Die Eigentümer des Berliner Verlags, Holger und Silke Friedrich (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Audio: radioeins | 17.11.2019 | Jörg Wagner | Bild: dpa/Britta Pedersen

Stasi-Vorwürfe gegen Holger Friedrich - Rückendeckung für neue Eigentümer des Berliner Verlags

Von den Stasi-Vorwürfen gegen ihren neuen Eigentümer war die Redaktion der "Berliner Zeitung" selbst überrascht. Trotzdem steht zumindest der Chef des Betriebsrats hinter Holger und Silke Friedrich. Denn die wollen nicht den üblichen Weg von Großverlagen gehen.

Kurz nach der Übernahme des Berliner Verlags waren Stasi-Vorwürfe gegen den neuen Eigentümer Holger Friedrich laut geworden, jetzt hat sich der Betriebsratsvorsitzende in dem Verlag hinter die neuen Eigentümer gestellt. Holger und Silke Friedrich seien "zwei erfrischende Persönlichkeiten. Zwei Menschen, die unserem Verlag auch ganz viel geben und bringen, die sich hier engagieren wollen, die viele interessante Vorstellungen geäußert haben in vielen Interviews und das hat natürlich auch sehr positiv in die Redaktion rein gewirkt", sagte der Journalist Frederick Bombosch dem rbb.

Redaktion soll Vorwürfe "sachlich und professionell aufarbeiten"

Bombosch ist Journalist sowohl bei der "Berliner Zeitung" als auch beim "Berliner Kurier", die zum Berliner Verlag gehören und eine gemeinsame Redaktion haben. Die Friedrichs, die den Verlag im September übernommen hatten, seien engagierte neue Eigentümer, das sei "überhaupt nicht selbstverständlich". Sehr viele Zeitungen würden von Großverlagen verwaltet – "immer auf der Jagd nach neuen Synergien", so Bombosch im Medienmagazin von radioeins. Das Ehepaar Friedrich habe erklärt, einen anderen Weg gehen zu wollen. "Und wir freuen uns trotz aller Schwierigkeiten jetzt in diesen ersten Wochen sehr darauf, ihn mit ihnen zu gehen."

Zu den Stasi-Vorwürfen gegen Holger Friedrich selbst wollte sich Bombosch nicht äußern. Die Redaktion habe darüber diskutiert und werde weiter darüber diskutieren, antwortete er auf eine entsprechende Frage. Es seien "Sachen bekannt geworden, von denen wir bislang so nicht wussten und das werden wir jetzt angemessen, sachlich und professionell aufarbeiten", sagte Bombosch.

Bombosch: Verleger wünschen Debatte

Nach Recherchen der Zeitung "Die Welt am Sonntag" soll der IT-Unternehmer und Multimillionär Holger Friedrich unter dem Decknamen "Peter Bernstein" als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) für die Stasi gearbeitet haben. Nach Angaben der Zeitung soll Friedrich während seines dreijährigen Wehrdienstes in der Nationalen Volksarmee (NVA) als Unteroffizier Kameraden ausspioniert und teils schwer belastet haben. Friedrich nahm in der "Berliner Zeitung" zu den Vorwürfen persönlich Stellung und räumte eine Tätigkeit für die Stasi ein. Es habe sich aber um eine "Zwangssituation" gehandelt.

Viel Kritik haben die beiden neuen Verleger auch dafür kassiert, dass sie sich bei Egon Krenz, zur Zeit des Mauerfalls Regierungschef in der DDR, dafür bedankten, dass dieser im Herbst 1989 "keinen Befahl zur Anwendung von Gewalt" gegeben habe. [berliner-zeitung.de] Auch Bombosch selbst hatte sich in einem Artikel in der Berliner Zeitung gegen diese Position ausgesprochen: "Egon Krenz danken? Wohl eher nicht". Den Kommentar durzusetzen, war laut Bombosch kein Problem: "Die Friedrichs haben ja selbst formuliert, dass sie sich eine Debatte wünschen über das, was unsere Gesellschaft bewegt."

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17 Kommentare

  1. 17.

    Falsch. Man bekam 100 M mehr Stipendium, hatte seinen Studienplatz sicher und wurde sofort zum Wehrdienst gezogen und nicht erst mit Mitte/Ende 20. Sie wissen ja gar nicht, wovon Sie reden. Friedrich hat die erpresste IM-Tätigkeit deshalb nicht an die große Glocke gehängt, weil aufgehetzte Leute so unsachlich reagieren wie Sie. Wer setzt sich denn bitte freiwillig solch unsachlicher Hexenjagd aus?

  2. 16.

    Wer hat etwas von 80 € gesagt? 80.- Ostmark gab es mehr, auch wenn Sie keine Ahnung haben von dem, was Sie schreiben.

  3. 15.

    Ganz wunderbar vorgetragen. Aber ändert an der Lage des Herrn Friedrich trotzdem nichts. Unkenntnis der damaligen Lage? Na Sie scheinen ja zu wissen wie es ablief oder?

  4. 14.

    Der Mann war Stasi-Spitzel und will jetzt Daten des e-Goverment auf berlin.de abgreifen. Ja, gehts noch? Wo bleibt eigentlich der Beitrag auf rbb zu diesen brisanten Erkenntnissen?

  5. 13.

    Wie wäre es zur Abwechslung mal, auch infolge der beinah vollständigen Unkenntnis der damaligen Verhältnisse und der Folgen, mit Johannes 8?

    Oder wie wäre es mit Matthäus 7
    "1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! 2 Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden und nach dem Maß, mit dem ihr messt, werdet ihr gemessen werden. 3 Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? 4 Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! - und siehe, in deinem Auge steckt ein Balken!..."

    Störend bei all der kenntnisfreien Selbstgerechtigkeit. Weiß ich ja.

  6. 12.

    Wie kommen Sie auf 80 € mehr Stipendium? Mit Fakten haben Sie es wohl nicht so? Wäre allerdings dann schon besser, sich mal an diese zu halten.

  7. 10.

    Ich möchte estwas richtig stellen, mein Kommentar bezog sich hauptsächlich auf das "Wenn das so ist, einfach diese Zeitung nicht kaufen".

  8. 8.

    Schade um die Zeitung, die jetzt quasi in Sippenhaft genommen wird. Aber als Opportunist muss man halt ins Showbusiness oder in die Politik gehen, nicht aber ein Organ des unabhängigen Journalismus führen.

  9. 6.

    Die "Berliner Zeitung" ist mit diesem Verleger nicht mehr glaubwürdig.H.Friedrich musste mit Sicherheit nicht 1986 in die SED eintreten, er hätte nur u.U. ein paar persönliche Nachteile in Kauf genommen. Und für ein Studium waren auch nicht 3 Jahre Armee ein Kriterium, aber man bekam 80.- Ostmark mehr Stipendium.Er hat Kamerade bespitzelt und dies bis zur Aufdeckung verschwiegen. Er ist für mich deshalb unehrllch und seine Zeitung unglaubwürdig und nicht unabhängig.

  10. 4.

    Stimmt!!
    Hier mal ein paar bekannte Persönlichkeiten:
    1)Gesine Schwan ;Politikwissenschaftlerin;SPD
    2)Eduardo Rautenberg;ehemaliger Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg(ebenfalls SPD)
    und
    3)Manuela Schwesig;Ministerpräsidentin MeckPomm(auch SPD).

    Alle drei haben diese (ihre) Auffassung sehr analytisch begründet....

    Und:es besteht die Gefahr ,dass bei der Definition zum Begriff „Unrechtsstaat“ die DDR UND das sogenannte 3.Reich in einen „Topf“ geworfen werden.
    Spätestens da „scheiden sich die Geister!“

  11. 3.

    Wenn das so ist, einfach diese Zeitung nicht kaufen.
    Schon im Interesse der Menschen die von diesem Herrn ausspioniert wurden.
    Dabei gibt es immer noch Bürger die behaupten
    die DDR wäre kein Unrechtstaat gewesen.

  12. 2.

    Nein, Reue kennt dieser Mann nicht. Schließlich war er doch das Opfer also brauchen seine Kameraden, die er zum Teil schwer belastet hat, keine Wiedergutmachung.

  13. 1.

    Unverkennbarer Widerspruch: "Stasi-Vorwürfe gegen Holger Friedrich - Rückendeckung für neue Eigentümer des Berliner Verlags" und "Zu den Stasi-Vorwürfen gegen Holger Friedrich selbst wollte sich Bombosch nicht äußern." Wie sieht es denn nun mit der Wiedergutmachung ausspionierter und schwer belasteter NVA-Kameraden aus? Schwuppdiwupp vergessen oder kommt glaubwürdige Reue für zugefügtes Unrecht in den Moralvorstellungen des Herrn Friedrich nicht vor?

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