Ein Mitarbeiter des Bezirks Berlin-Mitte prüft am 09.12.2019, wie große die Betonplatte unter der Säule des Zentrums für politische Schönheit ist. (Quelle: rbb/Dorte Störmann)
Video: Abendschau | 09.12.2019 | Dorte Störmann | Bild: rbb/Dorte Störmann

Aktion des "Zentrums für politische Schönheit" - Umstrittene Holocaust-Gedenkstele nun einbetoniert

"Unter den Augen der Polizei" wollen Aktivisten des "Zentrums für politische Schönheit" ein Beton-Fundament unter ihre "Holocaust-Gedenkstätte" im Regierungsviertel gegossen haben. Die umstrittene Asche aus der dazugehörigen Stele hingegen sei seit Freitag weg.

Die umstrittene vermeintliche Holocaust-Gedenkstätte des "Zentrums für Politische Schönheit" (ZPS) gegenüber dem Berliner Reichstagsgebäude ist nach Angaben der Künstlergruppe "überarbeitet" worden.

Es seien in einer nächtlichen Aktion der Kern der Stele ausgetauscht und "unter den Augen der Polizei" ein vier Tonnen schweres Stahlbeton-Fundament gegossen worden, teilte die Aktionsgruppe auf Twitter mit. Ein Polizeisprecher dementierte gegenüber dem rbb am Montag "entschieden", dass während des Betongießens Polizisten zugegen gewesen seien. Die Berliner Polizei prüfe derzeit, ob die neuerliche Aktion gegen die Demonstrationsauflagen verstoße.

Das Bezirksamt Mitte hat nach eigenen Angaben wegen der Betonplatte eine Ordnungswidrigkeiten-Anzeige auf den Weg gebracht. Es behalte sich weitere Schritte vor, hieß es. Doch zuvor müsse den Verursachern die Chance gegeben werden, den Schaden zu beseitigen. 

Ein Mitarbeiter des Bezirksamts hatte am Montagvormittag das Erdreich an der Stele untersucht. Die Betonplatte befindet sich demnach in etwa 20 Zentimetern Tiefe.

Es gab massive Kritik

Die orthodoxe Rabbinerkonferenz habe sich am Freitag der Asche angenommen, die sich zuvor in der Stele befunden hatte. Die Aktivisten hatten sich zuvor schon in einer Stellungnahme dafür entschuldigt, mit der Aktion die Gefühle von Überlebenden und Nachkommen verletzt zu haben.

Die Gruppe hatte am vergangenen Montag in Sichtweite des Reichstagsgebäudes eine "Gedenkstätte" errichtet, unter anderem mit einer Stahlsäule, die nach Angaben des ZPS Asche von Opfern der Massenmorde der Nazis enthielt.

Der Zentralrat der Juden hatte die Aktion zuvor als ausschließlich aufmerksamkeitsheischend kritisiert. Ebenfalls Kritik äußerte der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner. Auch der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Uwe Becker, hatte die die Aktion mit der Gedenkstätte "völlig geschmacklos" genannt und den sofortigen Abbau gefordert. Die Bundesregierung schloss sich der Kritik Beckers an.

Ein Polizist steht am 09.12.2019 vor der Säule des Zentrums für politische Schönheit gegenüber vom Reichstag. Das Bezirksamt Mitte prüft, wie groß die Betonplatte unter der Säule ist. (Quelle: rbb/Dorte Störmann) (Quelle: rbb/Dorte Störmann)
Bild: rbb/Dorte Störmann

Künstler schon für provokative Aktionen bekannt

Das Zentrum für politische Schönheit ist für umstrittene Kunstaktionen bekannt. Im Herbst 2017 hatte die Gruppe mit dem Nachbau des Holocaust-Mahnmals auf einem Nachbargrundstück von Thüringens AfD-Chef Björn Höcke auf sich aufmerksam gemacht.

Sendung: Abendschau, 09.12.2019, 19:30 Uhr

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5 Kommentare

  1. 5.

    Warum stellt der Mitarbeiter des Bezirksamt nicht Strafanzeige gegen die Verursacher und macht Schadensersatz für die Beseitigung geltend, oder kann jetzt jeder in öffentlichen Parks Löcher graben und mit Beton verfüllen?

  2. 4.

    Kann ich auch ein Denkmal aufstellen. Als Kunst kann man alles bezeichnen - ist Geschmackssache.

  3. 3.

    Könnte mir bitte jemand erklären, was an dieser Aktion "schön" ist.

  4. 2.

    "Die umstrittene Asche aus der dazugehörigen Stele hingegen sei seit Freitag weg."

    So, die Asche ist jetzt also "weg"...
    Ich vermisse nun doch sehr den Aufschrei der Empörten und Gerechten, wie mit dieser Asche weiter zu verfahren sei. Sind denn alle zufrieden, wenn man die Asche wieder dorthin schmeißt, wo sie herkommt?! Scheint irgendwie nicht (mehr) von großem Interesse für die Öffentlichkeit zu sein. Naja, Hauptsache das Grauen wird nicht vor unseren Augen platziert...

    Selten ein besseres Beispiel für "Aus den Augen, aus dem Sinn" vorgelebt bekommen.

  5. 1.

    Kann mir mal eine/einer erklären was alles zwischen Bundestag und Kanzleramt einbetoniert, vergraben, begraben, Scheiterhaufen und Pranger, Hass und Hetze sein darf.

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