Ein Hinweisschild auf eine Kfz-Zulassungsbehoerde, aufgenommen am 28.05.2019 in Berlin. (Quelle: dpa/Arne Immanuel Baensch)
Video: Abendschau | 06.11.2019 | A. Taegener | Bild: dpa/Arne Immanuel Baensch

Zwischenbilanz - Nur ein paar Dutzend Berliner nutzen Online-Zulassung

Seit Anfang Oktober können Berliner ihre Autos auch online anmelden – doch nur ein paar Dutzend haben den Service im Netz bislang genutzt. Das Problem: Die Anmeldung ist für viele Nutzer einfach zu umständlich, meint der ADAC. Von Holger Hansen

Seit dem 1. Oktober können in Berlin Fahrzeuge auch online [berlin.de] angemeldet werden – doch die Wenigsten haben diesen Service schon genutzt. Das geht aus Zahlen hervor, die dem rbb vorliegen. Während die Verantwortlichen den schleppenden Anlauf mit einem zu geringen Bekanntheitsgrad begründen, sieht der ADAC zu viele technische Hürden.

Weniger als 90 An-, Ab- und Ummeldungen sind seit dem 1. Oktober in Berlin online erfolgt, dem gegenüber stehen 30.000 herkömmlich an-, ab- und umgemeldete Fahrzeuge. Das hat eine rbb-Recherche ergeben. Bei den Neu-Zulassungen gab es bisher sogar nur eine einzige auf digitalem Wege, fast 6.000 dagegen analog.

Smentek: "Ich war in fünf Minuten durch"

Einen Grund dafür sieht Sabine Smentek, Staatssekretärin für Informations- und Kommunikationstechnik in der Senatsinnenverwaltung, im noch geringen Bekanntheitsgrad: “Dass sich das noch nicht rumgesprochen hat, verstehe ich. Wir setzen darauf, dass die Zahlen sukzessive wachsen werden.“ Die Nutzung des Internet-Portals der Berliner Verwaltung sei jedenfalls einfach, so Smentek. Sie selbst habe das schon ausprobiert und sei "in fünf Minuten durch" gewesen.

Dass bisher nur wenige Menschen die online-KfZ-Anmeldung nutzen, liegt aber sicher auch an den technischen Voraussetzungen: Die erste Hürde beim Online-Beantragen der Neu-Zulassung ist die sogenannte eID-Funktion des Personalausweises, also die elektronische Identifikation. Nur damit kann man sich online ausweisen. Sabine Smentek empfiehlt, diese Funktion beim Bürgeramt aktivieren zu lassen. Auch, weil bald noch mehr Verwaltungs-Angelegenheiten online erledigt werden können. Außerdem wird ein Kartenlesegerät oder eine kostenlos herunterzuladende App für das Smartphone benötigt.

ADAC registriert große Skepsis

Im Prinzip sei die Online-Anmeldung eine gute, weil nutzerfreundliche Sache, heißt es auch beim ADAC Berlin-Brandenburg: Die vorgeschalteten Hürden hält Jörg Kirst, Gruppenleiter Technik, aber für erheblich. Persönlich hält er beispielsweise nichts davon, den Personalausweis freischalten zu lassen: "Ich bin da eher von der alten Schule. Aber ich bin auch fest davon überzeugt, dass junge Menschen mit diesem Onlinesystem mehr anfangen können als Menschen im Bereich 50plus."

Auch bei den ADAC-Mitgliedern stößt die Möglichkeit der Online-Zulassung eher auf Skepsis, berichtet Kirst. "Unser Zulassungsservice hier im Haus wird deutlich mehr genutzt, seit es das Online-Verfahren gibt. Vielen fehlt es noch an der Online-Erfahrung, sich solchen neuen Systemen auch zu stellen." Hinzu komme: Auch der eigentliche Verwaltungsaufwand verringere sich bei der Online-Anmeldung keineswegs, so Kirst. Denn auch hier müssten Mitarbeiter die Anträge prüfen und dann die Unterlagen und Prüfplaketten per Post zusenden.

Dass es bisher kaum online beantragte Neuzulassungen gibt, hat aber auch noch einen weiteren Grund: Die Fahrzeughersteller müssen ihre Fahrzeugtypen in eine Datenbank einlesen. Das erfolgt zurzeit noch etwas schleppend, nach und nach aber sollte diese Datenbank aufgefüllt werden und damit dann auch diese Hürde genommen sein.

Sendung: Abendschau, 6.11.2019, 19:30 Uhr
 

Beitrag von Holger Hansen

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8 Kommentare

  1. 8.

    Noch idiotischer ist doch das eigentlich triviale ABMELDEN eines KFZs: Da gibt es extra für diesen Fall ein Feld zum Freirubbeln auf dem Kennzeichen und dem KFZ-Schein. Das reicht aber nicht, man benötigt auch noch die Online-Funktion des Personalsausweises. Ich habe daraufhin einen professionellen Dienstleister mit der Abmeldung beauftragt.
    DER DIENSTLEISTER BENÖTIGTE DAFÜR ABER KEINEN (!) PERSONALAUSWEIS von mir!!
    Das kann man nicht mehr verstehen!

  2. 7.

    ich habs online versucht....also noch umständlicher gehts kaum noch....(Deutschlands Bürokratie halt)...nach dem 2.Versuch hab ichs gelassen und die klassische Variante gewählt....ist viiiiiiel einfacher

  3. 6.

    Danke für die diskriminierende Äußerung bezüglich 50plus. Die Meinung von diverse Kirst ist unglaublich .

  4. 5.

    Auf dem Weg zur Arbeit bin ich heute mal wieder an einem Plakat vorbeigekommen, auf dem für das Deutsche Rechtswesen geworben wird. Genauer gesagt hielt es da irgendwer aus irgendeinem Grund wohl für wichtig, auf die Existenz von Staatsanwälten und/oder Richtern hinzuweisen. Eine konkrete Absicht, ein klar umrissenes Ziel (z. B. "Bewerbt Euch!") konnte ich da aber nicht erkennen, so dass der Grund für diese Werbung für mich im Dunkeln bleibt.
    Wäre es nicht erheblich sinnvoller (weil finanziell langfristig klüger) in dieser Art öffentlich darauf aufmerksam zu machen, wenn mal wieder irgendein Behördengang wegfällt, weil man die entsprechende Sache jetzt auch am Computertisch erledigen kann?
    Zeitungen sterben aus, der Fernseher ist für viele Menschen (wie mich) nur noch ein größerer Monitor und Radio hören wohl nur wenige Leute wirklich häufig.
    Wäre da Plakatwerbung mit entsprechenden Hinweisen nicht das einzig Sinnvolle?

  5. 4.

    Dass die gute Sabine Smentek meint, man sei in 5 Minuten durch ist wohl eher ihrer beruflichen Vorbildung zu diesem Thema geschuldet. Der normale Bürger hat diese Vorbildung aber nicht.

  6. 3.

    Als ich kürzlich meinen neuen Personalausweis ausgehändigt bekam, bekam ich gleichzeitig eine für mich völlig unverständliche Nachricht, ich könne meinen Ausweis auch online nutzen. Nähere Infos zur eID-Funktion des Personalausweises erhielt ich nicht. Ich fragte mich, was das soll (bin online mit meinen Daten sehr vorsichtig) und habe den Brief, mit dem ich mir hätte Zugang verschaffen können, vernichtet.

    Heute weiß ich durch Medien-Infos, was es damit auf sich hat. Gleichzeitig liest man immer wieder, wie schlecht die Berliner EDV aufgestellt und kaum vernetzt ist, dass Hacker Zugriff haben/hatten. Und da soll ich alles online abwickeln? Nein danke.
    Dass die gute Sabine Smentek meint, man sei in 5 Minuten durch ist wohl eher ihrer beruflichen Vorbildung zu diesem Thema geschuldet. Der normale Bürger hat diese Vorbildung aber nicht.

  7. 2.

    ok, wenn ich erst wochenlang auf das Freischalten meines Persos warten muss, habe ich die Karre längst "klassisch" angemeldet. Dann brauche ich noch einen Kartenleser und ne App - auf dem Amt oder beim Zulassungsservice brauche ich das alles nicht. Und da bekomme ich auch ein Nummernschild. Das bekomme ich sonst mit der Schneckenpost (1/3 meiner WICHTIGEN Postsendungen verschwindet seltsamerweise, vor allem Bank- und Geldunterlagen). Wenn der Postmann wirklich klingelt, dann nicht zweimal - meist habe ich aber ohne Klingeln einen Zettel im Briefkasten. Dann liegt das Nummernschild irgendwo im Postshop zur Abholung, aber nicht am gleichen Tag bitte.
    In der Zeit habe ich beim Zulassungsservice längst mein Nummernschild. Und eine Plakette für die Windschutzscheibe in grün oder so.

  8. 1.

    Als ich kürzlich meinen neuen Personalausweis ausgehändigt bekam, bekan ich gleichzeitig eine für mich völlig unverständliche Nachricht, ich könne meinen Ausweis auch online nutzen. Nähere Infos zur eID-Funktion des Personalausweises erhielt ich nicht. Ich fragte mich, was das soll (bin online mit meinen Daten sehr vorsichtig) und habe den Brief, mit dem ich mir hätte Zugang verschaffen können, vernichtet.

    Heute weiß ich durch Medien-Infos, was es damit auf sich hat. Gleichzeitig liest man immer wieder, wie schlecht die Berliner EDV aufgestellt und kaum vernetzt ist, dass Hacker Zugriff haben/hatten. Und da soll ich alles online abwickeln? Nein danke.
    Dass die gute Sabine Smentek meint, man sei in 5 Minuten durch ist wohl eher ihrer beruflichen Vorbildung zu diesem Thema geschuldet. Der normale Bürger hat diese Vorbildung aber nicht.

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