Der Schriftzug "Berliner Verlag leuchtet über dem Eingang des Verlagsgebäudes. (Quelle: dpa/Robert Schlesinger)
Audio: Inforadio | 18.11.2019 | Christoph Reinhardt | Bild: dpa/Robert Schlesinger

Gemeinsames Portal berlin.de - Senat gibt keine Bürgerdaten an Berliner Verlag

Den "eigentlichen Schatz unseres Deals" - so nennt der Neu-Verleger Holger Friedrich das landeseigene Portal berlin.de. Über eine Tochterfirma ist auch der Berliner Verlag daran beteiligt. Friedrich würde das Portal gerne modernisieren. Doch die Stadt ist klar dagegen.

Der Senat will den neuen Verlegern der "Berliner Zeitung" keine Bürgerdaten zur Verfügung stellen. Die Eheleute Holger und Silke Friedrich hatten unter anderem das Onlineportal berlin.de miterworben, das von einem Tochterunternehmen des Berliner Verlags gemeinsam mit der Berliner Verwaltung betrieben wird.

Unter dieser Adresse stellt unter anderem der Senat seine Onlinedienste zur Verfügung. Die BerlinOnline Stadtportal gmbH & Co. KG verantwortet laut Impressum die technische Plattform. Zudem trägt sie die redaktionelle Verantwortung für die Themenbereiche "Kultur und Ausgehen", "Tourismus" und "Lifestyle" sowie für die Werbeeinblendungen.

Kooperation wird 2021 beendet

Die Senatskanzlei teilte am Montag mit, der Senat habe die Zusammenarbeit mit der Gesellschaft schon 2018 gekündigt, lange vor dem Verkauf an die neuen Verleger. Ende 2021 solle Schluss sein, denn der Senat wolle in Zukunft seine Onlineangebote unabhängiger von privaten Unternehmen organisieren, so IT-Staatssekretärin Sabine Smentek (SPD).

Man sei weit davon entfernt, privaten Unternehmen Einblicke in sensible Bürgerdaten zu gewähren, erklärte sie hinsichtlich der Idee der neuen Verlagseigentümer, Dienstleistungen der Verwaltung anzubieten. Der Sprecher für Netzpolitik der SPD, Sven Kohlmeier, mahnte die zügige Entwicklung eines landeseigenen Serviceportals an. Der Senat dürfe Ende 2021 nicht in die technologische Abhängigkeit von einem Privatunternehmen geraten.

"Der eigenliche Schatz unseres Deals"

Stein des Anstoßes war ein Interview, das Friedrich "Neuen Zürcher Zeitung" Anfang November gegeben hatte und das am vergangenen Freitag veröffentlicht wurde. Unter anderem geht es darin auch um die Weiterentwicklung digitaler Verwaltungsangebote.

Auf die Frage, wie sich Berliner ihre Behördengänge künftig vorzustellen hätten, sagte der Neu-Verleger: "Ganz einfach: Man lädt sich die App der Stadt herunter, scannt seinen Ausweis ein, dann wird in wenigen Sekunden verifiziert, ob das Dokument valide ist oder irgendetwas juristisch vorliegt. Als Nächstes wird die Steueridentifikationsnummer abgeglichen, auch die Rückmeldung erfolgt binnen Sekunden. Fertig." Was das Hauptstadtportal "berlin.de" betrifft, sagte Friedrich: "Das ist der eigentliche Schatz unseres Deals."

Wie die "NZZ" schreibt, wurde das Interview am vergangenen Donnerstag autorisiert, also einen Tag, bevor die Stasi-Vorwürfe gegen Holger Friedrich bekannt wurden.

Sendung: Inforadio, 18.11.2019, 19:20 Uhr

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9 Kommentare

  1. 9.

    Posteo möchte (konstruktive) Kritiker mundtot machen:

    https://privacy-handbuch.de/diskussion.htm#take-down-notiz-von-posteos-anwaelten

    Für mich ein Ausschlusskriterium.

  2. 8.

    @rbb-24 Wie lange besteht die Zusammenarbeit der Berliner Verwaltung mit privaten Unternehmen wie diesem Onlineportal?

  3. 7.

    "Ende 2021 solle Schluss sein, denn der Senat wolle in Zukunft seine Onlineangebote unabhängiger von privaten Unternehmen organisieren, so IT-Staatssekretärin Sabine Smentek (SPD)."
    Und was ist bis 2021, bekommt der IM vorher doch die Daten oder nicht?

  4. 3.

    Tja, ganz schön gerissen gedacht - hat aber nicht funktioniert. Und würde man das jetzt noch mit Friedrich machen wollen, wo er schon mal den lockeren Umgang mit persönlichen Daten bewiesen hat? Oder mit seiner Firma? Blöd ist das schon, Sippenhaft mag ich ja nicht, aber Stasi ist halt auch genau das falsche Aushängeschild, wenn es um Datenschutz oder Vertrauenswürdigkeit geht.

  5. 2.

    So unabhängig soll die Berliner Zeitung also nach Willen der neuen Verleger sein?
    An Heuchelei kaum zu überbieten

  6. 1.

    Ob dann auch der E-Mail Dienst von Berlin.de entfällt und die Kunden ihre E-Mail Adressen verlieren ?
    Ich hatte schon überlegt mich anzumelden, wenn gleich mit den 2,30 Euro pro Monat kein Mehrwert gegenüber GMX & Co. geboten wird. Der höherwertige Tarif kostet 6,40 Euro/Monat.

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