Bilder aus dem Anne Frank Zentrum. (Quelle: rbb/O. Soos)
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Audio: Inforadio | 07.12.2019 | Oliver Soos | Bild: rbb/O. Soos

Berlin-Mitte - Anne-Frank-Zentrum feiert 25-jähriges Bestehen

Wanderausstellungen an hunderten Orten bundesweit, fast eine halbe Million Gäste bei der Berliner Dauerausstellung. Das Anne-Frank-Zentrum feiert am Samstag sein 25. Jubiläum und lädt ein zum kostenlosen Museumsbesuch. Von Oliver Soos

"Manche Besucher sind ein bisschen verwirrt", erzählt Dina Blauhorn von der Kommunikationsabteilung des Anne-Frank-Zentrums. "Sie fragen: wo ist denn hier das Hinterhaus, in dem sich Anne Frank mit ihrer Familie versteckt hat?" Die Mitarbeiter müssen dann erklären, dass sich die Geschichte in Amsterdam abgespielt hat und dass das Berliner Zentrum eine Art Zweigstelle des berühmten Anne-Frank-Hauses in der Amsterdamer Prinsengracht ist.

Der Gebäudekomplex in der Rosenthaler Straße 39 in Berlin-Mitte hat allerdings einen ähnlichen historischen Background. Im Hof befand sich die Blindenwerkstatt des Berliner Tapezierers Otto Weidt. Hier versteckte er eine jüdische Familie vor den Nazis und rettete einigen seiner jüdischen Arbeiter das Leben.   

Dauerausstellung letztes Jahr neu gestaltet

Heute sieht der schlauchförmige Hof wie ein hipper Berliner Kieztreff aus. Unverputzte Häuser, die alle um 1900 erbaut wurden, die Wände komplett vollgesprüht. Ein etwa drei Meter hohes Graffito in einer Ecke zeigt das Konterfei von Anne Frank. Hier führt eine steile Treppe hoch zur Dauerausstellung "Alles über Anne".

Die Ausstellung wurde im vergangenen Jahr umgestaltet, erzählt Patrick Siegele, Direktor des Anne-Frank-Zentrums: "Neben den Lebensstationen von Anne Frank widmen wir uns nun erstmals auch der Zeit nach 1945, mit einem Fokus auf Annes Vater Otto Frank, der als einziger der Familie Auschwitz überlebt hat. Wie hat er erfahren, dass seine Töchter und seine Frau ermordet wurden? Wie hat er ein neues Leben begonnen? Wie hat er sich um die Erinnerung gekümmert und Annes Tagebuch veröffentlicht? Diese Fragen beantworten wir mit der neuen Ausstellung", sagt Siegele.

Bilder aus dem Anne Frank Zentrum. (Quelle: rbb/O. Soos)
Bild: rbb/O. Soos

"Antisemitismus hat 1945 nicht aufgehört"

Zur Dauerausstellung kommen etwa 35.000 Besucher pro Jahr, etwa ein Drittel sind Schulklassen und Jugendgruppen. Das Museum hat einen interaktiven Teil mit Projektecken, in denen Kinder Anne Franks Geschichte darstellen, indem sie malen und basteln. An einer Wand hängen Zettel, auf denen die Besucher eigene Erlebnisse mit Antisemitismus aufgeschrieben haben.

Hof vor dem Anne Frank Zentrum in der Rosenthaler Straße, Berlin Mitte. (Quelle: rbb/O. Soos)
Bild: rbb/O. Soos

"Wir waren skeptisch, ob Menschen bereit sind, ihre eigenen Geschichten im öffentlichen Raum ausstellen zu lassen. Doch es passiert hier sehr oft", erzählt Siegele. "Wir lesen Geschichten über Vorfälle in der U-Bahn, im Sportverein oder in der Schule. Oft sind es antisemitische Beleidigungen und NS-Vergleiche. Damit zeigen wir hier in der Ausstellung, dass der Antisemitismus 1945 nicht aufgehört hat."

Mit dem 25. Jubiläum wird die Gründung des Vereins Anne Frank Zentrum e. V. gefeiert und die erste Wanderausstellung damals in Berlin. Es folgten hunderte Wanderausstellungen in ganz Deutschland, bis der Verein 2002 in die Räumlichkeiten in der Rosenthaler Straße einzog und dort Dauerausstellungen einrichtete.  

Sendung: Inforadio, 07.12.2019, 9:10 Uhr

Beitrag von Oliver Soos

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1 Kommentar

  1. 1.

    Genau das ist es womit man die Verbrechen der Nazis in Erinnerung rufen muss.

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