Symbolbild: Ein Flaschensammler greift am Kudamm in eine Mülltonne. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
Video: Brandenburg Aktuell | 12.12.2019 | Tim Jaeger | Bild: dpa-Symbolbild/Kay Nietfeld

Armutsbericht - Immer weniger Brandenburger landen in der Armutsspirale

Die Zahl der Armen in Deutschland geht leicht zurück: Brandenburg steht mittlerweile bundesweit am drittbesten da. Aber der Paritätische Wohlfahrtsverband sieht darin keine Entwarnung. Denn in Städten wie Berlin bleibt die Lage schwierig.

Die Zahl armer Menschen in Brandenburg und Berlin ist im vergangenen Jahr erneut gesunken. Das geht aus dem aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrsverbandes hervor, der am Donnerstag vorgelegt wurde.

Die Armutsquote in Brandenburg betrug demnach 15,2 Prozent und lag damit leicht unter dem Bundesdurchschnitt von 15,5 Prozent. Besser schnitten nur Bayern und Baden-Württemberg ab.

Berlin dagegen findet sich im Vergleich der 16 Bundesländer mit 18,2 Prozent auf dem 13. Rang.

In der Tendenz hat sich der Wert allerdings auch in der Hauptstadt verbessert: Nach einem Anstieg der Armutsquote seit 2008, sinkt sie sowohl in Berlin als auch in Brandenburg seit 2014 stetig. Erst im letzten Jahr nahm sie in der Mark kurzzeitig wieder leicht zu, um jetzt erneut zu sinken.

"Der Graben längst nicht mehr nur zwischen Ost und West"

"Auch wenn Brandenburg damit im bundesweiten Ranking noch die drittkleinste Armutsquote aufweisen kann, ist die stagnierende Zahl der von Armut betroffenen Menschen besorgniserregend", sagte Sprecher des Wohlfahrtsverbandes, Andreas Kaczynski. Betroffen seien vor allem Kinder, junge Menschen bis 25 Jahren, Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose und Rentner.

Bundesweit jedes fünfte Kind in Armut

Die Armutsquoten teilen das Land in vier Regionen: Einem wohlhabenden Süden steht Nordrhein-Westfalen mit einer Quote von 18,1 Prozent und der Osten mit durchschnittlich 17,5 Prozent gegenüber. Damit bleibe das Ruhrgebiet mit einer Armutsquote von 21,1 Prozent bei 5,8 Millionen Einwohnern "Problemregion Nummer eins", so der Verband. Weitere Regionen in Westdeutschland hätten eine Armutsquote von 15,9 Prozent. 

Neben den Regionen zeige die Altersarmut und die Kinderarmut in ganz Deutschland eine "besondere Dynamik". So lebe bundesweit jedes fünfte Kind in Armut.

Insgesamt sei die Armut in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, so Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. Doch in gut einem Viertel der 95 untersuchten Regionen sei die Armut in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 20 Prozent gestiegen. Zudem verlaufe "der Graben längst nicht mehr nur zwischen Ost und West", sagte Schneider.

Ein Mindestlohn und Hartz-IV-Anhebung gegen Armut

Um die Armut zu bekämpfen, fordert der Paritätische Gesamtverband einen "Masterplan zur Armutsbeseitigung". Nicht nur ein Politikfeld müsse darin einbezogen werden, sondern mehrere, wie: "Arbeit, Wohnen, Alterssicherung, Pflege, Gesundheit, Familie, Bildung und Teilhabe". Konkret spricht sich der Verband unter anderem für eine Kindergrundsicherung aus und einen Mindestlohn von 13 Euro.

Außerdem müsse der Regelsatz für Hartz-IV von 424 auf 582 Euro angehoben werden und Sanktionen abgeschafft. Pflegebedürftige und deren Angehörige müssten entlastet werden, indem sie nur noch deutliche reduzierte Eigenanteile zahlen müssen.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband stützt sich in seiner Untersuchung auf Daten des Statistischen Bundesamtes und dem sogenannten Mikrozensus. Als arm gilt, wer beispielsweise als Single weniger als 1.035 Euro im Monat zur Verfügung hat. Dabei werden auch staatliche Leistungen wie Wohngeld und Kindergeld in die Berechnungen miteinbezogen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 12.12.2019, 10:00 Uhr

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7 Kommentare

  1. 6.

    Jeden Tag widersprechen sich die Angaben in den Medien.
    Gestern stellt man fest das die Tafel immer voller wird und es Rentner gibt die Flaschen sammeln um den Monat zu schaffen,und Kinder die ohne Frühstück in die Schule gehen Schule kommen.
    Heute wieder behauptet die Armut sinkt.
    Ja, was denn nun, Schwarz oder Weiß.

  2. 4.

    Es steht doch im Text, was die Definition von Armut ist. Jetzt kann man diese Definition vielleicht hinterfragen, aber warum soll der RBB es anders kommentieren?
    Ich würde die Zahl der Tafelgänger nicht mit der Armut vergleichen, weil die Gründe, ob man zur Tafel geht, sind vielseitig.
    Ein Problem bei 1035 € ist, dass man dabei gut mit Geld umgehen muss, was meistens nicht der Fall ist.

  3. 3.

    Warum sind dann die Zahlen der Tafelgänger gestiegen ?
    Wie ich hörte ist auch die Zahl der Wohngeldempfänger gestiegen.
    Lieber RBB - passt das mit der sinkenden Armut zusammen ?

  4. 2.

    Ihre Worte: "es gibt für jeden Einzelfall die passende Unterstützung, wenn die Leite sich helfen lassen" - sind unwahr, weil Sie dem Sozialstaat 100%ige Verfassungs- und Gesetzestreue unterstellen. Die in der Sozialgerichtsbarkeit Deutschlands, d. h. in allen Bundesländern, dokumentierten(!) Rechtsstreitigkeiten besagen doch deutlich, dass nicht jeder Mensch passende Unterstützung erhält und auf welche Weise diese verwehrt wird. Hierbei ist noch einmal die für nichtbehinderte und behinderte Menschen zweifelhafte Berechnung des Regelbedarfs mit einbezogen. Standen Sie jemals den ganzen Tag vor dem Supermarkt?

  5. 1.

    Das mit der Armut ist meiner Meinung nach ein Problem, was aus linken Kreisen aufgebauscht wird. Bei uns in Deutschland muss niemand verhungern, es gibt für jeden Einzelfall die passende Unterstützung, wenn die Leite sich helfen lassen. Ich würde es für viel wichtiger halten, dass diese öffentliche Bettelei und das öffentliche Herumlungern verboten und aktiv bekämpft wird. Ich möchte nicht auf Bahnhöfen und in Zügen angebettelt werden. Viele fahren deshalb mit dem Auto, weil sie dieses Geschnorre in den Öffentlichen nicht leiden können. Ich würde beim Einkaufen auch gerne mal einen Einkaufswagen nehmen, kann ich aber nicht, weil genau dort, wo die Wagen stehen, meist einer mit einer Obdachlosenzeitung steht. Ich sage mir: Wenn der in der Lage ist, den ganzen Tag vor dem Supermarkt zu stehen, dann kann er auch arbeiten gehen.

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