Symbolbild: Berliner S-Bahn-Züge unterwegs beim S-Bahnhof Gesundbrunnen. (Quelle: dpa/Schoening)
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Teilstrecken Stadtbahn und Nord-Süd - Rot-rot-grüne Koalition einigt sich auf S-Bahn-Ausschreibung

Monatelang stritt sich der Senat über die Berliner S-Bahn-Ausschreibung. Die SPD kritisierte eine mögliche "Zerschlagung" des Verkehrsnetzes, die Grünen die Abhängigkeit zur Deutschen Bahn. Jetzt gibt es einen Kompromiss.

Der Weg für eine weitere Berliner S-Bahn-Ausschreibung ist frei.

Der Koalitionsausschuss von SPD, Linken und Grünen bestätigte nach rbb-Informationen am Mittwoch einen Kompromiss, auf den sich Senatsvertreter bereits vor zwei Monaten verständigt hatten. Die Auftragsvergaben haben insgesamt eine Höhe von drei Milliarden Euro. Es geht um die S-Bahn-Teilstrecken Nord-Süd und Stadtbahn sowie um die dafür benötigten neuen Züge.

Erstmals wird es hier getrennte Ausschreibungen geben: Es können sich demnach Bewerber um alle Aufträge, aber auch nur für eine Teilstrecke oder nur für den Fahrzeugbau bewerben. Dass ein Bewerber den Zuschlag für alles erhält, ist aber weiterhin möglich.

Das Land will außerdem einen eigenen Fahrzeugpool gründen, damit die Zugflotte ab Mitte der 2020er-Jahre nach und nach unabhängig von Betreibern wird und dem Land Berlin gehört.

Der Koalitionsausschuss hatte sich am Mittwoch erneut mit dem Thema befasst, weil die SPD-Fraktion dem Vernehmen nach Beratungsbedarf angemeldet hatte. Geändert wurde an dem bereits gefassten Kompromiss nach Aussage von Sitzungsteilnehmern allerdings nichts mehr.

Die Rieseninvestition ins S-Bahnnetz

Bei der S-Bahn-Ausschreibung handelt es ich um eines der größten Nahverkehrsprojekte in der Großraumregion Berlin: zwei Drittel des S-Bahn-Verkehrs in der Hauptstadt und im angrenzenden Land Brandenburg sind betroffen. Bis zu 1.380 Wagen müssen ab 2026 geliefert werden. Dafür will die rot-rot-grüne Koalition fast drei Milliarden Euro investieren.

Monatelang stritten SPD, Linke und Grüne über die Umsetzung der Ausschreibung. Bis zuletzt gab es Differenzen vor allem zwischen der SPD und der grünen Verkehrssenatorin Regine Günther. 

Während die Senatorin die beiden Teilnetze, Nord-Südbahn und Stadtbahn, auch an unterschiedliche Unternehmen vergeben würde, hatten die Sozialdemokraten vor einer "Zerschlagung" der Berliner S-Bahn gewarnt. Günther wollte mit der Trennung mehr Wettbewerb schaffen und von der Deutschen Bahn mit seiner Tochter S-Bahn Berlin GmbH unabhängig werden.

Außerdem war unter anderem Streitpunkt, ob für neue Züge breitere Eingangstüren vorgesehen werden sollten, um die barrierefreie Nutzung zu ermöglichen. Der Großteil der heute fahrenden S-Bahnen hat eine Eingangsbreite von 1,35 Metern, im Gespräch war eine Breite von 1,40 Metern.

Sendung: Inforadio, 06.11.2019, 16:00 Uhr

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30 Kommentare

  1. 30.

    Die S Bahn gehört zur Deutsche Bahn und nicht zum privat Unternehmen. Nur weil man 800 Millionen sparen kann. Die machen die S Bahn mit dieser Scheiß Spar Politik kaputt. Da brauch man sich nicht zu wundern wenn viele der Meinung Bahn fahren ist doof

  2. 29.

    Warum wird die BVG nicht ausgeschrieben? Die hat doch noch viel mehr Ausfälle und Verspätungen. Wie wärs denn gleich mit der Kanzlerlinie U5.
    Mit einer chinesischen Firma zum Reichstag, das wär doch ein Symbol.
    Wenn die S-Bahn jetzt noch in neue Züge und Personal investiert, wär sie blöd, wenn sie morgen schon nicht mehr gebraucht werden. Alles Spezialanfertigungen allein durch die Stromschienen.

  3. 28.

    Und mal wieder geht es nur mit Subventionen. Ohne läuft gar nix mehr. Wer keine bekommt, kann den Laden bald dicht machen. Warum investieren sie nicht die 3 Milliarden in die S-Bahn und kaufen für diese die Wagen? Warum zahlt der VBB nicht mehr an die Verkehrsträger, damit die sich ordentlich ausstatten können. Das betrifft die BVG ja genauso.
    Mit Privatisierung sollten ja nun schon genug Erfahrungen vorhanden sein.
    Preisdrückerei ist Lohndrückerei.
    Wo bleiben Ausschreibungen für Tram, U-Bahn und BVG-Busse? Die "Ausschreibung" für den Senat ist ja offensichtlich voll in die Hose gegangen.

  4. 27.

    Was für ein Schwachsinn. Die Berliner S-Bahn ist ein in sich geschlossenes Verkehrssystem. Das zu zerstückeln in mehrere Anbieter, evtl. noch mit eigenen Fahrzeugtypen, grenzt an betriebstechnische Sabotage. Das mit solchen Aufspaltungen die Flexibilität z.B. bei Betriebsstörungen verloren geht, beweist der normale Bahnbetrieb auf den Regional- und Fernstrecken ja schon. Komplexe weitsichtige Zusammenhänge zu denken, scheint nicht gerade die Stärke von Politikern zu sein.

  5. 25.

    Autonome Züge sind überhaupt keine Zukunftsmusik und werden in vielen Städten überall auf der Welt schon eingesetzt. Man kann sie z.B. bei Siemens einfach mit der passenden Signaltechnik bestellen.

  6. 24.

    Da ist schon was dran - vom Norweger-Pullover Walter Hasenclevers im Deutschen Bundestag 1983, hin zum zugeknöpften, durchgestylten Anzugsträger mit hellgrüner Krawatte.

  7. 22.

    Ich hätte da noch einen glorreichen Einfall für den Senat.
    Schreibt doch mal die BVG aus. U5 geht denn ka an Connex, U6 Arriba, U9 an ka wird schon auch noch jemand finden für.

    Ach ja da war ja was, Sie sind ja selbst in der Geschäftsführung der BVG drin, und irgendwie gehört die ja Berlin, wenn ich es richtig in Erinnerung habe.

  8. 21.

    Bedauerlicherweise denkt der Berliner Senat nur an das was auf sich dem Gleis bewegt. Die schnelle dauerhafte Instandsetzung der Infrastruktur die die Fahrgäste jeden Tag spüren in Form von Weichenstörungen, Ausfall vom Bahnhofsbeleuchtungen, Signalstörungen und weiteren kreativen Meldungen nimmt sich niemand an. Wenn das Fundament des Gebäude Nahverkehr schon nicht in Ordnung ist wie soll dann das darauf bewegliche funktionieren?
    Infrastruktur ist ein Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und gehört nicht in die Hand von Gewinnorientierten Unternehmen.
    Bezahlen wir alle unsere Steuern nur noch fürs Catering in den Senatsstuben?
    Dieses Problem, dass sich mit dem Versuch des Börsengang der DB ergeben hat und mit massiver Untätigkeit von DB-Netz über viele Jahre nun kaum mehr aufzuholen ist.
    Und dann sitzen auch noch sehr unkreative Menschen an Entscheidungen von denen sie nichts verstehen.
    Gestern Abend erst: ein sogenannter Ausfall der Bahnsteigbeleuchtung am Bahnhof Zepernick, der Fahrkartenautomat hatte Strom, die Fahrzielanzeiger und auch die Treppe sowie der Aufzug waren hell erleuchtet. Und nun entscheidet so ein "schlauer" Mensch man kann dort nicht halten, obwohl von der riesigen Baustellen-Beleuchtungs-Einheit der Bahnsteig taghell gewesen ist! Dazu laufen dann dazu die Durchsagen, so dass der Fahrgast es nicht hören kann oder sogar gar keine. Es wurde also damit ja keiner auf dumme Gedanken kommt mit Vollspeed durchgerauscht.
    Schade das es tatsächlich noch Menschen gibt die da mit fahren müssen. Wirklich Ärgerlich, es könnte so schön entspannt sein ohne Fahrgäste so ein bisschen Modelleisenbahn für große Leute.

  9. 20.

    Autonome Züge sind ferne Zukunftsmusik. Die automatisch fahrenden U-Bahnen in Nürnberg müssen auch überwacht werden. Es wird nur wenig Personal gespart. Es kann nur flexibler auf Betriebsspitzen reagiert werden. Wenn ein paar Fahrdienstleiter streiken, stehen auch alle Räder still.

    Es wird spannend, wenn ein neuer Betreiber Personal für die Dauer seines Vertrages rekrutieren muss. Daran sind schon Bahnen gescheitert oder hatten zumindest erhebliche Probleme. Man denke nur an den hartzenden Tontechniker, der nicht umschulen möchte oder den Personalmangel bei der BVG.

    Ein landeseigener Fuhrpark bedeutet nicht zwangsläufig zuverlässigere Züge. Die Maried-Pair-Wagen in Schleswig-Holstein sind ein schlechtes Beispiel. Pünktlich zum Werkstattwechsel fielen plötzlich Risse in den Kupplungen auf. Eine Rückfallebene gibt es bei der S-Bahn aber nicht. Der aktuelle Wagenmangel kann hier, obwohl lange absehbar, nicht ausgeglichen werden. Die Politik hat darauf nur langsam reagiert.

  10. 19.

    Der Privatisierungswahn, so er denn um sich greift, hat kein Ende. Erst wenn alles verscherbelt und zerschlagen ist, wachen die Verantwortlichen auf und merken was sie angerichtet haben. Chaos, Höhere Preise und schlechtere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten.

  11. 17.

    Das sich die Stadt noch eigene S-Bahnzüge anschaffen will ist verrückt. Die Kompetenzen zu zerstückeln ist auch ein Irrweg. Der Senat sollte sich lieber auf die BVG konzentrieren, da gibt es schon genug Baustellen.

  12. 16.

    Der öffentliche Nahverkehr ist Daseinsvorsorge. Das wird zwar groß im Munde geführt, nicht aber werden die Konsequenzen daraus ergriffen. Daseinsvorsorge und einträglicher, möglichst maximaler Gelderwerb schließen sich von der Zielsetzung her gegenseitig aus.

    Es mangelt an einer grundsätzlichen Diskussion, was mit allen Konsequenzen, die das hat, zur Daseinsvorsorge gehört und was ohne große Probleme dem so genannten freien Markt überantwortet werden kann.

  13. 14.

    Wann hören die Grünen endlich mit ihrem neoliberalen Privatisierungswahn auf?

  14. 13.

    Zum Glück habe ich als Lokführer dann schon eine Eule auf dem Rücken und kann den ganzen Spaß mit einem Lächeln im Gesicht ertragen. Und für die Fahrgäste es wird viel schlimmer als jetzt. Dank euren Grünen Politiker die dann mit ihren E Autos durch die Stadt fliegen.

  15. 12.

    Sinnvoll wäre die Einführung autonom fahrender S-Bahnen. Das spart massiv Kosten und eine engere Taktung wäre möglich. Zudem würden sich dann die nervigen Streiks erübrigen.

  16. 11.

    Das ist neoliberaler Wahnsinn. Ein so komplexes Nahverkehrssystem wie die Berliner S-Bahn der kapitalistischen Zerschlagung preiszugeben, anstatt die Deutsche Bahn als Betreiber konsequent in die Pflicht zu nehmen, zeugt von politischer, ökonomischer und verkehrstechnischer Dummheit.
    Die Berliner werden sich in einigen Jahren dann "bedanken" können, wenn sich nach organisatorischer Aufteilung eines Systems, das nur in einer Gesamtheit vernünftig funktionieren kann, das Klein-Klein der verschiedenen Betreiber gegenseitig behindert.

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