Symbolbild: Respekt für Sexarbeit wird bei Demonstration in Berlin eingefordert (Quelle: imago-images)
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Runder Tisch zu Sexarbeit in Berlin - Prostituierte sollen weniger stigmatisiert werden

Politik, Verbände, Beratungsstellen und Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind, haben sich im Rahmen des Runden Tisches zu diesem Thema auf ein Handlungskonzept in Berlin geeinigt. Ziel sei die Verbesserung der Situation für Sexarbeitende, teilte der Bezirk Tempelhof-Schöneberg am Donnerstag mit. Der Runde Tisch zur Sexarbeit in Berlin hat seine Tätigkeit nun nach etwas mehr als einem Jahr und sechs Sitzungen mit der Präsentation eines Handlungskonzept beendet. Federführend in dem Gremium waren die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung sowie der Bezirk Tempelhof-Schöneberg.

Zu den zentralen Maßnahmen des Konzeptes gehören demnach: mehr Prävention im Bereich Gesundheit, verstärktes Vorgehen gegen Diskriminierung beispielsweise durch Öffentlichkeitsarbeit, bessere Strukturen und Angebote im Kiez rund um den Straßenstrich in der Kurfürstenstraße sowie ein niedrigschwelliger Zugang zu Informations- und Beratungsangeboten.

Auch Situation der Anwohner wichtig

Vom Land Berlin hieß es, ein Thema, das in vielen Sitzungen eine Rolle gespielt habe, sei die nach wie vor vorhandene Stigmatisierung der Branche. Dagegen solle etwa durch den  Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit angegangen werden, betonte Staatssekretärin Barbara König laut der Bezirksmitteilung. "Aus gleichstellungspolitischer Perspektive ist es von hoher Bedeutung, die Rechte der Sexarbeitenden zu stärken, unabhängig davon, wie die Tätigkeit moralisch bewertet wird", so König. 

Angelika Schöttler, Bezirksbürgermeisterin für Tempelhof-Schöneberg, sagte demnach, für sie sei über die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Sexarbeitenden hinaus die Situation der Anwohner wichtig. Es seien "eine Reihe von Maßnahmen auch für die Straßenprostitution im Kurfürstenkiez festgelegt worden". Dazu gehöre etwa Erweiterung sozialer Angebote im Kiez. 

Umsetzung soll 2020 starten

Eine Vertreterin der Branche, die Sexarbeiterin Johanna Weber, die für den Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen am Runden Tisch teilnahm, betonte: "Nun müssen den Worten auch Taten folgen."

Die Umsetzung der vom Runden Tisch Sexarbeit empfohlenen Maßnahmen soll im Jahr 2020 beginnen und durch ein Koordinierungsgremium begleitet werden. Mittel hierfür seien für den nächsten Berliner Doppelhaushalt angemeldet worden. 

Sendung: Abendschau, 06.11.2019, 19:30 Uhr

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3 Kommentare

  1. 3.

    "Diskriminierung" gibt es nur deshalb, weil Prostitution weiterhin unrecht und unethisch ist, da kann man die Begrifflichkeiten ändern, wie man will, das spürt jedes Kind. Prostitution ist nicht normal und bewirkt weder bei den Prostituierten, noch bei den Freiern oder deren Familien/Beziehungen etwas Gutes. Eine Stadt, die sich mit damit brüstet, ein sexuelles Eldorado zu sein, macht ihre Menschen kaputt. Wer Prostitution nicht eindämmen möchte, wird auch das Elend nicht eindämmen.

  2. 2.

    Meinen Sie nicht, dass sie die menschlichen Problematiken zu realistisch beschreiben? - Sie könnten die Verantwortlichen aus Politik und Behörden sowie das Verbrechergesindel überfordern.

  3. 1.

    Was sind die Themen, mit denen die Frauen an der Kurfürstenstraße zu kämpfen haben? Es ist die Gewalt der "Freier" und jugendlicher Banden, die sexuelle Ausbeutung und Brutalität der Zuhälter, die grassierende Wohnungsnot und weit verbreitete Obdachlosigkeit, der zunehmende Drogenkonsum und der unkalkulierbare Drogenmix, die Dumpingpreise und die dafür geforderten Sexpraktiken, gesundheitliche Probleme und die nicht vorhandene Krankenversicherung. Ein bisschen Öffentlichkeitsarbeit und ein paar mehr Toiletten helfen da wenig. Was die Frauen wirklich brauchen ist Hilfe beim Ausstieg aus der Prostitution.

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