Mehrere Demonstranten sind dem Aufruf der Initiative "Stadt für alle" gefolgt. (Quelle: rbb/Lisa Steger)
Bild: rbb/Lisa Steger

Einsatz für Demokratie und Freiheit - Rathaus in Potsdam benennt drei Straßen nach Frauen um

Die Stadtverordnetenversammlung Potsdam (SVV) hat bei ihrer Sitzung am Mittwochabend beschlossen, drei Straßen in der Potsdamer Mitte am Alten Markt nach Frauen zu benennen.

Konkret geht es um die Schloß-, die Schwertfeger- und die Kaiserstraße, die künftig die Namen von Potsdamerinnen tragen sollen, die sich für Demokratie, Freiheit und gesellschaftliches Miteinander eingesetzt haben. Der neue Teil der Schloßstraße soll zur Anna-Zielenziger-Straße werden, die bisherige Schloßstraße behält ihren Namen. Anna Zielenziger war Vorsitzende der israelitischen Frauengemeinde und wurde 1943 ermordet. Der Kulturausschuss hatte schon vorher für die Umbenennung gestimmt. 

Kulturausschuss stimmte für die Umbenennung

Der neue Teil der Schwertfegerstraße soll künftig Erika-Wolf-Straße heißen - nach der langjährigen Ehrenvorsitzenden der Brandenburger CDU, die 2003 gestorben war. Die Kaiserstraße soll zur Anna-Flügge-Straße werden. Flügge war eine der ersten weiblichen SPD-Stadtverordneten und saß von 1929 bis 1933 im Kommunalparlament.

Maria von Pawelsz-Wolf, die Tochter der früheren Christdemokratin Wolf, hatte sich zuvor gegen die Würdigung ihrer Mutter ausgesprochen. Diese hätte an dieser Stelle nicht geehrt werden wollen. Die Potsdamer CDU hatte sich daraufhin von diesem Vorschlag distanziert. Zudem kritisierte Pawelsz-Wolf die Umbenennung einer weiteren Straße nach Anna Flügge, "Frau Flügge ist direkt nach dem Krieg SED-Mitglied geworden und endlos lange Mitglied geblieben", erklärte Pawelsz-Wolf. "Meine Eltern haben die CDU mit gegründet, mein Vater war Landesvorsitzender der CDU in Brandenburg. Und er ist 1948 kurz nach seiner Wiederwahl durch einen fingierten, bis heute nicht aufgeklärten Autounfall ums Leben gekommen."

"Mitteschön" beklagt Bruch mit Potsdamer Tradition

Bei der Stadtverordnetenversammlung wurde der Antrag zur Umbenennung der Straßen am Mittwoch mit 31 "Ja"-Stimmen angenommen. 15 Verordnete stimmten mit "Nein", sieben enthielten sich. Für die Frauen-Straßennamen stimmten die SPD, die Fraktion Die Andere, die meisten Stadtverordneten der Linken und Grünen, sowie Alexander Frehse von "Die Partei". Dagegen stimmten die FDP, das Bürgerbündnis, der Einzelstadtverordnete Andreas Menzel, die AfD und die CDU. 

Vor der SVV-Sitzung hatte sich Widerstand formiert. Das Netzwerk "Stadt für alle" hatte zu einer Kundgebung aufgerufen. Etwa 50 Demonstranten kamen zusammen, um mehr Beteiligung an konkreten Entwicklungen in der Stadt zu fordern. Die Bürgerinitiative "Mitteschön" lehnt die Umbenennungen grundsätzlich ab. Diese seien ein unnötiger Bruch mit der Potsdamer Tradition.

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10 Kommentare

  1. 10.

    Na ja, es wird eine ganze Menge vermischt und so manche, die im Grunde ihres Herzens bspw. für einen Rückbau überbreiter, autobahnählicher Straßenräume sind(wie ich selbstverständlich auch), die waren im Falle der Breiten Straße dagegen. Dagegen, weil dieser Rückbau dem vermeintlich falschen Bauprojekt der Garnisonkirche zugute käme. Da muss denn "Flagge gezeigt" werden zugunsten der Beibehaltung der autobahnähnlichen Trasse, die die Stadt an dieser Stelle brachial zerschnitt. Es kam anders.

    So auch in anderen Dingen. Die vereinigte Gegnerschaft macht noch lange keine Perspektive für etwas aus. Doch darum scheint es auch garnicht zu gehen.

    "Stadtmitte für alle" hat sich m. E. nicht vordergründig zur Namensnennung geäußert, irgendwie aber schon. Wenn es um einen Kaiser/ Kayser oder sonstwas geht, kann das auf jeden Fall nicht so einfach durchgewunken werden. Auch wenn garnicht W I und W II gemeint waren, sondern ein Bürger namens Kayser, später Kaiser.

  2. 8.

    Mir ist nicht klar, wer da protestiert hat und warum. Waren die Gruppen des Netzwerks "Stadt für alle" nun dafür oder dagegen? Wenn ich mir die Forderungen von "Stadt für alle" für diesen Tag ansehe, dann lese ich dort gar nichts von einer Namensumbenennung, sondern es geht um andere Themen.

    War die Bürgerinitiative "Mitteschön" bei diesem Protest dabei oder gehört es gar nicht zum Netzwerk und hat bequem "von zu Hause aus" bzw. per Brief protiestiert?

  3. 7.

    Ich glaube, hier muss zwischen Neu und Neu unterschieden werden - neu im Sinne von noch nie dagewesen und neu errichtet bei Rekonstruktion des Alten, zweifellos vorher Dagewesenen.

    Selbstverständlich wird die Dachdeckung auf Notre Dame in Paris neu sein, denn die alte Dachabdeckung einschl. des Vierungsturmes ist ja durch den Brand eingestürzt. Ein Neubau ist die Kirche deshalb ebensowenig wie die Rekonstruktion der historischen Potsdam Stadtmitte - außerhalb des reinen Bauordnung - ein reiner Neubau wäre.

  4. 6.

    Hallo Herr Seyffer,

    konkret geht es um die Schloß-, die Schwertfeger- und die Kaiserstraße, die künftig die Namen von Potsdamerinnen tragen sollen.

    Herzliche Grüße
    rbb|24

  5. 5.

    Eine irreführende Überschrift.
    Die Straßen sind neu und werden somit auch nicht umbenannt sondern neubenannt.

  6. 4.

    Weshalb benennt man Straßen nicht mehr nach Dingen?
    Stock, Stein, Stab

    Stockallee
    Steinweg
    Stabgasse

  7. 3.

    Alles wie bekannt: die herrschende Politik benennt die Straßen um. Ein Teil lokaler, in den bisherigen Straßennamen zum Ausdruck gebrachten Geschichte wird ann auch gleich mitgelöscht

  8. 2.

    Geschichte scheint sich manchmal doch zu wiederholen. Bei der Umbenennung des vorh. Bhfs. P-Charlottenhof wurde die Begründung herangezogen, dass sich vom Königshof distanziert werden müsse. Das Problem dabei: Die Potsdamer Charlotte, nach der der Bahnhof benannt war, war garnicht Mitglied des Königsfamilie wie jene Sophie-Charlotte als Namensgeberin von Berlin-Charlottenburg. Sie war zwar adlig, hieß aber Charlotte von Gentzkow und war schlicht Vorbesitzerin des Gebäudes, was hinterher zum Schloss Charlottenhof umgebaut wurde.

    Jetzt die Kaiserstraße, die jetzt umbenannt ist. Nicht der Kaiser als Amtsperson war seinerzeit gemeint, sondern ein Bürger mit dem Nachnamen Kaiser.- In Hamburg gibt´s den Gänsemarkt, auf dem niemals Gänse gehandelt wurden u. in Flensburg eine Angelburger Straße, obwohl Angeln keine Burg besitzt. Es waren schlichtweg Übertragungsfehler. Der Hamburger Zugezogene hieß Gosen und war urspr. Niederländer, in Flensburg waren die Angeliter Bauern gemeint ...

  9. 1.

    Um 18:40 Uhr hat sich die SVV mit Mehrheit für die drei Frauennamen entschieden. Glückwunsch!

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