Aktivisten des "Zentrums für politische Schönheit" haben eine Säule in der Nähe des Berliner Reichstagsgebäudes aufgestellt. (Foto: rbb/Oberwalleney)
Bild: rbb/Oberwalleney

Kritik an Mahnmal-Aktion - "Zentrum für Politische Schönheit" entschuldigt sich

Viel Kritik hat die Installation des "Zentrums für Politische Schönheit" im Regierungsviertel hervorgerufen. "Pietätlos" und "geschichtsvergessen" hieß es zur Stele, in der sich angeblich Asche von Holocaust-Opfern befindet. Nun macht das Künstlerkollektiv eine Kehrtwende.

Das Künstlerkollektiv "Zentrum für Politische Schönheit" (ZPS) hat eingeräumt, bei seiner jüngsten Aktion, einer Stele mit angeblichen Asche- und Knochenresten von Holocaust-Opfern, Fehler gemacht zu haben. Am Mittwochnachmittag veröffentlichte die Gruppe im Internet eine Entschuldigung an Holocaust-Überlebende und Angehörige von NS-Opfern.

"Wir haben Fehler gemacht", hieß es. Dem ZPS habe nichts ferner gelegen, "als die religiösen und ethischen Gefühle von Überlebenden und Nachkommen der Getöteten zu verletzen". Und: "Wir möchten insbesondere auch die jüdischen Institutionen, Verbände oder Einzelpersonen um Entschuldigung bitten, die durch unsere Arbeit die Totenruhe nach jüdischem Religionsrecht gestört oder angetastet sehen."

Die Internetseite für die Aktion unter dem Titel "Sucht nach uns!" wurde abgeschaltet. Die ZPS-Aktivisten haben zudem angekündigt, die Säule im Regierungsviertel zu verhüllen und eine für Samstag angekündigte öffentliche Aktion abgesagt. Zunächst wurde am Mittwoch das Sichtfenster der Stele abgeklebt.

Das Künstlerkollektiv erklärte in Reaktion auf die Ankündigung von Protesten gegen das Denkmal: "Die Vorstellung, dass sich dort Menschen, die sonst auf einer Seite stehen, in Kundgebungen gegenüberstehen könnten, ist für uns nicht vorstellbar."

"Auschwitz-Überlebende sind bestürzt"

Am Montag hatte das ZPS in der Nähe des Bundestags eine Säule aufgestellt, in die sie nach  eigenen Angaben Asche von Opfern der Nazis eingeschlossen hatte. Dafür seien mehr als 200 Bodenproben an 23 Orten in Deutschland, Polen und der Ukraine genommen worden, an denen Nazis Massenmorde begingen. Laboruntersuchungen hätten in mehr als 70 Prozent Hinweise auf menschliche Überreste gegeben, hieß es. Am Dienstag machte das ZPS dazu widersprüchliche Angaben. Zum einen hieß es: "Alle positiven Proben wurden alle zurück an die Orte der Entdeckung gebracht." Zum anderen hieß es, in der Stele sei menschliche Asche vorhanden.

Wie ZPS-Sprecher Philipp Ruch der Deutschen Presse-Agentur sagte, gab es weitere vergleichbare Projekte in mehreren Städten, darunter Halle, Arnstadt und Cottbus. Auch diese wurden laut ZPS umgestaltet und die Stelen ersetzt.

Die Kunstaktion war auf breite Kritik gestoßen. Unter anderem hatte der Zentralrat der Juden eine mögliche Störung der Totenruhe kritisiert. Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Uwe Becker, nannte die Aktion "völlig geschmacklos" und forderte den sofortigen Abbau. Die Bundesregierung schloss sich der Kritik Beckers an. Sie achte zwar die Kunstfreiheit, sagte eine Regierungssprecherin. Sollte es sich aber bewahrheiten, dass sich in der am Reichstagsgebäude aufgestellten Gedenksäule Asche von Holocaust-Opfern aus Auschwitz befinde, wäre das "pietlos und geschichtsvergessen". Der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, sagte: "Auschwitz-Überlebende sind bestürzt darüber, dass mit diesem Mahnmal ihre Empfindungen und die ewige Totenruhe ihrer ermordeten Angehörigen verletzt werden."

Lea Rosh findet Aktion großartig

Doch es gab auch Zustimmung zu der Aktion. So nannte etwa Lea Rosh, die Vorsitzende des Fördervereins "Denkmal für die ermordeten Juden Europas", die Aktion großartig. "Es ist ja eine politische Botschaft, die damit einhergeht. Es ist die Botschaft: Guckt hin, hier ist die Macht an die Nazis übertragen worden."

Das Zentrum für politische Schönheit ist für umstrittene Kunstaktionen bekannt. Im Herbst 2017 hatte die Gruppe mit dem Nachbau des Holocaust-Mahnmals auf einem Nachbargrundstück von Thüringens AfD-Chef Björn Höcke auf sich aufmerksam gemacht. Vor dem Berliner Gorki-Theater stellten sie 2016 einen Käfig mit Tigern auf. Darin sollten sich Migranten fressen lassen, sollte die Bundesregierung Flüchtlinge nicht einfliegen lassen. 2015 legte das ZPS symbolische Gräber für Flüchtlinge vor dem Reichstag an. Ebenfalls 2015 zeigten sie Pläne für eine gewaltige Brücke von Europa nach Nordafrika. Wenig später ließen sie Rettungsinseln im Mittelmeer errichten.

Sendung: Radioeins, 04.12.2019, 17 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [Baliner] vom 05.12.2019 um 13:46
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41 Kommentare

  1. 41.

    Auflösen? Das könnte den Faschisten und Rassisten hier im Land so passen.

    Ich freue mich sehr, dass die Künstler daran ziemlich sicher nicht denken, statt dessen haben sie das Thema auch durch diese Aktion in den Fokus gerückt! Na klar geht es auch um mediale Aufmerksamkeit - als Mittel zum Zweck für das Ziel, ein menschenfreundliches, nicht rassistisches, weltoffenes und friedfertiges Deutschland in einem friedlichen Europa zu erhalten, zu stärken und zu fördern, sowie die Gegner dieses Vorhabens in die Ecke zu stellen, in die sie gehören.

    Dank dafür an die Künstler!

  2. 40.

    Dann kennen sie sich mit der Gründungsgeschichte ihrer AfD nicht aus. Das abdriften zu einer rechtsextremen Partei fand ja erst durch die Übernahme durch den national-völkischen Flügel statt.

    Vorher war die AfD eine neoliberale Splitterpartei von angehalfterten cDUlern und EU Gegnern. Erst in letzter Zeit hat sich die NSAfD zu einer rechtsextremen "Partei" gewandelt, die von Faschisten, Neonazis, Rechtsextremisten und Antisemiten durchdrungen ist.

  3. 39.

    Die Täternachfahren schreiben den Opfernachfahren jetzt auch noch die Totenruhe vor. Nicht einmal davor schrecken diese selbstverliebten "Künstler" zurück.

    Für die eigene politische Agenda über Leichen gehen. Hauptsache mal wieder in der Presse gestanden , gell. Mir fehlen die WOrte!

    Konsequenterweise muss sich diese "Künstlergruppe" unverzüglich auflösen!

  4. 38.

    Ich bin ganz entschieden der Meinung, dass diese Aktion mit einem weiteren, aufrichtigen Mahnmal ihre volle Berechtigung hat; und der Aufstellungsort ist historisch mehr als ausreichend begründet. Man sollte den Kritikern Zeit geben, sich zu besinnen. In Zeiten digitaler sozialer Medien führen die kurzen, nahezu reflexhaften Reaktionszeiten nicht gerade zu angemessener inhaltlicher Qualität der kritischen Kommentare. Ausdrücklich sei aber gesagt, dass den Toten jeglicher kultureller und religiöser Respekt gezollt bleiben soll, der für die Nachfahren - aus welchen Gründen auch immer - wichtig ist.

  5. 37.

    Schönheit ist subjektiv.
    Der Name ist anscheinend nicht der einzige Fehler in dieser Organisation.

  6. 36.

    Zitat von Max: "Manchmal muß man Gift mit Gegengift bekämpfen."

    Sie haben recht.
    Genau dafür ist übrigens die AfD entstanden:
    Sozusagen als Gegengift gegen den von CDU und SPD tolerierten linksgrünen Wahnsinn.

  7. 35.

    Genau so ist es. Speziell diese, von diesem Verein !
    Vielleicht sollten sie vorher, falls vorhanden, mal das Gehirn einschalten.

  8. 34.

    Sie möchten also sagen, dass für den guten Zweck sich die Juden mal nicht so haben und ihre jahrtausendealten Bestattungsregeln über den Haufen werfen sollen? Und da die Nazis ja nun von ihren Opfern leider oft nicht mal Knochen hinterlassen haben, sollte man ersatzweise vielleicht ein wenig auf Friedhöfen herumbuddeln für eine eindrucksvolle Gedenkstättengestaltung? Oder nach Knochen von nicht-jüdischen Opfern suchen, weil man die ausstellen dürfte? Oder sollte man, mit Laiendarstellern und Freiwilligen, ein wenig KZ-Alltag live nachinszenieren, zwecks optimaler Beeindruckung der Besucher?

    Hören Sie sich eigentlich, wenigstens manchmal, selbst zu?

  9. 33.

    Das liegt daran, dass man sich nicht selbst entschuldigen kann! Auch wenn das immer und überall so verwendet wird, kann eine Entschuldigung nir erteilt und sich nicht selbst verliehen werden. Insofern ist hier von der Aussage alles korrekt.

  10. 31.

    Mit ein wenig Wissen um die Aktionen des Künstlerkollektivs ZPS und ein Quentchen gesunder Menschenverstand hätte man wissen können auf was die Aktion abzielt und sich denken können dass keine menschliche Asche in der Stele enthalten ist.

    Erinnern Sie sich noch an die Aktion „Flüchtlinge fressen – Not und Spiele“? Dachten Sie da auch es würden Flüchtende gefressen?

    Dass 18 thüringer cDU Abgeordnete sich herabließen für ein Bündnis mit der rechtsextremen AfD einzutreten, das ging im Rummel um die Rechtsextremisten und Faschisten der AfD irgendwie unter. Das ist ja auch das erklärte Ziel dieser Leute. Die Zunahme und Steigerung der Provakationen, bis man sie nur noch mit einem Schulterzucken quittiert.

    Es herrscht eine "fatale Gewöhnung an den Rechtsextremismus". Das ZPS hat das Thema wieder in den Mittelpunkt gerückt.

    Manchmal muß man Gift mit Gegengift bekämpfen.

  11. 30.

    @GSM

    Klingt ganz so, also gehörten Sie zu den Verdrängern, die wie einige AfDler, viele NPDler und sonstige antisemitische Rassisten gerne einen "Schlusstrich" ziehen würden... Ganz abgesehen von den Geschichtsrevisionisten unter einigen Neo-Nazis, die sogar behaupten, die Nazis seien gar keine Rechts-, sondern Linksextremisten (!) gewesen weil das Wort "Sozialisten" in ihrer Eigenbezeichnung vorkam oder weil das irgendein Nazi einmal behauptet hätte... Kein Witz, die sind wirklich so dämlich. Als ob im Hundekuchen Hunde wären oder im Baumkuchen Bäume oder die DDR (Deutsche Demokratische Reublik) oder Nord-Korea (Democratic People's Republic of Korea) demokratisch, nur weil das Wort demokratisch im namen vorkommt oder einige dieser Leute einfach behaupten sie seien Demokraten...!

  12. 29.

    Ich finde es ist schon schicklich, die Befindlichkeiten der Leute zu beachten, wenn es um so einen Fall geht. Alles was mit Holocaust zu tun hat, sollte man die Finger von lassen. Die Erfahrung lehrt es. Die Absichten mögen ja schon fast egal sein, man verbrennt sich die Finger. An die andere Seite wäre zu richten, warum man alles so absolut ernst nehmen muss. So wie es berichtet wird, oder behauptet wird, war ja keine Asche in dem Behälter. Also ein wenig unklar scheint es mir, aber bevor ich grosse Kanonen auffahre und (mal wieder) den Moralischen spiele, und möglicherweise überreagiere, würde ich den Sachverhaltr auf Eindeutigkeit prüfen: Ist da Asche von Toten enthalten oder nicht? Wenn nicht, dann sollte man auch die künstlerische Freiheit würdigen. Punkt. Wenn Asche enthalten ist, ist die Aufregung berechtigt.

  13. 27.

    @24GSM: Angesichts der Tatsache, das Nazis, Rassisten und Antisemiten in Deutschland wieder salonfähig geworden sind kann man nicht oft genug auf die Nazizeit hindeuten!

  14. 26.

    Kasse macht das Kollektiv indem es mit spektakulären Aktionen Spender bei Laune hält.
    Den Zentralrat der Juden und Auschwitz Überlebende als 'AfD Jünger' zu bezeichnen ist ungefähr von der gleichen niveaufreien Qualität wie die Aktionen des ZPS. Es geht einzig um das eigene übersteigerte Selbstdarstellungsbedürfnis.

  15. 25.

    Geschichtsvergessen finde ich, wie sich darüber aufgeregt wird. Die Kritiker vergessen, wozu die Geschichte überhaupt festgehalten wird. Nämlich um aus ihr zu lernen.

    Die Aktion war richtig. Die Kritiker haben sie nicht verstanden.

  16. 24.

    Richtig so.
    Mannmannmann, dieser ganze NS-Gedenkmarathon zieht einen ganz schön runter. Vielleicht würden die Deutschen im World Happiness Index ein paar Positionen nach oben aufrücken, wenn sie insgesamt mehr nach vorne und weniger nach hinten , insbesondere auf sie NS Zeit, blicken würden.

  17. 23.

    Das Land, in dem man Ihre Tastaturbelegung vorallem verwendet wäre da nicht so "kleinlich" und würde die Meinungsfreiheit wesentlich höher ansetzen - tut es auch, und das nicht nur (wie man derzeit meinen könnte)mit dem rechten Auge...

  18. 22.

    Leider haben die Menschen vom ZPS hier echte Fehler gemacht - da hilft kein Vertun: Gut gedacht - schlecht gemacht! Mich haben die Tatsachen über den Verbau von menschlicher Asche in Deiche u.a. sehr erschreckt. Diese Plätze selbst zu Denkmälern erklären wäre ein richtiger Weg gewesen. Dumm gelaufen - aber bitte macht weiter!

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