Nina Stahr (links), Michael Cramer (Mitte) und Werner Graf (links) auf dem Landesparteitag der Berliner Grünen (Foto: dpa/Christoph Soeder)
Video: Abendschau | 07.12.2019 | Sylvia Wassermann | Bild: dpa/Soeder

Landesparteitag - Grüne wollen keine Automobilmesse in Berlin

Die Grünen in Berlin haben auf ihrem Landesparteitag gegen eine Ausrichtung der Frankfurter Automobilmesse in Berlin gestimmt. Damit haben sie sich gegen Linie der Parteispitze entschieden. Auch ein radikaler Verkehrsumbau ist geplant.

Die Berliner Grünen wollen keine Internationale Automobilausstellung (IAA) in Berlin. Eine knappe Mehrheit stimmte am Samstag auf einem Landesparteitag im Park Inn Hotel am Alexanderplatz gegen eine Bewerbung für die Messe.

Damit haben sich bei den Berliner Grünen die scharfen Kritiker der Frankfurter Automobilmesse durchgesetzt. Sie sehen keinen Gewinn in einer Messe, bei der das Auto im Mittelpunkt steht, selbst wenn dort mehr Elektroautos präsentiert würden. Der Parteitag hat damit mehrheitlich die Linie der grünen Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und des Grünen-Landesvorstands abgelehnt.

"Steinzeitliche Leistungsschau"

Die Frankfurter IAA nennt der Grüne Landesvorsitzende Werner Graf eine "steinzeitliche Leistungsschau". Unter dem Jubel der Delegierten sagte Graf, wenn sich die IAA in Berlin ansiedeln will, reiche ihm ein bisschen Greenwashing nicht.

Michael Müller (SPD) für IAA in Berlin

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller vom Koalitionspartner SPD würde die IAA dagegen gerne von Frankfurt am Main nach Berlin holen. Er hatte sich im Oktober mit einem Brief an die großen deutschen Automobilhersteller gewandt und sie darin um Unterstützung für den Standort Berlin gebeten.

Wegen sinkender Besucher- und Ausstellerzahlen steckt die IAA in Frankfurt am Main in einer Krise. Eine automatische Vertragsverlängerung über 2019 hinaus ist laut Messegesellschaft Frankfurt nicht vorgesehen. Ein neuer Standort erscheint genauso möglich wie eine inhaltliche Neuausrichtung.

Eine der ältesten deutschen Industriemessen

Die IAA wird vom Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) ausgerichtet und ist eine der ältesten deutschen Industriemessen. Der Vorläufer fand 1897 in Berlin statt, damals mit acht sogenannten Motorwagen, darunter zwei Modelle von Benz und eines von Daimler. In den folgenden Jahrzehnten fand die Automobilmesse in verschiedenen Konstellationen und an verschiedenen Standorten statt.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Frankfurt am Main der ständige Schauplatz der IAA, wobei die Messe für Personenkraftwagen seit 1991 im Wechsel mit der Nutzfahrzeugsparte und immer in ungeraden Jahren stattfindet.
 

Innenstadt soll bis 2030 "Null-Emmissions-Zone" werden

Grünen-Vorsitzender Werner Graf kündigte auf dem Parteitag radikale Ideen zum Klimaschutz an.

Dazu gehöre es, Autos aus der Stadt zu drängen, mehr öffentlichen Nahverkehr auch mit mehr U-Bahn zu fördern, weniger Flugverkehr und deshalb auch keinen weiteren Ausbau von Flughäfen - sowie einen höheren CO2-Preis.

Damit Menschen mit weniger Geld sich das alles leisten könnten, betonte Graf soziale Projekte wie den Mietendeckel, das kostenlose Schülerticket und das günstigere Sozialticket für Bus und Bahn.

Die Berliner Grünen verabschiedeten auf ihrem Parteitag ein umfassendes Klimaschutzpaket, bei dem sie unter anderem die Innenstadt bis 2030 zur "Null-Emissions-Zone" machen und eine Citymaut einführen wollen.

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Antwort auf [Alfred Neumann] vom 09.12.2019 um 17:29
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52 Kommentare

  1. 52.

    Ich bin Berliner. Knapp unter 50% sind Eingeborene.
    Ich verstehe aber nicht ganz, was das damit zu tun hat, denn es kann ja derzeit wohl auch den Zugezogenen nicht entgangen sein, dass der Autowahn unser aller Leben maßgeblich verschlechtert. Mal abgesehen vom restlichen Müll und Dreck in unserer Stadt, da haben Sie völlig recht. Mich macht das einfach zusehends saurer, wie unsere Stadt nur noch benutzt, mißbraucht und verschandelt wird.

  2. 51.

    Gehören Sie zu der Minderheit, die in Berlin geboren wurde? Die Mehrheit der Einwohner der Stadt sind Zugezogene. Die hätten vorher wissen können, was die erwartet: Eine quirlige, oft laute und drecke Metropole, die allerdings zunehmend verwahrlost.

    Grundsätzlich haben Sie recht, dass man etwas tun muss, um den MIV zurückzudrängen. Dabei ist dessen Anteil am Modal Split schon vergleichsweise gering. Doch außer Parklets für 900.000€, ein paar Felsbrocken und Pollern ist in den letzten Jahren nicht viel passiert. Leider sieht es derzeit auch so aus, dass es außer Verboten dabei bleibt, dass vor allem über die Mobilitätswende nur geredet, aber nichts getan wird.

  3. 50.

    Und das ändert dann was genau? Meine Situation. Und was ist mit den anderen Menschen? Mag ja lieb gemeint sein, macht aber wenig Sinn. Denn es leiden Hunderttausende unter dem Dreck und Lärm in dieser Stadt.
    Sollen alle mit Kindern wegziehen? Dann wird Berlin nicht zur auto-, aber kinderfreien Stadt? Nein. Alle Massnahmen zur Reduzierung des privaten Autoverkehrs sind bitter nötig.
    Trotzdem auch Ihnen alles Gute.

  4. 49.

    Hallo, kleiner Tipp: kehren sie der Stadt den Rücken. Haben wir vor einigen Jahren auch gemacht und würden nie wieder zurückziehen. Auch von unseren neuen Nachbarn möchte niemand wieder in Berlin wohnen, grad im Interesse ihrer Kinder. Hier gibt es auch Schulen und Kitas....und das sind nicht die schlechtesten. Alles Gute!

  5. 48.

    Liebe grüne Nachwuchspolitiker,

    Ihre Idee mit der autofreien Stadt ist einfach weltfremd. Heute ist schon die BVG völlig überfordert und der Zustand der BVG ist katastrophal. Fahre brav ordentlich zum Dienst und plane Verspätungen mit ein. Nur mittlerweile ist es so, dass bei einer reinen Fahrzeit von 45 min eine Verspätungswartezweit von 20-30 min an der Tagesordnung stehen. Highlight war der heutige Morgen. Der Bus fiel aus, 20 min Wartezeit, der Folge Bus kam 15 min später. Das waren schon ma 35 min, die u bahnen fuhren ähnlich pünktlich. So habe ich heute fast 60 min Verspätung genossen bei 45 min Fahrzeit. Und da die Zuverlässigkeit kaum noch gegeben ist, werde ich auf das Auto umsteigen.

  6. 47.

    Ich bin kein Grüner.
    Ich habe keinen Zweitwohnsitz.
    Menschen, die die Öffentlichen benutzen sind nicht gleichzusetzen mit Autofahrern, denn sie tun durch ihr Verhalten etwas für die Umwelt.
    Ich bin den ganzen Tag dem Gestank, Lärm und der Unfallgefahr von Autos ausgesetzt, mit mir meine Kinder, die am.gefährdetsten von allen sind und keinen Platz mehr in dieser Stadt haben.
    Gleichmacherei und Relativiererei des Problems sind wenig hilfreich und empathielos.

  7. 45.

    Ich bewege mich fair im Verkehr und mit offenen Augen durch die Stadt - was ich nicht ausstehen kann, sind egoistische und dumme Leute, die ihre Lebensweise anderen aufdrängen müssen und dazu zähle ich Fußgänger, Radfahrer, E-Scooter-Deppen, KFZ-Nutzer abenso wie Billig/- Inlandsflugpassagiere.
    Aber ich hasse per sé keine Autos.
    Fahre ich ja auch Auto, Motorrad, Öffis und Fahrrad. Da es immer mehr zu einem Gegeneinander geführt hat und das Miteinander droht, völlig aus den Augen verloren zu gehen, kann ich eher sagen, Menschen nicht zu mögen als Gegenstände.
    Da muss man differenziert rangehen und nicht pauschal irgend"was" hassen. Und was die Grünen vorhaben ist, naja, gelinde gesagt, Wählerfang unterster Kategorie. Denn viele Grüne haben in der Innenstadt Menschen mit verdrängt und können sich ihre Form der Mobilität auch leisten, haben zumeist auch Autos in irgendeiner Garage zu stehen und nutzen es an Wochenenden, oder fliegen in die Toscana zum ökol. Zweitwohnsitz.(?)

  8. 44.

    Klar, dann bitte auch mit Messeständen der Unternehmen, die für die Batterien die Erde und Menschen ausrauben.
    Schöne neue e-world......

  9. 43.

    Der Mensch ist DIE geballte Zerstörungen von Natur und Umwelt von 65-120kg im Durchschnitt.
    Denn der Mensch erfand und erfindet immer wieder die Grundlage für zur Zerstörung der Umwelt.

  10. 42.

    Nun, die Europawahl 2019 dürfte ein aktuelleres Stimmungbild als die Wahl von 2016 abgeben, das sollte Sie nicht "vergessen", Nico.

  11. 41.

    "Ein Schritt nach dem anderen" ;) Busspuren?! Tram?! Seit den 90ern "versprochen", "geplant",... Doch real Pustekuchen. Nix !!! Wann FÄHRT die Tram nach Kreuzberg und von da weiter in die anderen Bezirke? 2040? 2050? Noch zu meinen Lebzeiten?
    PS: Auf bvg.de finde ich NICHTS zu Busspuren - dafür werden mir sieben (7) Carsharingfirmen präsentiert. Die Busspuren scheinen auch da keine Priorität zu haben. Fast 2km Tram sind wohl weitgehend geplant vom Hbf zur Turmstraße. In dem Tempo erlebe ich wahrscheinlich weder das berlinweite Busspurnetz noch ein berlinweites Tramnetz. Sehr, sehr, sehr traurig.

  12. 40.

    Es ist so, die GRÜNEN haben sich zu einer Verbotspartei entwickelt. Sie haben nichts anderes. Dafür, dass sie den Autoverkehr verdammen, nehmen sie den Fahrdienst und Taxifahrten sehr gerne in Anspruch. Es reicht allmählich mit den dumpfen Feindbildern.Liebe Landbevölkerung, wenn es euch hier nicht gefällt, zieht wieder aufs Land.

  13. 38.

    Ich würde gerne mal wissen,ob dr.kawasaki und der Adrian,vom rbb bezahlt werden

  14. 37.

    Nicht vergessen, Grüne sind bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2016 nur 4. und nicht 1.

  15. 36.

    Was bilden die sich eigentlich ein....?
    Berlin wird sich noch wundern....

  16. 35.

    Es wäre mal interessant eine Auswertung wieviele Original Berliner und wieviele Zugereister RRG wählen bzw sich damit identifizieren. In meiner Nachbarschaft erlebe ich immer häufiger das Phänomen vom Land zu gezogen und jetzt ihr Landleben hier haben wollen. Da werde ich immer komisch angeguckt, wenn ich sage sie sollen zurück ziehen, wenn sie mit der Stadt und ihren Sorgen nicht klar kommen.

  17. 34.

    Derzeit unternimmt die AL aber trotz Regierungsbeteiligung so gut wie nichts, um die Autos außerhalb des Ringes oder besser noch gleich am Stadtrand abzufangen. Ein paar Steine in Kreuzberg bringen die Verkehrswende nicht voran. In der eigenen Blase mit kurzen Wegen, einem dichtem Busnetz sowie U-, Straßen und S-Bahn, BerlKönig und Car2Go vor der Tür lässt sich trefflich über private PKW ablästern. Man ist ja selber bei Wind und Wetter mobil. Blöd, dass das an der Lebenswirklichkeit der meisten Berliner vorbei geht.

  18. 33.

    Welche Art von Wirtschaft meinen Sie eigentlich? Die von vorgestern, die immer noch auf Ottomotoren setzt und die in der Welt in Kürze nicht mehr konkurrenzfähig ist?
    Berlin könnte hier eigentlich endlich mal Vorreiter werden, mit einer internationalen Messe für Elektromobilität.

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