Ein Wohnhaus in der Odenwaldstraße in Berlin-Friedenau verfällt seit Jahren. (Quelle: imago-images/Joko)
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Anwohnertreffen mit Bezirksvertretern - Wie geht es weiter mit dem Geisterhaus in Friedenau?

Seit Jahren verfällt ein leerstehendes Mietshaus in Berlin-Friedenau. Warum greift der Bezirk Tempelhof-Schöneberg nicht hart durch? Das fragen sich die Anwohner schon länger - und nun bei einer Versammlung auch Vertreter des Bezirks. 

Mehr Transparenz von Seiten des Bezirksamtes und ein konsequenteres Vorgehen gegen den langjährigen Leerstand im sogenannten Geisterhaus von Berlin-Friedenau: Das haben sich die Bürger bei einer Anwohnerversammlung am Mittwochabend gewünscht.

Etwa 80 bis 100 Anwohner waren gekommen, um unter anderem mit den Bezirksstadträten von Tempelhof-Schöneberg Christiane Heiß und Jörn Oltmann (beide Bündnis 90/Die Grünen) sowie Vertretern aus der Bezirksverordnetenversammlung über den maroden Altbau in der Odenwaldstraße zu diskutieren.

16 Wohnungen hat das 1897 erbaute Haus. Seit 20 Jahren verfällt es, 2010 zog der letzte Bewohner aus. Seit Jahren wird versucht, die Eigentümerin zur Instandsetzung zu bewegen. Vom Verwaltungsgericht wurde sie jüngst dazu verurteilt, das Mietshaus wieder bewohnbar zu machen. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Auch eine Nachbarschaftsinitiative setzt sich dafür ein, dass in das Haus wieder Mieter einziehen können. Sie hatte die Versammlung angeregt.

Anwohner fordern konsequenteres Vorgehen

Die Vorsitzende der Initiative, Ingrid Schipper, forderte auf der Versammlung, der Bezirk solle mutig sein und das Zweckentfremdungsverbot konsequenter durchsetzen. Ähnlich äußerte sich auch der Bezirksverordnete Lars Rauchfuß (SPD): Das Verfallenlassen das Hauses sei illegal. Er forderte ein härteres und schnelleres Eingreifen des Bezirks. Rauchfuß bemängelte zudem, dass sich bislang noch kein Sachbearbeiter das Haus angeschaut habe.

Die Bezirksstadträte verwiesen auf die rechtlichen Rahmenbedingungen. Man könne nicht einfach in eine Immobilie "hineinspazieren", sagte Oltmann. Alle erforderlichen Maßnahmen würden gemacht. Auch seine Kollegin Heiß versicherte, es werde im Hintergrund sehr viel getan. Wegen einer laufenden gerichtlichen Verhandlung könnten aber viele Informationen nicht preisgegeben werden.

Ein Treuhändermodell, wie etwa vom Bezirksverordneten Rauchfuß gefordert, lehnte der Bezirk ab. Danach könnte ein Treuhänder für Häuser oder Wohnungen eingesetzt werden, wenn der Eigentümer der Behördenaufforderung zur Beseitigung des Leerstands nicht nachkommt. Ein solches Modell wird etwa in Hamburg angewendet. Allerdings bringe das Treuhändermodell keine Beschleunigung in dem Prozess, hieß es von Bezirksseite.

Oltmann: Wohnungsbaugenehmigungen haben Vorrang

Ein Ergebnis wurde auf der Versammlung nicht formuliert. "Wir werden uns jetzt zusammensetzen und auswerten, was hier an Wünschen – insbesondere an Kommunikationswünschen - an uns herangetragen wurde", versicherte Heiß abschließend. "Und dann werden wir sehen, wie wir dem nachkommen können." Auch Ingrid Schipper von der Anwohnernitiative hofft, dass die Verwaltung sich nun etwas transparenter zeigt.

Oltmann betonte gegenüber dem rbb, Vorrang vor dem Haus in der Odenwaldstraße hätten für ihn die Wohnungsbaugenehmigungen - insgesamt mehr als 1.500 in den vergangenen zwei Jahren im Bezirk: "Ich hätte Personal abziehen müssen für ein Haus, dass nur 16 Wohneinheiten hat."

Für das "Geisterhaus" hofft Oltmann auf bessere rechtliche Rahmenbedingungen - die sollen mit einer Verschärfung des Wohnungsaufsichtsgesetzes kommen. "Und dann werden wir versuchen, Stück für Stück dieses Haus wieder der Wohnnutzung zuzuführen." 

Sendung: radioBerlin 88,8, 05.12.2019, 09:10 Uhr

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11 Kommentare

  1. 11.

    Wäre es nicht fast unmöglich heutzutage Mieter aus den Wohnungen zu bekommen, wäre das Haus längst saniert und wieder voll vermietet. Wie viele andere Häuser.
    Das Problem sind nicht die Vermieter, sondern die renitenten Terrormieter, die sich benehmen, als wäre es ihr Eigentum.

  2. 10.

    Zwischenfazit: fehlende gesetzliche Rahmenbedingungen und unzureichend Personal, oder?

  3. 9.

    Auch mit der Hähnelstraße Nr. 3 in Friedenau entsteht seit Beginn des Jahres ein weiteres Geisterhaus, das doch eigentlich sehr gut in Schuss ist. Es steht zum Verkauf, doch niemand will bisher den geforderten, offensichtlich exorbitant überhöhten Kaufpreis bezahlen.
    Lediglich 3 (drei) Mietparteien, die im Besitz von Altverträgen sind, halten dort noch die Stellung - und die Betriebseinrichtungen des Hauses am Laufen. Der Rest der großzügigen Altbauwohnungen ist seit Monaten "entmietet". Was der oder die Besitzer des Hauses, die sich hinter einem kryptischen Namen verbergen, mit diesem sträflich ungenutzten Wohnraum nun weiter vorhaben, liegt völlig im Dunklen. Anscheinend ist auch das zuständige Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg nicht genau im Bilde, oder es wird an der Nase herumgeführt, obwohl es bereits mehrfach auf diesen unverantwortlichen Leerstand dringlich hingewiesen wurde.
    Dieser Zustand ist geradezu eine Einladung an mutige Hausbesetzer!

  4. 8.

    eine große Anzahl von besorgten Anwohnern des im Niedergang befindlichen Hauses wurde auf der Einwohnerversammlung von einem 40-minütigen Juravortrag eingelullt. Es entstand der Eindruck, als wollten sich die diesbezüglich passiven Stadträte bequem dahinter verstecken. Ein solches Verhalten ist missachtend gegenüber engagierten Bürgern. Und es kommt die Frage auf: Was ist aus der Partei "Die Grünen" geworden, nachdem sie Pöstchen bezogen hat. Die bisherigen Wähler werden nachdenklich!

  5. 7.

    Senat kauft, verschenkt an "Diese eG", für 3 Mio renovieren und dann für 2,50 vermieten. So geht das. "Eigentum 2000" quasi das selbe Konstrukt ist ja 2005 schon pleite gegangen.

  6. 6.

    Auch in Spandau stehen seit Jahrzehnten, nicht seit Jahren, Häuser leer. Habe schon vor fast zwei Jahren das Bezirksamt Spandau darauf hingewiesen. Fotos erschienen dann später in der BZ. Es geht immer noch um die Häuser Seegefelder Straße 163 und um das Haus Seegefelder Straße 200, total abbruchreif.
    Vom Bezirksamt und aus dem Haus Lompscher habe ich nichts mehr gehört. Traurig und empörend das man so mit Bürgern umgeht die sich für eine vernünftige Lösung einsetzen. Wegen mir sollen die " Hütten" zusammenbrechen, Hauptsache es wird dann niemand verletzt. Eines weiß ich allerdings, ich werde mich nicht mehr engagieren, Schnauze restlos voll.

  7. 4.

    @rbb: Heißt der Bezirk nicht Tempelhof-SchöneBERG? Bitte kurz korrigieren! Gleich erster Absatz.

  8. 3.

    Alles mist was die grünen usw.sagen .haus wegnehmen und gut ist .aber nein reden reden reden mehr kommt da nicht wie immer unsere Politiker sind alles das letzte

  9. 2.

    Lieber rbb, seit wann gehört denn bitte die Gemeinde Schönefeld zu Berlin? Und ist der BER? Beide sind und liegen im Land Brandenburg. Bitte liest den Artikel noch Mal Korrektur... Tempelhof-Schönefeld? Wohl eher Tempelhof-Schöneberg

    Danke schon einmal im Voraus

  10. 1.

    in der text überschrift ist euch ein schreibfehler unterlaufen, den bezirk "Tempelhof-Schönefeld" gibt es nicht :)

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