Ein Wolf steht in der Wolfsanlage im Wildgehege (Quelle: dpa/Skolimowska).
Audio: Inforadio | 19.12.2019 | Angela Ulrich | Bild: dpa/Monika Skolimowska

Mehr Schutz für Weidetiere - Bundestag beschließt leichteren Abschuss von Wölfen

Nach einem Beschluss des Bundestags dürfen Wölfe in Deutschland künftig leichter abgeschossen werden - wenn sie eine Bedrohung für Weidetiere darstellen. Aus Brandenburg, dem wolfsreichsten Bundesland, kommt Zustimmung zu dieser Entscheidung.

Wölfe dürfen zum Schutz von Schafen und anderen Weidetieren in Deutschland künftig leichter abgeschossen werden. Der Bundestag beschloss am Donnerstag ein entsprechendes Gesetz, auf das sich die große Koalition nach monatelangem Streit verständigt hatte. Demnach soll ein Abschuss auch dann möglich sein, wenn unklar ist, welcher Wolf genau zum Beispiel eine Schafherde angegriffen hat.

Füttern und Anlocken der geschützten Tiere soll verboten werden. Die Maßnahmen sollen wirtschaftliche Schäden für Bauern und Hobbyschäfer abwenden und auch der Verunsicherung in vielen Dörfern entgegenwirken.

"Kein unkontrolliertes Rudelschießen"

Der CDU-Abgeordnete Hermann Färber sagte im Bundestag, bei 639 Übergriffen von Wölfen im vergangenen Jahr seien bundesweit 2.067 Nutztiere gerissen worden. "Deshalb ist es höchste Zeit, dass wir den Weidetierhaltern in Deutschland wieder eine Perspektive zum Schutze ihrer Tiere bieten." Der umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Carsten Träger, hob zugleich hervor: "Es wird kein unkontrolliertes Rudelschießen geben." Für die Neuregelungen stimmten in namentlicher Abstimmung 361 Abgeordnete, 275 Parlamentarier lehnten sie ab.

Brandenburg begrüßt Gesetzesnovelle

Erste Reaktionen aus Brandenburg fallen fast durchweg positiv aus. Reinhard Jung vom Bauernbund sagte, die Stoßrichtung stimme. Nun müsse das Land Brandenburg das neue Gesetz zum Anlass nehmen, "die bislang völlig wirkungslose Wolfsverordnung zu novellieren und die Voraussetzung für die Entnahme von Wölfen einfach abzusenken". "Es macht auch keinen Sinn, tausende Kilometer unseres Landes mit antifaschistischen Schutzwällen hier zuzupflastern, nur um den Wolf fernzuhalten", sagte er.

Christiane Schröder vom Naturschutzbund Brandenburg hält Zäune zum Schutz von Weidetieren für unerlässlich. Allerdings sagt sie auch: "Wenn man regional zuordnen kann, welcher war denn jetzt hier mutmaßlich der Täter, dann reicht eben auch diese hinreichende Wahrscheinlichkeit aus, um das Tier zu entnehmen."

Genehmigen muss den Abschuss in Brandenburg das Landesamt für Umwelt. Bislang hat es noch keinen Wolf wegen eines Angriffs auf Nutztiere zum Abschuss freigegeben. Ob sich das ändern wird, ist fraglich. Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) sieht den Wolf als Verbündeten beim Naturschutz, "weil er die Bestände eben auch niedrig hält, von Rehen insbesondere, die sehr zum Verbiss an jungen Bäumen neigen". Von daher könne man dem Wolf auch eine wichtige Funktion innerhalb des Ökosystems Wald zubilligen.

Entschädigungen auch für Hobbyschäfer

Nach den von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) vorgelegten Plänen sollen so lange Wölfe in einer Gegend geschossen werden können, bis es keine Attacken mehr gibt - auch wenn dafür ein ganzes Rudel getötet wird. Die Länderbehörden müssen aber jeden Abschuss einzeln genehmigen. Dabei sollen Jäger regelmäßig vorab einbezogen werden.

Künftig soll zudem schon eine Abwendung "ernster wirtschaftlicher Schäden" reichen, bisher ist im Gesetz von "erheblichen Schäden" die Rede. Das soll es auch Hobbyschäfern ermöglichen, Entschädigungen zu bekommen, wenn Wölfe zuschlagen. Mischlinge aus Wolf und Hund, sogenannte Hybride, sollen geschossen werden. Füttern und Anlocken soll verboten werden, damit Wölfe sich nicht an Menschen gewöhnen.

Kritik von der Opposition

Von der Opposition im Bundestag kam Kritik. Der Linke-Politiker Ralph Lenkert forderte stärkere Hilfen und Entschädigungen für Schäfer. Steffi Lemke (Grüne) warnte vor neuer Unsicherheit. Ein Präventivabschuss von Wölfen sei europarechtlich nicht zulässig. Karsten Hilse (AfD) sprach von einem "zaghaften Schritt in die richtige Richtung". Karlheinz Busen (FDP) nannte die Regelungen nicht ausreichend.

Die Umweltschutzorganisation WWF begrüßte die Pläne. Sie machten deutlich, dass Ausnahmen vom strengen Schutzstatus des Wolfes und anderer geschützter Tierarten enge Grenzen gesetzt seien. Die Tötung eines Wolfes müsse auch bei der neuen Gesetzeslage Ultima Ratio sein. Um ein langfristiges Miteinander von Menschen, Weide- und Wildtieren zu ermöglichen, seien flächendeckende Maßnahmen zum Herdenschutz in allen Bundesländern mit Wolfsvorkommen das A und O.

Brandenburg hat die meisten Wolfsrudel

Seit der Jahrtausendwende breiten sich Wölfe in Deutschland aus, nachdem sie lange ausgerottet waren. Nach Angaben der zuständigen Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes leben hierzulande mittlerweile 105 Wolfsrudel. Dazu kommen 25 Paare und 13 Einzeltiere. Die meisten Wölfe deutschlandweit leben aktuellen Zahlen zufolge in Brandenburg. Einen bestätigten Angriff eines Wolfs auf einen Menschen in Deutschland gab es seit der Rückkehr der Tiere nicht.

Für die Union machte Fraktionsvize Gitta Connemann weiteren Handlungsbedarf deutlich. "Weidetiere haben dasselbe Recht auf Tierschutz wie Wölfe", sagte die CDU-Politikerin der Nachrichtenagentur DPA. Deshalb werde eine Bestandsregulierung gebraucht, was nur mit einer weitergehenden Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes gehe. Etwa mit Blick auf Deiche, die beweidet werden müssten, bleibe zudem die Schaffung wolfsfreier Zonen weiter auf der Tagesordnung.

Sendung: Inforadio, 19.12.2019, 19 Uhr

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28 Kommentare

  1. 28.

    Ein Wolf, 4 Tage in Adlershof. Wo ist er jetzt? Auf dem Gelände vom BER?

  2. 27.

    Notwendig waere eine nachhaltige Reduktion der extrem hohen und sich weiter ungebremst vermehrenden Schwarzwildbestaende. Hierzu sind anscheinend weder die Jaegerschaft noch die Woelfe bereit. Die Rehwildbestaende sind zwar noch hoch, duerften jedoch aufgrund der sich massiv vermehrenden Woelfe im Verbund mit dem von Ihnen geschilderten hohen Jagddruck in absehbarer Zeit zusammenbrechen.

  3. 26.

    66.440 Stück Rehwild wurden in der Saison 2017/18 in Brandenburg erlegt. Wer dezimiert nochmal die Bestände?
    Bei einem Erlös von 64 Euro pro Stück für ein ganzes Reh in der Decke kommt man auf 4.252.160,- Euro. In Teilstücke zerlegt erzielt man das Doppelte. Die Preise habe ich einer Beispielrechnung entnommen, natürlich könne sie schwanken, aber man kann erkennen, worum es geht.

  4. 25.

    In Kleinmachnow, Stahnsdorf, Teltow kann man sehr gut sehen, wie der Mensch die Wildschweinplage im Griff hat.

  5. 22.

    Grober Unfug. In den anderen Ländern, in denen es angeblich "keine Probleme" geben soll, werden die Wölfe bejagt.

  6. 21.

    Die angebliche "natürliche Scheu" der Wölfe (Mehrzahl, die Tiere jagen nämlich im Rudel) ist ein Mythos, der von Wolfsprofiteuren gepflegt und von Ahnungslosen nachgeplappert wird. Natürlich ist daran einzig und allein, daß Wölfe sehr lernfähig sind. Werden sie gejagt, sind sie scheu. Haben sie keinen Grund, scheu zu sein, passen sie ihr Verhalten ebenfalls sehr schnell an.

  7. 20.

    Warum halten Sie es fuer unglaubwuerdig, dass Woelfe ihre Scheu vor Menschen verlieren? Werden sie nicht scharf bejagd, haben sie keinen Grund zur Furcht, und da sie sehr lernfaehig sind, duerften solche Begegnungen alsbald zur Regel werden.

  8. 19.

    Als die allgemeine Stimmung noch mehr Pro-Wolf war, waren die publizierten Wolfsbilder auch niedlicher. Dichtes graues Fell, schöne Tiere.

    Nun ändert sich die Stimmung in Sachen Wolf - und die Tiere auf den Fotos sehen auch nicht mehr so liebenswert aus.

  9. 18.

    "Kein Wunder daß Wölfe ohne Scheu vor mir auf dem Feldweg stehen"

    Dass glaube ich Ihnen nicht!

  10. 17.

    Also wenn Menschen Wölfe füttern ist das bekloppt und fahrlässig. Bei einem zutraulichen Wolf würde mir auch anders werden. Vor Allem wenn der plötzlich vor mir steht und ich vllt auch noch einen Hund dabei habe. Förster und Wolfsbeauftragter müssen dann tätig werden.
    Das ist aber auch was anderes als der Schutz von Nutztieren per Elektrozäunen und Herdenschutzhündin.

  11. 16.

    Die haben da kein Problem, weil jeder Wolf, dessen sie habhaft werden können, einfach mal erschossen wird, und zwar persönlich vom Schäfer. Da kräht auch berechtigter Weise kein Hahn danach, weil solchen vermeintlichen Naturkennern und Pseudowissenschaftlern kein Gehör geschenk wird, sondern der gesunde Menschenverstand siegt. Hier darf ja jede Minderheit, und das sind die Wolfliebhaber, sein Stimmchen erheben und ungehemmt Blödsinn fordern

  12. 15.

    Ich hätte hier gerne auch Informationen zu Kompensationszahlungen , wenn Nutztiere von Wölfen gerissen wurden, Elektrozäunen und Herdenschtzhunden. All das sollte ja Bauern,Schäfern und Hobbyzüchtern helfen, mit Wolfsrissen umgehen oder sie verhindern zu können. Nach meinem Kenntnisstand gibt es leider keine einheitlichen Regelungen in den Bundesländern und das ist ja wohl ein großes Manko. Es ist scheinbar wie so oft, bestehende Regelungen und Gesetze wetden nicht flächendeckend eingeführt und umgesetzt. Dann dann man sich auch neue Gesetze sparen,wenn es mit den bisherigen nicht klappt. Erst die Rückkehr des Wolfes feiern und wenn es ernst wird , " den Schwsnz einziehen". Echt traurig.

  13. 14.

    Anlocken und füttern war bisher erlaubt? Jetzt wundert mich nichts mehr. Kein Wunder daß Wölfe ohne Scheu vor mir auf dem Feldweg stehen und keine Anstalten machen wegzulaufen, Haustiere in unmittelbarer Hausnähe gerissen werden. Die "Wildtiere" haben durch falsch verstanden Tierliebe keine Angst mehr. Wilde Hunde im prinzip. Wie gefährlich das noch werden wird, versteht aber offenbar keiner der Verursacher. Menschen werden wahrlich immer dümmer in Zeit der Verstädterung.

  14. 13.

    Der Text will besagen, das jeder Abschuss immer noch genehmigt werden muss!
    Diese Genehmigung kann dauern und der Wolf ist verschwunden.
    Es ändert sich also nichts! Die Politiker tun aber jetzt so als hätten sie etwas getan ???

  15. 12.

    Ist schon eigenartig, erst wird die Wiederkehr der Wölfe offiziell bejubelt und nun das Gegenteil?

  16. 11.

    So ist es. Woelfe gehen Schwarzwild ungern an, da es recht wehrhaft ist. Daher werden die sich ungebremst vermehrenden Wolfsrudel zwar die Rehwildbestaende arg dezimieren, die Schwarzwildplage wird aber bleiben.

  17. 10.

    Unsinn. Der Wolf bekommt die Wildschweinplage NICHT in den Griff. Und Bruno hat, als er den Kaninchenstall leerfraß, um Haaresbreite die Tochter des Hauses verpaßt. Wenn das Kind weniger Glück gehabt hätte, würde es heute nicht mehr leben. Aber ihresgleichen ist so etwas egal. Fundamentalistische "Tierschützer" haben selten Ahnung und sind oft die größten Misanthropen. Unappetitlich.

  18. 9.

    Danke Steffen für diesen Kommentar. Insbesonders Ihre Bemerkung über die haltlosen Zustände in vielen Ställen.

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