Ziegelstein sind vor einer Veranstaltung zum Baustart für den Kirchturm vor der nachgebildeten Fassade der früheren Garnisonkirche zu sehen. Quelle: dpa/Ralf Hirschberger
Bild: dpa/Ralf Hirschberger

Geld für religiöse Einrichtungen - Bund stockt Fördermittel für Garnisonkirche auf

Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat weitere Mittel für den Wiederaufbau des Turms der Potsdamer Garnisonkirche freigegeben. Wie am Freitag bekannt wurde, hat der Haushaltsausschuss - wie erwartet - die Fördermittel von zwölf auf 18 Millionen Euro aufgestockt. Außerdem wurde beschlossen, dass ab 2021 weitere 2,25 Millionen Euro bereitgestellt werden können. Für die Errichtung des Kirchturms hat die Stiftung Garnisonkirche bislang rund 40 Millionen Euro veranschlagt.

Restsumme soll aus Spenden finanziert werden

Die Garnisonkirchen-Stiftung begrüßte den Beschluss über zusätzliche Bundesmittel. "Das ist ein großer Schritt auf die vollständige Vollendung des Turms hin", sagte Vorstand Peter Leinemann. Für die Vollendung des Projekts fehlten noch drei bis vier Millionen Euro - diese müssten nun aus Spenden finanziert werden.

Linke und Grüne üben scharfe Kritik

Im Bundestag übte Linken-Politikerin Gesine Lötzsch scharfe Kritik an der Entscheidung. Statt "unverfroren immer mehr Geld vom Staat" zu nehmen, sollte die Baustiftung besser "den Potsdamer Geldadel um mehr Spendenmittel" bitten. Lötzsch kritisierte, dass die Garnisonkirche ein "Wallfahrtsort für die extreme Rechte" gewesen sei und dennoch
gefördert werde.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Erhard Grundl nannte den Wiederaufbau am Freitag im Plenum ein "geschichtsrevisionistisches" Projekt. Grüne und Linke hatten bereits zur Bundestagssitzung vom 26. September erfolglos Anträge gegen die weitere Auszahlung von Bundesmitteln für den Garnisonkirchen-Turm eingebracht.

Die Garnisonkirche wurde 1945 im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. 1968 ließen die DDR-Behörden die Überreste der Kirche abreißen. Der Wiederaufbau ist umstritten. Kritiker sehen die Kirche als Symbol des preußischen Militarismus, das auch die Nationalsozialisten nutzten. Die Evangelische Kirche will im neuen Garnisonkirchen-Turm ein Zentrum für Friedens- und Versöhnungsarbeit einrichten.

Förderung für religiöse Einrichtungen in Berlin

Am Freitag hat der Bundestag zudem weitere Mittel für den Aufbau religiöser Einrichtungen in Berlin freigegeben. Wie aus dem Entwurf für den Bundeshaushalt 2020 hervorgeht, wird der Wiederaufbau der Synagoge am Fraenkelufer in Kreuzberg mit 2,5 Millionen Euro unterstützt. Die Synagoge wurde beim November-Pogrom 1938 verwüstet und später abgerissen.

Für das jüdische Bildungszentrum Chabad Lubawitsch im Stadtteil Wilmersdorf wurden vier Millionen Euro bewilligt. Auch das geplante Drei-Religionen-Projekt "House of One" soll weiter unterstützt werden. Neben einem Zuschuss von 1,5 Millionen Euro im Jahr 2020 werden für die folgenden Jahre weitere acht Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Das "House of One" in Mitte soll eine Kirche, eine Moschee und eine Synagoge unter einem Dach vereinen. Im kommenden Jahr soll der Grundstein gelegt werden.

Sendung: Inforadio, 15.11.2019, 18 Uhr

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12 Kommentare

  1. 12.

    Fakten zu der Nazikirche.
    Die Gemeinde der Garnisonkirche wurde für die Ruine üppig entschädigt.
    Die Gemeinde der Garnisonkirche ist gegen den Aufbau.
    Die Nazikirche sollte nur mit Spenden errichtet werden.
    Die Mehrheit der Potsdamer und deren Vertreter lehnen die Garnisonkirche ab.
    Es gab über 20 Jahre nach dem Krieg keine konkreten Pläne zum Aufbau für die Garnisonkirche.

  2. 11.

    Bitte den RBB nichts andichten. Der Zusammenhang welchen Sie beschwören existiert so nicht. Ob Gregor Hohberg heute noch zu dem Projekt steht darf bezweifelt werden. Sie können uns aber gern anderes beweisen. Die Kosten für den Erhalt des Rechenzentrum legen doch gleich bei. Diesen Satz: Die Mauern fallen. Leider noch nicht bei jedem. Sie reden hier herablassend über die Mehrheit der Potsdam und deren Vertreter? Wie bringen Sie dies in Einklang mit dem angeblichen Versöhnungskonzept?

  3. 10.

    Die Garnisonkirche ist ein sehr negativ belasteter geschichtsträchtiger Ort.
    Der Wiederaufbau ist antidemokratisch. Das Geld könnte man besser für Orte
    des Andenkens an jüdische und andere Widerstandskämpfer verwenden.

  4. 9.

    Hat der Haushaltsausschuss des Bundestags eine Außenstelle in Potsdam?

  5. 8.

    "House of One" und eine neue Synagoge und eine neue Garnisonkirche in Potsdam? - Und was ist bei der Jugendbegegnungsstätte mit Aussichtsturm religiös?

  6. 7.

    Wo Geld dringend und wirklich benötigt wird: https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/av7/video-karuna-uebernachtcafe-warmehalle.html Nicht für eine Potsdamer Absichtserklärung!

  7. 6.

    Wie weit ist es vom Haushaltsausschuss des Bundestags bis nach Potsdam?

  8. 5.

    Ich möchte dem RBB von Herzen danken, dass er diese Projekte in einen Zusammenhang stellt. Denn tatsächlich entspringen sie dem "gleichen Geiste", teilweise sogar den gleichen Urhebern. Wie bspw. Gregor Hohberg, der maßgeblich und verdienstvoll am "House of One" arbeitet und seinerzeit an der Ausarbeitung des Versöhnungskonzeptes der Potsdamer Garnisonkirche beteiligt war.

    Die Mauern fallen. Leider noch nicht bei jedem. Vielleicht ist das auch zu viel verlangt.

  9. 4.

    Was ggf. verschwiegen wird, ist, dass allein die Erhaltungsmaßnahme für das teilweise auf dem gleichen Grundstück stehende Rechenzentrum in die Kalkulation mit einfließt. Das ist verursacht durch die im RZ tätigen Kunstschaffenden, die dort länger bleiben wollen, nicht aber seitens des Bauherrn. Wer A sagt, muss auch B beschließen. So einfach ist das. Das ist jetzt geschehen.

  10. 3.

    Wiederaufbau des Garnisonkirchenturms - der Skandal um staatliche Subventionen wird immer größer!
    Schon 2016 prognostizierte der Potsdamer Architekt zur Nieden und ich, dass die Baukosten für die Rekonstruktion des Turms 53 Mio. Euro für den Komplettturm erreichen werden und durch Steuermittel von 39 Mio. Euro zu fast 75 Prozent der Baukosten finanziert werden wird. Ursprünglich (bis 2014) sollte der Turm nur durch private Spenden finanziert werden. Nach bisherigem Stand sind bisher aber nur 9 Mio. Euro gespendet worden, von denen schon ein erheblicher Teil für die Planung verbraucht wurden.
    Ich meine, es ist höchste Zeit, dass eine Strafanzeige gegen alle Verantwortlichen der Stiftung Garnisonkirche Potsdam (SGP) wegen Subventionsbetrug gestellt werden muss.
    Steinfest(Baucontroller) aus Potsdam

  11. 2.

    Wiederaufbau des Garnisonkirchenturms - der Skandal um staatliche Subventionen wird immer größer!
    Schon 2016 prognostizierte der Potsdamer Architekt zur Nieden und ich, dass die Baukosten für die Rekonstruktion des Turms 53 Mio. Euro für den Komplettturm erreichen werden und durch Steuermittel von 39 Mio. Euro zu fast 75 Prozent der Baukosten finanziert werden wird. Ursprünglich (bis 2014) sollte der Turm nur durch private Spenden finanziert werden. Nach bisherigem Stand sind bisher aber nur 9 Mio. Euro gespendet worden, von denen schon ein erheblicher Teil für die Planung verbraucht wurden.
    Ich meine, es ist höchste Zeit, dass eine Strafanzeige gegen alle Verantwortlichen der Stiftung Garnisonkirche Potsdam (SGP) wegen Subventionsbetrug gestellt werden muss.
    Steinfest(Baucontroller) aus Potsdam

  12. 1.

    Es spricht ja eher für die Bündnisgrünen, dass sie eine Pluralität in Meinungen innerhalb ihrer Partei aushalten. Vielleicht aber könnte Saskia Hünecke, grünes Urgestein in Potsdam, dem verehrten Kollegen Erhard Grundl und einige anderen der Partei den Unterschied zwischen Historie und Gegenwart erläutern. Denn das ist für den Wiederaufbau entscheidend. Ein LERNort für Geschichte.

    Manche wollen lernen, manche nur recht bärbeißig auf der vermeintlich einzig richtigen Seite stehen. Unveränderlich und für alle Zeiten.

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