu den nächsten Abgeordnetenhaus-Wahlen.

Enwurf zum Bebauungsplan des Dragoner Areals am Mehringdamm in Berlin Kreuzberg. (Quelle: rbb/ifau.berlin)
Der IFAU-Vorschlag: Kein Gebäude höher als sieben StockwerkeBild: rbb/ifau.berlin

Sendung: Abendschau, 05.11.2019, 19.30 Uhr

Beitrag von Ute Schuhmacher

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    " aber wenn es der Frau Lomscher gefällt ist ja alles gut"

    vielleicht einfach nochmal richtig lesen, was da steht. Vor allem den Absatz "Ungewöhnliche Harmonie zwischen den Akteuren".

    Offensichtlicher kann man Bashing wohl nicht betreiben :-(

  2. 4.

    Die LKW kommen sowieso des nachts. Da sollten die Kinder zu Haus sein, es sei denn, der Fahrer*Innen sind LKWlenker.
    Ein Teufelskreis!

  3. 3.

    Es ist ein wirklich guter Ansatz. Wohnen, Gewerbe, Clubs etc. Nur so funktioniert eine Stadt. Viele neue Viertel wie auch manche alte wie die Gropiusstadt sind nur Schlafstädte.

  4. 2.

    da lobe ich mir unsere Gropiusstadt- Bebauung--- gegen das geplante Areal

  5. 1.

    Die Bebauung noch enger vorzunehmen geht wohl kaum? Viel Spaß neben Gewerbetreibende zu Wohnen (LKW-Verkehr neben der Kita), aber wenn es der Frau Lomscher gefällt ist ja alles gut.

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