bebauungspläne für den Volkspark Potsdam (Bild: Wohnungsbaugesellschaft Pro Potsdam )
Audio: Antenne Brandenburg | 12.11.2019 | Claudia Stern | Bild: Wohnungsbaugesellschaft Pro Potsdam

Umstrittene Verkleinerung - Teile des Potsdamer Volksparks weichen Wohnungen und Kitas

Beton statt Grün – daran führt auch in Potsdam wegen der Wohnungsnot oft kein Weg vorbei. Jetzt trifft es den nördlichen Teil des Volksparks. Dort sollen in den nächsten Jahren Sozialwohnungen, Kitas und Studenten-Appartments entstehen. Von Claudia Stern

Zur Bundesgartenschau 2001 wurde der Potsdamer Volkspark eröffnet. Seitdem ist die 65 Hektar große Parkanlage ein beliebter Treffpunkt für Familien, Sportler und Erholungssuchende. Der Volkspark mit seinem blühenden Garten beherbergt auch zahlreiche Veranstaltungen und Open Airs. Doch schon bald wird dem Park ein gutes Stück fehlen. Im Januar hat die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung die umstrittene Verkleinerung der Anlage beschlossen. Nun wurden Details der geplanten Bebauung bekannt.

Volkspark Potsdam

Sozialwohnungen, Kitas, Studenten-Appartements

Auf einem vier Hektar großen Abschnitt des Volksparks nördlich der Biosphärenhalle sollen in den nächsten Jahren Sozialwohnungen, Gewerbeflächen, zwei Kitas, ein Jugendclub und Appartements für bis zu 300 Studenten entstehen. Das Ganze geschieht im Rahmen eines Masterplans für das Bornstedter Feld: "Wir bauen jetzt das Zentrum des Bornstedter Feldes", sagt Bert Nicke, Geschäftsführer des kommunalen Wohnungsbauunternehmens Pro Potsdam. Das Areal sei im Gegensatz zu anderen Entwicklungsflächen von außen nach innen gewachsen. "Wir haben im Außenbereich insbesondere Einfamilienhaus-Strukturen und bauen jetzt zum Schluss das urbane Zentrum", so Nicke. Geplant ist vor allem mehrgeschossiger Wohnungsbau.

Das Gebiet ist in fünf Baufelder unterteilt, drei davon will die Pro Potsdam selbst bebauen. Für zwei weitere werden derzeit Investoren gesucht. Die Entscheidung für einen Investor soll laut Pro Potsdam vor allem vom Nutzungskonzept, weniger vom Preis abhängen. So soll beispielsweise vermieden werden, dass es zu Konflikten zwischen den neuen Anwohnern und den Parkbesuchern kommt. "Manchmal fühlen sich Bewohner, die direkt am Park wohnen, beeinträchtigt durch den Lärm. Und da fragen wir Investoren ab, habt ihr denn besondere Ideen, die sich mit dem Park gut vertragen", sagt Pro Potsdam-Geschäftsführer Nicke.

Bebauungspläne für den Volkspark Potsdam (Bild: Wohnungsbaugesellschaft Pro Potsdam )
Hier sollen im Volkspark Potsdam die neuen Gebäude entstehen. | Bild: Wohnungsbaugesellschaft Pro Potsdam

Fertigstellung für 2023 geplant

Die Erschließung des Geländes soll im kommenden Frühjahr beginnen, ab 2021 werden laut Plänen von Pro Potsdam die ersten Häuser gebaut, zwei Jahre später sollen sie fertig sein. Die Verkleinerung des Volksparks ist unter den Anwohnern umstritten. Gegner hatten in der Vergangenheit mithilfe einer Online-Petition 4.000 Unterschriften gesammelt. Die Stadtverordneten votierten trotzdem für die Bebauung des Areals.

Bert Nicke von Pro Potsdam spricht von einer "dringend nötigen Entscheidung". "Die Bebauung dieses Bereichs war von Anfang an geplant, das heißt auch die gesamte Infrastruktur – Verkehrsinfrastruktur, soziale Infrastruktur – ist darauf ausgerichtet, dass es am Ende dann eine bestimmte Anzahl von Bewohnern gibt." Außerdem sei die Maßnahme auch ein Beitrag zur Entspannung des Potsdamer Wohnungsmarkts.

Mieten ab 5,50 Euro pro Quadratmeter

Immerhin sollen letztlich 1.000 bis 1.500 Menschen dort wohnen können – und zwar zu günstigen Preisen: 5,50 Euro pro Quadratmeter werden Mieter mit Wohnberechtigungsschein zahlen, Geringverdiener 7 Euro. Lediglich ein Viertel der Wohnungen sei nicht mietpreisgebunden, so Nicke.

Darüber hinaus soll das geplante Studentenwohnheim zu einer Entlastung des Potsdamer Wohnungsmarkts beitragen. "Denn die Studenten, die im Studentenwohnheim wohnen, suchen dann natürlich keine normale Wohnung", erklärt Nicke. Allerdings sei der Bau von Einzimmerappartements für Studenten deutlich teurer als der Bau von Zwei- oder Mehrzimmerwohnungen, weshalb die Finanzierung noch endgültig geklärt werden müsse.

Weichen müssen im Zuge der Baumaßnahme ein Beachvolleyballfeld und der Kinder- und Jugendzirkus Montelino, beide sollen weiter südlich im Volkspark Platz finden. Noch keine Lösung gibt es für die beliebten Partygärten.

Sendung: Antenne Brandenburg, 12.11.2019, 16:40 Uhr

Beitrag von Claudia Stern

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17 Kommentare

  1. 17.

    Klar jeder Besucher soll also wenn es nach ihnen geht erst die Planungsunterlagen sichten. Sie halten den Betreiber also für vollkommen unfähig den Unterschied auf Karten und im Park deutlich zu machen? Vom Pariser Klimaabkommen haben sie schon gehört? Selten solchen Unsinn gelesen zum Klimanotstand wie bei ihnen: "stellt sinnvollerweise Projekte hinsichtlich von Autostraßen neu auf den Prüfstand."

  2. 16.

    Die Planunterlagen finden Sie nicht nur anschaulich präsent in der Stadtverwaltung, die finden Sie mit etwas Geschick auch im Internet. Bliebe die Frage, ob Ihnen künftig Beton und Aspalt als sichtbares Zeichen, dass es sich um "Bauerwartungsland" handelt, lieber wäre oder aber ein Grün auf Zeit.

    Klimanotstand setzt nicht bestehende Bebauungspläne und erst recht nicht welche mit hervorragendend öffentlicher Nahverkehrsanbindung außer Kraft, sondern stellt sinnvollerweise Projekte hinsichtlich von Autostraßen neu auf den Prüfstand.

  3. 15.

    Auch an sie die Frage: Sie können sicher auch Berichte von der Eröffnung bringen wo deutlich zum Ausdruck kam ist gar nicht alles Park? Ihr Unwissen zum Klimaschutz (Pariser Klimaabkommen) ähnelt dem des Potsdams Baubeigeordneter Bernd Rubelt, dieser sagte laut PNN allen ernstes : „Klimanotstand heißt doch nicht, nie wieder Bäume zu fällen.“ Würde vorschlagen Sie informieren sich als erstes. Der von den Herrschaften im Rathaus beschlossene Klimanotstand wird somit nichts als eine billige PR-Nummer. Echt verlogen. Als Zweites können sie sicher belegen, dass die Strecke das Doppelte aufnehmen kann. Zumal da noch der Anschluss an Kramnitz erfolgt.

  4. 14.

    Ihre Ablenkungen zeigen vor allem auf, dass Sie einfach nur ein typischer NIMBY sind, der mit zeittypischen Buzzwords um sich wirft. Dass Sie dabei Mehrverkehre und die Zersiedelung der Landschaft billigend in Kauf nehmen, macht Sie nicht glaubwürdiger.

  5. 13.

    Als Zuspitzung, doch abseits aller Polemik:
    Ich stelle mir gerade vor, wie eine Stadtverwaltung ansonsten klarmachen kann, dass es sich bei den Grünflächen außerhalb des Volksparks nicht um den Volkspark, sondern um künftiges Baugebiet handelt. Das zeitweise Anlegen von Grün scheint da offenbar der falsche Weg zu sein, angesichts der bewusst herbeigeführten Missverständnisse von einschlägiger Seite. Bei Beton und Asphalt gäbe es dieses Missverständnis nicht.

    Das allerdings kann wohl niemand ernsthaft wollen.

    Bliebe also doch das zeitweise Anlegen von Grün. Und dass die einschlägig Aktiven angesichts dieses Vergleichs vielleicht merken, dass die Beton- und Asphalt-Alternative eher die schlechtere gewesen wäre.

  6. 12.

    In einem Staat, in dem nicht oben herab bestimmt wird, wie Menschen reden sollen, wird von Menschen Vieles als dies oder das bezeichnet. Auch wenn es tatsächlich nicht stimmt. So wie hier. Volkspark ist dasj. Gebiet, was von vornherein auf sämtlichen Planunterlagen dauerhaft als Volkspark angelegt worden ist. Das sind die zusätzlichen "Grünflächen auf Zeit" nicht. Das ist auch klar so gesagt und geschrieben worden.

    Klimaschutz heißt nicht, dass kein einziger Baum und kein Grashalm mehr beseitigt werden darf, sondern dass Wohnbauten, soweit sie denn irgendwo geschaffen werden müssen, mit einem umweltfreundlichen Verkehrsmittel angebunden werden. So, wie es hier der Fall ist. Kapazitätsmäßig kann die Strecke noch mehr als das Doppelte aufnehmen, ggf. auch mit verlängerten Bahnsteigen. Das bekommen Sie woanders garnicht hin.

  7. 11.

    Es ist aber eine Tatsache, dass Grünfläche, die nun nicht mehr zum Volkspark gehört sollen, seit Jahren als als Volkspark bezeichnet werden. Der Verstoß gegen den von Potsdam beschlossen Klimanotstand ist ihnen vermutlich egal, da sie nichts dazu sagen.

  8. 10.

    Wenn hier jemand täuscht, dann Sie. Auf der Seite vom Volkspark werden die Flächen als Park ausgewiesen. Da sie etwas Hilfe bei der Stadtplanung brauchen gerne etwas Hilfe für Sie. Googeln sie doch bitte zwei Sachen "Pariser Klimaabkommen" und "Stadt Frischluftschneisen".

  9. 9.

    Sie können sicher auch Berichte von der Eröffnung bringen wo deutlich zum Ausdruck kam ist gar nicht alles Park? Wenn nicht ist es eben eine echte Besuchertäuschung. Ist ihre Frage zum Klimaschutz an " p " ihr ernst? Wenn sie keinen Ahnung vom Pariser Klimaabkommen haben, finden sie leicht verständliche Ausführungen dazu in den Kommentaren auf dieser Seite.

  10. 8.

    Richtig die Flächen werden seit jeher als Volkspark bezeichnet, somit Besuchertäuschung. Aber da ist Potsdam ganz groß der Rosa Klotz wird ja auch Schloss genannt. Wäre schön wenn sie erklären könnten wo da Kitas gebaut werden sollen. Im Beitrag von Michaela Hinze wird auch der Klimaschutzaspekt angesprochen der bei ihnen keine Rolle spielt. Wie lange dies Sozialwohnungen sein werden darf auch bezweifelt werde. Die Pro Potsdam kassiert heute schon ihre Mieter kräftig ab und das bei miesen Callcenter Service.

  11. 7.

    Die einzige Täuschung sehe ich eher im Umstand, eine Grünfläche, die definitiv NICHT zum Volkspark gehört, als Volkspark zu bezeichnen. Um nicht missverstanden zu werden: Die Architektur auf dem Bornstedter Feld empfinde ich mittlerweile als grauslig, ganz anders noch als in den allerersten Anfängen, als es galt, das neue Stadtquartier attraktiv zu machen. Inzwischen ist die BUGA 2001 weit weg und die übliche 08/15-Investoren-Architektur hat zugeschlagen.

    Das aber muss nicht so sein. Von vornherein war klar, dass das potenzielles Baugebiet ist. Was ich auch für richtig halte.

  12. 6.

    Wenn hier jemand täuscht, dann Sie. Die Zwischennutzung als Grünfläche war schon bei Anlegung des Parkes festgelegt worden. Aufmerksamen Wähler hätten die Fakten bekannt sein können. Inwieweit ein Volleyballfeld und ein Zirkus dem Klima nutzen, müssen Sie weiter ausführen. Exemplarisch zur Geschichte des Parkes die PNN am 28.04.2018:
    "Doch schon [2015] hatte sich die SPD-geführte Stadtspitze quer gestellt und auf die Historie des 2001 eröffneten Areals verwiesen. Die Verkleinerung habe schon damals festgestanden – der Park fiel nur größer aus, weil man für viele Flächen im damals noch nicht derart boomenden Bornstedter Feld keine andere Verwendung hatte und so mehr Grün anbieten konnte."
    https://www.pnn.de/potsdam/gruenflaeche-oder-wohnungen-fuer-potsdam-immer-mehr-widerstand-gegen-volkspark-verkleinerung/21271580.html

  13. 5.

    Interessant wir wurden also über fast 2 Jahrzehnte von SPD und Grünen über den Volkspark getäuscht. Egal die Bebauung dort widerspricht dem Klimanotstand welche SPD und Grünen ausgerufen haben.

  14. 4.

    Es ist im Prinzip immer die alte Leier, gleich ob die ZUSÄTZLICH zum Volkspark existierenden Grünflächen daneben oder bspw. die Zwischennutzung beim Rechenzentrum:

    Kein Quadratmeter vom Volkspark ist abgezwackt worden für Wohnbau, vielmehr ist zugestanden worden, dass für einige Jahre ggf. auch über Jahrzehnt, weitere Grünflächen sich dazugesellen, solange, bis sie zu Bauland werden. Diese Grünflächen waren vom Flächennutzungsplan her niemals Teils des Potsdamer Volksparks, werden aber von einschlägigen Aktivisten so bezeichnet. Wider besseren Wissens, denn Karten können auch sie lesen.

    Da wird jemanden Geld geliehen und wenn der Schuldner nach einem Jahr auftaucht, um das Geld wiederzusehen, wird behauptet, das Geld sei eben einfach geschenkt worden. Von einer Leihgabe wisse man nichts.

    Sorry, manchmal "muss" ich etwas anders deutlich werden. Vertrag ist Vertrag im Wissen aller. Da kann sich niemand herausdefinieren.

  15. 3.

    Die Vergrößerung und Verdichtung von Baugebieten in Städten wird noch erhebliche Probleme mit sich bringen.
    Wenn es wochenlang 40°C im Schatten heiß wird und in Häuserschluchten die Temperaturen auch nachts nicht unter schwülwarme 28°C sinken werden die Menschen merken wie gesundheitsgefährdend die dichte Bebauung ist. Zumindest erholsamer entspannter Schlaf ohne Klimaanlage ist dann nicht mehr möglich.
    In den nächsten Jahren werden nicht nur die Berliner sondern auch die Potsdamer merken wie es ist wenn immer mehr Böden versiegelt werden. Wohin sollen Wassermassen von zunehmenden Starkregen abfließen? Werden die Kanalisationen auf zukünftige Wassermassen ausgerichtet?

  16. 2.

    "Dort sollen in den nächsten Jahren Sozialwohnungen, Kitas und Studenten-Appartements entstehen. " - So steht es fett gedruckt in der Überschrift. Im Kleingedruckten dann ein kurzer, möglichst unauffälliger Nachsatz, eingeleitet durch ein verharmlosendes "lediglich", zu den doch immerhin 25% Wohnungen für Besser- und Bestverdienende: "Lediglich ein Viertel der Wohnungen sei nicht mietpreisgebunden, so Nicke."

  17. 1.

    Schon traurig. Muss man permanenten Zuzug eigentlich dulden?

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