Sawsan Chebli (SPD), Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales (Quelle: Christoph Soeder, dpa)
Bild: dpa

Mutmaßlich rechtsextremistischer Hintergrund - Berliner SPD-Politikerin Chebli macht Morddrohung öffentlich

Mutmaßlich Rechtsextremisten haben Sawsan Chebli rassistisch beleidigt und mit dem Tode bedroht. Die Berliner Politikerin mit palästinensischen Wurzeln will sich aber nicht einschüchtern lassen. Gegen die Verfasser der Morddrohung erstattete sie Anzeige.

Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli wird nach eigenen Angaben von mutmaßlichen Rechtsextremisten mit dem Tode bedroht. Die SPD-Politikerin veröffentlichte am Montag auf Twitter ein von Unbekannten an sie gerichtetes Schreiben mit einer Morddrohung.

Chebli habe es auf "unsere Todesliste geschafft", heißt es in dem Text, in dem die 41-Jährige übel beschimpft und rassistisch beleidigt wird. Es endet mit den Worten: "Heil Hitler. Die Soldaten der Cyberreichswehr." Chebli erstatte nach eigenen Angaben Anzeige.

Chebli will sich nicht einschüchtern lassen

Zudem kündigte sie an, in ihrem Wirken für eine offene, tolerante Gesellschaft nicht nachzulassen. "Ich lasse mich von Euch Nazis nicht einschüchtern, werde weiter meine Stimme erheben, mich für Vielfalt einsetzen, werde weiter für eine offene Gesellschaft, für Migranten, Flüchtlinge, Schwarze, Juden, Muslime und alle kämpfen, die Eure Feinde sind", twitterte sie. "Jetzt erst recht."

Zuletzt hatten die Grünen-Politiker Cem Özdemir und Claudia Roth Morddrohungen mutmaßlicher Rechtsextremisten erhalten. In dem Brief an Chebli wird darauf ausdrücklich Bezug genommen. Erwähnt wird zudem der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU), der am 2. Juni mit einem Kopfschuss auf der Terrasse seines Hauses im Landkreis Kassel getötet wurde. Ein Verdächtiger sitzt in Untersuchungshaft, die Bundesanwaltschaft geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus.

Chebli ist in der Berliner Senatskanzlei Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales. Sie hat palästinensische Wurzeln und erhebt immer wieder ihre Stimme gegen Rassismus und Intoleranz. Dafür wird sie im Internet oft mit Hasskommentaren überzogen. Am Sonntag verlieh sie die diesjährigen "#Farbenbekennen-Awards", mit denen in Berlin das Engagement geflüchteter Menschen für die deutsche Gesellschaft gewürdigt wird.

Sendung: Abendschau, 02.12.2019, 19:30 Uhr

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12 Kommentare

  1. 12.

    vielleicht mutig, weil es mit den Drohungen nun erst recht nicht aufhören wird.
    ich würde nicht "mutig" benutzen, sondern "wichtig".
    Und warum Wichtigtuerei unterstellen?
    Sie benutzt ihre Öffentlichkeit um auf Diskriminierung aufmerksam zu machen.
    Und klar, Drohungen sind nie ein vernünftiges Mittel, auch nicht gegen AfD-Politiker*innen - aber sie öffentlich zu machen, versucht, denke ich, nur, transparent zu machen, wo und wie überall rechtes Gedankengut vorhanden ist und aggressiv kommuniziert wird.

  2. 11.

    Warum mutig?
    Zweifeln Sie daran, dass Chebli spätestens nach der Veröffentlichung dieser Drohung bestens beschützt werden wird?
    Für mich hat das eher was von Angeberei a la "Seht nur, wie mutig ich bin!".
    Ich kann diese Frau zugegebenermaßen nicht ausstehen, wünsche ihr aber nicht den Tod, sondern die wohlverdiente politische Bedeutungslosigkeit.
    Sicher wurden Thilo Sarrazin und etliche AfD-Politiker (genauso wie jeder andere Islamkritiker) ebenfalls schon oft bedroht.
    Der Unterschied ist nur, dass sie für gewöhnlich nicht so auf die Pauke hauen und sich wichtig zu machen versuchen.

  3. 10.

    Kurze Info es gibt diese Listen auch bei anderen von ihnen beschriebenen radikalen Gruppen! Das ist einfach generell nur krank und all diese Verursacher Gehören für lange Zeit weg gesperrt!

  4. 9.

    Danke auch von mir für Ihren mutigen und unerschrockenen Einsatz und ihre klare Haltung! Chapeau!

  5. 8.

    Ganz egal, wie man evtl zu Frau Chebli steht, mit Morddrohungen ist die rote Linie schon lange überschritten. Ich wünsche Frau Chebli, wie auch allen anderen möglichen Betroffenen, dass man diese Typen findet.

  6. 7.

    Danke Sawsan für deinen mutigen Einsatz.

  7. 6.

    Liebe Frau Chebli,
    sie gehen mit gutem Beispiel voran! Niemand hat das Recht, irgendjemanden mit dem Tode zu bedrohen, schon gar nicht wegen Herkunft, Religion, Ansicht, Lebensführung ...!
    Machen Sie bitte weiter und lassen sich nicht einschüchtern. Und ja, ich weiss, dass das leicht gesagt ist, wenn ich nicht betroffen bin.
    Für eine tolerante und diverse Welt!!!

  8. 5.

    Es ist unerträglich. Ständig liest man von diesen Todeslisten und von Anzeigen, die offenbar zu nichts führen. Was wäre in diesem Land los, würden Muslime solche Listen aufstellen oder gar Linke?

  9. 4.

    Egal welcher demokratischen politischen Richtung jemand anhängt, eine Morddrohung auszusprechen ist kriminell. Es bleibt zu hoffen, dass der Rechtsstaat endlich handelt und mit aller gebotenen Konsequenz und Härte diesem Naziterror die Stirn bietet. In welcher Gesellschaft leben wir, wenn Politiker auf allen Ebenen Bodyguards brauchen.

  10. 3.

    Liebe Sawsan Chebli,
    wir haben Dir zu danken, dass Du Deine tapfere Stimme erhebst und für eine Gemeinschaft der Vielfalt einsetzt, für eine offene Gesellschaft, für Migranten, Flüchtlinge, Schwarze, Juden, Muslime und alle kämpfst! Ich arbeite selbst in der Kinderbetreuung und und weiss auch ganz genau, dass ohne gegenseitige Achtung und Empathie keine Gesellschaft wirklich existieren kann!

  11. 2.

    Eine sehr mutige Frau !!! Obwohl ich mit der SPD nichts am Hut habe ,unglaublich was sich dieses Nazi Pack erlaubt.

  12. 1.

    Ich wünsche ihr weiterhin viel Erfolg. Wenn die Rassisten und Neonazis sich ärgern und verzweifelt sind, dann hat man (oder sie) was richtig gemacht.

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