Checkpoint Charlie in der Friedrichsstrasse in Berlin im November 2019. (Quelle: imago images/E. Contini)
Audio: Inforadio | 03.12.2019 | Nina Amin | Bild: imago images/E. Contini

Mietshäuser und Museum - Senat beschließt Bebauungsplan am Checkpoint Charlie

Dort, wo sich in Berlin-Mitte die Touristenmassen drängeln, sollen günstige Mietwohnungen und ein Museum entstehen. Der Senat hat am Dienstag den Bebauungsplan für die Flächen am Checkpoint Charlie beschlossen. 

Der Senat hat am Dienstag den Bebauungsplan für den Checkpoint Charlie in Berlin-Mitte beschlossen. Dort sollen günstige Wohnungen, ein öffentlicher Stadtplatz und ein Museum, das über den Kalten Krieg informiert, entstehen. Jetzt müsse auch Bewegung in die Sache kommen, "dass sich die Dinge dort auch entwickeln", sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) anschließend. 

Noch vor einer Woche war der Bebauungsplan für die Flächen an der Kreuzung Friedrichstraße/Zimmerstraße im Senat zwar diskutiert, dann aber nicht beschlossen worden, weil es Bedenken aus den Reihen der SPD gab. Uneins war man vor allem bei der Frage, ob an dem geschichtsträchtigen Ort auch der Bau von zwei Hochhäusern erlaubt sein sollte. 

Keine endgültige Entscheidung über Hochhäuser

Diese Hochhäuser sind im jetzt beschlossenene Bebauungsplan nicht vorgesehen. Es hieß aber, man habe sich darauf verständigt, eine mögliche Bebauung über 30 Meter Höhe später zu prüfen. 

Es geht um die Brachflächen westlich und östlich der Friedrichstraße. Der Grundstückseigentümer wollte ein "Hard Rock Hotel" und hohe Gebäudetürme bauen, damit sich die Investition lohnt. Die SPD war bereit, ihm da entgegenzukommen. Doch Berlins Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher von den Linken sieht das anders. 

Architekten: Wohnen verträgt sich nicht mit Tourismus

Dies wiederum kritisierten Stadtplaner und Architekten. Sie befürchten, dass sich Wohnen nicht mit den Millionen Touristen verträgt, die Jahr für Jahr an den Checkpoint Charlie kommen und dort derzeit vor allem Souvenirstände, Freilicht-Galerien und Strandbars vorfinden.

Ebenfalls nicht unproblematisch ist der Plan des Senats, am Checkpoint Charlie ein Museum zu errichten, das über die Zeit des Kalten Kriegs informiert. Denn für die öffentliche Hand ist dieses Vorhaben zu teuer, private Investoren müssten sich beteiligen.

Wirtschaftssenatorin Pop erklärte dazu, dass am Dienstag vor allem noch einmal über das Museum diskutiert worden sei und die Planung dafür bald angegangen werden müsse.

Trockland wollte Hochhäuser und Hotels bauen

Der Streit um die Bebauung am Checkpoint Charlie hat bereits eine beträchtliche Vorgeschichte: Vor drei Jahren plante der Berliner Senat für den Projektentwickler Trockland, dass ein großer Teil des Geländes vollständig mit Hochhäusern bebaut werden sollte. Ein Hotel und ein Bürogebäude mit integriertem Museum sollten entstehen.

Im Sommer vergangenen Jahres wurde der Bereich allerdings unter Denkmalschutz gestellt. Wieder wurde in der Stadt diskutiert, ob man überhaupt Hochhäuser an diesem Erinnerungsort des Kalten Krieges haben will. Kritisiert wurden auch die Investoren, die hinter dem Projektentwickler Trockland stehen.

Finanzverwaltung hat noch nicht zugestimmt

Ende 2018 entschied der Berliner Senat dann, dass neu geplant werden soll - und zwar ohne Hotels und viele Büros, dafür aber mit mehr Wohnungen und einem Museum des Kalten Krieges.

Befürchtet wird, dass die neuen Vorgaben jeden Investor abschrecken und das Land Berlin allein kein Museum finanzieren kann. Doch die Zeit drängt: Im Februar läuft die sogenannte Veränderungssperre aus. Dann kann der Grundstückseigentümer Trockland auch ohne Bebauungsplan zum Beispiel wieder Hotels und Hochhäuser bauen.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Der Ort, die städtebauliche Nahtstelle, über die die vier Alliierten zusammenkamen und wieder auseinandergingen, der hat anderes verdient, als dass der Blick nach oben hin verzerrt würde. Höher als der umgebende Stadtraum sollte die Bebauung nicht sein, denn der hier an diesem Ort beherrschende Übergang geschah nun einmal horizontal und nicht vertikal. Behauptete finanzielle Sachzwänge sind nur ein Beleg für die Hintenanstellung der Politik bei Vorrang eines Geschäftlichen.

    Bliebe noch die Aufgabe, den herströmenden Touristen zu erklären, warum Charlie Charlie heißt. Keine Marotte eines PR-Wortschöpfers, keine liebevolle Bezeichnung aus dem Volksmund, der an dieser Stelle gar keinen Übergang hatte, sondern der 3. Buchstabe des US-amerikanischen Alphabets - A(lpha): Helmstedt / Marienborn, B(ravo): Drewitz / Dreilinden, C(harlie): Friedrichstraße.

    Wer kann Souveränität erlangen, wer über die Auswirkungen der vorherigen eingeschränkten Souveränität nicht weiß?

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