Eine Frau im Rollstuhl sitzt an einem Schreibtisch (Quelle: dpa/Zinken).
Bild: dpa/Paul Zinken

Zahlen der Senatsverwaltung - Berliner Unternehmen stellen zu wenig Behinderte ein

Nur gut 30 Prozent der Berliner Unternehmen erfüllen die Pflichtquote bei der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen. Das belegen Zahlen der Senatsverwaltung. Die FDP, die eine parlamentarische Anfrage zum Thema gestellt hatte, kritisiert die mangelhafte Inklusion.

Nur ein Drittel der öffentlichen und privaten Unternehmen kommt in Berlin der Verpflichtung nach, mindestens fünf Prozent der Stellen an schwerbehinderte Menschen zu vergeben. Die übrigen kaufen sich aus dieser gesetzlichen Pflicht mit einer Ausgleichsabgabe ganz oder teilweise frei. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Antwort der Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales auf eine parlamentarische Anfrage des FDP-Abgeordneten Thomas Seerig hervor.

Tendenz leicht rückläufig

Demnach galt 2017 - neuere Daten liegen nicht vor - für 6.794 Berliner Arbeitgeber mit mindestens 20 Beschäftigten die sogenannte Pflichtquote. 2.254 Firmen erfüllten sie, das sind 33,2 Prozent. Die Tendenz ist seit Jahren leicht rückläufig. Die übrigen Unternehmen beschäftigten weniger als fünf Prozent Schwerbehinderte oder gar keine. Sie entrichteten dafür Ausgleichsabgaben, die zwischen 2014 und 2018 laut Sozialverwaltung um 41 Prozent auf rund 38,2 Millionen Euro im Jahr stiegen. Im Jahr 2017 waren es etwa 34,9 Millionen Euro.

Insgesamt mussten die Unternehmen 2017 den Angaben zufolge 57.683 Stellen an Schwerbehinderte vergeben. Von diesen sogenannten Pflichtarbeitsplätzen waren im Jahresdurchschnitt 14.142 unbesetzt.

"Erschreckende" Zahlen

Seering nannte die Zahlen "erschreckend". "Der Senat hat offensichtlich kein Konzept, wie dieser Exklusion auf dem Arbeitsmarkt begegnet werden kann", sagte der FDP-Abgeordnete der Deutschen Presse-Agentur. "Da fast 60 Prozent der Betriebe mit Ausgleichszahlung Mitarbeiter mit Behinderung beschäftigen – aber eben nicht genug -, liegt es nicht an einer grundsätzlichen Ablehnung, sondern an fehlender Unterstützung", meinte er.

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7 Kommentare

  1. 7.

    Ich arbeite bei der DRV und die behandelt schon ihre eigenen behinderten Mitarbeiter wie Dreck. Und wer nicht passt, wird dann mal eben berentet.

  2. 6.

    Was bin ich froh, mit der Arbeitslosigkeit seit Jahren nix mehr zu tun zu haben, es hat sich also noch nix geändert in über 20 Jahren, traurig. Ich habe mich einfach beworben und würde nach 300 Versuchen genommen und bin noch bei diesem Arbeitgeber bot einem GDB von 80, ohne die sogenannten Arbeitsvermittler, die hatten nur abgelaufene Stellenangebote für mich.

  3. 5.

    Das wundert mich nicht. 1x eingestellt muss man im Zweifel eher einen Leistungsstarken Mitarbeiter entlassen, weil die "Sozialauswahl" und das Kündigungsrecht es so will. Die eine Diskriminierung durch eine andere zu ersetzen scheint mir nicht fair zu sein.
    Es gibt zwar bei Beantragung einen kleinen Zuschuss, der aber oft bei weitem nicht im Verhältnis zur fehlenden Leistung steht. Es gibt sogar Fälle, da hat der Betrieb mehr Arbeit als Nutzen. Je kleiner der Betrieb, um so fataler.
    Haltet euch die Ohren zu und macht lalala, die Fakten werden sich nicht ändern.

  4. 4.

    Hier im südlichen Teil Brandenburg ist es gar noch schlimmer hier wird kein Mensch mit Behinderung eingestellt und wenn dann nur solange die Fördergelder von der BA oder der DRV fließen sind diese nach 6. Monate ausgelaufen werden mit Ende der Probezeit diese Menschen wieder entlassen mir sogar 2x passiert und selber die Integrationsbeauftragte des LK ändert nichts daran da kommt nur blöde Aussagen wie diese Firmen zahlen lieber die Strafen als Menschen mit Behinderung einzustellen und hier müssen die Politiker ansetzen und die Strafgelder drastisch erhöhen damit es den Firmen weh tut...anders ist das Problem nicht zu lösen. Gleiches gilt auch für kommunale Verwaltungen.

  5. 2.

    Hier sollte man nicht die unrühmliche Rolle der Arbeitsagenturen vergessen, die ,unbeachtet der UN-Behindertenrechtskonvention, immernoch nur die Behindertenwerkstatt als Arbeitsort für Menschen mit Schwerbehinderung kennen. Es ist ein unglaublicher Kraftakt als Mensch mit entsprechender Behinderung Unterstützung der Arbeitsämter für den ersten Arbeitsmarkt zu bekommen.

  6. 1.

    Dieses Problem besteht mindestens seit Mitte der "80er"....da war sogar der Senat negativer Vorreiter nur im Senat waren mehr als 1000 Stellen nicht von behinderten besetzt .... Solange sich die Unternehmen freikaufen können, wird sich an dieser Situation LEIDER nichts ändern!

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