Andreas Kalbitz am 01.09.2019 in Potsdam (Bild: dpa/Christophe Gateau)
Video: Brandenburg aktuell | 12.11.2019 | Andreas Koenig | Bild: dpa/Christophe Gateau

AfD-Chef im rbb - Kalbitz nennt Enthüllungen zu seiner Vergangenheit "irrelevant"

Brandenburgs AfD-Chef Andreas Kalbitz wurde während seiner Zeit in der Bundeswehr vom Militärischen Abschirmdienst zu rechtsextremistischen Bestrebungen befragt. Über die Enthüllungen zu seiner Vergangenheit hat sich Kalbitz nun im rbb geäußert.

Der Fraktionsvorsitzende der AfD im Brandenburger Landtag, Andreas Kalbitz, hat die Enthüllungen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" über Befragungen durch den Militärischen Abschirmdienst (MAD) als "irrelevant" bezeichnet.

Dem Bericht zufolge wurde Kalbitz während seiner Zeit bei der Bundeswehr vom MAD zu rechtsextremistischen Bestrebungen befragt. Kalbitz sagte dem rbb am Dienstag, "das ist alter Kaffee von vor 20 Jahren, den einige versuchen, offensichtlich in Ermangelung anderer Dinge wieder aufzuwärmen".

Nach "Spiegel"-Informationen hatte der MAD "Erkenntnisse über die Beteiligung an extremistischen Bestrebungen" über den AfD-Politiker gesammelt. Wie das Magazin berichtete, führte der Nachrichtendienst mindestens drei Gespräche mit Kalbitz. 2001 baten ihn Bundeswehrleute demnach zum Personalgespräch, ein MAD-Vermerk sei in seiner Akte gelandet.

Am Dienstag sagte Kalbitz in Potsdam nun, der Spiegel-Bericht enthalte nichts Neues; die angeführten Details seien "irrelevant".

Kalbitz und die Unvereinbarkeitsliste der AfD

Bereits im März hatte das ARD-Magazin "Kontraste" berichtet, dass Kalbitz 2007 an einem sogenannten Pfingstlager der HDJ teilgenommen habe. Das belegen Fotos und Filmaufnahmen. Das HDJ-Treffen fand in Eschede auf einem Bauernhof statt. Es war ein mehrtägiges Lager mit Frühsport, Brauchtumsveranstaltung und "germanischem" Mehrkampf.

Die Nachfolgeorganisation "Junge Landsmannschaft Ostdeutschland" steht heute auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD. Bei Kalbitz' Parteieintritt 2013 gab es diese Liste noch nicht, frühere Mitgliedschaften in extremistischen Organisationen mussten aber schon immer angegeben werden. Im rbb sagte Kalbitz, "da werden Sachen vermengt, die so nicht tragbar sind".

Reaktionen von SPD und Linken

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Brandenburger Landtag, Sebastian Walter, hatte dem AfD-Vorsitzenden vorgeworfen, dieser wolle den Faschismus wieder einführen. Walter sagte am Dienstag, wenn man die Vergangenheit von Kalbitz betrachte sowie seine Äußerungen der vergangenen Jahre werde deutlich, dass dieser ein überzeugter Neonazi sei. Der MAD beobachte Menschen nicht ohne Grund.

Die Landtagsabgeordnete Inka Gossmann-Reetz (SPD) sagte, die Informationen "über Herrn Kalbitz und seine Vergangenheit" kämen nur "kleckerweise" ans Tageslicht. "Das beweist nochmal für uns auch: er vertuscht, verschleiert und er verharmlost seine Vergangenheit." Sie rechne damit, dass es von Nachrichtendiensten nun "mehr und mehr" Informationen geben wird.

Sendung: Brandenburg aktuell, 12.11.2019, 19.30 Uhr   

24 Kommentare

  1. 24.

    "die schon lang jedweden Kontakt zur Masse der Bevölkerung verloren haben"

    Wie manifestiert sich denn der Kontakt zur Masse der Bevölkerung" bei den Alt-Parteien?
    Wenn man hierfür als Indiz die jüngsten Wahlergebnisse annimmt, scheint Ihr Befund unsicher zu sein.

  2. 21.

    Na, da spricht ja der Richtige über Filterblase. Ihre Aussage hat keinen Bestand. Wer sich von Faschisten (ja eine Vita ist eben immer relevant ) und Verschwörungstheorethikern leiten lässt, der hat die Aufgabe sich ganz dringend aus seiner Filterblase heraus zu arbeiten. Nur Mut, fangen Sie nun umgehend an, Sie werden lange brauchen um Wahrheit von Verschwörung zu differenzieren, aber Sie können es schaffen, wenn Sie nur wollen.

  3. 20.

    "Walter sagte am Dienstag, wenn man die Vergangenheit von Kalbitz betrachte sowie seine Äußerungen der vergangenen Jahre werde deutlich, dass dieser ein überzeugter Neonazi sei. Der MAD beobachte Menschen nicht ohne Grund."

    Ich warte auf das Gerichtsurteil wonach man Kalbitz als Nazi bezeichnen darf.

  4. 19.

    Nein, der MAD besteht selbstverständlich nicht aus Linksextremisten und Stalinisten, sondern verkörpert eher die Mitte der Gesellschaft, falls Sie das meinen. Wenn Leute wie Sie damit ein Problem haben, ist das nicht so schlimm.

  5. 17.

    "Dabei wollen oder können sie nicht merken, das sie immer mehr in rechte Strömungen geraten."
    doch, das können sie. Und das schon seit geraumer Zeit. Wer das Abdriften an den äußersten rechten Rand bis jetzt noch nicht bemerkt haben will und immernoch die AfD wählt tut dies ganz bewusst.

  6. 16.

    Und das ist ekelhaft, widerlich und beschämend. Die AfD lebt ganz gut damit, eine faschistoide Partei zu sein. Manche kokettieren ja bereits damit. Ich kann es immer noch nicht fassen und schäme mich deswegen für Deutschland in Grund und Boden.

  7. 15.

    Die AFD wurde von vielen Menschen als Alternative zu den sogenannten Volksparteien betrachtet die schon lang jedweden Kontakt zur Masse der Bevölkerung verloren haben. Sicher sind und der AFD auch viele ehrliche und aufrichtige Menschen die sich gern einbringen möchten um Probleme zu lösen. Das Schlimme ist, dass sie ganz bewusst manipuliert werden und sie auch in dieser Partei den Lügen und Versprechungen der Parteiführung ausgesetzt sind. Dabei wollen oder können sie nicht merken, das sie immer mehr in rechte Strömungen geraten. Ein sehr gefährlicher Kurs.

  8. 14.

    Glaube nicht, dass ich in einer Filterblase lebe, weil in meiner Gegend gibt es genug AfD Wähler +20%.
    Und viele finden den Nationalsozialismus von damals gar nicht so schlimm.

  9. 13.

    Ich störe Sie ungern in Ihrer Filterblase, in der Sie mit AfD-Wählern vermutlich nicht in Berührung kommen, aber...

    Empörung war vielleicht mal. Inzwischen ist sie gelangweiltem Achselzucken gewichen. Warum? Leute wie Sie haben ein paar Mal zu oft "Faschist" und "Nazi" gerufen.

  10. 12.

    Ich verstehe die Empörung der AfD Wähler gar nicht, wenn man sie als Nazis bezeichnet. Stimmt ja irgendwie.

  11. 10.

    Vom Spiegel frisch aufgebretzelt, die über zehn Jahre alte Geschichte.

    " Das HDJ-Treffen fand in Eschede auf einem Bauernhof statt. Es war ein mehrtägiges Lager mit Frühsport, Brauchtumsveranstaltung und "germanischem" Mehrkampf."

    Falls gedacht wird, Kalbitz war auch mehrtägig dort anwesend gewesen, soweit ersichtlich hatte sich Kalbitz nur für einige Stunden bei der seinerzeit nicht verbotenen Organisation an diesem Pfadfinderlager aufgehalten.

    Irrelevant deswegen, weil das dem MAD offensichtlich auch irrelevant erschien, denn Kalbitz konnte nach den MAD Gesprächen seinen Dienst in der Bundeswehr regulär beenden und bis zum Schluss als Fallschirmjäger-Ausbilder in Altenstadt tätig sein.

  12. 9.

    Er sagt vielleicht nicht wörtlich "ich bin ein Nazi", aber er sagt es mit jeder öffentlichen Äußerung deutlich aufs Neue.

  13. 8.

    Na klar sind all diese Informationen "irrelevant" - alles andere würde ja bedeuten, daß der Herr Kalbitz zur Abwechslung mal persönlich Verantwortung übernehmen müsste. Mut zur Wahrheit? Rückgrat? Fehlanzeige.

  14. 7.

    Ich habe den Artikel im "Spiegel" gelesen. Für mich ist Herr Kalbitz eindeutig ein Nazi, auch wenn er es jetzt versucht zu vertuschen.

  15. 6.

    Leider scheint es den AFD Wählern egal zu sein was sich in dieser Partei für Typen rumtreiben, siehe Höcke in Thüringen, Kalbutz und andere. Verstehe gerade nicht die ehemaligen DDR Bürger dass sie sowas wählen, was die Demokratie abschaffen will und ständig nur Lügen und die Menschheit verarscht. Gerade die Menschen aus der ehemaligen DDR sollten sich erinnern was Unfreiheit ist.

  16. 5.

    Nicht jeder Saulus wird zum Paulus - erst Recht nicht, wenn die Partei die Interessen des Saulus verfolgt.

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